Türkis, türkis, türkis sind alle meine Kleider …

Nachdem ich letztes Mal erzählt habe, dass ich mich mit der Entscheidung schwer tue, was ich im Urlaub stricken will, habe ich eine recht impulsive Entscheidung getroffen und zwei Projekte eingepackt. Erst als ich sie im Urlaubsort wieder ausgepackt habe, ist mir aufgefallen, dass sie beide türkis/petrolig sind. Lustigerweise habe ich erst am Vorband noch einen Pullover abgekettet, der ebenfalls viel Türkis mit drin hatte. Ist Türkis meine Farbe des Sommers?

Das dunklere der beiden Projekte ist eine Art Hybrid aus zwei verschiedenen Strickmustern. Hier sehr ihr das Teil in etwas fortgeschrittenerem Zustand, wenn auch noch ohne Ärmel:

 

Der Kragen gehört zum Aden von Ankestrick. Das saubere Bündchen mit dem Tunnelzug gefällt mir schon lange, nur dem weiteren Verlauf des Pullovers in glatt links konnte ich nie so viel abgewinnen. Aber dann bin ich über den Shellseeker von Heidi Kirrmaier gestolpert, dessen Bauchtasche mir total gut gefällt, der Kragen aber wiederum nicht. Da beide Pullover für recht ähnliche Maschenproben geschrieben wurden, ließen sie sich sehr einfach vereinen: Vom Kragen bis zur Ärmelabnahme Aden, weiter bis zum Bündchen Shellseeker. Nur die Taillierung musste ich selbst austüfteln, der Shellseeker ist in dieser Hinsicht eher das Modell Kartoffelsack.

Das Garn ist die Lana Grossa 365 Cashmere, zu dem ich mir noch keine richtige Meinung gebildet habe. Es fühlt sich sehr weich an, hebt Schludereien in der Fadenspannung aber gnadenlos hervor. Schauen wir mal, wie würdevoll es altert – davon hängt mein Gesamturteil dann wohl in erster Linie ab.

Das hellere der beiden Projekte ist tatsächlich ein zweiter Whippet, diesmal aus Holst Coast. Es irritiert mich sehr, dass mir das Stricken so viel Spaß macht, nachdem ich gerade erst zähneknirschend einen fertig gestellt habe. Aber wie schon erwähnt, es ist nicht immer alles logisch beim Stricken.

Vielleicht stricke ich diese Jacke aber auch so gerne, weil ich am ersten Modell sehe, wie toll das Ergebnis wird. Da sich der Auftritt des sonnengelben Whippet bei Lanade doch noch etwas verschoben hat, zeige ich euch hier schon mal ein Bild, das bei einem Spaziergang entstanden ist. Habt ihr eure Sonnenbrille zur Hand?

Details dann irgendwann demnächst im Lanade-Blog. Eines Tages. Vermutlich.

Entscheidungsschwierigkeiten

Ich habe heute die schöne, aber auch schwere Aufgabe zu überlegen, welches neue Projekt ich mit in den Urlaub nehme. Schön, weil neue Projekte immer aufregend und spannend sind. Schwer, weil es so gut sein muss, dass ich meine Entscheidung nicht nach zwei Tagen bereue und dann nur noch verbittert vor mich hin stricken kann. Soll ich meinen angefangenen Pullover mitnehmen? Nee, auf den habe ich schon die letzten drei Wochen keine Lust gehabt. Soll ich ein Tuch stricken? Puuh, ich weiß nicht … Soll ich diese eine Strickjacke endlich anfangen? Würde ich gerne, aber was ist, wenn sich das Muster als Katastrophe entpuppt?

Als ich die Problematik meinem Mann erklärt habe, rief er sofort: „Ich weiß, was du stricken kannst!“

„Was denn?“ fragte ich hoffnungsvoll.

„Einen Bikini!“ antwortete er freudestrahlend.

Ah. Danke.

Diese Vorstellung von einem Strickbikini hat sich irgendwie bei ihm festgesetzt, seit ich zum ersten Mal eine Stricknadel in die Hand genommen habe. Alle Versuche ihm zu erklären, dass Wolle kein geeignetes Material für Bademode ist, auch Baumwolle nicht, dass ein gestrickter Bikini nach Wasserkontakt alles andere als schön aussieht, dass auch Häkelbikinis zuletzt vor schätzungsweise 300 Jahren modisch waren und ich lieber in einen lebendigen Aal gewickelt am Strand liegen würde als in so einem Ding – vergebens!

Und so haben wir immer wieder die Bikini-Diskussion, vergessen sie aber eigenartigerweise beide nach einiger Zeit wieder vollständig, so dass sich die oben beschriebene Szene in regelmäßigen Abständen wiederholt: Er verkündet, er habe die perfekte Idee für mein nächstes Strickprojekt, ich rufe mit großen Augen „eeeeecht?“ und die Antwort lautet natürlich: „Na klar, einen Bikini!“ Das muss irgendwas mit bedingungslosem Vertrauen in den guten Willen des Partners zu tun haben. Man könnte ein Postkartenmotiv daraus machen: Liebe ist … daran glauben, dass er eines Tages einen konstruktiven Vorschlag für mein nächstes Strickprojekt macht. Oder: Liebe ist … daran glauben, dass sie eines Tages endlich einen Bikini strickt. Wir haben beide die Hoffnung noch nicht aufgegeben, vielleicht sind wir deshalb schon so lange glücklich verheiratet.

Ich muss aber der Fairness halber sagen, dass meine Entscheidungen dann letzten Endes auch nicht sehr viel rationaler sind als die Bikini-Phantasien meines Mannes. Zum Beispiel habe ich bei der Arbeit an meiner Häkeldecke für Lanade oft heftig mit den Zähnen geknirscht, weil ich viel lieber etwas aufregendes Neues anfangen wollte, statt nun das zwölfundrölfzigste Häkelquadrat zusammenklöppeln zu müssen. Kaum war ich fertig, kam mir die Decke aber vor wie das beste Ding auf Erden schlechthin und ich habe sofort mit der nächsten Häkeldecke angefangen.

Meint ihr, ich würde diesmal weniger über die vielen Häkelquadrate stöhnen? Nein, ich stöhne vermutlich sogar noch mehr, weil ich mir das zum zweiten Mal antue. Meint ihr, ich würde meine Entscheidung bereuen? Nein! Weil rationales Denken eben nur bis zu einem bestimmten Punkt reicht, wenn es um Wolle geht. Vielleicht sogar nur so weit, wie es nötig ist, um noch vor sich selbst als vernünftiger Erwachsener durchzugehen. Als jemand, die überlegt Wolle kauft und effizient ihre Projekte plant – aber unter dieser Fassade ist alles nur ein großer Kindergeburtstag mit einem riesigen Bällebad aus Wollknäulen. Und genau so sollte es doch auch eigentlich sein, oder?

Mein Favorit für mein Urlaubsprojekt ist mittlerweile ein Cardigan, den ich gerade eben erst unter großem Gefluche aus Madelinetosh Prairie gestrickt habe (den Bericht dazu könnt ihr aller Voraussicht nach ab Dienstag Freitag auf dem Lanade-Blog lesen), nämlich der Whippet von Ankestrick. Oder vielleicht doch einen Strickbikini.

Eine unerwartete Wendung (und ein Pullover)

Ich denke, ich habe in den letzten Tagen viel über das Entwerfen von Buchcovern gelernt. Zum Beispiel folgendes:

1. Wenn man Farben auf ein Blatt Papier kleckst, hat man noch nicht automatisch ein tolles Motiv.

2. Wenn man Farben auf ein Blatt Papier kleckst, hat man aber fast immer automatisch auch eine interessant bekleckste Wand darüber.

3. Ich kann offenbar nicht mal eben so ein tolles Buchcover aus dem Ärmel schütteln.

4. Andere können das aber durchaus – so wie die liebe Katy, die gelernte Grafikerin, gute Seele und Leserin meines Blogs ist und mir nach meinem letzten Beitrag angeboten hat, mir bei der Covergestaltung zu helfen. Jetzt hat mein Buchcover professionelle Kleckse, professionelle Schrift und sogar ein professionelles Logo, was mir nie im Leben eingefallen wäre. Vielen Dank, Katy!

Das Buch mitsamt seinem hübschen Cover ist bereits an den eBook-Publisher geschickt und wartet auf Freigabe. Sobald es durch ist, folgt die große Präsentation!

Etwas, was ich übrigens in den letzten Tagen fertigstellen konnte, ohne meine Zimmerwände in Mitleidenschaft zu ziehen, ist mein Alpaka-Pullover:

Es ist mir tatsächlich gelungen, den Wettlauf mit dem Wetter zu gewinnen und das Teil genau zum Einbruch der Kältephase fertig zu kriegen. Optimal!

Die fairAlpaka DK hat mich in mehrfacher Hinsicht positiv überrascht: erstens weil sie mir zweimaliges Ribbeln ohne Groll verziehen hat, zweitens weil sich das alpakatypische unruhige Maschenbild nach dem Baden komplett geglättet hat und drittens weil mich der Pulli absolut nicht piekst, auch am Hals nicht. Dass er zum Irrewerden flauschig ist überrascht mich nicht, das habe ich mir schon vorher gedacht.

Das Muster ist „Drijfhout“ von Isabell Kraemer, eine etwas aufgemotzte Version des Driftwood-Pullovers. Ja, man kann auch den kostenlosen Driftwood auf die Maschenprobe der fairAlpaka DK umrechnen. Aber ich finde es eine gute Sache, Strickdesigner zu unterstützen und ihre Arbeit zu würdigen, und jeder, der sagt ich sei zu faul zum Umrechnen, ist ein gemeiner Lügner und soll sich was schämen.

Die tiefe Knopfleiste habe ich übrigens über die Länge der untersten drei Knöpfe zugenäht. So erhält die ganze Leiste Stabilität, die dem extrem geschmeidigen Alpaka-Garn ja leider manchmal abgeht, und ich muss mir keine Gedanken über ungewollte Entblößungen machen. Die Profi-Füchse unter den Strickerinnen sparen sich dann auch gleich die Knopflöcher und nähen die Knöpfe einfach auf die Leiste, aber naja. Ich wollte Isabell Kraemers Arbeit als Designerin von Knopflöchern würdigen.

h+h Köln – Hacken ablaufen & Haben wollen

Ab und an habe ich ja so Momente in meinem Leben, in denen ich plötzlich von meinem Strickzeug aufschaue und mich frage, warum ich eigentlich in der dunklen Bude rumsitze, wenn doch draußen die Sonne scheint und die Vögelchen zwitschern. Letzten Samstag war wieder so ein Moment gekommen, also habe ich beschlossen, mal ein bisschen raus zu gehen und mir die Beine zu vertreten. Zum Beispiel auf der h+h Köln!

Um es kurz zu machen: Es war großartig. Die beiden „h“ stehen für „Handarbeit“ und „Hobby“, aber auch für „Hach ja, das könnte mir auch gefallen“ und „Huuu, meine Füüüüße!“ Dementsprechend habe ich jede Menge Wolle geherzt, mit vielen lieben Leuten geschnackt und heimlich dem lieben Gott gedankt, dass man auf dieser Messe nichts kaufen konnte. Und mir am Ende des Tages ein Paar Ersatzbeine gewünscht.

Ich musste natürlich auf jeden Fall die Neuheiten von Malabrigo und Madelinetosh ablecken in Augenschein nehmen. Links sehr ihr das, was Malabrigo unter Speckles versteht (gefällt mir!), rechts eine der neuen Farben von Madelinetosh. Bei den Damen von Madelinetosh habe ich mich auch direkt ordentlich eingeschleimt, weil ich meinen Walk Along aus Twist Light anhatte. „I loooove your yarn, I even wear it today!“ – „Reeeally? Your sweater is soooo prettyyyy!!!“ – „Nooo, your yarn is sooo prettyyyy!!!“ – „Awww, thank youuuu!!!“ – „No thank youuuuu!!!“
Hach ja, man versteht sich.

Sehr begeistert war ich auch von einigen Nadel-Neuheiten. Links seht ihr ein sehr innovatives Nadelspiel mit gebogenen Nadeln, das sich besonders für Leute eignet, die mit 5 geraden Nadeln Probleme haben. Durch die Beuge werden die Maschen gut gehalten, man muss aber immer etwas fummeln, um die nächste Nadeln zum Abstricken in Position zu bringen. Ich hatte beim Teststricken auch tendenziell immer das Problem, dass sich ein Nadelende im Gestrick verhakt hat, aber das mag ein Anfängerproblem sein.
Rechts seht ihr die nicht mehr ganz so brandneuen Prym Ergonomics. Ich kannte diese neue Nadelserie schon aus dem Internet und war extrem skeptisch (Kunststoff? Kugelspitze? Meh!), aber als ich sie in der Hand hatte, war ich positiv überrascht: Der Kunststoff fühlt sich nicht billig an und die eigenwillige Spitze macht das Stricken wirklich leichter! Ich kann mir denken, dass sie sich nicht für jedes Garn gleich gut eignen – wenn man damit doch mal einen Faden durchsticht, wird die Kugelspitze vermutlich zum nervigen Problem. Aber gut verzwirnte Merinos und dergleichen flutschen damit hervorragend. Zwei Nadelspiele habe ich mir direkt bestellt und warte jetzt ungeduldig darauf, dass die Rundstricknadeln in den Handel kommen.

Was gibts noch? Der Trend der gefachten Farbverlaufsgarne ist jetzt scheinbar auch bei den großen Herstellern angekommen. Leider arbeiten auch hier die meisten mit der Baumwoll-/Acrylmischung, die die meisten kleinen Manufakturen verwenden, aber ich habe auch ein paar Merinos erspäht.

Sehr lustig fand ich das Plastikgarn von Rico, mit dem man süße Scheuerlappen häkeln kann. Das Häkeln selbst ist vermutlich der Horror, aber das Ergebnis ist toll.

Und mit der handgemachten Käseauslage von Madame Tricot verabschiede ich mich. Schön war’s in Köln!

Ganz schön mysteriös!

Oh Mann, da habe ich mir was eingebrockt mit dem Mystery Knit Along von Stephen West.

Was ein Mystery Knit Along ist, lässt sich am besten so beschreiben: Stell dir vor, du bist 5 Jahre alt und auf einem MacDonalds-Kindergeburtstag eingeladen. Gefühlte fünfzig Kinder wurden mit fünf Litern koffeinhaltiger Limo und fünfhundert bunten Bällen in einen kleinen Raum gesteckt und sich selbst überlassen. Plötzlich kommt dir die fabelhafte Idee, dir zwei Pommes in die Nasenlöcher zu stecken und derart geschmückt die allgemeine Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen. Und in dem Moment, in dem sich die aufgedrehte Kinderschar auf dein „guckt mal, guckt mal, guckt mal!“ zu dir umdreht, wird dir klar: Gleich bist du entweder das coolste Kind oder der größte Depp im Raum. Vielleicht sogar beides gleichzeitig.

Genau so geht es mir gerade mit dem M-KAL von Stephen West. „Marled Magic“ heißt das Ding, von dem ich absolut keinen Schimmer habe, was es am Ende sein soll. Ich nehme an, ich werde es mir irgendwie um den Hals hängen können. Aber das empfiehlt Stephen West ja bei allen seinen Kreationen, den Wollschlüpper vermutlich nicht ausgenommen. Als mein Mann meinen „Marled Magic“ gesehen hat, hat er sofort „Ah, Stephen West?“ gesagt – jawohl, so schlimm ist es.

Spaß macht es immerhin. Immer zwei Fäden werden zusammen verstrickt, was mir die Möglichkeit gibt, eine Menge Restgarne zu verbrauchen. Auf der anderen Seite muss ich immer wieder gegen die berühmte Stricker-Reue ankämpfen: Vielleicht fällt mir ja eines Tages noch ein besseres Projekt für dieses Garnrestchen ein? Und dann ist es weg, gefressen von Stephen West!

Also gut, Augen zu und durch. Schließlich besteht die Möglichkeit, dass ich hinterher das coolste Kind im MacDonalds bin.

Der Frühling wird bunt!

Ach Kinder, es wird Frühling. Die Vögelchen zwitschern, die Blümchen sprießen, die Bäumchen grünen und in meinem Wollschrank wachsen auch allerlei bunte Neuheiten. Dieses Gewächs hier beispielsweise:

Dieses Schätzchen vom Mondschaf komplettiert endlich mein Duo, das schon seit Ewigkeiten nach einem dritten Strang für ein schönes Tuch sucht:


Von links nach rechts: Mondschaf Merino Singles „Aurora“ in Lila, Madelinetosh Tosh Merino Light in „Laurel“, Hedgehog Skinny Singles in „Pistacchio“. Die werden jetzt ein „Goldfish Memory“ von Casapinka – eine fantastische Anleitung für Leute mit unverplanten Einzelsträngen und wenig Lust auf eintönige Tücher.


Bild: Casapinka

Nachdem ich gefühlt Ewigkeiten kein Tuch mehr gestrickt habe, bin ich jetzt wieder total im Fieber. Bei Ravelry springen mir ständig Muster ins Auge, bei denen sich Einzelstränge handgefärbter Garne in Sockenwollstärke kombinieren ließen. Wollt ihr mal ein paar sehen? Die folgenden Bilder sind alle von den DesignerInnen (so schnell stricke ich dann ja auch wieder nicht).

Beata Jezek ist nicht nur die Mami der wundervollen Hedgehog-Garne, sondern auch Schöpferin vieler toller Anleitungen, die man mit ihren Garnen umsetzen kann. „Shockwaves“ wurde für vier Stränge buntes Garn geschrieben und begeistert mich maßlos. Ach ja, und es ist gratis!


„Lilli Pilli“ von Ambah O’Brien steht schon lange auf meiner Strickliste und war auch die ursprüngliche Wahl für meine beiden Grünlinge, bis der Goldfish Memory dazwischenkam. Beide Tücher haben eine Parallelogramm-Form (nennt man das so?), die ich viel lieber trage als Dreieckstücher. Bei Dreieckstüchern habe ich immer das dumme Gefühl, einen Schlabberlatz zu tragen. Beim Lilli Pilli könnte man das wiederholende Lace-Stück auch immer in einer anderen Farbe stricken und so ein paar Reste aufbrauchen, denke ich mir.


Und dann gibt es da natürlich noch den MKAL von Stephen West, der nächste Woche startet. Ich finde, Stephens Mystery Knit-Alongs sind immer so eine Überraschungstüte – manche ergeben hinterher etwas, was ganz großartig aussieht, und manche sehen am Ende aus wie etwas, was man aus dem Altkleidercontainer gezogen hat. Beim letzten Mal war ich sehr froh, dass ich nicht mitgemacht habe. Dieses Mal habe ich mich auch standhaft geweigert. Aber dann habe ich mir Stephen Wests Musikvideo zur Aktion angesehen und plötzlich war ich angemeldet und hatte passende Garne bestellt. Er hat hypnotische Kräfte! Seht selbst – aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

Verkürzte Reihen Teil 5: Japanese Short Rows

Jawohl, ich habe sie nicht vergessen, die fünfte Technik für verkürzte Reihen! Schon seit Wochen und Monaten habe ich mir vorgenommen, die japanische Technik kennen zu lernen. Aber dann war ich von den Shadow Wraps so begeistert, dass ich dachte, besser kann die ganze Kiste nicht mehr werden. Per Zufall bin ich dann von einer Anleitung mit der Nase auf die Japanese Short Rows gestoßen worden und siehe da: Es geht doch noch besser!

Die japanische Variante ist unglaublich simpel, leicht zu stricken und verschwindet unsichtbar im fertigen Gestrick. Die habens echt drauf in Japan! Einziger Knackpunkt: Man braucht einen offenen Maschenmarker dafür. Zur Not tuts aber auch eine Büroklammer oder eine Sicherheitsnadel. Mit etwas Übung kommt man dann vermutlich auch irgendwann ohne Hilfmittel aus, für den Anfang sollte man aber auf jeden Fall einen kleinen Helfer zur Hand haben.

So geht’s:
Zuerst strickt ihr wie immer bis zu dem Punkt, an dem die verkürzte Reihe enden soll.

Jetzt dreht ihr die Arbeit um und hebt die erste Masche der linken Nadel ungestrickt auf die rechte Nadel. Das war auch schon die ganze Wendemasche! Einfach, gell?

Hier kommt der Maschenmarker ins Spiel. Ihr hängt ihn in den Arbeitsfaden ein und strickt dann die Reihe zurück. Achtet darauf, dass der Marker auf der Seite der Arbeit hängt, die später die Rückseite bildet.

Wenn ihr das nächste Mal in der Hinreihe an diese Stelle kommt, werdet ihr zwischen der Wendemasche und der ersten Folgemasche eine fette Lücke sehen. Bleibt das etwa so?! Natürlich nicht. Die machen wir jetzt zu.

Dafür zieht ihr jetzt an dem Maschenmarker, den ihr vorhin eingehangen habt, eine Schlaufe auf die linke Nadel. Achtet darauf, dass die Schlaufe die gleiche Orientierung hat wie die folgende Masche, also nicht verdreht wird. Den Maschenmarker könnt ihr dann abnehmen und in einer Sofaritze verlieren, so mache ich das auch immer.

Jetzt die Schlaufe mit der nächsten Masche zusammen abstricken und die Sache ist geritzt!

Tadaa: Eine wunderschöne verkürzte Reihe ohne das geringste Loch oder Knötchen.

Diese Technik funktioniert bei glatt links und kraus rechts ganz genauso, im Falle von glatt links werden dann Schlaufe und Masche natürlich links zusammengestrickt. Ihr müsst lediglich darauf achten, dass die Schlaufe aus der Wendemasche hinterher hinter der Masche zu liegen kommt, mit der sie zusammengestrickt wird. Dafür müssen Schlaufe und Masche einmal kurz Plätze tauschen, so dass die Schlaufe links von der Masche liegt. Das Schöne ist aber, dass man sofort sieht, ob man es richtig gemacht hat. Diese Technik ist daher definitiv mein neuer Favorit!

Die vier übrigen Techniken von verkürzten Reihen, die ich bisher vorgestellt habe, findet ihr hier. Und wen es interessiert: Die im Beispiel verwendeten Garne sind Madelinetosh Merino Twist DK in „Baltic“ als Grundfarbe und Malabrigo Merino Worsted in „Water Green“ für die verkürzte Reihe.

Kennt ihr noch mehr Techniken für verkürzte Reihen? Vielleicht geht es ja doch noch eleganter als mit der Japanischen?

Nachtrag:
Nachdem ich jetzt diese Stricktechnik bei mehreren Projekten angewendet habe, möchte ich noch zwei wichtige Punkte ergänzen.

1. Man sollte sich im Vorhinein klar machen, wie viele verkürzte Reihen da auf einen zukommen. Mein aktuelles Projekt formt einen schräg abfallenden Saum mit gefühlt 50 verkürzten Reihen. Nach der 5. Reihe bin ich von Japanese Short Rows auf Shadow Wraps umgestiegen, weil ich mehr Maschenmarker angesammelt habe als Weihnachten Kugeln am Baum hängen.

2. Es ist wichtig zu beachten, welche Technik die Anleitung ursprünglich für verkürzte Reihen vorsieht. Bei z.B. der klassischen Technik mit Doppelmaschen steht in der Anleitung oft „bis 2 Maschen vor letzter Doppelmasche rechts stricken, dann wenden und Doppelmasche arbeiten“ – jede verkürzte Reihe ist damit 3 Maschen kürzer als die vorherige (2 Maschen + Doppelmasche). Bei einer Technik wie den Japanese Short Rows aber gibt es keine explizite Wendemasche, so dass man jede verkürzte Reihe nur 2 Maschen kürzer als die Vorreihe strickt, wenn man sich an die Anleitung hält. Das verändert u.U. Form und Länge des Strickstücks!