Heilige Häkelnadel, Batman!

Was Blogbeiträge angeht, ist das neue Jahr bei mir noch nicht so richtig in die Gänge gekommen. Was Wolle angeht, gehts dafür ganz gut voran. Mein Häkelpullover ist fertig!

Ich habe ja schon in meinem letzten Beitrag meinem Unmut in Bezug auf Häkelmode Luft gemacht. Als ich dann nach einer ausführlichen Besprechung des Problems bei Lanade eine riesige Well an Antworten anderer leidgeprüfter Häkelwilliger erhielt, stand für mich fest, dass 2017 bei mir unter dem Zeichen der Häkelnadel stehen wird.

Mein Fazit bei Lanade zum Thema Häkelmode war, dass es einige wenige wirklich gute Anleitungen gibt, ansonsten aber viele schlichte Muster auch schon sehr davon profitieren, wenn man sie einfach mal nicht mit Baumwolle, sondern mit einem geschmeidigeren Garn wie zum Beispiel Alpaka umsetzt. Baumwolle verhäkelt sich zwar nämlich gut, ist aber dann oft schwer und steif, was bei einem Oberteil nicht immer so prickelnd ist – Stichwort: Menschlicher Topflappen.

Das Muster für meinen Pullover macht schon mal einen guten Ansatz: Weiches Garn mit Alpaka-Anteil und Glitzer (Lana Grossa Alta Moda Superbaby Stella (Leute, wer macht bei euch eigentlich die Produktnamen?!), ein schlichtes Häkelmuster und ein guter Teil Strick, der das ganze Teil tragbar macht. Kann da noch was schief gehen?

Kann es. Etwa wenn man das Rückenteil eine Nummer größer arbeitet als das Vorderteil, um nur ein Beispiel zu nennen.

Nach dem ersten Schock war ich aber ganz froh über dieses Missgeschick. Der kleine Überhang beim Häkelteil ließ sich nämlich recht unauffällig beim Zusammennähen nach innen hin umklappen. Endlich hat das Arbeiten in Einzelteilen mal einen Vorteil! Am unteren Rand habe ich das Strickbündchen dagegen genauso breit wie das Häkelstück gemacht. Die Seitennaht habe ich dann schräg verlaufen lassen, so dass ich statt des vorgeschriebenen Kastenschnitts eine leichte A-Linie erzeugen konnte. Damit liegen die Seitennähte zwar am unteren Saum nicht mehr exakt seitlich sondern ein Stück weiter vorne, aber das fällt nicht wirklich auf.

Mit voller Absicht geändert habe ich die Ärmel. Die waren nämlich wie so oft bei Filati-Anleitungen ohne jede Abnahme als stupide Rechtecke vorgesehen, bei denen dann logischerweise das Bündchen am Handgelenk einen genauso großen Umfang hat wie die Ärmelöffnung an der Schulter. Wenn ich eines Tages das Bedürfnis verspüren sollte, meinen Kopf in einen Ärmel zu stecken, folge ich den Strickmustern der Filati gerne aufs Wort. Bis dahin aber passe ich die Ärmel ein bisschen meiner individuellen Anatomie an.

Hat auch gar nicht weh getan.

Und so sieht das gute Teil aus. Den Körper habe ich im Häkelteil um volle 10 cm verlängert, sonst wäre ich mir damit zu quadratisch vorgekommen. So gefällt mir der Pullover aber sehr gut und vor allem gefällt mir der gehäkelte Teil. Das fluffige Garn macht das Häkelmuster tatsächlich geschmeidig und luftig, da ist nix mehr mit Topflappen-Style. Man könnte vermutlich sogar noch ein bisschen mehr am Fluffi-Regler drehen, wenn man ein Blow-Garn wie Drops Air oder Drops Cloud nimmt. Mit denen möchte ich definitiv auch noch mal einen Häkel-Versuch starten!

Gute Wollzeiten, schlechte Wollzeiten

Irgendwie ist im Moment bei mir Strick-Flaute was meine persönlichen Projekte angeht. Der FairAlpaka-Cardigan hängt wie ein Unheilszeichen über mir und ich kann mich einfach nicht entscheiden, ob ich ihn weiterstricken oder ribbeln soll. Er könnte gut werden! Aber wenn nicht? Dann wäre ich noch deprimierter! Also ribbeln? Aber was stricke ich dann aus dem Garn?

Meine Lösung in solchen Situationen ist meistens die Flucht nach vorn, deshalb habe ich in den letzten Wochen stattdessen einen anderen Cardigan gestrickt. Hier ein schnelles Spiegel-Selfie:

Anleitung ist der „Shapely Boyfriend“, Garn ist die Lana Grossa Arioso, die ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Ich bin begeistert von der Farbkombi! Langsam glaube ich, ich sollte mein Garn gar nicht mehr selbst aussuchen, sondern die Farbwahl prinzipiell meiner Mutter, meiner Schwiegermutter oder dem Internet überlassen.

Trotzdem hatte ich auch bei diesem Projekt meine Grummelmomente. Vorgeschlagene Nadelstärke ergab riesige Labbelmaschen – grummel. Berechnung ergab, dass ich ein Knäul rotes Garn zukaufen musste – grummel. Taillenzunahmen nach Anleitung erzeugten eigenartige Beulen um die Hüften – grummel. Ärmelbündchen grenzwertig eng – grummel. Rotes Garn reichte am Ende doch, Zusatzknäul umsonst gekauft – GRUMMEL. Dann das Teil gebadet, getrocknet und angezogen – grummmmochja, eigentlich ganz schön! Und so bin ich ganz überraschend total zufrieden mit dem Cardigan, trotz engen Ärmelbündchen und allem. Und passende Knöpfe habe ich auch noch gefunden!

Aber sobald ich jetzt frohgemut in mein Strickzimmer schlendere, mahnt natürlich wieder der FairAlpaka-Cardigan. Arrgh!

Ich tröste mich mit dem Gedanken an Weihnachten. Wollt ihr mal linsen, was ich mir selbst schenke?

Glitzer! Hach, die Welt ist eben doch noch in Ordnung.

Holsten!

Hurra, mein Holsten Pullover ist fertig!

Abgekettet habe ich ihn schon letztes Wochenende, aber unbehandelt ist das Garn, die Holst Supersoft, absolut nicht tragbar. Aus dem Knäul heraus fühlt es sich sehr hart an und hinterlässt beim Stricken einen leicht fettigen Film auf den Händen. Deshalb habe ich den Pullover nach dem Vernähen der Fäden in ein heißes Wasserbad mit etwas Spüli gelegt – ganz vorsichtig, damit nichts verfilzt. Ob das Spüli die beste Lösung ist, weiß ich nicht genau. Auf jeden Fall hat es diesen Wollfett-Film entfernt und das Garn sichtlich aufatmen lassen. Seht mal den Unterschied:

Ist der Pullover nach dem Bad kuschelweich geworden? Nein. Gefällt er mir trotzdem? Aber sowas von!

Als ich ihn am ersten Tag angezogen habe, hatte ich ganz schön Bammel. Der relativ enge Halsausschnitt liegt bei mir trotz Longsleeve drunter direkt am Hals an, wo ich normalerweise gar nichts haariges ertragen kann. Der kratzt bestimmt ganz schrecklich, dachte ich – hat er aber nicht! Den Grund dafür kann ich mir auch nicht erklären, denn das Garn hat nach dem Waschen durchaus einen leichten Flaum und fühlt sich nicht so glatt an wie zum Beispiel Merinowolle. Trotzdem stört sich meine empfindliche Haut daran kein Stück. Das soll mal einer verstehen! Aber andernfalls wäre ich auch wirklich traurig gewesen.

Der Pullover ist superleicht, sitzt sehr gut und hat trotz seines einfachen Designs einige Details, dich ich auch bei meinem nächsten Pullover einbringen möchte. Der wird aus der Drops Flora, die ich hoffentlich dann auch so gut am Hals vertrage!

Zum einen hat der Holsten eine Fake-Naht oder Schattenfuge. Eigentlich nur eine einzelne linke Masche mitten im Glatt-Rechts-Schlauch. Sieht aber direkt etwas professioneller aus und verschluckt praktischerweise auch die Treppe, die sonst schnell beim Farbwechsel in der Runde entsteht.

Zum anderen gibt es an den Bündchen einen umgekehrten Rollrand, der mir total gut gefällt. Zu dem schönen Effekt trägt vielleicht auch zu großen Teilen das sehr gutmütige Garn bei, das die Bündchen nicht allzu stark zusammenzieht. Werde ich trotzdem auch noch mal mit anderen Garnen ausprobieren.

Fazit: Ich bin begeistert, sowohl vom Garn wie auch vom Strickmuster. Nur das Stricken selbst war nicht so berauschend, denn das harte Holst-Garn hat sich mir ganz schön in die Finger gegraben. Der linke Zeigefinger, über den ich das Garn laufen lasse, hat immer noch einen roten Striemen! Aber vielleicht habe ich auch in meiner Vorfreude aufs Tragen des Pullovers einfach zu schnell gestrickt. Habt ihr auch manchmal solche „Strickverletzungen“?

Chinesisches Roulette mit Aliexpress

Ich muss euch heute mal was zeigen, was gar nichts mit Stricken zu tun hat. Oder vielleicht doch, schauen wir mal.

Und zwar bin ich vor einiger Zeit über die chinesische Verkaufsplattform Aliexpress gestolpert. Aliexpress ist sowas wie das eBay des Ostens, nur ohne Versteigerungen. Man findet dort alles Mögliche (wenn man lange genug sucht vermutlich ganz wörtlich alles Mögliche …) und das gar nicht unbedingt zu den klischeehaften China-Billigpreisen. Man stolpert zwar immer wieder über Produkte, die sehr stark, aber eben doch nicht völlig, bekannten Markenprodukten ähneln, aber man findet auch jede Menge originär chinesische Produkte, die man auf dem europäischen Markt gar nicht kriegt. Sowas finde ich viel interessanter als Billigimitate.

Ich wollte Aliexpress unbedingt mal ausprobieren. Kosmetik und Lebensmittel habe ich mich nicht getraut, Elektronik war mir doch zu teuer (ab ca. 25 Euro kassiert der Zoll die deutsche Mehrwertsteuer ein), also habe ich mich im Bereich Schreibwaren umgesehen. Notizbücher und Stifte sind eine heimliche Leidenschaft von mir.

Außerdem liebe ich dieses skurrile Asia-Englisch! Vielleicht werden ständig wohlklingende chinesische Redewendungen ins Englische übertragen und die arglosen chinesischen Produktdesigner merken nicht, dass der Sinn unterwegs verloren geht? Oder vielleicht hat der westliche Tattoo-Trend mit den chinesischen Schriftzeichen in den 90ern/00ern die Chinesen zu dem Schluss gebracht, dass man Menschen, die sich „Friede, Liebe, Schweinefleisch süß-sauer“ auf den Nacken tattoowieren lassen, jeglichen Slogan verkaufen kann. Ich tippe stark auf Letzteres, denn auch ich habe ein Tattoo mit asiatischen Schriftzeichen (wenn auch nicht Chinesisch und hoffentlich auch kein Schweinefleich süß-sauer) und mir kann man jederzeit das wildeste Asia-Englisch verkaufen. Der Pluspunkt ist außerdem, dass man bei Aliexpress oft im Vorfeld nicht zu hundert Prozent erkennen kann, was man eigentlich bestellt, da die Produktbeschreibungen nicht immer übersetzt werden. Das ganze ist somit eine Art chinesisches Roulette mit vielen schönen Überraschungen.

Hier ist meine bisherige Aliexpress-Aubeute:

Sticker kann man immer gebrauchen, nicht wahr? „I like you“ oder „Forever“ sind kleine Botschaften, über die sich jeder freut. Noch keine Verwendung dagegen habe ich leider für „I wish that you loved me“ gefunden. Vielleicht bei der nächsten Steuererklärung? Ganz unsicher bin ich mir allerdings, wann „I can read your mind“ angemessen ist. Klingt irgendwie bedrohlich.

Nächster Fund: Dieses Notizbuch. Galaxien sind hip! Erst als ich das Buch erhielt, stellte ich fest, dass mir außerdem noch ein kleiner Astronomie-Kurs geliefert wurde: „The known universe“, also das bekannte Universum, besteht also aus einem Planeten („Planet side“), einem unbekannten Planeten in Form eines Sternnebels („An unknown Planet“), dem Rand („The Edge“) und nochmal einem Rand („Edge“). Demnach leben wir auf diesem blauen Saturn. Gut zu wissen!

Ein echter Glückstreffer war dieses Notizbuch mit einem großartigen Cover im Steampunk-Stil (in China auch „Steampung“ genannt, wie ein Aufdruck auf der Rückseite zeigt). Das Papier ist sehr hochwertig und es gab sogar ein kleines Zahnrad als Beigabe. Sehr betrübt hat mich allerdings, dass der Designer des zweiten Notizbuchs meiner Bestellung, ein schlichtes schwarzes Buch mit Blumenornamenten, offenbar aufgrund einer unglücklichen Romanze allen Lebenswillen verloren hat. Auf der Banderole des Buches hat er nämlich neben den üblichen Pflichtangaben wie Seitenzahl und Format auch ein kleines Gedicht hinterlassen:

Ich hoffe, der arme Mann hat sich nichts angetan …

Alles in allem bin ich echt begeistert von Aliexpress. Ich hatte bisher noch keine wirklichen Nieten, dafür aber einige echte Hits für kleines Geld. Wenn ihr es einmal selbst versuchen wollt: Ich empfehle euch generell, nur mit Kreditkarte zu zahlen (sicher ist sicher), nicht zu viel Geld zu investieren (wie gesagt, sicher ist sicher …) und euch auf 3 bis 5 Wochen Lieferzeit einzustellen. Und wenn ihr mit irgendwelchen Produkten liebäugelt, die gegessen, aufgeschmiert oder sonstwie in Kontakt mit Schleimhäuten gebracht werden, solltet ihr vielleicht kurz darüber nachdenken, wie sinnvoll die strengen EU-Verordnungen für Produkte dieser Art sind. Ist aber nur meine persönliche Ansicht.

Falls euch jetzt die ganze Zeit die Frage auf den Nägeln gebrannt hat, was denn eigentlich mit Stricken ist: Ja, es gibt auch Wolle bei Aliexpress.

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Auch hier ist es aufgrund der wirren Produktbeschreibung etwas undurchsichtig, was man eigentlich kauft, welche Maschenprobe es hat und wie viele Knäul es werden. Es könnte sich aber lohnen. Was meint ihr, soll ich es mal versuchen?

Welcher Strick-Typ bist du?

Okay ihr Lieben, die Stunde der Wahrheit ist gekommen. Macht den Test und erfahrt, in welches Strickerinnen-Lager ihr gehört!

 

Frage 1: Du betrittst ein Wollgeschäft. Was tust du?

(a) Die genaue Menge Garn wie sie auf meinem Einkaufszettel steht kaufen und das Geschäft verlassen.

(b) Systematisch ein Knäul nach dem anderen an mein Herz drücken, bis die Inhaberin mich hinauswirft.

(c) ICH BIN DAS WOLLGESCHÄFT!

 

Frage 2: Wie bewahrst du deine Wolle auf?

(a) Die Wolle für das aktuelle Projekt befindet sich in einem Körbchen. Mehr Wolle habe ich nicht.

(b) Zwei große Kunststoffboxen, mehrere dezent versteckte Einkaufstüten, ein paar Pappkartons. Ein Notvorrat im Kleiderschrank. Einige angefangene Knäul in diversen Handtaschen. Eins im Schuhschrank.

(c) Mein Haus ist aus Wolle. Hab ich selbst gestrickt.

 

Frage 3: Wieviele Favoriten hast du auf Ravelry gespeichert?

(a) So drei oder vier?

(b) Es sind noch keine Tausend!

(c) Alle.

 

Frage 4: Wieviele Projekte hast du gerade auf den Nadeln?

(a) Eins natürlich. Komische Frage.

(b) Puh … vielleicht vier oder fünf?

(c) Alle!

 

Frage 5: Was geht dir bei diesem Bild als erstes durch den Kopf?

(a) Rauchen gefährdet die Gesundheit!

(b) Nette Wolle … ;-*

(c) So ein Trottel, das Telefon ist doch gar nicht eingesteckert!

 

Frage 6: Wenn du ein Tier wärst, dann wärst du ein …

(a) … Dackel?

(b) … Merinoschaf!

(c) … Wollknäul.

 

Frage 7: Eine gute Fee erfüllt dir einen Wunsch. Wie lautet er?

(a) Eine schöne heiße Tasse Kaffee bitteschön.

(b) Woll… ah verdammt okay, Weltfrieden.

(c) Wolle! Wolle! Wolle!

 

Frage 8: Was siehst du hier?

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(a) Einen Tintenklecks.

(b) Das neue Tuch von Stephen West.

(c) 200 Gramm Malabrigo Rios, Farbe Sabiduria, verstrickt mit Nadelstärke 4,5. Birkenholz. Kraus rechts. An einem Samstag.

 

Frage 9: Überraschung, du hast gerade ein Kind gekriegt! Wie soll’s heißen?

(a) Günther-Gustav. Es ist ein Mädchen? Flora-Friedolina.

(b) Wie wär’s denn mit Wollfgang?

(c) Kann nicht sein, stricken ist meine einzige Freizeitbeschäftigung.

 

Ergebnis

Mehrheitlich (a):

Was willst du hier? Wir kennen dich nicht. Du gehörst nicht zu uns. 

 

Mehrheitlich (b):


High Five! Wir sind Schwestern im Geiste. Komm an mein Herz!

 

Mehrheitlich (c):


Du bist komisch. Aber irgendwie auch sympathisch. Aber irgendwie auch gruselig. Weiter so.

Zusammenstricken, was zusammen gehört

Ich muss euch etwas ganz Tolles erzählen! Wieder so eine Sache, die schon seit längerem in der Mache ist, ich aber bis zum großen Tag top secret halten musste. Ich gehöre seit gestern fest zum Bloggerstab von Lanade!

Da ich ja schon seit letztem Jahr regelmäßig als Gastbloggerin für den Lanade-Blog geschrieben habe, ist das von außen gesehen vielleicht nicht so der große Unterschied. Statt dass wie bisher Antje dort meine Beiträge einleitet (z.B. beim Häkeldino im März) darf ich das jetzt mit eigenem Gesicht und Namen tun. Ein kleines Opfer, das ich dafür bringen musste, ist dass ich für Lanade meinen schönen Superhelden-Bloggernamen ablegen und meinen echten Namen verwenden muss (Spoiler: Ich heiße nicht Marie). Aber damit können wir alle leben, denke ich.

Für mich ist der Wechsel vom Gastblogger zum Festblogger allerdings gefühlt riesengroß. Ich habe erst vor knapp 5 Jahren richtig mit dem Stricken angefangen und staune ja immer wieder, dass ich meine Fabrikate tatsächlich wie echte Kleidungsstücke tragen kann. Diesen Blog hier habe ich vor 2 Jahren eröffnet und bin immer wieder erstaunt, dass tatsächlich jemand liest, was ich hier schreibe. Hätte ich immer nur Murks gestrickt und nie einen Leser hier gehabt, wäre ich zwar traurig gewesen, aber nicht überrascht. Vielleicht hätte ich dann Briefmarken gesammelt oder Buddelschiffe gebaut oder sowas. Einen Pullover erfolgreich fertig zu stellen oder einen positiven Leserkommentar zu kriegen ist für mich immer eine ganz fantastische Sache, so wie wenn man plötzlich einen Geldschein auf der Straße findet. Und jetzt kommt auch noch jemand und will mich fürs Stricken UND fürs Schreiben bezahlen – wie krass sind die denn drauf?! Wahnsinn!

Eine Sache finde ich noch wichtig klarzustellen, weil sie immer wieder beim Thema Bloggermarketing aufkommt: Die Frage, wie authentisch oder aufrichtig ein Blogger sein kann, der Geld oder Produktmuster von einem Händler oder Hersteller bezieht. Natürlich wäre ich schön blöd, wenn ich euch erzählen würde, dieses oder jenes DROPS oder Malabrigo Garn sei ganz großer Mist. Es ist aber auch nicht so, dass jetzt eine Chefin Carolin mit der Peitsche schnalzt bis ich die Mohair-Verkäufe gesteigert habe. Ich darf mir meine Themen weiterhin selbst aussuchen und ich gebe weiterhin meine tatsächliche Meinung zu Garnen und Strickmustern in meinen Beiträgen wieder. Natürlich spielen dabei ein Stück weit auch geschäftliches Interessen eine Rolle – aber lügen werde ich deshalb nie.

Hier auf dem Blog schreibe ich natürlich auch weiterhin. Ich freue mich doch heimlich immer wie bolle über jeden Leser. ;)
Ihr seid aber auch herzlich eingeladen, zum Lanadeblog hinüberzuschlendern und meinen ersten Beitrag als feste Bloggerin zu besuchen. Auch darüber freue ich mich. Heimlich und unheimlich.

Yarn Battle: Drops Air vs. Lana Grossa Merino Air

Kennt ihr das, wenn ihr eine neue Sache kennen lernt und sie euch dann plötzlich überall begegnet? So ging es mir vor etwa 1,5 Jahren mit Garnen, die sich „Air“ nannten. Plötzlich schien jeder Hersteller irgendeine Art von Air-Garn im Sortiment zu haben und jeder schien damit zu stricken (zumindest in den Facebook-Gruppen, in denen ich mich rumtreibe). Pah, alles nur heiße Luft, dacht ich und habe mich standhaft von diesen neuen Garnen ferngehalten. Trotzdem musste ich feststellen, dass sich zwei Exemplare dieser Gattung irgendwie in meinen Wollvorrat eingeschlichen haben. Wie die hier nur immer reinkommen? Was solls. Wenn sie schon mal hier sind veranstalten wir doch einfach mal einen:

KAMPF DER AIR-GARNE

Die Kontrahenten

In der linken Ecke sehen wir Drops Air, ein Blow-Garn aus 70 % Alpaka, 23 % Polyamid und 7 % Schurwolle, Farbe 15 „Lila Nebel“. In der rechten Ecke: Lana Grossa Merino Air, 90 % Merino, 10 % Polyamid, Farbe 5 (manche nennen sie „Woodstock“).

Beide Garne bestehen aus einem Polyamidschlauch, der mit der eigentlichen Wolle gefüllt ist. Bei Drops wird die Alpaka-Schafswollmischung irgendwie reingepustet, was in meiner Vorstellung ungefähr so funktioniert wie das Auspusten von Luftschlangen und einen bemitleidenswerten Trupp hochroter Mitarbeiter in einer fernen Drops-Fabrik erfordert. Die Variante von Lana Grossa scheint eher gestopft als gepustet zu werden, denn hier ist die Füllung etwas dichter. Beide Garne sind, wie der Name nahelegt, federleicht: 150 (Drops) bzw. 130 (Lana Grossa) Meter stecken in den 50 Gramm, die mit Nadelstärke 5 verstrickt werden. Zum Vergleich: Drops Big Merino und Lana Grossa Bingo, die vergleichbare Maschenproben haben wie Air und Merino Air, kriegen nur 75 bis 80 Meter pro Knäul zusammen.

Aber ist Air gleich Air? Welches Air ist das Richtige für mich? Finden wir es raus!

 

Runde 1: Weichheit

Die Drops Air ist so locker gefüllt, dass sie wirklich plüschig weich ist. Das Knäul fühlt sich an wie ein fluffiges kleines Tier und man würde sich nicht wundern, wenn es jeden Moment zu gurren anfinge. An schweren Tagen so ein Knäul Drops Air zu drücken hat etwas sehr Tröstliches. Eine ganze Wanne voll davon hätte sicher schon therapeutischen Nutzen.

Die locker Alpaka-Füllung bringt es allerdings auch mit sich, dass mehr Härchen aus dem Faden herausstehen. Einerseits macht gerade das das Garn so schön flauschig. Andererseits bedeutet das für empfindliche Menschen (z.B. mich) einen potenziellen Pieksfaktor und außerdem eine Menge Fusseln.

Die Lana Grossa Merino Air dagegen behält ihre Haare weitestgehen bei sich, was sowohl an der festeren Füllung wie auch am Füllmaterial Merino liegt. Das finde ich als Mimose sehr sympathisch und erkläre sie deshalb zum Rundengewinner.

Gewinner Runde 1: Lana Grossa

 

Runde 2: Melierung

Ich bin ein großer Fan von meliertem Garn, deshalb schaue ich auf soetwas immer ganz genau. Die Lana Grossa Merino Air hat sehr dezent eingestreute rote und weiße Anteile, was der sehr knalligen Farbe Tiefe verleiht. Aber gegen das sagenhafte „Lila Nebel“ und die anderen melierten Varianten der Drops Air kann sie einfach nicht anstinken. Diese Runde ist somit schnell entschieden:

Gewinner Runde 2: Drops

 

Runde 3: Maschenbild

Auch hier gibt es keine großen Überraschungen. Die plüschige Drops Air, hier mal im klassischen Patentmuster, sieht verstrickt so ziemlich genauso aus, wie man es erwartet: Plüschig. Ich stelle sie mir als schöne Alternative für Projekte vor, bei denen man vielleicht sonst Merino und ein Mohairgarn zweifädig verstrickt hätte, also zum Beispiel Kuschelpullover oder Halstücher. Ich trage soetwas eigentlich nie, finde die Drops Air aber so schön, dass ich fast darüber nachdenken würde, einen Pullover daraus zu stricken.

Die Lana Grossa Merino Air gibt ein klareres Maschenbild, das man fast für gewöhnliches Merinogarn halten könnte wenn man nicht gerade so dicht am Strickstück klebt wie ich jetzt mit der Kamera. Sie ist deshalb eine großartige Alternative für jedes Projekt mit Lace- oder Zopfmuster, das kuschelig und trotzdem leicht sein soll. Das Garn strickt sich übrigens auch viel angenehmer, als ich Anfangs vermutet habe, und das Gestrick ist watteweich. Deshalb zeige ich euch vermutlich schon sehr bald ein fertiges Projekt mit der Merino Air. ;)

Gewinner Runde 3: Lana Grossa

 

Runde 4: Preis

So sehr wir es uns auch wünschen, Wolle fällt leider nicht vom Himmel und Wollhändler vergessen eher selten, Geld für ihre Ware zu verlangen – der Preis ist deshalb ein nicht unerheblicher Faktor bei der Garnwahl. Reden wir Tacheles:

Drops Air kostet bei Lanade 4,80 Euro pro 50-Gramm-Bolle.

Lana Grossa Merino Air gibt es für 5,95 Euro bei jedem Lana Grossa Händler (ich mag die Garnwelt sehr gerne).

Klarer Fall? Momentchen! Wer in der Farbwahl flexibel ist, kann bei filati.cc Lana Grossa für 3,95 Euro absahnen – versandkostenfrei! Aber wer Geduld mitbringt, kann auch bis zur Drops Alpaca Party im Herbst warten und dann die Drops Air für 3,60 Euro bei Lanade kriegen. Also wohl doch ein klarer Fall.

Gewinner Runde 4: Drops

 

Und der Gewinner ist …

… beide!

Bis auf die Tatsache, dass sie federleicht sind, sind die beiden Garne trotz des ähnlichen Namens gar nicht so vergleichbar und haben deshalb jeder ihren eigenen kleinen Platz in meinem Herzen (bzw. Wollvorrat). Die Drops Air wiegt das Fusselige, das mir persönlich nicht so gut gefällt und mich tendenziell piekst, durch ihre wundervolle Melierung auf, die mir persönlich extrem gut gefällt. Die Lana Grossa Merino Air dagegen ist von vorne bis hinten ein solider Gewinner, den ich für viele Strickprojekte in Betracht ziehen würde. Welches Garn ist euer Favorit?

 

PS: Der Transparenz halber – ich werde übrigens von keinem der beiden Wollhersteller oder deren Händler für diesen Beitrag bezahlt. ;)