Verkürzte Reihen Teil 5: Japanese Short Rows

Jawohl, ich habe sie nicht vergessen, die fünfte Technik für verkürzte Reihen! Schon seit Wochen und Monaten habe ich mir vorgenommen, die japanische Technik kennen zu lernen. Aber dann war ich von den Shadow Wraps so begeistert, dass ich dachte, besser kann die ganze Kiste nicht mehr werden. Per Zufall bin ich dann von einer Anleitung mit der Nase auf die Japanese Short Rows gestoßen worden und siehe da: Es geht doch noch besser!

Die japanische Variante ist unglaublich simpel, leicht zu stricken und verschwindet unsichtbar im fertigen Gestrick. Die habens echt drauf in Japan! Einziger Knackpunkt: Man braucht einen offenen Maschenmarker dafür. Zur Not tuts aber auch eine Büroklammer oder eine Sicherheitsnadel. Mit etwas Übung kommt man dann vermutlich auch irgendwann ohne Hilfmittel aus, für den Anfang sollte man aber auf jeden Fall einen kleinen Helfer zur Hand haben.

So geht’s:
Zuerst strickt ihr wie immer bis zu dem Punkt, an dem die verkürzte Reihe enden soll.

Jetzt dreht ihr die Arbeit um und hebt die erste Masche der linken Nadel ungestrickt auf die rechte Nadel. Das war auch schon die ganze Wendemasche! Einfach, gell?

Hier kommt der Maschenmarker ins Spiel. Ihr hängt ihn in den Arbeitsfaden ein und strickt dann die Reihe zurück. Achtet darauf, dass der Marker auf der Seite der Arbeit hängt, die später die Rückseite bildet.

Wenn ihr das nächste Mal in der Hinreihe an diese Stelle kommt, werdet ihr zwischen der Wendemasche und der ersten Folgemasche eine fette Lücke sehen. Bleibt das etwa so?! Natürlich nicht. Die machen wir jetzt zu.

Dafür zieht ihr jetzt an dem Maschenmarker, den ihr vorhin eingehangen habt, eine Schlaufe auf die linke Nadel. Achtet darauf, dass die Schlaufe die gleiche Orientierung hat wie die folgende Masche, also nicht verdreht wird. Den Maschenmarker könnt ihr dann abnehmen und in einer Sofaritze verlieren, so mache ich das auch immer.

Jetzt die Schlaufe mit der nächsten Masche zusammen abstricken und die Sache ist geritzt!

Tadaa: Eine wunderschöne verkürzte Reihe ohne das geringste Loch oder Knötchen.

Diese Technik funktioniert bei glatt links und kraus rechts ganz genauso, im Falle von glatt links werden dann Schlaufe und Masche natürlich links zusammengestrickt. Ihr müsst lediglich darauf achten, dass die Schlaufe aus der Wendemasche hinterher hinter der Masche zu liegen kommt, mit der sie zusammengestrickt wird. Dafür müssen Schlaufe und Masche einmal kurz Plätze tauschen, so dass die Schlaufe links von der Masche liegt. Das Schöne ist aber, dass man sofort sieht, ob man es richtig gemacht hat. Diese Technik ist daher definitiv mein neuer Favorit!

Die vier übrigen Techniken von verkürzten Reihen, die ich bisher vorgestellt habe, findet ihr hier. Und wen es interessiert: Die im Beispiel verwendeten Garne sind Madelinetosh Merino Twist DK in „Baltic“ als Grundfarbe und Malabrigo Merino Worsted in „Water Green“ für die verkürzte Reihe.

Kennt ihr noch mehr Techniken für verkürzte Reihen? Vielleicht geht es ja doch noch eleganter als mit der Japanischen?

Nachtrag:
Nachdem ich jetzt diese Stricktechnik bei mehreren Projekten angewendet habe, möchte ich noch zwei wichtige Punkte ergänzen.

1. Man sollte sich im Vorhinein klar machen, wie viele verkürzte Reihen da auf einen zukommen. Mein aktuelles Projekt formt einen schräg abfallenden Saum mit gefühlt 50 verkürzten Reihen. Nach der 5. Reihe bin ich von Japanese Short Rows auf Shadow Wraps umgestiegen, weil ich mehr Maschenmarker angesammelt habe als Weihnachten Kugeln am Baum hängen.

2. Es ist wichtig zu beachten, welche Technik die Anleitung ursprünglich für verkürzte Reihen vorsieht. Bei z.B. der klassischen Technik mit Doppelmaschen steht in der Anleitung oft „bis 2 Maschen vor letzter Doppelmasche rechts stricken, dann wenden und Doppelmasche arbeiten“ – jede verkürzte Reihe ist damit 3 Maschen kürzer als die vorherige (2 Maschen + Doppelmasche). Bei einer Technik wie den Japanese Short Rows aber gibt es keine explizite Wendemasche, so dass man jede verkürzte Reihe nur 2 Maschen kürzer als die Vorreihe strickt, wenn man sich an die Anleitung hält. Das verändert u.U. Form und Länge des Strickstücks!

Die rosarote Strick-Brille (und ein Tutorial!)

Die menschliche Psyche ist ein beachtliches Ding. Da gibt es Erfahrungen und Tätigkeiten, die außerordentlich unerfreulich sind und einen zu Äußerungen verleiten, derer man sich in jeder halbwegs zivilisierten Runde fürchterlich schämen würde. Ist es aber einmal überstanden, wird irgendein kleines Schalterchen im Gehirn umgelegt und man sieht alles mit verklärt romantisiertem Blick und sagt sich, dass man diese Erfahrung durchaus nochmal wiederholen könnte. Sitzt man dann erneut in der Achterbahn, im Tattoostudio, im Kreißsaal oder beim Zahnarzt, ist das Gebrüll wieder groß.

So geht es mir auch mit dem Stricken. Habe ich ein Teil fertig, finde ich Stricken super und suche direkt nach dem nächsten Projekt. Aber spätestens drei Stunden nach dem Anschlagen der ersten Maschen geht es dann los mit dem Geheule: Das wird doch alles nichts, das kann doch nichts werden, was tue ich hier eigentlich, was soll das alles …?!

Womit wir auch schon bei meinem aktuellen Projekt wären:

Der Fair-Alpaka-Malabrigo-Arroyo-Cardigan. Okay, das Problem mit den unterschiedlichen Färbungen der Arroyo ist gelöst. Das Alpakagarn scheint mich auch nicht zu pieksen. Dafür habe ich immer mehr Zweifel daran, ob meine Ausschnittgestaltung so gut aussehen wird, und wenn ja, ob mein Garn ausreicht.

Das Grundmuster ist eigentlich der Caramel von Isabell Krämer, bei dem ich die Front schräg ausgeschnitten haben wollte. Irgendwann ist mir dann aber aufgefallen, dass ich die Sache nicht so richtig durchdacht habe, denn bei meinem Zunahmetempo an den Frontkanten hätte ich vielleicht irgendwo über den letzten Zentimetern erst die erforderliche Breite erreicht. Also habe ich mit einem Blick auf den Effortless Cardigan von Hannah Fettig einfach die verbleibenden Maschen angeschlagen und dadurch eine eigenartige U-Form gewonnen. Ob das noch was wird? Ach ja, und ich habe nur noch 5 Knäul von dem naturfarbenen Alpakagarn. Was tue ich hier eigentlich? Und was soll das alles eigentlich?

Das Sinnvollste, was mir in dieser Situation eingefallen ist, ist ein neues Projekt. Das gibt mir wenigstens die Gelegenheit, etwas entspannter über den Caramel-/Effortless-/Murks-Cardigan nachzudenken. Der Shapely Boyfriend Cardigan sieht aus, als könne nicht viel schief gehen, und er passt perfekt zur Lana Grossa Arioso, die ich noch hier habe. Die Anleitung hat mir sogar direkt eine Zunahmetechnik für die Raglanschultern beigebracht, die ich noch nicht kannte und die viel besser ist als das Zunehmen aus dem Mittelfaden. Die Mittelfaden-Geschichte erzeugt bei mir nämlich bei manchen Garnen eine etwas unruhige Raglannaht, während die neue Technik viel gleichmäßiger aussieht. Seht mal hier den Vergleich:

Oben seht ihr die Raglannaht meines Fair-Alpaka-Cardigans mit der Maschenzunahme aus dem Mittelfaden (2 Maschen zwischen den Zunahmen), unten die Lifted Increase beim Shapely-Boyfriend-Cardigan (4 Maschen zwischen den Zunahmen).

Seht ihr was ich meine? Die Technik mit dem Mittelfaden verzieht (zumindest bei mir) die Maschen aus dem Steg zwischen den Zunahmen. Bei Lifted Increase bleibt der Steg ganz ordentlich. Ein weiterer Pluspunkt: Beim Lifted Increase ist es nicht so schwierig sich zu merken, wie man die Zunahme linksgeneigt oder rechtsgeneigt aufnimmt. Gott, was hab ich mir da bei der Zunahme aus dem Mittelfaden am Anfang einen mit abgebrochen!

Lifted Increase heißt übersetzt sinngemäß „abgehobene Zunahme“ und funktioniert nach dem selben Prinzip wie die Shadow Wraps, die ich euch schon mal gezeigt habe. In Kurzform: Man hebt eine Masche der Vor- bzw. Vorvorreihe auf die Nadel und strickt sie ab – schon hat man eine Masche dazugewonnen. Einfach, oder? Hier mit Bildern:

Right Lifted Increase (RLI) – Rechtsgeneigte Zunahme

Bei der rechtsgeneigten Zunahme der Lifted Increase hebt man die erste Masche unter der nächsten Masche auf der linken Nadel rauf auf die linke Nadel und strickt sie ab. Dann strickt man die Originalmasche auch noch ab.


Hier wird auch nichts verschränkt oder verdreht gestrickt und es kann praktisch nichts schief gehen. Die Neigung geht nach rechts – die rechte Nadel hebt die Masche hoch. Easy Peasy.

Left Lifted Increase (LLI) – Linksgeneigte Zunahme

Linksgeneigt geht’s genauso, nur dass jetzt die linke Nadel die Masche anhebt, und zwar (aufgepasst!) die zweite Masche unter der vordersten Masche auf der rechten Nadel. Der Grund dafür ist ganz einfach: Die vorderste Masche auf der rechten Nadel habt ihr ja gerade schon gestrickt, deshalb wäre eine Zunahme aus der ersten Masche darunter nicht mehr auf der gleichen Höhe wie die rechtsgeneigte Zunahme zuvor, die ja vorgenommen wird, bevor die Muttermasche gestrickt wird. Das klingt jetzt kompliziert, wird euch aber einleuchten, wenn ihr es selbst strickt.

Vielleicht bin ich die einzige Person, die diese Zunahme noch nicht kannte, aber ich bin sinnlos begeistert und erfreu mich an meinem Ausweich-Cardigan. Zumindest bis ich auch da auf ein Problem stoße. Dann fange ich vielleicht ein drittes Projekt an oder lass mir ein Tattoo stechen oder einen Zahn ziehen oder so.

Mehr Bottom-up-Probleme: Schultern

Wenn es darum geht, einen Pullover oder Cardigan in einem Stück zu stricken, teilen sich die Lager in zwei Vorgehensweisen: von oben herab Top Down oder von unten aufwärts Bottom Up. Welche ist besser? Über diese Frage sind schon wahre Glaubenskriege entstanden, bei denen sich friedliebende Strickerinnen in nadelschwingende Harpyien verwandeln. Deshalb gleich vorweg: Ich mag beide Methoden. Tut mir nichts!

Beim Bottom Up finde ich enorm praktisch, dass die Ärmel direkt mit eingestrickt werden. So steht man nicht nach der langen Arbeit des Hauptteils da und muss noch zwei komplette Ärmel anstricken – wenn fertig, dann fertig!

Ein Nachteil des Bottom Up ist, dass man sich im Vorhinein überlegen muss, wie lang Körper und Ärmel werden sollen, statt einfach so lange weiter zu stricken, bis man zufrieden ist. Eine Lösung für dieses Problem habe ich euch damals anhand meines Eulenpullis aus der Malabrigo Chunky gezeigt. Nun bin ich beim Stricken meines 3 ind 1 Pullovers auf eine andere Schwachstelle des Bottom Ups gestoßen: Diese verflucht engen Schulterrunden!

Gemeint sind damit diese sehr anstrengenden Zentimeter zwischen dem Punkt, an dem Körper und Ärmel zum ersten Mal zusammen auf eine Rundnadel kommen, und dem magischen Punkt in Kragennähe, ab dem es nicht mehr solche Schwierigkeiten macht, mit den Stricknadeln um die Schulterkurven zu kommen. Denn dort muss man eine Form, die man während der Ärmel mit Nadelspiel gestrickt hat, plötzlich mit der Rundstricknadel hinbekommen. Und das kann sehr, sehr fummelig werden. Diese zwei Methoden funktionieren bei mir ganz gut:

1) Das Rundstricknadel-Nadelspiel

Wer schon mal Martina Behms Nuvem gestrickt hat, kennt den Trick vermutlich schon: Einfach zwei Rundstricknadeln verweden! Jede Rundnadel beherbergt eine Hälfte der Maschen, an den äußersten Punkten der Schultern ist dann jeweils Ende. Ein Foto habe ich leider nicht, aber dafür diese hinreißende handgezeichnete Skizze:


Abgestrickt wird immer mit der Nadelspitze des gleichen Seils, sonst hat man ja irgendwann wieder alle Maschen auf der gleichen Nadel.
Vorteil: Man muss nicht um die Kurve stricken. Nachteil: Leiterchengefahr! Wer auch bei Socken etc. oft sichtbar verzogene Maschen zwischen den Nadeln des Nadelspiels hat, kann auch hier Pech haben. den Nadelwechsel jede Runde um ein paar Maschen zu verschieben kann aber schon helfen.

2) Gewaltanwendung (aka Magic Loop)

Der Magic Loop ist eine Art Lebensretter für Nadelspielhasser, die Socken stricken möchten, und nebenbei auch für enge Schulterrunden im Bottom Up Pullover geeignet. Es gibt einmal die einfache Variante, die ich immer dann anwende, wenn ich mit Rundstricknadeln in der Runde stricke, die Runde aber kleiner ist als meine Seillänge. Dann ziehe ich irgendwo zwischen zwei Maschen eine Schlaufe des Seils heraus und habe damit praktisch meine Seillänge reduziert. Easy peasy. Die meisten zählen diese Technik vermutlich noch gar nicht zum Magic Loop.
Der richtig richtige Magic Loop dagegen erzeugt noch eine zweite freifliegende Seil-Schlaufe, um enge Strickschläuche handhaben zu können. Man kommt damit tatsächlich auch um die kleinste Kurve, muss aber ständig neue Schlaufen herauszupfen. Hier eine Verdeutlichung anhand einer Socke:

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Drops hat dazu ein schönes Video, das ihr euch hier ansehen könnt.

Für mich fühlt sich das immer sehr umständlich an, tatsächlich wende ich diese Technik aber bei Bottom-Up-Schultern immer an, weil ich im entscheidenden Moment nie eine zweite Rundstricknadel in passender Größe finden kann. Geht also alles.
Leiterchen entstehen hier kaum, weil man den Loop jedes Mal an einer anderen Stelle herauszieht (oder herausziehen sollte).

Welche Variante strickt ihr lieber, Top down oder Bottom Up?

Schöne Streifen stricken

Streifen sind die einfachste Möglichkeit, vielfarbig zu stricken. Wer aber schon mal versucht hat, einem rundgestrickten Projekt wie Socken, Stulpen, Mützen oder Pullovern Ringel zu verpassen, stößt schnell auf das Problem, dass sich die Streifen nicht schön übereinander stapeln, sondern jede neue Farbe mit einer kleinen Kante beginnt und endet. Ich hatte das Problem bei meinem ersten Pullover auch.

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Das kommt daher, dass man in Wahrheit Spiralen und nicht abgeschlossene Runden strickt – die Häklerinnen unter euch dürfen sich jetzt alle einmal ins Fäustchen lachen. Die Strickerinnen dagegen dürfen weiterlesen und erfahren, was man gegen die Ringeltreppe beim Streifenstricken machen kann.

Noch ein Wort vorweg: Hundertprozentig unsichtbar wird der Übergang auch bei mir nicht. Theoretisch ist er wohl möglich, der absolut unsichtbare Rundenübergang. Das hat aber so viel mit Fadenspannung, Garn, Karma und der richtigen Sternenkonstellation zu tun, dass ich euch rate, die Sache einfach gelassen zu sehen. Besser halbgut als ganz scheiße, gell? Aber vielleicht kriegt ihr den Rundenübergang ja mit den folgenden Tipps auch besser hin als ich. Probiert’s mal aus!

Die gängigste Methode für einen unsichtbaren Streifenwechsel geht so:

  • Die erste Runde mit der neuen Farbe ganz normal stricken.
  • In der zweiten Runde die erste Masche ungestrickt abheben (Faden hinter der Arbeit), ab der zweiten Masche weiterstricken.
  • Alle weiteren Runden normal stricken.

  • (Das Dunkle ist nur ein Garn mit Variationen von Dunkelblau bis Lila.)

    Durch diese eine Hebemasche wird das Treppchen, das sich am Anfang der neuen Farbe bilden will, etwas hochgezogen. Meistens bringt das allein schon eine 90 % Verbesserung der Optik.
    Profitipp: Wenn ihr dann wieder zur vorherigen Farbe wechselt, könnt ihr ruhig den Faden etwas anziehen, um die letzte Masche des letzten Streifens dieser Farbe etwas zu straffen. Diese hier meine ich:

    Dadurch wird der Übergang zur neuen Farbe nochmal ein bisschen sanfter, denn das ist ja die Masche, die sonst über die Runde in den nächsten Streifen hinausragt. Ganz wichtig beim Farbenwechsel: Fäden verkreuzen! Dafür einfach den Faden der letzten Farbe nach Rundenende vor dem Faden des neuen Streifens verlaufen lassen, so wie ihr es im Bild seht. Andernfalls gibt dicke Löcher.

    Generell ist es wichtig ein Auge auf die Spannung der Fäden zu haben, die auf der Rückseite mitgeführt werden. Zu viel Spannung und euer Strickstück kriegt eine Rüsche, zu wenig Spannung und die Maschen gehen am Farbwechsel auseinander. Wenn Fäden über mehrere Runden mitgeführt werden wie hier das dunkle Garn, kann man es durch Verkreuzen mit dem Arbeitsfaden alle zwei oder drei Runden etwas in Zaum halten.

    So sieht das dann hinterher aus. Wenn man weiß, wo er ist, sieht man den Rundenübergang. Da das Teil aber nicht eingerahmt und an die Wand gehängt, sondern angezogen wird, bin ich zuversichtlich, dass es nicht jedem ins Auge stechen wird.

    Wenn diese Technik allein nicht ausreicht, gibt es noch die Möglichkeit, zusätzlich den Rundenanfang mit jedem Ringel um eine Masche nach links zu verschieben. Da die erste Masche durch das Abheben in der zweiten Runde eh einmal weniger gestrickt wird als die anderen, kann man sie auch direkt zur letzten Masche der Folgerunde erklären. Praktisch heißt das, dass ihr nach dem Abheben der ersten Masche in der zweiten Runde den Maschenmarker eins nach links verschiebt und dann so weitermacht wie oben beschrieben.

    Der Vorteil der Sache ist, dass so der Rundenanfang diagonal wandert und ihr nicht mehr diese ganzen leicht unruhigen Rundenübergänge schnurstracks in einer Reihe liegen habt. Das bietet sich nicht bei jedem Projekt an und erfordert meistens auch ein bisschen Mitdenken beim Strickmuster, kann aber viel ausmachen.

    Mein dritter Tipp für diejenigen, bei denen das alles nicht fruchtet, ist eine Fake-Naht. Auch das ist etwas, was nicht an jeder Stelle in jedem Strickstück funktioniert, aber wenn es funktioniert ist es die einfachste Maßnahme von allen. Eine Fake-Naht erzeugt ihr, indem ihr die erste Masche der Runde immer links strickt (und den Rest glatt rechts). Dann müsst ihr beim Farbwechsel auch nichts mehr abheben, zupfen, zähmen oder sonstwas machen, sondern könnt einfach durchstricken. Die linken Maschen ziehen sich mitsamt des Treppchens beim Farbwechsel nach innen und erzeugen den Eindruck einer genähten Naht – und ihr seid fein raus.

    Soweit meine Erfahrungen mit Ringeln. Habt ihr noch mehr Ideen für den perfekten Farbübergang?

    Verkürzte Reihen Stricken Teil 4: Shadow Wraps

    Da dachte ich Fuchs ja letztens, ich hätte das Thema verkürzte Reihen abgefrühstückt. In Wahrheit habe ich aber gerade mal an der Oberfläche gekratzt! Leserin Eva hat mich nach meinem Beitrag über die Doppelmaschen gefragt, ob ich auch die sogenannten Shadow Wraps kenne. Ein großes Fragezeichengesicht meinerseits, intensive Internetrecherche und fünfzig Versuche am lebenden Objekt bzw. Projekt später kann ich guten Gewissens sagen: Jawohl, kenne ich. Und hier zeige ich sie euch auch direkt.

    Shadow Wraps sind eine Art Wendemaschen, die wie die Doppelmaschen eine verdoppelte Masche erzeugt, das aber etwas eleganter hinkriegt als die klassische Doppelmaschentechnik. Ich muss sagen, dass ich die Shadow Wraps mittlerweile sehr gerne einsetze, lieber noch als die Wickelmaschen. Für die Shadow Wraps scheint es weder einen deutschen Begriff noch eine vernünftige Erklärung zu geben, warum sie Shadow Wraps genannt werden. Der Name klingt aber so cool, dass ich beides verschmerzen kann.

    Los geht’s! Unser Garn des Tages ist Drops Nepal in Ocker und Himbeere und wir sehen uns zuerst an, wie man diese Wendemasche von der Vorderseite her arbeitet.


    Wie immer stricken wir zu dem Punkt, an dem gewendet werden soll. Die nächste, noch nicht gestrickte Masche auf der linken Nadel ist jetzt interessant.


    1. Mit der rechten Nadel stechen wir von hinten nach vorne in die Masche unterhalb der Masche auf der linken Nadel ein …
    2. … und heben sie neben die bestehende Masche auf die linke Nadel.
    3. Wir stricken aus dieser neuen Masche eine normale rechte Masche heraus – die gerade hochgehobene Masche darf wieder runter von der Nadel, die ursprüngliche Masche bleibt wo sie ist.
    4. Und dann wird die gestrickte Masche zurück auf die linke Nadel gelegt. Wie ihr seht kommen jetzt zwei Maschen aus der Masche darunter, die ursprüngliche (pink) und die neu gestrickte (gelb).


    Jetzt wendet ihr die Arbeit, hebt die neugeborene Doppelmasche unverrichteter Dinge auf die rechte Nadel und strickt eure Rückreihe.


    Wenn ihr nun das nächste Mal in der Hinreihe zu eurer Doppelmasche kommt, strickt ihr einfach beide Maschen zusammen. Ein bisschen müsst ihr aufpassen, die Wendemasche nicht zu übersehen, weil der Shadow Wrap sehr dezent ist. Wenn ihr die Maschen auf der Nadel etwas auseinanderzieht seht ihr aber sofort, wo zwei Maschen zusammen aus einer Masche herauskommen.

    Das war nicht schwer, oder? Sehen wir uns mal die ganze Geschichte an, wenn sie auf der Rückseite des Strickstücks stattfindet.


    Wir stricken wieder bis zu dem Punkt, an dem die Anleitung das Wenden vorschreibt.


    1. Diesmal heben wir die folgende Masche komplett auf die rechte Nadel. Achtet darauf, den Arbeitsfaden vorne zu halten.
    2. Jetzt hebt ihr mit der linken Nadel die Masche eins tiefer von unten nach oben an. (sorry, Bild ist etwas unscharf. Das kommt davon, wenn man den Auslöser der Kamera mit der Nase bedienen muss.)
    3. Dieses hochgehobene Maschenglied auf der linken Nadel behandelt ihr jetzt wie eine ganz normale Masche und strickt sie links ab. Die Originalmasche dieser Operation bleibt die ganze Zeit über auf der rechten Nadel.
    4. Und jetzt habt ihr eine wunderschöne links gestrickte Doppelmasche auf der rechten Nadel. Den Faden gut anziehen, damit es keine Löcher gibt!


    Und wieder: Wenden, Doppelmasche ungestrickt auf die rechte Nadel heben und ab die Post.

    So sieht das Ganze dann hinterher aus: Gut! Und vielleicht sogar noch besser, wenn man die passende Nadelstärke für das Garn nimmt statt wie ich einfach zu nehmen, was gerade herumliegt. Ich kann die Shadow Wraps wirklich empfehlen, aber ich werde auch noch all die anderen Sorten von Wendemaschen erforschen, die da draußen existieren, und sie euch nach und nach vorführen. Ich habe gehört, es gibt auch noch eine japanische Variante …

    Hier nochmal alle Wendemaschen-Tutorials:
    Wickelmaschen
    Wickelmaschen easypeasy
    Doppelmaschen

    Verkürzte Reihen Stricken Teil 3: Doppelmaschen

    Fast vergessen aber dann doch noch dran erinnert: Ich schulde euch ja noch einen dritten Teil zu der Technikserie über verkürzte Reihen! Nach den Wickelmaschen und den Easy-Peasy-Wickelmaschen gibt es nämlich noch die Doppelmaschen. Die mag ich nicht so gerne (weshalb ich auch jetzt erst über sie berichte), aber viele kommen mit ihnen besser klar als mit Wickelmaschen. Also Bitteschön.

    Unsere heutigen Stars heißen Lana Grossa Cotofine (Lila) und Lana Grossa Merino Air (Gelb) und wir beginnen wie immer mit einem friedlichen Stückchen glatt rechts.

    1 a) Ihr strickt bis zum Punkt, an dem die verkürzte Reihe enden soll,
    1 b) dreht das Strickstück um
    1 c) und hebt die zuletzt gestrickte Masche auf die rechte Nadel. Ganz easy so weit, oder?

    2 a) Jetzt zieht ihr den Arbeitsfaden von vorne über die rechte Nadel nach hinten. Feste!
    2 b) Wie ihr seht, wird die abgehobene Masche dadurch mitgezogen, so dass statt der eigentlichen Masche (gelb) die darunter liegende Masche (lila) in zwei Schlingen auf der Nadel liegt. Eine Doppelmasche ist entstanden.
    2 b) Danach legt ihr euch den Faden einfach dahin, wo ihr ihn braucht (in diesem Fall vor die Arbeit zum Linksstricken) und macht eure Rückreihe.
    Die Doppelmasche ist hier natürlich gut durch die verschiedenen Farben zu erkennen, aber auch in einfarbigem Gestrick fällt sie dadurch auf, dass die beiden Maschenglieder eng beieinander liegen. Wenn ihr befürchtet, die Doppelmasche aus den Augen zu verlieren, könnt ihr sie euch aber auch ganz einfach mit einem Maschenmarker markieren.

    3 a) Kommt ihr nun auf der Hinreihe wieder bei der Doppelmasche an,
    3 b) strickt ihr einfach beide Maschenglieder der Doppelmasche zusammen. Das wars auch schon.

    Und so siehts dann aus. Vorteil der Technik ist, dass man nicht wie bei den Wickelmaschen versehentlich Masche und Wickel so zusammenstrickt, dass es von vorne sichtbar wird. Nachteil ist, dass die Wendemasche nicht ganz so straff wird, was mich als Lockerstrickerin tendenziell stört. Am Ende ist es aber Geschmackssache, wie man seine verkürzten Reihen abwickelt. Die beste Technik ist immer die, mit der ihr am besten klarkommt. ;)

    Verkürzte Reihen stricken – Wickelmaschen easypeasy

    Weiter geht es mit den verkürzten Reihen! Die Methode mit den Wickelmaschen, die ich euch neulich gezeigt habe, ist eigentlich schon meine Lieblingsvariante, funktioniert aber leider nicht in allen Lebenslagen. Im Moment stricke ich beispielsweise ein Oberteil aus Drops Belle – ein wunderschönes, aber absolut unflexibles Baumwoll-Leinen-Garn, das nur locker verzwirnt wurde und das ich obendrein auch noch in einer sehr dunklen Farbvariante verstricke. Da dann mit stumpfen 3,5er-Metallnadeln einen Wickel von einer Masche popeln und auf die Nadel zerren? Da sage ich im Interesse meines Augenlichts und meiner Nerven NEIN DANKE!

    Zum Glück gibt es einen Trick, um Wickelmaschen zu stricken ohne Maschen zu umwickeln. Perfekt für alle, die sehr fest stricken, wie ich mit widerborstigem Garn kämpfen oder einfach keinen Bock auf die klassischen Wickelmaschen haben. Und so gehts:

    1) Wir stricken wieder bis zu dem Punkt, an dem die verkürzte Reihe enden soll. Hier wird die Arbeit ohne weiteres Brimborium gewendet.


    2a) Jetzt wird ein Umschlag auf die rechte Nadel gelegt,
    2b) und dann wird zurückgestrickt. Macht den Umschlag nicht zu locker! Gewaltanwendung ist aber auch nicht nötig.

     
    3a) Wenn ihr bei der nächsten Hinreihe zu eurem Wendepunkt kommt, strickt ihr bis zum Umschlag,
    3b) den ihr dann ganz einfach mit der nächsten Masche zusammenstrickt.


    Das war schon der ganze Trick! Sieht genauso schön aus wie die richtige Wickelmaschen-Technik und ist auch tatsächlich genau das Gleiche. Ihr habt den Wickel ganz einfach nur auf der Nadel gelassen, statt ihn um die Masche zu legen.

    Wollt ihr das Ganze noch mal sehen, wenn man den Wendepunkt auf der Rückseite aufnimmt?

    a) Da strickt ihr bis eine Masche vor dem Umschlag,
    b) und dann wieder Masche und Umschlag zusammen links ab.

      
    Voila, auch schön.
    Sollte der Umschlag aus irgendeinem Grund von der Vorderseite gesehen vor eurer Masche liegen (das kann passieren, wenn auf der Rückseite gewendet wurde und der Umschlag auch auf der Rückseite eingestrickt werden muss) lautet die Lösung, in Schritt b) Umschlag und Masche links verschränkt, also durch die jeweils hinteren Maschenglieder zusammenzustricken.

    Nächstes Mal zeige ich euch noch die gute alte Doppelmasche. Wer jetzt schon Lust auf verkürzte Reihen bekommen hat, kann bei Ravelry ganz wunderbare Modelle finden, bei denen man sich wild hin- und herwenden kann. Sehr schon ist zum Beispiel das Tuch „Color Affection“, „Exploration Station“ des unvergleichlichen Stephen West oder für ganz Abenteuerliche der Cardigan „Stripes gone crazy“.

    Das zauberhafte graue Garn in meinen Demo-Fotos ist übrigens Malabrigo Mecha in der Farbe Polar Morn. Ein Traum!