Im Tuchfieber

Ich habe ja schon vor einigen Wochen davon erzählt: Bei mir breitet sich wieder das Tuchfieber aus. Durch einen missglückten Goldfish Memory kurzzeitig gedämpft und durch den Stephen-West-KAL vorübergehend zufrieden gestellt bin ich eine Weile ausgekommen. Aber dann kam Melanie Berg mit einer teuflischen Rabattaktion und schon saß ich wieder bis über beide Ohren in Strickmustern für Halstücher.


© Bild: Melanie Berg

Meine erste Wahl war das Tuch Solaris. Ich liebe dieses schlichte Streifenmuster mit den kleinen Knubbeln und ich liebe den gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem. Und obendrein schien mir das Muster perfekt, um endlich diese beiden Stränge Wollmeise Blend in Petit Poison Dunkel zu verstricken, die seit dem Wollfest Hamburg bei mir herumliegen. Wo steckt eigentlich dieses Früchtchen, das mir erzählt hat, zwei Stränge reichen für einen Pullover? Und wo steckt mein Mathelehrer, der mir nicht genug Mathe beigebracht hat, um das nachzurechnen bevor ich zum Wollmeise-Stand gerannt bin? Bitte meldet euch, ich habe ein Hühnchen mit euch beiden zu rupfen!


Wie dem auch sei. Wollmeise lag bereit, der Ankauf einiger Mini-Stränge in passenden Farben bei Frida Fuchs wurde billigend in Kauf genommen, kurze Zeit später lag alles für ein Solaris-Tuch in Beerenfarben bereit. Aber wie das immer so ist, nahm meine Wertschätzung der Farbwahl vom Ausgangspunkt „Beste Idee EVER!“ eine rapide Talfahrt über „Hmm, ich weiß nicht“ hin zum absoluten Tiefpunkt „Größter Mist, den ich je gesehen habe.“

Einige Zeit, Brainstormings und Euros später hatte ich dann eine völlig andere Grundfarbe für das Tuch, nämlich einen variationsreich-sandfarbenen Ton aus Zitron High Twist Concept. Die bereits angeschafften Mini-Füchse in Beerenfarben ließen sich zum Glück sehr gut damit kombinieren. Und hier ist das fertige Tuch!

Diese sehr zurückhaltende Farbe ist eher ungewöhnlich für mich, vielleicht aber gerade deshalb sehr gut. Sonst nehme ich bei Tüchern gern äuffälligere Farben und habe dann später oft das Problem, dass sie nicht zu meinen Anziehsachen passen (Hallo, gesamte Stephen-West-Kollektion in meinem Schrank!). Eins meiner ersten Halstücher dagegen war ein ganz simples Dreieckstuch in gedämpften Khakigrün und wurde von mir praktisch drei Jahre lang täglich getragen. Ich bin also optimistisch.

Da ich am Ende doch nicht alle Frida-Fuchs-Farben für die Streifen unterbringen konnte, habe ich einfach eine kleinere Version des Tuchs gestrickt. Mein Tuch hat wie vorgesehen fünf Einsätze mit Streifen in verkürzten Reihen, aber Wiederholung 4 und 5 haben die gleiche Farbe. Die Abschlussborte habe ich etwas früher begonnen und dann nur mit 7 statt 9 Bobbel-Streifen gearbeitet. Sieht trotzdem gut aus und ist auch trotzdem noch groß genug. Die lange Seite hat etwa 2,45 m!

Als nächstes habe ich eigentlich den Rheinlust auf der Wunschliste, bin aber noch unentschlossen, ob ich den in Blau stricken möchte oder da endlich mal die dumme Wollmeise für verwenden kann. Aber Wellenmuster muss eigentlich blau, oder?
Bis ich mich entschieden habe, stricke ich den Lilli Pilli (Ambah O’Brien, nicht Melanie Berg) in dieser hübschen Kombi:

Das ist einmal Hedgehog Socks in Oracle, Zitron Seidenstraße in einer namenlosen Grau-Lila-Mischung und ein handgefärbtes Merinogarn in der schönen Farbe Berry Crush, das ich auf DaWanda entdeckt habe. Auch alles drei wieder neu für dieses Projekt angeschafft, fällt mir gerade auf. Die 50 Garne in meinem Schrank passen aber auch einfach nicht zusammen!

Und dann ist da noch eine kleine, fantastische Sache, an der ich arbeite. Ich darf noch nichts dazu sagen, aber ich kann euch zumindest die Garne zeigen:

Ja, es ist bloß Acrylwolle. Ja, es sind weihnachtliche Farben. Und ja, es ist die vielleicht großartigste Auftragsarbeit, die ich je gestrickt habe. Ich hoffe, ich kann euch bald mehr erzählen!

Entscheidungsschwierigkeiten

Ich habe heute die schöne, aber auch schwere Aufgabe zu überlegen, welches neue Projekt ich mit in den Urlaub nehme. Schön, weil neue Projekte immer aufregend und spannend sind. Schwer, weil es so gut sein muss, dass ich meine Entscheidung nicht nach zwei Tagen bereue und dann nur noch verbittert vor mich hin stricken kann. Soll ich meinen angefangenen Pullover mitnehmen? Nee, auf den habe ich schon die letzten drei Wochen keine Lust gehabt. Soll ich ein Tuch stricken? Puuh, ich weiß nicht … Soll ich diese eine Strickjacke endlich anfangen? Würde ich gerne, aber was ist, wenn sich das Muster als Katastrophe entpuppt?

Als ich die Problematik meinem Mann erklärt habe, rief er sofort: „Ich weiß, was du stricken kannst!“

„Was denn?“ fragte ich hoffnungsvoll.

„Einen Bikini!“ antwortete er freudestrahlend.

Ah. Danke.

Diese Vorstellung von einem Strickbikini hat sich irgendwie bei ihm festgesetzt, seit ich zum ersten Mal eine Stricknadel in die Hand genommen habe. Alle Versuche ihm zu erklären, dass Wolle kein geeignetes Material für Bademode ist, auch Baumwolle nicht, dass ein gestrickter Bikini nach Wasserkontakt alles andere als schön aussieht, dass auch Häkelbikinis zuletzt vor schätzungsweise 300 Jahren modisch waren und ich lieber in einen lebendigen Aal gewickelt am Strand liegen würde als in so einem Ding – vergebens!

Und so haben wir immer wieder die Bikini-Diskussion, vergessen sie aber eigenartigerweise beide nach einiger Zeit wieder vollständig, so dass sich die oben beschriebene Szene in regelmäßigen Abständen wiederholt: Er verkündet, er habe die perfekte Idee für mein nächstes Strickprojekt, ich rufe mit großen Augen „eeeeecht?“ und die Antwort lautet natürlich: „Na klar, einen Bikini!“ Das muss irgendwas mit bedingungslosem Vertrauen in den guten Willen des Partners zu tun haben. Man könnte ein Postkartenmotiv daraus machen: Liebe ist … daran glauben, dass er eines Tages einen konstruktiven Vorschlag für mein nächstes Strickprojekt macht. Oder: Liebe ist … daran glauben, dass sie eines Tages endlich einen Bikini strickt. Wir haben beide die Hoffnung noch nicht aufgegeben, vielleicht sind wir deshalb schon so lange glücklich verheiratet.

Ich muss aber der Fairness halber sagen, dass meine Entscheidungen dann letzten Endes auch nicht sehr viel rationaler sind als die Bikini-Phantasien meines Mannes. Zum Beispiel habe ich bei der Arbeit an meiner Häkeldecke für Lanade oft heftig mit den Zähnen geknirscht, weil ich viel lieber etwas aufregendes Neues anfangen wollte, statt nun das zwölfundrölfzigste Häkelquadrat zusammenklöppeln zu müssen. Kaum war ich fertig, kam mir die Decke aber vor wie das beste Ding auf Erden schlechthin und ich habe sofort mit der nächsten Häkeldecke angefangen.

Meint ihr, ich würde diesmal weniger über die vielen Häkelquadrate stöhnen? Nein, ich stöhne vermutlich sogar noch mehr, weil ich mir das zum zweiten Mal antue. Meint ihr, ich würde meine Entscheidung bereuen? Nein! Weil rationales Denken eben nur bis zu einem bestimmten Punkt reicht, wenn es um Wolle geht. Vielleicht sogar nur so weit, wie es nötig ist, um noch vor sich selbst als vernünftiger Erwachsener durchzugehen. Als jemand, die überlegt Wolle kauft und effizient ihre Projekte plant – aber unter dieser Fassade ist alles nur ein großer Kindergeburtstag mit einem riesigen Bällebad aus Wollknäulen. Und genau so sollte es doch auch eigentlich sein, oder?

Mein Favorit für mein Urlaubsprojekt ist mittlerweile ein Cardigan, den ich gerade eben erst unter großem Gefluche aus Madelinetosh Prairie gestrickt habe (den Bericht dazu könnt ihr aller Voraussicht nach ab Dienstag Freitag auf dem Lanade-Blog lesen), nämlich der Whippet von Ankestrick. Oder vielleicht doch einen Strickbikini.

Ganz schön mysteriös!

Oh Mann, da habe ich mir was eingebrockt mit dem Mystery Knit Along von Stephen West.

Was ein Mystery Knit Along ist, lässt sich am besten so beschreiben: Stell dir vor, du bist 5 Jahre alt und auf einem MacDonalds-Kindergeburtstag eingeladen. Gefühlte fünfzig Kinder wurden mit fünf Litern koffeinhaltiger Limo und fünfhundert bunten Bällen in einen kleinen Raum gesteckt und sich selbst überlassen. Plötzlich kommt dir die fabelhafte Idee, dir zwei Pommes in die Nasenlöcher zu stecken und derart geschmückt die allgemeine Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen. Und in dem Moment, in dem sich die aufgedrehte Kinderschar auf dein „guckt mal, guckt mal, guckt mal!“ zu dir umdreht, wird dir klar: Gleich bist du entweder das coolste Kind oder der größte Depp im Raum. Vielleicht sogar beides gleichzeitig.

Genau so geht es mir gerade mit dem M-KAL von Stephen West. „Marled Magic“ heißt das Ding, von dem ich absolut keinen Schimmer habe, was es am Ende sein soll. Ich nehme an, ich werde es mir irgendwie um den Hals hängen können. Aber das empfiehlt Stephen West ja bei allen seinen Kreationen, den Wollschlüpper vermutlich nicht ausgenommen. Als mein Mann meinen „Marled Magic“ gesehen hat, hat er sofort „Ah, Stephen West?“ gesagt – jawohl, so schlimm ist es.

Spaß macht es immerhin. Immer zwei Fäden werden zusammen verstrickt, was mir die Möglichkeit gibt, eine Menge Restgarne zu verbrauchen. Auf der anderen Seite muss ich immer wieder gegen die berühmte Stricker-Reue ankämpfen: Vielleicht fällt mir ja eines Tages noch ein besseres Projekt für dieses Garnrestchen ein? Und dann ist es weg, gefressen von Stephen West!

Also gut, Augen zu und durch. Schließlich besteht die Möglichkeit, dass ich hinterher das coolste Kind im MacDonalds bin.

Der Frühling wird bunt!

Ach Kinder, es wird Frühling. Die Vögelchen zwitschern, die Blümchen sprießen, die Bäumchen grünen und in meinem Wollschrank wachsen auch allerlei bunte Neuheiten. Dieses Gewächs hier beispielsweise:

Dieses Schätzchen vom Mondschaf komplettiert endlich mein Duo, das schon seit Ewigkeiten nach einem dritten Strang für ein schönes Tuch sucht:


Von links nach rechts: Mondschaf Merino Singles „Aurora“ in Lila, Madelinetosh Tosh Merino Light in „Laurel“, Hedgehog Skinny Singles in „Pistacchio“. Die werden jetzt ein „Goldfish Memory“ von Casapinka – eine fantastische Anleitung für Leute mit unverplanten Einzelsträngen und wenig Lust auf eintönige Tücher.


Bild: Casapinka

Nachdem ich gefühlt Ewigkeiten kein Tuch mehr gestrickt habe, bin ich jetzt wieder total im Fieber. Bei Ravelry springen mir ständig Muster ins Auge, bei denen sich Einzelstränge handgefärbter Garne in Sockenwollstärke kombinieren ließen. Wollt ihr mal ein paar sehen? Die folgenden Bilder sind alle von den DesignerInnen (so schnell stricke ich dann ja auch wieder nicht).

Beata Jezek ist nicht nur die Mami der wundervollen Hedgehog-Garne, sondern auch Schöpferin vieler toller Anleitungen, die man mit ihren Garnen umsetzen kann. „Shockwaves“ wurde für vier Stränge buntes Garn geschrieben und begeistert mich maßlos. Ach ja, und es ist gratis!


„Lilli Pilli“ von Ambah O’Brien steht schon lange auf meiner Strickliste und war auch die ursprüngliche Wahl für meine beiden Grünlinge, bis der Goldfish Memory dazwischenkam. Beide Tücher haben eine Parallelogramm-Form (nennt man das so?), die ich viel lieber trage als Dreieckstücher. Bei Dreieckstüchern habe ich immer das dumme Gefühl, einen Schlabberlatz zu tragen. Beim Lilli Pilli könnte man das wiederholende Lace-Stück auch immer in einer anderen Farbe stricken und so ein paar Reste aufbrauchen, denke ich mir.


Und dann gibt es da natürlich noch den MKAL von Stephen West, der nächste Woche startet. Ich finde, Stephens Mystery Knit-Alongs sind immer so eine Überraschungstüte – manche ergeben hinterher etwas, was ganz großartig aussieht, und manche sehen am Ende aus wie etwas, was man aus dem Altkleidercontainer gezogen hat. Beim letzten Mal war ich sehr froh, dass ich nicht mitgemacht habe. Dieses Mal habe ich mich auch standhaft geweigert. Aber dann habe ich mir Stephen Wests Musikvideo zur Aktion angesehen und plötzlich war ich angemeldet und hatte passende Garne bestellt. Er hat hypnotische Kräfte! Seht selbst – aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

Vorsicht, ansteckend!

Das Leben als Bloggerin für Lanade bringt ja so einiges mit sich: Den großen Jet-Set-Lifestyle, mit dem grünen Privatjet um die Welt zu den angesagtesten Schafherden und Star-Alpakas, exzessive Gala-Parties mit den großen Designern, Stricknadeln made by Swarovski und leicht realitätsferne Tagträume zum Beispiel. Ein anderer Nebeneffekt ist aber leider auch, dass ich hier nicht immer alles zeigen kann, woran ich gerade stricke, weil es für Lanade geplant ist. So auch diese Woche: Ich habe eigentlich gleich zwei aufregende Projekte auf den Nadeln, muss aber notgedrungen dichthalten, damit ihr euch später auf dem Lanade-Blog nicht langweilt.

Als Trostpflaster zeige ich euch, was bei mir gerade ganz oben auf der (laaaangen) Liste der Projekte steht, die ich in naher Zukunft stricken möchte. Die Bilder stammen alle von den jeweiligen Designerinnen, nicht von mir. Vielleicht inspiriert euch ja das eine oder andere davon? ;)

1. Schockverliebt: Dip Dye Sweater

Liebe auf den ersten Blick: Der Dip Dye Sweater von Camilla Vad wird zweifädig glatt rechts mit wechselnden Farben gestrickt und dann auf links gekrempelt. Genau mein Ding, aber sowas von! Den möchte ich aus der DROPS Flora in allen denkbaren Farbkombis stricken.

2. Genial: Cardigan in der Runde gestrickt

Designerin Astrid Müller hat mit ihrem Nonnas Liaison meiner Meinung nach einen Orden verdient: Dieser Cardigan wird in Runden gestrickt! Endlich ein Projekt für meine mittlerweile antike Lace-Wollmeise?

3. Hübsch: Herbarium

Ich mag ja Pullover mit Lace-Front sowieso gerne. Dieser hier von Nadia Crétin-Léchenne ist sehr luftig und wird in Runden von unten nach oben gestrickt. Mir fallen so viele Garne dafür ein: DROPS Loves You #7, Holst Noble, DROPS Baby Alpaka Silk … Mein Favorit für den Frühling!

4. Der Winter kommt wieder: Portage

So ein Mist! Da ist der Winter fast vorbei und ich stolpere noch über eine fantastische Anleitung für einen warmen Cardigan. Portage von Melissa Schaschwary hat tiefe Taschen, ein interessantes Muster am Rücken und ist perfekt für die DROPS Lima, die mir diesen Winter ans Herz gewachsen ist. Vielleicht stricke ich die Jacke einfach diesen Sommer, dann ist sie auf jeden Fall fertig, wenn es wieder kalt wird.

5. Basic at its best: Aden

Am Aden von Ankestrick bin ich schon so manches Mal vorbeigegangen, bis ich ihn in echt bei einer Strickfreundin sehen durfte. Verhängnisvoll! Jetzt will ich natürlich auch einen haben. Mit buntem Bändel am Kragen.

Ich hoffe, ich habe jetzt niemanden mit einem Strickvirus angesteckt! Ihr dürft mich aber auch gern zurückanstecken: was steht aktuell auf euren Stricklisten?

Bottom up? Top down? Beides!

Ich muss euch mal ganz kurz einen Zwischenstand eines kleinen Projektes zeigen, auf das ich in zweifacher Hinsicht stolz bin:

Das Ganze wird mal ein Fair-Isle-Pullover, wenn es fertig ist. Vorlage war der Paper Dolls von Kate Davies, allerdings kriegt meiner lange Ärmel.

Der erste Grund, weshalb ich stolz darauf bin, ist dass ich auf die Idee gekommen bin, ihn von der Mitte aus zu beginnen. Mich hat vor allem das Fair Isle gereizt, das aber nur in der Passe vorkommt. Das Muster sieht eine Bottom-up-Konstruktion vor – ich hatte aber wenig Lust, erst den kompletten Körper und die beiden Ärmel zu stricken, bevor ich endlich mit dem Fair-Isle-Teil anfangen kann. Natürlich hätte ich das ganze auch Top down stricken können, also mit dem Kragen beginnend nach unten arbeiten. In einer Rundpasse sehen die Zunahmen einer Top-down-Konstruktion aber einfach nicht so gut aus wie die viel unauffälligeren Abnahmen beim Bottom up. Was also tun?

Meine Lösung war eine Art Aus-der-Mitte-in-alle-Richtungen. Dafür habe ich die Maschenzahl unmittelbar über der Ärmelöffnung (da, wo die Bottom-up-Anleitung Körper und Ärmel zusammenlegt) im provisorischen Maschenanschlag angeschlagen und dann ganz brav nach Anleitung bottom up in Richtung Kragen losgestrickt. Am unteren Rand sehr ihr noch die gehäkelte Luftmaschenkette, die meine Maschen festhält. Das schöne an diesem gehäkelten Anschlag ist, dass ich ihn ganz einfach auflösen kann und dann meine Maschen freihabe, um den Rest des Pullovers top down zuende zu stricken.

Wie genau der gehäkelte provisorische Maschenanschlag funktioniert, habe ich übrigens hier schon mal gezeigt. Antje hat bei Lanade das ganze gestern sogar noch ein bisschen cleverer in einem Video erklärt – ihre Variante erspart einem das mühsame Herauspopeln der Maschen aus der Häkelkette.

Ach ja, und der zweite Grund, weshalb ich so stolz auf dieses Projekt bin: Totenköpfe!
Dazu muss ich nichts mehr sagen, oder?

Silvester bin ich blau (die übrigen Tage auch)

Herrje, da ist man mal einen Moment abgelenkt und schon ist das Jahr zuende. Wie konnte das passieren?

Irgendwie sind die letzten Tage zwischen Weihnachtsplätzchen futtern und Dauerstricken einfach unbemerkt an mir vorbeigezogen. Meine beste Freundin hat sich einen Cardigan von mir gewünscht, der 90 Prozent der Zeit einfach nur stupide glatt rechts in Reihen gestrickt wird – ein Prozess, den ich erst bestürzend eintönig, dann aber irgendwie hypnotisch angenehm fand. Bis ich eines Tages wie aus tiefem Schlaf erwachte, den Cardigan in fertigen Einzelteilen vor mir liegen und keine Erinnerung an die letzten Tage hatte. Irgendwie gruselig. Aber irgendwie auch schön. Eine Art Strick-Schlafwandeln vielleicht? Jetzt muss ich nur noch sichergehen, dass ich in meiner Gedankenlosigkeit nicht vier Ärmel oder drei Rückenteile gestrickt habe.

Derweil schon mal angefangen habe ich einen Pullover aus der Wolle, die ich mir selbst zu Weihnachten geschenkt habe: Lana Grossa Alta Moda Super Baby Stella, ein Babyalpaka-Merino-Garn mit einer ordentlichen Ladung Glitzer drin. Das Muster stammt aus der Filati und hat mich angesprochen, weil es teils gehäkelt, teils gestrickt wird:

Häkelmode ist ja so eine Sache. Irgendwie finde ich da in der Regel nie Muster, mit denen ich mich auf die Straße trauen würde. Ich weiß aber nicht, ob das an meinem Geschmack oder an den Mustern liegt, habe mir aber vorgenommen, der Angelegenheit mal richtig auf den Grund zu gehen. Wie seht ihr das? Gibt es irgendwo richtig schöne Häkelmuster für Pullover oder Jacken, die ihr empfehlen könnt? Die besten Sachen, die ich bisher auftreiben konnte, waren immer Strick-Häkel-Kombis wie dieser Filati-Pullover oder zum Beispiel die Julia-Tunika von Vicky Chan:
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Was ist da los in der Häkelwelt? Fehlt es an guten Designern oder ist Gehäkeltes einfach von Natur aus Mist? Ich werde es herausfinden! (Bitte an dieser Stelle die Titelmelodie von Indiana Jones pfeifen)

Für das nächste nächste Strickprojekt liegen hier schon drei wunderschöne Stränge Madelinetosh Twist Light bereit – lustigerweise auch in Blau, irgendwie hänge ich gerade an dieser Farbe. Und hatte ich mir nicht auch schon zum letzten Geburtstag die Malabrigo Rios in Blau geschenkt? Und neulich einen Pullover aus Drops Lima in Blaugrün gestrickt? Ich muss unbedingt mal mein Farbspektrum erweitern!
Auf jeden Fall bin ich mir extrem unsicher, was den Blauton angeht, mit dem ich die Twist Light kombinieren möchte. Was meint ihr?

Mein guter Vorsatz für das nächste Jahr lautet, endlich die Wollmeisen zu verstricken, die ich seit etlichen Monaten horte – ein Strang Lace, ein Strang DK und zwei Stränge Blend, allesamt in verschiedenen Schattierungen von Dunkelmagenta. Mein anderer guter Vorsatz: Endlich mal andere Farben verstricken! Vielleicht mal ein Gelb?

Was sind eure guten Strick-Vorsätze für 2017? Kommt gut ins neue Jahr!