Im Tuchfieber

Ich habe ja schon vor einigen Wochen davon erzählt: Bei mir breitet sich wieder das Tuchfieber aus. Durch einen missglückten Goldfish Memory kurzzeitig gedämpft und durch den Stephen-West-KAL vorübergehend zufrieden gestellt bin ich eine Weile ausgekommen. Aber dann kam Melanie Berg mit einer teuflischen Rabattaktion und schon saß ich wieder bis über beide Ohren in Strickmustern für Halstücher.


© Bild: Melanie Berg

Meine erste Wahl war das Tuch Solaris. Ich liebe dieses schlichte Streifenmuster mit den kleinen Knubbeln und ich liebe den gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem. Und obendrein schien mir das Muster perfekt, um endlich diese beiden Stränge Wollmeise Blend in Petit Poison Dunkel zu verstricken, die seit dem Wollfest Hamburg bei mir herumliegen. Wo steckt eigentlich dieses Früchtchen, das mir erzählt hat, zwei Stränge reichen für einen Pullover? Und wo steckt mein Mathelehrer, der mir nicht genug Mathe beigebracht hat, um das nachzurechnen bevor ich zum Wollmeise-Stand gerannt bin? Bitte meldet euch, ich habe ein Hühnchen mit euch beiden zu rupfen!


Wie dem auch sei. Wollmeise lag bereit, der Ankauf einiger Mini-Stränge in passenden Farben bei Frida Fuchs wurde billigend in Kauf genommen, kurze Zeit später lag alles für ein Solaris-Tuch in Beerenfarben bereit. Aber wie das immer so ist, nahm meine Wertschätzung der Farbwahl vom Ausgangspunkt „Beste Idee EVER!“ eine rapide Talfahrt über „Hmm, ich weiß nicht“ hin zum absoluten Tiefpunkt „Größter Mist, den ich je gesehen habe.“

Einige Zeit, Brainstormings und Euros später hatte ich dann eine völlig andere Grundfarbe für das Tuch, nämlich einen variationsreich-sandfarbenen Ton aus Zitron High Twist Concept. Die bereits angeschafften Mini-Füchse in Beerenfarben ließen sich zum Glück sehr gut damit kombinieren. Und hier ist das fertige Tuch!

Diese sehr zurückhaltende Farbe ist eher ungewöhnlich für mich, vielleicht aber gerade deshalb sehr gut. Sonst nehme ich bei Tüchern gern äuffälligere Farben und habe dann später oft das Problem, dass sie nicht zu meinen Anziehsachen passen (Hallo, gesamte Stephen-West-Kollektion in meinem Schrank!). Eins meiner ersten Halstücher dagegen war ein ganz simples Dreieckstuch in gedämpften Khakigrün und wurde von mir praktisch drei Jahre lang täglich getragen. Ich bin also optimistisch.

Da ich am Ende doch nicht alle Frida-Fuchs-Farben für die Streifen unterbringen konnte, habe ich einfach eine kleinere Version des Tuchs gestrickt. Mein Tuch hat wie vorgesehen fünf Einsätze mit Streifen in verkürzten Reihen, aber Wiederholung 4 und 5 haben die gleiche Farbe. Die Abschlussborte habe ich etwas früher begonnen und dann nur mit 7 statt 9 Bobbel-Streifen gearbeitet. Sieht trotzdem gut aus und ist auch trotzdem noch groß genug. Die lange Seite hat etwa 2,45 m!

Als nächstes habe ich eigentlich den Rheinlust auf der Wunschliste, bin aber noch unentschlossen, ob ich den in Blau stricken möchte oder da endlich mal die dumme Wollmeise für verwenden kann. Aber Wellenmuster muss eigentlich blau, oder?
Bis ich mich entschieden habe, stricke ich den Lilli Pilli (Ambah O’Brien, nicht Melanie Berg) in dieser hübschen Kombi:

Das ist einmal Hedgehog Socks in Oracle, Zitron Seidenstraße in einer namenlosen Grau-Lila-Mischung und ein handgefärbtes Merinogarn in der schönen Farbe Berry Crush, das ich auf DaWanda entdeckt habe. Auch alles drei wieder neu für dieses Projekt angeschafft, fällt mir gerade auf. Die 50 Garne in meinem Schrank passen aber auch einfach nicht zusammen!

Und dann ist da noch eine kleine, fantastische Sache, an der ich arbeite. Ich darf noch nichts dazu sagen, aber ich kann euch zumindest die Garne zeigen:

Ja, es ist bloß Acrylwolle. Ja, es sind weihnachtliche Farben. Und ja, es ist die vielleicht großartigste Auftragsarbeit, die ich je gestrickt habe. Ich hoffe, ich kann euch bald mehr erzählen!

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Es ist da!

Es ist so weit: Mein Buch ist bei Amazon & Co. erhältlich!

Vorerst nur als eBook, vielleicht kommt später noch eine Taschenbuchausgabe hinzu. Ihr findet es hier bei Amazon, aber natürlich auch bei anderen Buchhändlern wie Thalia.

Für wen ist dieses Buch? Für jeden, der schon immer gern zeichnen, malen, schreiben oder sonstwie kreativ sein wollte, sich aber nie so richtig getraut hat. Für jeden, der bereits zeichnet, malt, schreibt oder anders kreativ ist, aber sich gehemmt fühlt. Dass es sehr vielen Menschen so geht, zeigen mir immer wieder zwei Dinge: Erstens das Sätzchen „Ich wünschte, ich könnte auch so zeichnen (schreiben, stricken, etc.)!“ das so viele Menschen fast schon mantrahaft herunterleiern, sobald sie jemanden sehen, der seine Kreativität auslebt. Und zweitens der unglaubliche Erfolg, den Blankobücher á la Moleskine, Leuchtturm und Paperblanks seit Jahren haben. So ziemlich jeder mag diese kleinen Notizbücher, fast jeder besitzt eins, aber kaum jemand hat mehr als die ersten paar Seiten gefüllt.

Und das ist genau der Punkt, an dem mein Buch ansetzt. Hier die ersten Sätze aus der Einleitung:

Gehörst du auch zu den Leuten, die in Buchhandlungen und Schreibwarenläden von diesen hübschen Notizbüchern magisch angezogen werden? Du weißt schon, welche ich meine: handliches Format, elegant abgerundete Kanten, Gummibandverschluss, manche in zeitlosem Schwarz, manche mit wundervollen Umschlagmotiven. Im Inneren haben sie leere Seiten, die nur auf dich gewartet zu haben scheinen. Du kaufst das Buch, trägst es mit klopfendem Herzen nach Hause, malst dir aus, womit du das Buch füllen wirst – aber wenn du dann zuhause bist, findest du einfach den Anfang nicht. Nichts scheint dir gut genug, um dieses schöne Buch zu entweihen. Alles, was du schreiben, zeichnen, gestalten könntest, kommt dir mit einem Mal lächerlich vor. Und somit wandert das Notizbuch in eine Ecke des Bücherregals, aus der es niemals mehr herauskommt, und in der vielleicht schon viele unberührte Bücher dieser Art stehen.

Ich möchte dir Wege zeigen, diese Bedenken zu überwinden und deine Notizbücher mit kreativen, bedeutsamen Dingen zu füllen, die du noch in vielen Jahren gerne durchblättern wirst. Und noch mehr als das: Ich möchte dir beibringen, in jeder Hinsicht ein kreativeres Leben zu führen. Denn ich bin überzeugt davon, dass die verstohlene Sehnsucht, mit der du dich zu Blankobüchern hingezogen fühlst, ein Ruf deines Herzens nach mehr Kreativität ist. Denn noch bevor du mit deinen Bedenken und Selbstzweifeln jede weitere Entfaltung im Kern erstickst, ist da ein Teil von dir, der in den leeren Seiten des Notizbuches eine Einladung sieht, alles zu sagen, zu zeichnen, zu malen, zu gestalten, was du willst. Dieser Teil von dir hat all die Jahre überlebt, trotz allen „Das will doch keiner hören“ und trotz jedem „Ich bin da nicht gut drin“. Dieser Teil sagt in dem Moment, in dem du das Notizbuch in die Hand nimmst, ganz leise: „Was ich denke und fühle ist wichtig!“ Und diese Stimme hat Recht, es ist wichtig. Ich bin überzeugt davon, dass Kreativität nichts ist, was nur wenigen Auserwählten und mit Talent begabten zusteht, sondern eine universelle Sprache des Herzens ist, die jeder von uns entwickeln kann. Und ich bin überzeugt davon, dass ein kreativeres Leben ein erfüllteres, glücklicheres Leben bedeutet. Kreativ sein bedeutet, mehr man selbst zu sein, ein authentischeres Leben zu führen, enger mit der Welt verbunden zu sein, intensiver zu leben.

Ich hoffe sehr, dass mein Buch dem einen oder anderen von euch weiterhilft!

Ein unverhoffter Schatz

Vor kurzem habe ich ein überraschendes Geschenk erhalten: Eine ältere Dame, die aus gesundheitlichen Gründen selbst nicht mehr stricken kann, hat mir im Tausch gegen warme Stricksocken ihre alten Wollbestände gespendet. Ich solle schauen, ob ich etwas davon gebrauchen könne, ließ sie mir ausrichten, nur Obacht, die Knäule hätten schon einige Zeit gelegen.

Ich trug also zwei randvolle Woll-Wundertüten nach Hause, wo ich sofort ihren Inhalt sichtete. Viel Baumwolle, ein halbgestrickter Pullover inklusive Nadeln, eine Strickliesel, noch mehr Baumwolle, einige Knöpfe … und dann der große Jackpot: 6 Knäule himmelblaue Angorawolle!

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Normalerweise steht Angora überhaupt nicht auf meiner Wunschliste, weil ich immer die fürchterlichen Bilder totgerupfter Kaninchen vor Augen habe – eigentlich inkonsequent, ich weiß ja auch nicht, ob Schafe und Alpakas rücksichtsvoller entwollt werden. Aber obendrein ist Angora unglaublich teuer.

Nun sind diese Knäule aber nunmal in meine Hände gelangt und die Spender-Kaninchen schon lange im Kaninchenhimmel. Der Hersteller, Esslinger Wolle, hat in den 80ern die Schotten dicht gemacht, also ist diese Wolle mindestens 30 Jahre alt. Vielleicht darf ich also annehmen, dass Angorakaninchen in den guten alten 80er Jahren noch mit liebevollen Streicheleinheiten von ihrem überschüssigen Fell befreit wurden. Auch wenn das Tierchen auf dem Etikett einen etwas panischen Blick hat.

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Eine schnelle Maschenprobe zeigt: Das Garn ist unglaublich, ja überirdisch weich! 80 % Angora, 20 % Lamm, 20 g pro Knäul – in der Tat ein kleiner Schatz! Babyblau ist zwar nicht meine erste Wahl, aber kombiniert mit einem hellen Grau könnte was draus werden. Ich denke darüber nach, das Garn mit der Drops Puna zu kombinieren, die ich eh schon seit längerem mal ausprobieren wollte. Das Ergebnis wird höchstwahrscheinlich unermesslich flauschig (und ebenso unermesslich fusselig, aber darüber möchte ich lieber gar nicht nachdenken).

Das alles war fast zu schön, um wahr zu sein. Gab es keinen Haken an dem Garn? Oh doch, den gab es:

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Motten! Beinahe jedes Knäul hatte eine oder zwei Stellen, die sauber durchgemümmelt und bis tief hinein mit eigenartigem, krümeligem Zeug durchzogen waren. Staub? Motteneier? Lieber kein Risiko eingehen! Ich habe sofort das Notfall-Programm durchgezogen:

  1. Die Wolle in Frischhaltetüten packen und für eine Woche ins Tiefkühlfach legen.
  2. Die Knäul auf der Haspel zu Strängen wickeln.
  3. Die Stränge baden, trocknen lassen, vor dem Zusammenbinden nochmal vorsichtig ausklopfen und dann gesondert vom restlichen Wollbestand mit einem Anti-Motten-Säckchen einlagern.
  4. Beten.

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Die Prozedur lief so weit ich das erkennen kann sehr gut. Beim Wickeln (wohlweißlich auf der Terrasse) ist das krümelige Zeug schon weitestgehend rausgerieselt, da ich den Faden immer durch meine Finger habe laufen lassen. Da ich darunter nichts erkennen konnte, was wie ein tatsächliches Insekt aussah, bin ich guter Dinge. Wenn ich eine Motte wäre, würde ich mir diese Wolle reinpfeifen, bis ich tot umfalle. Dass keine erwachsenen Motten in den Knäulen steckten, scheint mir also ein gutes Zeichen, dass der Mottenangriff schon viele Jahre zurückliegt und alle Tiere schon lange tot und zu Staub zerfallen sind.

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111 Gramm von den ursprünglich 120 konnte ich auf diese Weise retten. 9 Gramm mussten in Form von kurzgefressenen Schnipseln in die Tonne wandern. Eine ganz gute Ausbeute, will ich meinen!

Nun hoffe ich nur, dass das Alter dem Garn nicht zu sehr zugesetzt hat. Hat jemand von euch schon mal mit Angora gestrickt? Ist es normal, dass sich der Faden so einfach zerreißen lässt? Und verlieren die Strickstücke später immer noch so viele Fusseln wie am Anfang?

 

Wollfest Hamburg 2016

Ihr habt vielleicht schon davon gehört, dass letztes Wochenende in Hamburg das Wollfest stattgefunden hat. Das war soetwas wie eine kleine Messe für Strickerinnen, auf der man wunderschöne Garne kaufen, großartige Workshops belegen und generell durchdrehen konnte. Nix für mich also.

In einem Anfall von Selbstdisziplin habe ich mir tatsächlich vorgenommen, nicht hinzufahren. Ich kaufe mich ja schon im Internet dumm und dusselig, was soll da erst passieren, wenn ich die ganzen tollen Garne vor der Nase habe? Da werde ich arm!

Eine Woche vorher klingelten dann Carolin und Antje von Lanade bei mir an, die ihre Wollfest-Köfferchen schon seit Monaten bereitstehen hatten. „Kommst du nächstes Wochenende auch?“ – „Nee …“ – „Och komm!“ – „Nee!“ – „Och bitte!“ – „Okay, ich bin dabei.“

Und so fand ich mich eine Woche später, also letzten Freitag, in der vielleicht spontansten Kurzreise meines Lebens mit Caro und Antje in Hamburg wieder. Ich wusste selbst nicht so ganz, wie ich da hingekommen bin.

Samstag früh ging es dann los. Stadtkarte brauchten wir nicht, die erfahrene Strickerin folgt einfach ihrem Wollinstinkt.

Und der führte zu: Wolle! Fantastisch viel Wolle in fantastischen Variationen, Reihe an Reihe.

Während die Damen um mich herum plötzlich Verhungernden glichen, denen man ein Festbankett vorgesetzt hatte, schlenderte ich mit kühler Gelassenheit durch die Gänge. Ich brauche eigentlich im Moment keine Wolle, dachte ich bei mir. Ich wüsste auch gar nicht, was ich damit stricken sollte. Und überhaupt. Habe ich so ein Garn nicht sogar noch zuhause liegen?

Ich befühlte ein paar Stränge, tätschelte ein paar Knäul und wähnte mich in voller Kontrolle meiner tierischen Instinkte, als Antje in der Menschenmenge an mir vorbei getrieben wurde, einen hinreißend gesprenkelten Strang Merinowolle an sich gedrückt, und mir zubrüllte: „Schau mal was ich habe! Die gibt es da drüben!“

„Da drüben“ fand ich dann zwei weitere Bekannte im Zustand fortgeschrittener Ekstase. Zu dritt haben wir so ziemlich jedes einzelne Garn der Halle angegrabscht und mit Ooohs und Aaahs und Ohmeingotts kommentiert, bis dann schließlich eins zum anderen führte und ich am nächsten Morgen mit zwei Strängen Wollmeise und einem Pfund Fair Alpaka im Arm aufgewacht bin. Unter anderem.

Noch besser als die Wolle fand ich aber eigentlich sogar die Menschen auf dem Wollfest Hamburg. Es war wunderbar zu wissen, dass alle um einen herum die gleiche Leidenschaft für Wolle und Stricken haben. An den Verkaufsständen gab es kein Haareziehen, sondern gegenseitige Garnberatung und -empfehlungen und ständig fragte irgendjemand irgendwen, welches Muster und welches Garn denn für diese Strickjacke oder diesen Pullover verwendet worden sei, das sehe ja traumhaft aus.

Viele haben mich auf meinen Blog angesprochen, was mich total gefreut hat, weil ich nie so genau weiß, wie viele hier eigentlich mitlesen. Ich bekomme zwar von WordPress angezeigt, wieviele Besucher den Blog betreten, aber über die Handvoll treuer Seelen hinaus, die regelmäßig Kommentare schreiben, weiß ich nie, ob das nicht vielleicht alles verirrte Surfer und Googlebots sind.
Ich für meinen Teil habe auch einige Designerinnen auf dem Wollfest entdeckt, aber meistens nicht dran gedacht, sie um ein Foto zu bitten. Außer Ysolda Teague, bei der ich einen Workshop zum Thema Maschenprobe belegt hatte:

Ich finde sie toll. Sieht man mir auf dem Foto vielleicht an.

Außerdem habe ich mir eine Vorführung von Martina Behm angesehen, bei der sie gezeigt hat, wie man ihre Tücher tragen kann. An Isabell Kraemer und Justyna Lorkowska dagegen bin ich nur mit offenem Mund vorbeigelaufen und habe geistig „Das ist doch … das ist doch …!“ gestottert, bis mir eingefallen sind, wer sie sind und welche ihrer Designs ich gestrickt habe. Woraufhin die Begegnung natürlich schon wieder eine halbe Stunde her war.

Am Ende meines Besuchs auf dem Wollfest gab es dann noch ein kinoreifes Drama. Ich hatte all meine Einkäufe eingepackt und war bereit zum Abmarsch in Richtung Bahnhof, als ich ein leises Stimmchen hörte: „Mama! Maaama…!“ Was war da los? Ein Kind in Not? Niemand sonst schien etwas gehört zu haben. Ich folge den leisen Rufen durch die Hallen. „Mammi, wo bist du?“ Mutterinstinkte auf 100 %. Am Stand von Skein Queen habe ich sie dann entdeckt. „Da bist du ja endlich, Mama! Bringst du uns nach Hause?“

Wie könnte ich den Kleinen diesen Wunsch abschlagen? Also verabschiedete ich mich von meinem letzten Geld und vom Wollfest Hamburg und trat die Heimreise an. Ich bin froh, dass ich doch noch hingefahren bin!

Blogportrait-Bild – Das Making of

Als ich diesen Blog hier angefangen habe, habe ich das ohne große Ansprüche und auch ohne große Ressourcen im Rücken gemacht. Gratis-Account bei WordPress, selbstgebasteltes Header-Banner, Fotos mit der Handykamera gemacht und ab ins Internet damit. Als dann im Laufe der Zeit überraschenderweise keine faulen Tomaten geflogen kamen, sondern immer mehr Besucher auftauchten, habe ich immer mehr aufgestockt. Ein schöneres Banner zum Beispiel oder etwas besseres Foto-Equipment.

Der nächste Punkt auf meiner Liste war mein kleines Portrait in der rechten Spalte. Das Bild, das ich da lange Zeit hatte, kam noch aus der Zeit, als ich mein Gesicht lieber nicht im Blog zeigen wollte. Da ich damit mittlerweile kein Problem mehr habe, wollte ich auch das Portrait etwas offener gestalten. Es soll ja schließlich neuen Besuchern einen Eindruck verschaffen, wer denn hier eigentlich schreibt. Also eine Botschaft, die irgendwo zwischen „hey, das hier bin ich!“ und „ich bin übrigens ganz schön cool“ liegt. Alles, was ich an Selfies für das neue Portrait hingekriegt habe, schien aber immer nur etwas zwischen „ich hab schlimme Bauchschmerzen, versuche mir aber nichts anmerken zu lassen“ und „Achtung, ich muss gleich nießen!“ zu vermitteln. Nicht so zielführend, das alles.

Wie so oft in meinem Leben habe ich die Lösung für dieses Problem auf YouTube gefunden. Dort zeigt Künstlerin Kiara auf ihrem Channel Kiara’s Studio ihre großartigen Zeichenkünste und hat irgendwo erwähnt, dass sie auch Auftragsarbeiten macht. Drei Minuten später stand ich auf ihrer virtuellen Türschwelle, um mich von ihr malen zu lassen.

Nun läuft das in der Kunst leider (oder zum Glück?) nicht mehr so romantisch ab, dass man sich als Modell nackig auf ein Sofa fläzt und der Künstler wild mit dem Pinsel auf die Leinwand eindrischt. Stattdessen habe ich Kiara ein paar Fotos gemailt und ihr geschrieben, was auf jeden Fall mit rein muss (mein Gesicht, Wolle, Seefahrt) und ihr ansonsten freie Hand gelassen. Was sich als genau das Richtige herausgestellt hat, denn so konnte sie ihrer eigenen Inspiration folgen und hat dabei auch noch genau meinen Geschmack getroffen.

Großartig fand ich, dass ich den Entstehungsprozess des Bildes von Anfang an verfolgen konnte, da sie mir immer wieder Skizzen und Fotos des aktuellen Status der Arbeit geschickt hat.

Angefangen hat sie mit diesen drei Skizzen:
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Ich habe mir die mittlere der drei gewünscht, die sie dann noch einmal ins Reine gezeichnet hat:
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Ist das nicht schon fantastisch? Wenn ich groß bin, möchte ich auch so zeichnen können! Nach einem frenetischen go, go, GO! von mir hat sie dann die Zeichnung getuscht und koloriert. Und hier ist das fertige Werk:
ProfilKiarasStudio

Ich bin sowas von begeistert! Selbst wenn ich die gleichen Fähigkeiten im Umgang mit Zeichenutensilien hätte, hätte ich es nicht besser machen können. Sie hat sogar von sich aus zwei Symbole ins Bild eingebracht, die ich als Tattoos an den Fußknöcheln trage, nämlich Anker und Steuerrad – und ich habe ihr weder von den Tattoos erzählt, noch um diese Symbole im Speziellen gebeten.

Und um dem ganzen die Krone (oder das Papierhütchen) aufzusetzen, hat sie den Zeichenprozess gefilmt und das Video in ihrem YouTube-Channel hochgeladen. Hier könnt ihr es euch ansehen:

Garn Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung

Es ist ein Elend mit mir und den Lacegarnen, ich sag es euch. Nachdem selbst der in monatelanger hingebungsvoller Arbeit gehäkelte Schal aus reinem Merino-Lacegarn am Hals gepiekst und gejuckt hat, habe ich schon fast  verzweifeln wollen. Welches Garn bleibt mir denn noch übrig?

Aber dann ist mir aufgefallen, dass ich immer nur bei den gleichen Garnherstellern gucke, nämlich Garnstudio Drops und Lana Grossa, und andere Hersteller vielleicht durchaus Garn im Angebot haben, das ich tränenfrei tragen kann. Checkliste: Darf keine Tierhaare enthalten, weil pieksig, sollte keine Baumwolle sein, weil öde, und muss kein billigstes Polyzeug sein, weil fies.

Was gibt es sonst noch? Seide natürlich! In einem kleinen Wollstübchen habe ich einmal eine halbe Stunde lang mit der Geschäftsinhaberin zusammen ergriffen einen Strang Traumseide gestreichelt und im Flüsterton seine Weichheit gelobt. In dieses Garn setze ich all meine Hoffnungen … aber der Preis! Uff. Da teste ich erst noch mal ein paar Alternativen durch.

Mein aktuelles Testobjekt: Garn von Alize.

Dieses Garn kommt aus der Türkei und kostet grob überschlagen nur ein Zehntel so viel wie die Traumseide. „Forever“ ist ein Mikrofasergarn (hey, besser als Poly!), „Bamboo Fine“ besteht aus Bambus. Wenn ich mir vorzustellen versuche, wie man aus Bambus Wolle herstellt, sehe ich vor meinem geistigen Auge nur mich selbst, wie ich einen Bambusstock und ein Knäul Wolle gegeneinanderschlage wie ein blödes Kind, das das viereckige Bauklötzchen in das runde Loch zu hämmern versucht. Aber ich muss ja nicht alles verstehen. Das Bambusgarn ist jedenfalls so weich, dass ich verrückt werden könnte!

 Für die Garne schwebt mir etwas Einfaches zum Einkuscheln vor, etwa ein Nuvem oder eine Sandbank, was an abgekühlten Sommerabenden zum Einsatz kommen kann.  Ich bin so gespannt! Beide Garne habe ich von Wolle1000.de, falls jemand neugierig geworden ist.

Übrigens noch ein Nachtrag zu neulich: Die intensive Beschäftigung mit dem Thema Knöpfe hatte noch ein Nachspiel für mich:

50 sternchenförmige Holzknöpfe! Ist eine Welt, in der man 50 sternchenförmige Holzknöpfe im Internet kaufen kann, nicht eine wunderbare Welt? Jeder Mensch braucht 50 sternchenförmige Holzknöpfe!

Ihr fragt euch, wofür man 50 sternchenförmige Holzknöpfe braucht?

Fragt nicht. Man braucht sie einfach.

Lieblingshäkelei

Da ich ja momentan wieder öfter häkle, konnte ich natürlich nicht umhin, mich mal wieder ein bisschen im Internet danach umzusehen, was denn andere Häklerinnen momentan so am Haken haben. Und neben vielen schönen Projekten habe ich diese schöne Blogparade bei gemachtmitliebe.de entdeckt.

Dabei geht es darum, dass jeden Monat eine Frage zum Thema Häkeln gestellt wird, die jede Häklerin auf ihrem Blog beantworten kann, wenn sie Lust dazu hat. Die Frage im April:

Was ist dein selbstgehäkeltes Lieblingsteil?

Meine Anwort liegt natürlich auf der Hand:

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Das ist natürlich die legendäre Häkeldecke, die ich für meine beste Freundin zu Weihnachten gemacht habe. Die über hundert Quadrate haben mich abwechselnd an den Rande des Wahnsinns getrieben (wegen der Menge) und in Begeisterung versetzt (wegen der Farben). Die Begeisterung hat aber überwogen und die nächste Häkeldecke ist schon in Arbeit.

Die Anleitung gibt es übrigens hier.

Bevor ich die Decke fertig hatte, war mein Lieblings-Häkelteil dieser kultige Schal, den ich mit dem unbändigen Stolz und der Stilignoranz der frisch gebackenen Häklerin getragen habe.

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PUNK WILL NEVER DIE!