Was tun, wenn das Strickbild unregelmäßig ist?

Auf dem Lanade-Blog habe ich neulich darüber geschrieben, wie man ein Strickmuster, das einen Pullover oder eine Jacke in Einzelteilen vorsieht, zu einer nahtlosen Konstruktion umbauen kann. Der Vorteil: Man muss nichts vernähen und kann einen guten Teil des Projekts in Runden stricken.

Ich gebe zu, ich habe bei dieses Thema in erster Linie aus persönlichen Gründen gewählt: ich lache mir immer heimlich ins Fäustchen, wenn ich eine Strickanleitung umbauen und so diesen mühseligen Rückreihen ein Schnippchen schlagen kann. Und da ich gerade ein Projekt mit laaaangen, absolut unausweichlichen Reihen hinter mir hatte, war da ein gewisser Leidensdruck.

Darüber habe ich allerdings glatt ein Phänomen vergessen, das beim Stricken teils in Runden, teils in Reihen bei vielen auftritt. Sehr viele Strickerinnen haben bei rechten Maschen eine andere Fadenspannung als bei linken Maschen – ich selbst eingeschlossen. In Reihen Gestricktes wirkt so etwas unruhiger im Maschenbild als etwas, was in Runden gestrickt wurde. Hier der typische Effekt, der sich bei unregelmäßiger Fadenspannung auf der Rückseite des Strickstücks einstellt:

Kann man in den meisten Fällen mit leben, sticht aber oft doch sehr stark ins Auge, wenn man innerhalb eines Strickstücks von Rundstrick auf Reihen gewechselt ist. Und manchmal will man auch bei durchgängig in Reihen gestrickten Stücken etwas mehr Regelmäßigkeit drinhaben. Deshalb habe ich ein paar Tipps zusammengestellt, die dabei helfen, die Fadenspannung für Vorder- und Rückseite etwas einheitlicher zu halten.

1. Garnwahl
Es gibt Garne, die sind einfach Biester. Pflanzenfasern wie Baumwolle und Leinen gehören gern dazu, manchmal liegt es aber auch an der Art der Verzwirnung, der Sternenkonstellation oder irgendwelchen okkulten kosmischen Gesetzen, die noch nicht wissenschaftlich erforscht sind. Flutschigere Fasern wie Merino oder Kaschmir dagegen sind extrem gutmütig und ziehen sich fast schon von selbst in Form. Wer tendenziell unregelmäßig strickt, kann daher viel mit dem richtigen Garn ausgleichen. Die ultimative Geheimwaffe ist hier natürlich Flauschgarn wie Mohair, Bouclé oder dergleichen, die ganz einfach gar kein Maschenbild mehr erkennen lassen.

2. Zieh!
Wenn man weiß, welche der beiden Maschenarten man lockerer strickt als die andere, kann man versuchen, die Fadenspannung entsprechend zu erhöhen. Beispiel: Meine linken Maschen werden grundsätzlich etwas lockerer als die rechten, deshalb wickle ich bei Rückreihen den Arbeitsfaden einmal öfter um den Zeigefinger. Das erhöht die Spannung und macht damit die Maschen etwas fester, allerdings leidet auch die Durchblutung etwas darunter (aua!).


3. Nadelkombis
Zum einen kann das richtige Material der Stricknadeln das Maschenbild ganz allgemein verbessern. Die Acryl-Nadeln der KnitPro Spectra Serie zum Beispiel kann ich gar nicht ausstehen, da leidet schon mein Maschenbild daran, dass ich mich bei jeder Masche schütteln muss. Mit Bambusnadeln von KnitPro dagegen wird bei mir alles ein kleines bisschen schöner. Ist aber auch immer Geschmackssache.
Was man darüber hinaus noch tun kann, um über die Nadeln das Maschenbild zu regulieren, ist eine Anpassung der Nadelstärke für Hin- und Rückreihen. Bei einem modularen Nadelsystem wie KnitPro, Addi oder Hiya Hiya kann man einfach die benötigten Nadeln zusammenbasteln und so zum Beispiel die Rückreihen eine halbe oder ganze Nadelstärke kleiner stricken als die Hinreihen. Macht hier im Vorfeld unbedingt ein paar Maschenproben, bis ihr die richtige Stärken-Kombi habt!


4. Mustertricks
Wenn das alles nichts fruchtet, bleibt immer noch eine Möglichkeit: ganz einfach nicht glatt rechts stricken. Ein einfaches Perlmuster lässt sich ohne große Rechnerei in jede Anleitung einbauen, sieht gut aus und verteilt in Runden wie in Reihen linke und rechte Maschen so gleichmäßig, dass unterschiedliche Fadenspannung nicht mehr auffällt!

Kennt ihr noch weitere Tricks für ein gleichmäßigeres Maschenbild?

Advertisements

Im Tuchfieber

Ich habe ja schon vor einigen Wochen davon erzählt: Bei mir breitet sich wieder das Tuchfieber aus. Durch einen missglückten Goldfish Memory kurzzeitig gedämpft und durch den Stephen-West-KAL vorübergehend zufrieden gestellt bin ich eine Weile ausgekommen. Aber dann kam Melanie Berg mit einer teuflischen Rabattaktion und schon saß ich wieder bis über beide Ohren in Strickmustern für Halstücher.


© Bild: Melanie Berg

Meine erste Wahl war das Tuch Solaris. Ich liebe dieses schlichte Streifenmuster mit den kleinen Knubbeln und ich liebe den gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem. Und obendrein schien mir das Muster perfekt, um endlich diese beiden Stränge Wollmeise Blend in Petit Poison Dunkel zu verstricken, die seit dem Wollfest Hamburg bei mir herumliegen. Wo steckt eigentlich dieses Früchtchen, das mir erzählt hat, zwei Stränge reichen für einen Pullover? Und wo steckt mein Mathelehrer, der mir nicht genug Mathe beigebracht hat, um das nachzurechnen bevor ich zum Wollmeise-Stand gerannt bin? Bitte meldet euch, ich habe ein Hühnchen mit euch beiden zu rupfen!


Wie dem auch sei. Wollmeise lag bereit, der Ankauf einiger Mini-Stränge in passenden Farben bei Frida Fuchs wurde billigend in Kauf genommen, kurze Zeit später lag alles für ein Solaris-Tuch in Beerenfarben bereit. Aber wie das immer so ist, nahm meine Wertschätzung der Farbwahl vom Ausgangspunkt „Beste Idee EVER!“ eine rapide Talfahrt über „Hmm, ich weiß nicht“ hin zum absoluten Tiefpunkt „Größter Mist, den ich je gesehen habe.“

Einige Zeit, Brainstormings und Euros später hatte ich dann eine völlig andere Grundfarbe für das Tuch, nämlich einen variationsreich-sandfarbenen Ton aus Zitron High Twist Concept. Die bereits angeschafften Mini-Füchse in Beerenfarben ließen sich zum Glück sehr gut damit kombinieren. Und hier ist das fertige Tuch!

Diese sehr zurückhaltende Farbe ist eher ungewöhnlich für mich, vielleicht aber gerade deshalb sehr gut. Sonst nehme ich bei Tüchern gern äuffälligere Farben und habe dann später oft das Problem, dass sie nicht zu meinen Anziehsachen passen (Hallo, gesamte Stephen-West-Kollektion in meinem Schrank!). Eins meiner ersten Halstücher dagegen war ein ganz simples Dreieckstuch in gedämpften Khakigrün und wurde von mir praktisch drei Jahre lang täglich getragen. Ich bin also optimistisch.

Da ich am Ende doch nicht alle Frida-Fuchs-Farben für die Streifen unterbringen konnte, habe ich einfach eine kleinere Version des Tuchs gestrickt. Mein Tuch hat wie vorgesehen fünf Einsätze mit Streifen in verkürzten Reihen, aber Wiederholung 4 und 5 haben die gleiche Farbe. Die Abschlussborte habe ich etwas früher begonnen und dann nur mit 7 statt 9 Bobbel-Streifen gearbeitet. Sieht trotzdem gut aus und ist auch trotzdem noch groß genug. Die lange Seite hat etwa 2,45 m!

Als nächstes habe ich eigentlich den Rheinlust auf der Wunschliste, bin aber noch unentschlossen, ob ich den in Blau stricken möchte oder da endlich mal die dumme Wollmeise für verwenden kann. Aber Wellenmuster muss eigentlich blau, oder?
Bis ich mich entschieden habe, stricke ich den Lilli Pilli (Ambah O’Brien, nicht Melanie Berg) in dieser hübschen Kombi:

Das ist einmal Hedgehog Socks in Oracle, Zitron Seidenstraße in einer namenlosen Grau-Lila-Mischung und ein handgefärbtes Merinogarn in der schönen Farbe Berry Crush, das ich auf DaWanda entdeckt habe. Auch alles drei wieder neu für dieses Projekt angeschafft, fällt mir gerade auf. Die 50 Garne in meinem Schrank passen aber auch einfach nicht zusammen!

Und dann ist da noch eine kleine, fantastische Sache, an der ich arbeite. Ich darf noch nichts dazu sagen, aber ich kann euch zumindest die Garne zeigen:

Ja, es ist bloß Acrylwolle. Ja, es sind weihnachtliche Farben. Und ja, es ist die vielleicht großartigste Auftragsarbeit, die ich je gestrickt habe. Ich hoffe, ich kann euch bald mehr erzählen!

Türkis, türkis, türkis sind alle meine Kleider …

Nachdem ich letztes Mal erzählt habe, dass ich mich mit der Entscheidung schwer tue, was ich im Urlaub stricken will, habe ich eine recht impulsive Entscheidung getroffen und zwei Projekte eingepackt. Erst als ich sie im Urlaubsort wieder ausgepackt habe, ist mir aufgefallen, dass sie beide türkis/petrolig sind. Lustigerweise habe ich erst am Vorband noch einen Pullover abgekettet, der ebenfalls viel Türkis mit drin hatte. Ist Türkis meine Farbe des Sommers?

Das dunklere der beiden Projekte ist eine Art Hybrid aus zwei verschiedenen Strickmustern. Hier sehr ihr das Teil in etwas fortgeschrittenerem Zustand, wenn auch noch ohne Ärmel:

 

Der Kragen gehört zum Aden von Ankestrick. Das saubere Bündchen mit dem Tunnelzug gefällt mir schon lange, nur dem weiteren Verlauf des Pullovers in glatt links konnte ich nie so viel abgewinnen. Aber dann bin ich über den Shellseeker von Heidi Kirrmaier gestolpert, dessen Bauchtasche mir total gut gefällt, der Kragen aber wiederum nicht. Da beide Pullover für recht ähnliche Maschenproben geschrieben wurden, ließen sie sich sehr einfach vereinen: Vom Kragen bis zur Ärmelabnahme Aden, weiter bis zum Bündchen Shellseeker. Nur die Taillierung musste ich selbst austüfteln, der Shellseeker ist in dieser Hinsicht eher das Modell Kartoffelsack.

Das Garn ist die Lana Grossa 365 Cashmere, zu dem ich mir noch keine richtige Meinung gebildet habe. Es fühlt sich sehr weich an, hebt Schludereien in der Fadenspannung aber gnadenlos hervor. Schauen wir mal, wie würdevoll es altert – davon hängt mein Gesamturteil dann wohl in erster Linie ab.

Das hellere der beiden Projekte ist tatsächlich ein zweiter Whippet, diesmal aus Holst Coast. Es irritiert mich sehr, dass mir das Stricken so viel Spaß macht, nachdem ich gerade erst zähneknirschend einen fertig gestellt habe. Aber wie schon erwähnt, es ist nicht immer alles logisch beim Stricken.

Vielleicht stricke ich diese Jacke aber auch so gerne, weil ich am ersten Modell sehe, wie toll das Ergebnis wird. Da sich der Auftritt des sonnengelben Whippet bei Lanade doch noch etwas verschoben hat, zeige ich euch hier schon mal ein Bild, das bei einem Spaziergang entstanden ist. Habt ihr eure Sonnenbrille zur Hand?

Details dann irgendwann demnächst im Lanade-Blog. Eines Tages. Vermutlich.

Entscheidungsschwierigkeiten

Ich habe heute die schöne, aber auch schwere Aufgabe zu überlegen, welches neue Projekt ich mit in den Urlaub nehme. Schön, weil neue Projekte immer aufregend und spannend sind. Schwer, weil es so gut sein muss, dass ich meine Entscheidung nicht nach zwei Tagen bereue und dann nur noch verbittert vor mich hin stricken kann. Soll ich meinen angefangenen Pullover mitnehmen? Nee, auf den habe ich schon die letzten drei Wochen keine Lust gehabt. Soll ich ein Tuch stricken? Puuh, ich weiß nicht … Soll ich diese eine Strickjacke endlich anfangen? Würde ich gerne, aber was ist, wenn sich das Muster als Katastrophe entpuppt?

Als ich die Problematik meinem Mann erklärt habe, rief er sofort: „Ich weiß, was du stricken kannst!“

„Was denn?“ fragte ich hoffnungsvoll.

„Einen Bikini!“ antwortete er freudestrahlend.

Ah. Danke.

Diese Vorstellung von einem Strickbikini hat sich irgendwie bei ihm festgesetzt, seit ich zum ersten Mal eine Stricknadel in die Hand genommen habe. Alle Versuche ihm zu erklären, dass Wolle kein geeignetes Material für Bademode ist, auch Baumwolle nicht, dass ein gestrickter Bikini nach Wasserkontakt alles andere als schön aussieht, dass auch Häkelbikinis zuletzt vor schätzungsweise 300 Jahren modisch waren und ich lieber in einen lebendigen Aal gewickelt am Strand liegen würde als in so einem Ding – vergebens!

Und so haben wir immer wieder die Bikini-Diskussion, vergessen sie aber eigenartigerweise beide nach einiger Zeit wieder vollständig, so dass sich die oben beschriebene Szene in regelmäßigen Abständen wiederholt: Er verkündet, er habe die perfekte Idee für mein nächstes Strickprojekt, ich rufe mit großen Augen „eeeeecht?“ und die Antwort lautet natürlich: „Na klar, einen Bikini!“ Das muss irgendwas mit bedingungslosem Vertrauen in den guten Willen des Partners zu tun haben. Man könnte ein Postkartenmotiv daraus machen: Liebe ist … daran glauben, dass er eines Tages einen konstruktiven Vorschlag für mein nächstes Strickprojekt macht. Oder: Liebe ist … daran glauben, dass sie eines Tages endlich einen Bikini strickt. Wir haben beide die Hoffnung noch nicht aufgegeben, vielleicht sind wir deshalb schon so lange glücklich verheiratet.

Ich muss aber der Fairness halber sagen, dass meine Entscheidungen dann letzten Endes auch nicht sehr viel rationaler sind als die Bikini-Phantasien meines Mannes. Zum Beispiel habe ich bei der Arbeit an meiner Häkeldecke für Lanade oft heftig mit den Zähnen geknirscht, weil ich viel lieber etwas aufregendes Neues anfangen wollte, statt nun das zwölfundrölfzigste Häkelquadrat zusammenklöppeln zu müssen. Kaum war ich fertig, kam mir die Decke aber vor wie das beste Ding auf Erden schlechthin und ich habe sofort mit der nächsten Häkeldecke angefangen.

Meint ihr, ich würde diesmal weniger über die vielen Häkelquadrate stöhnen? Nein, ich stöhne vermutlich sogar noch mehr, weil ich mir das zum zweiten Mal antue. Meint ihr, ich würde meine Entscheidung bereuen? Nein! Weil rationales Denken eben nur bis zu einem bestimmten Punkt reicht, wenn es um Wolle geht. Vielleicht sogar nur so weit, wie es nötig ist, um noch vor sich selbst als vernünftiger Erwachsener durchzugehen. Als jemand, die überlegt Wolle kauft und effizient ihre Projekte plant – aber unter dieser Fassade ist alles nur ein großer Kindergeburtstag mit einem riesigen Bällebad aus Wollknäulen. Und genau so sollte es doch auch eigentlich sein, oder?

Mein Favorit für mein Urlaubsprojekt ist mittlerweile ein Cardigan, den ich gerade eben erst unter großem Gefluche aus Madelinetosh Prairie gestrickt habe (den Bericht dazu könnt ihr aller Voraussicht nach ab Dienstag Freitag auf dem Lanade-Blog lesen), nämlich der Whippet von Ankestrick. Oder vielleicht doch einen Strickbikini.

Eine unerwartete Wendung (und ein Pullover)

Ich denke, ich habe in den letzten Tagen viel über das Entwerfen von Buchcovern gelernt. Zum Beispiel folgendes:

1. Wenn man Farben auf ein Blatt Papier kleckst, hat man noch nicht automatisch ein tolles Motiv.

2. Wenn man Farben auf ein Blatt Papier kleckst, hat man aber fast immer automatisch auch eine interessant bekleckste Wand darüber.

3. Ich kann offenbar nicht mal eben so ein tolles Buchcover aus dem Ärmel schütteln.

4. Andere können das aber durchaus – so wie die liebe Katy, die gelernte Grafikerin, gute Seele und Leserin meines Blogs ist und mir nach meinem letzten Beitrag angeboten hat, mir bei der Covergestaltung zu helfen. Jetzt hat mein Buchcover professionelle Kleckse, professionelle Schrift und sogar ein professionelles Logo, was mir nie im Leben eingefallen wäre. Vielen Dank, Katy!

Das Buch mitsamt seinem hübschen Cover ist bereits an den eBook-Publisher geschickt und wartet auf Freigabe. Sobald es durch ist, folgt die große Präsentation!

Etwas, was ich übrigens in den letzten Tagen fertigstellen konnte, ohne meine Zimmerwände in Mitleidenschaft zu ziehen, ist mein Alpaka-Pullover:

Es ist mir tatsächlich gelungen, den Wettlauf mit dem Wetter zu gewinnen und das Teil genau zum Einbruch der Kältephase fertig zu kriegen. Optimal!

Die fairAlpaka DK hat mich in mehrfacher Hinsicht positiv überrascht: erstens weil sie mir zweimaliges Ribbeln ohne Groll verziehen hat, zweitens weil sich das alpakatypische unruhige Maschenbild nach dem Baden komplett geglättet hat und drittens weil mich der Pulli absolut nicht piekst, auch am Hals nicht. Dass er zum Irrewerden flauschig ist überrascht mich nicht, das habe ich mir schon vorher gedacht.

Das Muster ist „Drijfhout“ von Isabell Kraemer, eine etwas aufgemotzte Version des Driftwood-Pullovers. Ja, man kann auch den kostenlosen Driftwood auf die Maschenprobe der fairAlpaka DK umrechnen. Aber ich finde es eine gute Sache, Strickdesigner zu unterstützen und ihre Arbeit zu würdigen, und jeder, der sagt ich sei zu faul zum Umrechnen, ist ein gemeiner Lügner und soll sich was schämen.

Die tiefe Knopfleiste habe ich übrigens über die Länge der untersten drei Knöpfe zugenäht. So erhält die ganze Leiste Stabilität, die dem extrem geschmeidigen Alpaka-Garn ja leider manchmal abgeht, und ich muss mir keine Gedanken über ungewollte Entblößungen machen. Die Profi-Füchse unter den Strickerinnen sparen sich dann auch gleich die Knopflöcher und nähen die Knöpfe einfach auf die Leiste, aber naja. Ich wollte Isabell Kraemers Arbeit als Designerin von Knopflöchern würdigen.

h+h Köln – Hacken ablaufen & Haben wollen

Ab und an habe ich ja so Momente in meinem Leben, in denen ich plötzlich von meinem Strickzeug aufschaue und mich frage, warum ich eigentlich in der dunklen Bude rumsitze, wenn doch draußen die Sonne scheint und die Vögelchen zwitschern. Letzten Samstag war wieder so ein Moment gekommen, also habe ich beschlossen, mal ein bisschen raus zu gehen und mir die Beine zu vertreten. Zum Beispiel auf der h+h Köln!

Um es kurz zu machen: Es war großartig. Die beiden „h“ stehen für „Handarbeit“ und „Hobby“, aber auch für „Hach ja, das könnte mir auch gefallen“ und „Huuu, meine Füüüüße!“ Dementsprechend habe ich jede Menge Wolle geherzt, mit vielen lieben Leuten geschnackt und heimlich dem lieben Gott gedankt, dass man auf dieser Messe nichts kaufen konnte. Und mir am Ende des Tages ein Paar Ersatzbeine gewünscht.

Ich musste natürlich auf jeden Fall die Neuheiten von Malabrigo und Madelinetosh ablecken in Augenschein nehmen. Links sehr ihr das, was Malabrigo unter Speckles versteht (gefällt mir!), rechts eine der neuen Farben von Madelinetosh. Bei den Damen von Madelinetosh habe ich mich auch direkt ordentlich eingeschleimt, weil ich meinen Walk Along aus Twist Light anhatte. „I loooove your yarn, I even wear it today!“ – „Reeeally? Your sweater is soooo prettyyyy!!!“ – „Nooo, your yarn is sooo prettyyyy!!!“ – „Awww, thank youuuu!!!“ – „No thank youuuuu!!!“
Hach ja, man versteht sich.

Sehr begeistert war ich auch von einigen Nadel-Neuheiten. Links seht ihr ein sehr innovatives Nadelspiel mit gebogenen Nadeln, das sich besonders für Leute eignet, die mit 5 geraden Nadeln Probleme haben. Durch die Beuge werden die Maschen gut gehalten, man muss aber immer etwas fummeln, um die nächste Nadeln zum Abstricken in Position zu bringen. Ich hatte beim Teststricken auch tendenziell immer das Problem, dass sich ein Nadelende im Gestrick verhakt hat, aber das mag ein Anfängerproblem sein.
Rechts seht ihr die nicht mehr ganz so brandneuen Prym Ergonomics. Ich kannte diese neue Nadelserie schon aus dem Internet und war extrem skeptisch (Kunststoff? Kugelspitze? Meh!), aber als ich sie in der Hand hatte, war ich positiv überrascht: Der Kunststoff fühlt sich nicht billig an und die eigenwillige Spitze macht das Stricken wirklich leichter! Ich kann mir denken, dass sie sich nicht für jedes Garn gleich gut eignen – wenn man damit doch mal einen Faden durchsticht, wird die Kugelspitze vermutlich zum nervigen Problem. Aber gut verzwirnte Merinos und dergleichen flutschen damit hervorragend. Zwei Nadelspiele habe ich mir direkt bestellt und warte jetzt ungeduldig darauf, dass die Rundstricknadeln in den Handel kommen.

Was gibts noch? Der Trend der gefachten Farbverlaufsgarne ist jetzt scheinbar auch bei den großen Herstellern angekommen. Leider arbeiten auch hier die meisten mit der Baumwoll-/Acrylmischung, die die meisten kleinen Manufakturen verwenden, aber ich habe auch ein paar Merinos erspäht.

Sehr lustig fand ich das Plastikgarn von Rico, mit dem man süße Scheuerlappen häkeln kann. Das Häkeln selbst ist vermutlich der Horror, aber das Ergebnis ist toll.

Und mit der handgemachten Käseauslage von Madame Tricot verabschiede ich mich. Schön war’s in Köln!

Ganz schön mysteriös!

Oh Mann, da habe ich mir was eingebrockt mit dem Mystery Knit Along von Stephen West.

Was ein Mystery Knit Along ist, lässt sich am besten so beschreiben: Stell dir vor, du bist 5 Jahre alt und auf einem MacDonalds-Kindergeburtstag eingeladen. Gefühlte fünfzig Kinder wurden mit fünf Litern koffeinhaltiger Limo und fünfhundert bunten Bällen in einen kleinen Raum gesteckt und sich selbst überlassen. Plötzlich kommt dir die fabelhafte Idee, dir zwei Pommes in die Nasenlöcher zu stecken und derart geschmückt die allgemeine Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen. Und in dem Moment, in dem sich die aufgedrehte Kinderschar auf dein „guckt mal, guckt mal, guckt mal!“ zu dir umdreht, wird dir klar: Gleich bist du entweder das coolste Kind oder der größte Depp im Raum. Vielleicht sogar beides gleichzeitig.

Genau so geht es mir gerade mit dem M-KAL von Stephen West. „Marled Magic“ heißt das Ding, von dem ich absolut keinen Schimmer habe, was es am Ende sein soll. Ich nehme an, ich werde es mir irgendwie um den Hals hängen können. Aber das empfiehlt Stephen West ja bei allen seinen Kreationen, den Wollschlüpper vermutlich nicht ausgenommen. Als mein Mann meinen „Marled Magic“ gesehen hat, hat er sofort „Ah, Stephen West?“ gesagt – jawohl, so schlimm ist es.

Spaß macht es immerhin. Immer zwei Fäden werden zusammen verstrickt, was mir die Möglichkeit gibt, eine Menge Restgarne zu verbrauchen. Auf der anderen Seite muss ich immer wieder gegen die berühmte Stricker-Reue ankämpfen: Vielleicht fällt mir ja eines Tages noch ein besseres Projekt für dieses Garnrestchen ein? Und dann ist es weg, gefressen von Stephen West!

Also gut, Augen zu und durch. Schließlich besteht die Möglichkeit, dass ich hinterher das coolste Kind im MacDonalds bin.