Ein Herz für Alpakas!

Ich muss euch was gestehen: Ich habe schon wieder Wolle gekauft.

Zu meiner Verteidigung: Ich brauche sie, um meine Wolleinkäufe vom Wollfest Hamburg zu verstricken. Und außerdem wurde ich Opfer von Umständen. Jawohl.

Als die neue Drops Flora rauskam, habe ich erstmal nur mit den Achseln gezuckt. Ein dünnes Garn aus Schurwolle und Alpaka, aha. Das konnte mich nicht hinter dem Ofen hervorlocken, dafür habe ich einfach schon zu viele pieksige Erfahrungen mit Alpaka-Garnen gemacht. Aber dann habe ich die Flora in Hamburg in Aktion erlebt, genauer gesagt in Gestalt eines ganz wundervollen Fair-Isle-Pullovers, an dem Carolin von Lanade gestrickt hat. Und der schien gar nicht mal so pieksig, sondern eigentlich richtig schön. Griffig wie Schurwolle, etwas weicher durch den Alpaka-Anteil, aber nicht ganz so schlabbrig wie reines Alpaka gerne schon mal ist. Nett!

Den letzten Stoß hat mir dann Ysolda Teague in ihrem Workshop über Maschenproben versetzt. Da hat sie nämlich nicht nur gestanden, dass sie total gerne Maschenproben strickt (iiihhh…!), sondern auch die kühne Behauptung aufgestellt, dass Superwash-Merino nicht immer die beste Wahl sei, sondern manchmal ein Pullover aus robusterem, schlichten Garn am Ende viel besser sitzt und länger lebt. Waaaas? Alles was ich zu wissen glaubte, geriet plötzlich ins Wanken! Und während ich Ysolda mit offenem Mund zuhörte wie ein römischer Bischof einem Vortrag von Galilei, saß Caro weise lächelnd in ihrer Ecke des Klassenzimmers und strickte an ihrem Flora-Pullover. In meinem Gehirn begannen sich einige rostige Zahnrädchen zu drehen. Ich sah zu Ysolda. Ich sah zu Caro. Ysolda. Caro. Ysolda. Caro. Flora? Flora!

Um es kurz zu machen: Ich habe also dieses Garn bestellt und bin sehr gespannt, wie es sich bewährt. Carolin hat selbst übrigens schon drüben einen ersten Erfahrungsbericht geliefert und wenn ich auf Instagram richtig mitzähle, hat sie jetzt ihr drittes Projekt mit dem Garn angeschlagen. Das scheint mir eine gute Empfehlung von jemandem, der eine Lagerhalle voller Wolle besitzt!

Alpaka steht aber auch generell wieder weiter oben auf meiner Strickliste als früher. Ich bin nämlich zwar nicht weniger empfindlich geworden, aber dafür vielleicht ein kleines bisschen klüger. Nur weil ich vor ein paar Jahren ein Halstuch und einen Cardigan mit Stehkragen aus Alpaka-Garnen nicht vertragen habe, heißt das nicht, dass Alpaka gar nicht mehr geht. Ich muss vielleicht einfach nur Modelle stricken, die mir etwas Luft um den Hals herum lassen!

Wollfest Hamburg 2016

Ihr habt vielleicht schon davon gehört, dass letztes Wochenende in Hamburg das Wollfest stattgefunden hat. Das war soetwas wie eine kleine Messe für Strickerinnen, auf der man wunderschöne Garne kaufen, großartige Workshops belegen und generell durchdrehen konnte. Nix für mich also.

In einem Anfall von Selbstdisziplin habe ich mir tatsächlich vorgenommen, nicht hinzufahren. Ich kaufe mich ja schon im Internet dumm und dusselig, was soll da erst passieren, wenn ich die ganzen tollen Garne vor der Nase habe? Da werde ich arm!

Eine Woche vorher klingelten dann Carolin und Antje von Lanade bei mir an, die ihre Wollfest-Köfferchen schon seit Monaten bereitstehen hatten. „Kommst du nächstes Wochenende auch?“ – „Nee …“ – „Och komm!“ – „Nee!“ – „Och bitte!“ – „Okay, ich bin dabei.“

Und so fand ich mich eine Woche später, also letzten Freitag, in der vielleicht spontansten Kurzreise meines Lebens mit Caro und Antje in Hamburg wieder. Ich wusste selbst nicht so ganz, wie ich da hingekommen bin.

Samstag früh ging es dann los. Stadtkarte brauchten wir nicht, die erfahrene Strickerin folgt einfach ihrem Wollinstinkt.

Und der führte zu: Wolle! Fantastisch viel Wolle in fantastischen Variationen, Reihe an Reihe.

Während die Damen um mich herum plötzlich Verhungernden glichen, denen man ein Festbankett vorgesetzt hatte, schlenderte ich mit kühler Gelassenheit durch die Gänge. Ich brauche eigentlich im Moment keine Wolle, dachte ich bei mir. Ich wüsste auch gar nicht, was ich damit stricken sollte. Und überhaupt. Habe ich so ein Garn nicht sogar noch zuhause liegen?

Ich befühlte ein paar Stränge, tätschelte ein paar Knäul und wähnte mich in voller Kontrolle meiner tierischen Instinkte, als Antje in der Menschenmenge an mir vorbei getrieben wurde, einen hinreißend gesprenkelten Strang Merinowolle an sich gedrückt, und mir zubrüllte: „Schau mal was ich habe! Die gibt es da drüben!“

„Da drüben“ fand ich dann zwei weitere Bekannte im Zustand fortgeschrittener Ekstase. Zu dritt haben wir so ziemlich jedes einzelne Garn der Halle angegrabscht und mit Ooohs und Aaahs und Ohmeingotts kommentiert, bis dann schließlich eins zum anderen führte und ich am nächsten Morgen mit zwei Strängen Wollmeise und einem Pfund Fair Alpaka im Arm aufgewacht bin. Unter anderem.

Noch besser als die Wolle fand ich aber eigentlich sogar die Menschen auf dem Wollfest Hamburg. Es war wunderbar zu wissen, dass alle um einen herum die gleiche Leidenschaft für Wolle und Stricken haben. An den Verkaufsständen gab es kein Haareziehen, sondern gegenseitige Garnberatung und -empfehlungen und ständig fragte irgendjemand irgendwen, welches Muster und welches Garn denn für diese Strickjacke oder diesen Pullover verwendet worden sei, das sehe ja traumhaft aus.

Viele haben mich auf meinen Blog angesprochen, was mich total gefreut hat, weil ich nie so genau weiß, wie viele hier eigentlich mitlesen. Ich bekomme zwar von WordPress angezeigt, wieviele Besucher den Blog betreten, aber über die Handvoll treuer Seelen hinaus, die regelmäßig Kommentare schreiben, weiß ich nie, ob das nicht vielleicht alles verirrte Surfer und Googlebots sind.
Ich für meinen Teil habe auch einige Designerinnen auf dem Wollfest entdeckt, aber meistens nicht dran gedacht, sie um ein Foto zu bitten. Außer Ysolda Teague, bei der ich einen Workshop zum Thema Maschenprobe belegt hatte:

Ich finde sie toll. Sieht man mir auf dem Foto vielleicht an.

Außerdem habe ich mir eine Vorführung von Martina Behm angesehen, bei der sie gezeigt hat, wie man ihre Tücher tragen kann. An Isabell Kraemer und Justyna Lorkowska dagegen bin ich nur mit offenem Mund vorbeigelaufen und habe geistig „Das ist doch … das ist doch …!“ gestottert, bis mir eingefallen sind, wer sie sind und welche ihrer Designs ich gestrickt habe. Woraufhin die Begegnung natürlich schon wieder eine halbe Stunde her war.

Am Ende meines Besuchs auf dem Wollfest gab es dann noch ein kinoreifes Drama. Ich hatte all meine Einkäufe eingepackt und war bereit zum Abmarsch in Richtung Bahnhof, als ich ein leises Stimmchen hörte: „Mama! Maaama…!“ Was war da los? Ein Kind in Not? Niemand sonst schien etwas gehört zu haben. Ich folge den leisen Rufen durch die Hallen. „Mammi, wo bist du?“ Mutterinstinkte auf 100 %. Am Stand von Skein Queen habe ich sie dann entdeckt. „Da bist du ja endlich, Mama! Bringst du uns nach Hause?“

Wie könnte ich den Kleinen diesen Wunsch abschlagen? Also verabschiedete ich mich von meinem letzten Geld und vom Wollfest Hamburg und trat die Heimreise an. Ich bin froh, dass ich doch noch hingefahren bin!

Chinesisches Roulette mit Aliexpress

Ich muss euch heute mal was zeigen, was gar nichts mit Stricken zu tun hat. Oder vielleicht doch, schauen wir mal.

Und zwar bin ich vor einiger Zeit über die chinesische Verkaufsplattform Aliexpress gestolpert. Aliexpress ist sowas wie das eBay des Ostens, nur ohne Versteigerungen. Man findet dort alles Mögliche (wenn man lange genug sucht vermutlich ganz wörtlich alles Mögliche …) und das gar nicht unbedingt zu den klischeehaften China-Billigpreisen. Man stolpert zwar immer wieder über Produkte, die sehr stark, aber eben doch nicht völlig, bekannten Markenprodukten ähneln, aber man findet auch jede Menge originär chinesische Produkte, die man auf dem europäischen Markt gar nicht kriegt. Sowas finde ich viel interessanter als Billigimitate.

Ich wollte Aliexpress unbedingt mal ausprobieren. Kosmetik und Lebensmittel habe ich mich nicht getraut, Elektronik war mir doch zu teuer (ab ca. 25 Euro kassiert der Zoll die deutsche Mehrwertsteuer ein), also habe ich mich im Bereich Schreibwaren umgesehen. Notizbücher und Stifte sind eine heimliche Leidenschaft von mir.

Außerdem liebe ich dieses skurrile Asia-Englisch! Vielleicht werden ständig wohlklingende chinesische Redewendungen ins Englische übertragen und die arglosen chinesischen Produktdesigner merken nicht, dass der Sinn unterwegs verloren geht? Oder vielleicht hat der westliche Tattoo-Trend mit den chinesischen Schriftzeichen in den 90ern/00ern die Chinesen zu dem Schluss gebracht, dass man Menschen, die sich „Friede, Liebe, Schweinefleisch süß-sauer“ auf den Nacken tattoowieren lassen, jeglichen Slogan verkaufen kann. Ich tippe stark auf Letzteres, denn auch ich habe ein Tattoo mit asiatischen Schriftzeichen (wenn auch nicht Chinesisch und hoffentlich auch kein Schweinefleich süß-sauer) und mir kann man jederzeit das wildeste Asia-Englisch verkaufen. Der Pluspunkt ist außerdem, dass man bei Aliexpress oft im Vorfeld nicht zu hundert Prozent erkennen kann, was man eigentlich bestellt, da die Produktbeschreibungen nicht immer übersetzt werden. Das ganze ist somit eine Art chinesisches Roulette mit vielen schönen Überraschungen.

Hier ist meine bisherige Aliexpress-Aubeute:

Sticker kann man immer gebrauchen, nicht wahr? „I like you“ oder „Forever“ sind kleine Botschaften, über die sich jeder freut. Noch keine Verwendung dagegen habe ich leider für „I wish that you loved me“ gefunden. Vielleicht bei der nächsten Steuererklärung? Ganz unsicher bin ich mir allerdings, wann „I can read your mind“ angemessen ist. Klingt irgendwie bedrohlich.

Nächster Fund: Dieses Notizbuch. Galaxien sind hip! Erst als ich das Buch erhielt, stellte ich fest, dass mir außerdem noch ein kleiner Astronomie-Kurs geliefert wurde: „The known universe“, also das bekannte Universum, besteht also aus einem Planeten („Planet side“), einem unbekannten Planeten in Form eines Sternnebels („An unknown Planet“), dem Rand („The Edge“) und nochmal einem Rand („Edge“). Demnach leben wir auf diesem blauen Saturn. Gut zu wissen!

Ein echter Glückstreffer war dieses Notizbuch mit einem großartigen Cover im Steampunk-Stil (in China auch „Steampung“ genannt, wie ein Aufdruck auf der Rückseite zeigt). Das Papier ist sehr hochwertig und es gab sogar ein kleines Zahnrad als Beigabe. Sehr betrübt hat mich allerdings, dass der Designer des zweiten Notizbuchs meiner Bestellung, ein schlichtes schwarzes Buch mit Blumenornamenten, offenbar aufgrund einer unglücklichen Romanze allen Lebenswillen verloren hat. Auf der Banderole des Buches hat er nämlich neben den üblichen Pflichtangaben wie Seitenzahl und Format auch ein kleines Gedicht hinterlassen:

Ich hoffe, der arme Mann hat sich nichts angetan …

Alles in allem bin ich echt begeistert von Aliexpress. Ich hatte bisher noch keine wirklichen Nieten, dafür aber einige echte Hits für kleines Geld. Wenn ihr es einmal selbst versuchen wollt: Ich empfehle euch generell, nur mit Kreditkarte zu zahlen (sicher ist sicher), nicht zu viel Geld zu investieren (wie gesagt, sicher ist sicher …) und euch auf 3 bis 5 Wochen Lieferzeit einzustellen. Und wenn ihr mit irgendwelchen Produkten liebäugelt, die gegessen, aufgeschmiert oder sonstwie in Kontakt mit Schleimhäuten gebracht werden, solltet ihr vielleicht kurz darüber nachdenken, wie sinnvoll die strengen EU-Verordnungen für Produkte dieser Art sind. Ist aber nur meine persönliche Ansicht.

Falls euch jetzt die ganze Zeit die Frage auf den Nägeln gebrannt hat, was denn eigentlich mit Stricken ist: Ja, es gibt auch Wolle bei Aliexpress.

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Auch hier ist es aufgrund der wirren Produktbeschreibung etwas undurchsichtig, was man eigentlich kauft, welche Maschenprobe es hat und wie viele Knäul es werden. Es könnte sich aber lohnen. Was meint ihr, soll ich es mal versuchen?

Farbabenteuer bei Malabrigo & Madelinetosh

Habt ihr gesehen? Lanade hat jetzt auch Madelinetosh ins Programm aufgenommen! Ich könnte meinen Monitor ablecken bei den ganzen tollen Farben! Mach ich aber nicht, der schmeckt so bitter.

Das Tolle bei Madelinetosh ist, dass sich die Färbungen über sämtliche Garnqualitäten ziehen. Die Farbe „Cosmic Wonder Dust“ zum Beispiel findet man sowohl bei der Tosh Merino Light wie auch bei der Pashmina, der Tosh DK und allen anderen Garnen der Marke – und das gleiche gilt für jede der über 150 Farben. Malabrigo macht das leider nicht ganz so konsequent, aber viele Färbungen erkennt man doch wieder.

Zu Madelinetosh kann ich noch nicht ganz so viel sagen, aber bei Malabrigo ist mir aufgefallen, dass gleiche Färbungen bei verschiedenen Garnen sehr unterschiedlich ausfallen können. Seht mal hier beispielsweise die Farbe „Archangel“, einmal auf der Malabrigo Arroyo (links) und einmal auf der Malabrigo Rastita (rechts):

Oder hier die Farbe „Lotus“, einmal links auf der Malabrigo Silky Merino und einmal rechts wieder auf Malabrigo Arroyo:

Merke: Gleiche Farben sehen auf verschiedenen Garnen nicht automatisch gleich aus. Zum Einen liegt das natürlich am Material. Seide nimmt Farbe anders an als Merinowolle und verzwirnte Merinowolle wiederum anders als ein unverzwirntes Merino-Dochtgarn. Und dann ist da natürlich auch noch die Sache mit dem Handarbeitsfaktor beim handgefärbten Garn: Das Ergebnis ist immer ein bisschen anders. Oder auch schon mal ganz viel anders, und das auch schon mal innerhalb der gleichen Qualität, was dann etwas ärgerlich sein kann, wenn der Pullover plötzlich einen unfreiwilligen Blockstreifen hat.

Aber mit handgefärbtem Garn ist es eben wie mit einer Schachtel Pralinen: Man weiß nie was man bekommt, aber man kann trotzdem nicht die Finger davon lassen.

Hier nochmal etwas Eye Candy. Aber nicht meinen Blog ablecken, verstanden?

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Laaangweilig …!

Ich würde euch ja gern jede Woche etwas Aufregendes zeigen, aber manchmal stricke auch ich einfach nur ganz unaufregend vor mich hin. Wollt ihr trotzdem mal sehen, was ich gerade so mache?

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Hauptsächlich arbeite ich gerade an einer sommerlichen Strickjacke nach einer Anleitung aus der Filati – hier könnt ihr sehen wie es aussieht, wenn es fertig ist. Das Garn, Lana Grossa Cotofine, gefällt mir bis auf das unruhige Maschenbild total gut. Es handelt sich um ein dickes Schlauchgarn mit Baumwollfüllung. Sehr glatt, sehr weich, aber gar nicht flutschig wie andere Schlauchgarne. Und mit den dicken Nadeln geht es auch super fix. Ich bin sehr gespannt, wie die Jacke hinterher aussehen wird. Bei den spärlichen Modelbildern bei Lana Grossa ist das ja immer ein bisschen Glücksspiel. Aber was wäre das Leben auch ohne ein bisschen Überraschung?

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Dann habe ich einen 3-in-1-Pullover angefangen. Was ne Konstruktion! Wenn ihr mal Lust habt, ungefähr zwölfmilliarden Maschen aus Wolle in Sockenwollstärke zu stricken und verkürzte Reihen üben wollt, kann ich euch die Anleitung nur ans Herz legen. Lustigerweise empfiehlt die Designerin hierfür statt Wickel- oder Doppelmaschen die sogenannten Shadow Wraps als Wendemaschen, die ich ohnehin zu lernen vorgenommen hatte nachdem Leserin Eva mir neulich von dieser Technik erzählt hat. Ich übe also an meinem bunten Pullover, was ich euch dann in meinem nächsten Tutorial zu verkürzten Reihen noch mal in ordentlich zeigen werde. ;)

Und dann spare ich gerade noch Garne für ein episches Brioche-Projekt à la Stephen West zusammen. Sozusagen Strickprojekt, Garntest und Spielstunde in einem. Was meint ihr, passt da noch ein Orange zu?

Yarn Battle: Drops Air vs. Lana Grossa Merino Air

Kennt ihr das, wenn ihr eine neue Sache kennen lernt und sie euch dann plötzlich überall begegnet? So ging es mir vor etwa 1,5 Jahren mit Garnen, die sich „Air“ nannten. Plötzlich schien jeder Hersteller irgendeine Art von Air-Garn im Sortiment zu haben und jeder schien damit zu stricken (zumindest in den Facebook-Gruppen, in denen ich mich rumtreibe). Pah, alles nur heiße Luft, dacht ich und habe mich standhaft von diesen neuen Garnen ferngehalten. Trotzdem musste ich feststellen, dass sich zwei Exemplare dieser Gattung irgendwie in meinen Wollvorrat eingeschlichen haben. Wie die hier nur immer reinkommen? Was solls. Wenn sie schon mal hier sind veranstalten wir doch einfach mal einen:

KAMPF DER AIR-GARNE

Die Kontrahenten

In der linken Ecke sehen wir Drops Air, ein Blow-Garn aus 70 % Alpaka, 23 % Polyamid und 7 % Schurwolle, Farbe 15 „Lila Nebel“. In der rechten Ecke: Lana Grossa Merino Air, 90 % Merino, 10 % Polyamid, Farbe 5 (manche nennen sie „Woodstock“).

Beide Garne bestehen aus einem Polyamidschlauch, der mit der eigentlichen Wolle gefüllt ist. Bei Drops wird die Alpaka-Schafswollmischung irgendwie reingepustet, was in meiner Vorstellung ungefähr so funktioniert wie das Auspusten von Luftschlangen und einen bemitleidenswerten Trupp hochroter Mitarbeiter in einer fernen Drops-Fabrik erfordert. Die Variante von Lana Grossa scheint eher gestopft als gepustet zu werden, denn hier ist die Füllung etwas dichter. Beide Garne sind, wie der Name nahelegt, federleicht: 150 (Drops) bzw. 130 (Lana Grossa) Meter stecken in den 50 Gramm, die mit Nadelstärke 5 verstrickt werden. Zum Vergleich: Drops Big Merino und Lana Grossa Bingo, die vergleichbare Maschenproben haben wie Air und Merino Air, kriegen nur 75 bis 80 Meter pro Knäul zusammen.

Aber ist Air gleich Air? Welches Air ist das Richtige für mich? Finden wir es raus!

 

Runde 1: Weichheit

Die Drops Air ist so locker gefüllt, dass sie wirklich plüschig weich ist. Das Knäul fühlt sich an wie ein fluffiges kleines Tier und man würde sich nicht wundern, wenn es jeden Moment zu gurren anfinge. An schweren Tagen so ein Knäul Drops Air zu drücken hat etwas sehr Tröstliches. Eine ganze Wanne voll davon hätte sicher schon therapeutischen Nutzen.

Die locker Alpaka-Füllung bringt es allerdings auch mit sich, dass mehr Härchen aus dem Faden herausstehen. Einerseits macht gerade das das Garn so schön flauschig. Andererseits bedeutet das für empfindliche Menschen (z.B. mich) einen potenziellen Pieksfaktor und außerdem eine Menge Fusseln.

Die Lana Grossa Merino Air dagegen behält ihre Haare weitestgehen bei sich, was sowohl an der festeren Füllung wie auch am Füllmaterial Merino liegt. Das finde ich als Mimose sehr sympathisch und erkläre sie deshalb zum Rundengewinner.

Gewinner Runde 1: Lana Grossa

 

Runde 2: Melierung

Ich bin ein großer Fan von meliertem Garn, deshalb schaue ich auf soetwas immer ganz genau. Die Lana Grossa Merino Air hat sehr dezent eingestreute rote und weiße Anteile, was der sehr knalligen Farbe Tiefe verleiht. Aber gegen das sagenhafte „Lila Nebel“ und die anderen melierten Varianten der Drops Air kann sie einfach nicht anstinken. Diese Runde ist somit schnell entschieden:

Gewinner Runde 2: Drops

 

Runde 3: Maschenbild

Auch hier gibt es keine großen Überraschungen. Die plüschige Drops Air, hier mal im klassischen Patentmuster, sieht verstrickt so ziemlich genauso aus, wie man es erwartet: Plüschig. Ich stelle sie mir als schöne Alternative für Projekte vor, bei denen man vielleicht sonst Merino und ein Mohairgarn zweifädig verstrickt hätte, also zum Beispiel Kuschelpullover oder Halstücher. Ich trage soetwas eigentlich nie, finde die Drops Air aber so schön, dass ich fast darüber nachdenken würde, einen Pullover daraus zu stricken.

Die Lana Grossa Merino Air gibt ein klareres Maschenbild, das man fast für gewöhnliches Merinogarn halten könnte wenn man nicht gerade so dicht am Strickstück klebt wie ich jetzt mit der Kamera. Sie ist deshalb eine großartige Alternative für jedes Projekt mit Lace- oder Zopfmuster, das kuschelig und trotzdem leicht sein soll. Das Garn strickt sich übrigens auch viel angenehmer, als ich Anfangs vermutet habe, und das Gestrick ist watteweich. Deshalb zeige ich euch vermutlich schon sehr bald ein fertiges Projekt mit der Merino Air. ;)

Gewinner Runde 3: Lana Grossa

 

Runde 4: Preis

So sehr wir es uns auch wünschen, Wolle fällt leider nicht vom Himmel und Wollhändler vergessen eher selten, Geld für ihre Ware zu verlangen – der Preis ist deshalb ein nicht unerheblicher Faktor bei der Garnwahl. Reden wir Tacheles:

Drops Air kostet bei Lanade 4,80 Euro pro 50-Gramm-Bolle.

Lana Grossa Merino Air gibt es für 5,95 Euro bei jedem Lana Grossa Händler (ich mag die Garnwelt sehr gerne).

Klarer Fall? Momentchen! Wer in der Farbwahl flexibel ist, kann bei filati.cc Lana Grossa für 3,95 Euro absahnen – versandkostenfrei! Aber wer Geduld mitbringt, kann auch bis zur Drops Alpaca Party im Herbst warten und dann die Drops Air für 3,60 Euro bei Lanade kriegen. Also wohl doch ein klarer Fall.

Gewinner Runde 4: Drops

 

Und der Gewinner ist …

… beide!

Bis auf die Tatsache, dass sie federleicht sind, sind die beiden Garne trotz des ähnlichen Namens gar nicht so vergleichbar und haben deshalb jeder ihren eigenen kleinen Platz in meinem Herzen (bzw. Wollvorrat). Die Drops Air wiegt das Fusselige, das mir persönlich nicht so gut gefällt und mich tendenziell piekst, durch ihre wundervolle Melierung auf, die mir persönlich extrem gut gefällt. Die Lana Grossa Merino Air dagegen ist von vorne bis hinten ein solider Gewinner, den ich für viele Strickprojekte in Betracht ziehen würde. Welches Garn ist euer Favorit?

 

PS: Der Transparenz halber – ich werde übrigens von keinem der beiden Wollhersteller oder deren Händler für diesen Beitrag bezahlt. ;)

Fette Beute

Ahoi, ihr Landratten! Wenn ich in den letzten Tagen nichts von mir habe hören lassen, dann weil ich mich irre lachend in Wolle gewälzt habe, die ich am Wochenende zu einem Spottpreis erstanden habe. Und zwar diese hier: 

Merino mit Kaschmir!  Offenbar wird das Garn bald nicht mehr hergestellt, deshalb war es auf 2,50 pro Knäul reduziert. Ich verrate aber nicht wo, denn ich beabsichtige in den nächsten Tagen nochmal hinzufahren und alles aufzukaufen, was ich in die Finger kriege. Muahaha!

Meine Freude ist natürlich völlig selbstlos, ich stricke daraus nämlich einen Cardigan für meine Mutter (Mama, wenn du das liest: Klick mal bitte schnell hier und lies nicht weiter bis zu Geburtstag hattest). Die Anleitung für den Cardigan nehme ich aus diesem Buch:

Darin befinden sich in erster Linie Tabellen für die empfohlenen Maschen- und Reihenmengen in jedem Schritt verschiedener Oberteilvarianten, die von oben nach unten in einem Stück gestrickt werden, jeweils gestaffelt nach den gängigsten Garnstärken und Konfektionsgrößen. In meinem Fall: Ein Raglan-Cardigan mit V-Ausschnitt mit 14 Maschen auf 10 cm. Sobald ich mich im Tabellenwust  zurechtgefunden habe, ging es gut voran.

Nur der Armausschnitt kommt mir monströs groß vor. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein, denn alle, die ich gefragt habe, finden ihn okay. Wenn ich für mich selbst Oberteile stricke, werden die Ärmel meistens so eng, dass ich mich mühsam mit den Armen reinfriemeln muss – das ist natürlich auch nicht optimal.

Wie habt ihr eure Ärmel am liebsten? Weit oder eng?