Gute Wollzeiten, schlechte Wollzeiten

Irgendwie ist im Moment bei mir Strick-Flaute was meine persönlichen Projekte angeht. Der FairAlpaka-Cardigan hängt wie ein Unheilszeichen über mir und ich kann mich einfach nicht entscheiden, ob ich ihn weiterstricken oder ribbeln soll. Er könnte gut werden! Aber wenn nicht? Dann wäre ich noch deprimierter! Also ribbeln? Aber was stricke ich dann aus dem Garn?

Meine Lösung in solchen Situationen ist meistens die Flucht nach vorn, deshalb habe ich in den letzten Wochen stattdessen einen anderen Cardigan gestrickt. Hier ein schnelles Spiegel-Selfie:

Anleitung ist der „Shapely Boyfriend“, Garn ist die Lana Grossa Arioso, die ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Ich bin begeistert von der Farbkombi! Langsam glaube ich, ich sollte mein Garn gar nicht mehr selbst aussuchen, sondern die Farbwahl prinzipiell meiner Mutter, meiner Schwiegermutter oder dem Internet überlassen.

Trotzdem hatte ich auch bei diesem Projekt meine Grummelmomente. Vorgeschlagene Nadelstärke ergab riesige Labbelmaschen – grummel. Berechnung ergab, dass ich ein Knäul rotes Garn zukaufen musste – grummel. Taillenzunahmen nach Anleitung erzeugten eigenartige Beulen um die Hüften – grummel. Ärmelbündchen grenzwertig eng – grummel. Rotes Garn reichte am Ende doch, Zusatzknäul umsonst gekauft – GRUMMEL. Dann das Teil gebadet, getrocknet und angezogen – grummmmochja, eigentlich ganz schön! Und so bin ich ganz überraschend total zufrieden mit dem Cardigan, trotz engen Ärmelbündchen und allem. Und passende Knöpfe habe ich auch noch gefunden!

Aber sobald ich jetzt frohgemut in mein Strickzimmer schlendere, mahnt natürlich wieder der FairAlpaka-Cardigan. Arrgh!

Ich tröste mich mit dem Gedanken an Weihnachten. Wollt ihr mal linsen, was ich mir selbst schenke?

Glitzer! Hach, die Welt ist eben doch noch in Ordnung.

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Von Traumprojekten und handgefärbten Garnen

Nachdem ich die DROPS Flora so überraschend gut vertrage, habe ich mich gleich weiter ins Abenteuer Alpaka vorgewagt und ein Projekt mit Fair Alpaka in DK-Stärke angeschlagen. Zur Sicherheit aber eine möglichst halsferne Strickjacke nach dem Modell „Caramel“ von Isabell Kraemer – ich muss mein Glück ja nicht gleich herausfordern.

In der Farbwahl setze ich bei der Jacke einen lang gehegten Traum um. Seit ich vor über einem Jahr in einem Blogbeitrag von Caro die wunderschöne Kombi von naturfarbenem Garn mit Streifen in der Malabrigo-Färbung Lotus gesehen habe, habe ich nach einem Projekt gesucht, in der ich sie einsetzen könnte. Als mir dann erst Antje einen feisten 50-Gramm-Rest Arroyo in Lotus überlassen hat und ich kurze Zeit später auf dem Wollfest Hamburg zum Kauf der Fair Alpaka in Natur genötigt worden bin, war die Sache geritzt.

Es fehlte nur noch etwas Arroyo-Nachschub. Doch der brachte die große Ernüchterung:

Der sieht ja ganz anders aus?!
Dass handgefärbte Garne einer gewissen farblichen Schwankung unterliegen war mir bekannt, aber so einen krassen Unterschied habe ich noch nie gehabt. Und dabei fand ich das zart Pastellige so schön …

Aber gut, heulen bringt ja auch nix. Hätte ich die Jacke komplett mit der Arroyo stricken wollen, wäre das ein echtes Problem, aber da ich ohnehin nur schmale Streifen zwischen breite naturfarbene Streifen setzen wollte (nach Vorbild meines Strandgut-Tops), konnte ich den Farbunterschied verschmerzen, indem ich einfach die lotus-farbenen Streifen mit beiden Knäulen abwechselnd stricke:

Geht doch, oder? Die intensiver gefärbten Anteile des neueren Strangs verteilen sich unauffällig im Gesamtbild, damit kann man leben. Leider wirken die Farben auf dem Bild mangels Tageslicht sehr gedämpft, wenn die Jacke fertig ist zeige ich sie nochmal bei gutem Licht.

Flora-Pullover mit Ombre-Streifen, Naturjacke mit Lotus-Streifen – das waren gleich zwei Projekte auf meiner Traum-Strickliste. Was steht da noch drauf?

– Diese wunderschäne Strickjacke von Justyna Lorkowska

– Der Enchanted Mesa von Stephen West in einer menschengerechten Form anstelle dieses eigenartigen Kartoffelsack-Schnitts

– Einen schönen Fair Isle Pulli wie diesen hier

– Einen Rocky Coast Cardigen und einen Aidez

– Einen Nuvem, auch Suizidlappen genannt

– Diesen tollen Strick-/Häkel-Pullover (Glitzergarn!)

– Dieses blattförmige Tuch, auch wenn ich höchstwahrscheinlich total behämmert aussehe, wenn ich es mir um den Hals hänge

Circle Mitts!

– Ein tunesisches Häkelprojekt der wunderbaren Aoibhe Ni

Dieses Häkeltop, das ich dann vermutlich niemals anziehen werde

Was steht auf eurer Strick-Bucket-List? Ich lasse mich immer gerne begeistern!

Mami, ich will nicht mehr

Viele Menschen wünschen sich ja immer genau das, was sie nicht haben. Ich bin da ganz anders: Ich wünsche mir genau das nicht zu haben, was ich habe. Zumindest was das Stricken angeht.

Ewigkeiten bin ich um diesen bezaubernden Pullover rumgeschlichen:

Als ich dann versehentlich eine größere Menge dunkelgrünes Merinogarn ersteigert habe (ich war so sicher, dass man mich noch überbietet!), habe ich den Pullover endlich begonnen. Den größten Teil hatte ich auch ratzfatz fertig, das Ganze ist nämlich nichts weiter als ein Raglanpullover mit angestrickter asymmetrischer Borte.

 Sieht einfach aus? Arschlecken, meine Lieben! In dieser Borte stecken Manöver, die mir die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Ich hab ja schon so einiges gestrickt, aber dieses Muster …

 Ich glaub, ich brauch nen Schnaps.

Boom, Karma!

Ich habe eine Tätowierung. Eigentlich habe ich mehrere, aber diese eine, die auch meine erste Tätowierung war, sticht den Leuten immer als erstes ins Auge, vermutlich weil sie aus unbekannten Schriftzeichen besteht und, wie ich mir einrede, jeden beeindruckt. Auf die Bedeutung angesprochen lautet meine Antwort immer, dass es sich keineswegs um Arabisch, Hebräisch oder Elbisch handelt, sondern um ein buddhistisches Mantra in tibetischer Schrift.

„Ah, Buddhismus“, heißt es dann oft, „das mit dem Karma, richtig?“ Richtig. Aber was ist Karma? Hier kriege ich dann oft die buntesten Assoziationen und Definitionen zu hören. Von „Karmaaaaaäähhhchamäleon?“ über „das ist, wenn man als Stein wiedergeboren wird“ (okaaaay …?) bis hin zum google’schen Deutungsvorschlag „Karma ist wie 69, du kriegst was du gibst“, auf den ich gar nicht erst eingehen möchte. Die meisten haben soetwas wie ein kosmisches Finanzamt vor Augen, das ganz genau kontrolliert was man tut, und einem irgendwann eine feine Steuerrückzahlung hinlatzt, wenn man alles richtig gemacht hat (oder einen ins Gefängnis bringt, wenn man bei der Steuererklärung beschissen hat, je nach dem). Ein bisschen wie der Nikolaus mit seinem goldenen Buch: Geschenke oder Rute!

Tatsächlich ist Karma ganz simpel. Übersetzt heißt das Wort so viel wie „Handlung“ und meint, dass alles, was wir tun, Folgen hat und damit wieder auf uns Einfluss nimmt. Dafür braucht es gar kein kosmisches Finanzamt, Nikolaus oder Gott, das funktioniert ganz von allein. Die lange Kette von Ursache und Wirkung nimmt nur manchmal so gewundene Wege, dass wir sie aus den Augen verlieren. Und wenn das Ende der Ursache-Wirkungskette bei uns ankommt und uns in den Hintern tritt, erkennen wir nicht mehr, dass am Anfang unsere eigene Handlung stand, und fragen uns, warum so ein verdammter Mist immer ausgerechnet uns passiert.

Ich habe da zufällig ein Beispiel aus der Strickwelt zur Hand.

Angenommen, ich stricke einen Pullover. Angenommen, es ist ein Raglanpullover, der von oben nach unten gestrickt wird, und ich habe gerade die Ärmelmaschen stillgelegt. Angenommen, ich bin nun plötzlich der Meinung, die Anleitung, die ich bisher minutiös befolgt habe, sei ausgemachter Mumpitz und es sei viel klüger, nicht 8 Maschen unter jedem Arm anzuschlagen, sondern vielmehr gar keine. Angenommen, ich stricke dementsprechend weiter.

Angenommen, der Pullover ist schon beinahe fertig als ich ihn zum ersten Mal anprobiere. Und angenommen, ich stelle dann fest, dass er zu eng ist und etwa 16 Maschen mehr im Umfang fehlen, damit er richtig sitzt …

… dann ist das keine Strafe Gottes und kein kosmischer Steuerbescheid, sondern schlicht und einfach die Folge meiner eigenen Dummheit.

Oder wie Stephen West vielleicht sagen würde: BOOM, Karma!

XXL-Superduper-Megawahnsinns-Haare!

Habt ihr noch Lust auf Haarfärbeabenteuer? Ich habe nämlich heute die dritte lilane Coloration ausprobiert. Die vorherige hat sich natürlich mit der Zeit auch ausgewaschen, aber immerhin einen leichten Pinkstich bewahrt. Geht das noch besser? Im DM-Regal hat mich diese Packung angesprungen:

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XXL-Color ULTRA INTENSE und HIGH DEFINITION, resistent gegen Verblassen und UNGLAUBLICH LEUCHTEND und LEBENDIG, Farbe Mystic Violet. OH. MEIN. GOTT. Ist das nicht DER WAHNSINN?

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Naja.
Gibt es im Deutschen einen Begriff für das Gegenteil von „überwältigt“? „Unterwältigt“? Oder einfach nur „meh“.
Die Farbe ist dunkel mit einem gerade so erahnbaren Violettschimmer. Ähnlich der ersten Farbe, die ich ausprobiert habe, aber auch wieder nicht so brillant. Ob die Haltbarkeit so unglaublich ist, wird sich noch herausstellen, aber ich bezweifle eher, dass ich diese Coloration nochmal kaufe.

Ich weiß nicht …

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… ob mir das so gefällt.
Am Anfang war ich ganz begeistert von dem Garn (Stone Pflaume von 100farbspiele). Wie es langsam von Violett ins Anthrazit übergeht. Aber jetzt gibt es von Violett-Anthrazit plötzlich diesen abrupten Übergang zu Anthrazit-Hellgrau und das ganze sieht aus, als sei mir mitten im Tuch das Garn ausgegangen und als hätte ich mit einem völlig anderen Garn weitergestrickt. Immerhin beginnt der Farbwechsel genau zwischen zwei Mustersätzen.
Mal sehen, wie es in fertig wirkt. Der Mustersatz ist ja auch erst zur Hälfte durch.