Ganz schön mysteriös!

Oh Mann, da habe ich mir was eingebrockt mit dem Mystery Knit Along von Stephen West.

Was ein Mystery Knit Along ist, lässt sich am besten so beschreiben: Stell dir vor, du bist 5 Jahre alt und auf einem MacDonalds-Kindergeburtstag eingeladen. Gefühlte fünfzig Kinder wurden mit fünf Litern koffeinhaltiger Limo und fünfhundert bunten Bällen in einen kleinen Raum gesteckt und sich selbst überlassen. Plötzlich kommt dir die fabelhafte Idee, dir zwei Pommes in die Nasenlöcher zu stecken und derart geschmückt die allgemeine Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen. Und in dem Moment, in dem sich die aufgedrehte Kinderschar auf dein „guckt mal, guckt mal, guckt mal!“ zu dir umdreht, wird dir klar: Gleich bist du entweder das coolste Kind oder der größte Depp im Raum. Vielleicht sogar beides gleichzeitig.

Genau so geht es mir gerade mit dem M-KAL von Stephen West. „Marled Magic“ heißt das Ding, von dem ich absolut keinen Schimmer habe, was es am Ende sein soll. Ich nehme an, ich werde es mir irgendwie um den Hals hängen können. Aber das empfiehlt Stephen West ja bei allen seinen Kreationen, den Wollschlüpper vermutlich nicht ausgenommen. Als mein Mann meinen „Marled Magic“ gesehen hat, hat er sofort „Ah, Stephen West?“ gesagt – jawohl, so schlimm ist es.

Spaß macht es immerhin. Immer zwei Fäden werden zusammen verstrickt, was mir die Möglichkeit gibt, eine Menge Restgarne zu verbrauchen. Auf der anderen Seite muss ich immer wieder gegen die berühmte Stricker-Reue ankämpfen: Vielleicht fällt mir ja eines Tages noch ein besseres Projekt für dieses Garnrestchen ein? Und dann ist es weg, gefressen von Stephen West!

Also gut, Augen zu und durch. Schließlich besteht die Möglichkeit, dass ich hinterher das coolste Kind im MacDonalds bin.

Der Frühling wird bunt!

Ach Kinder, es wird Frühling. Die Vögelchen zwitschern, die Blümchen sprießen, die Bäumchen grünen und in meinem Wollschrank wachsen auch allerlei bunte Neuheiten. Dieses Gewächs hier beispielsweise:

Dieses Schätzchen vom Mondschaf komplettiert endlich mein Duo, das schon seit Ewigkeiten nach einem dritten Strang für ein schönes Tuch sucht:


Von links nach rechts: Mondschaf Merino Singles „Aurora“ in Lila, Madelinetosh Tosh Merino Light in „Laurel“, Hedgehog Skinny Singles in „Pistacchio“. Die werden jetzt ein „Goldfish Memory“ von Casapinka – eine fantastische Anleitung für Leute mit unverplanten Einzelsträngen und wenig Lust auf eintönige Tücher.


Bild: Casapinka

Nachdem ich gefühlt Ewigkeiten kein Tuch mehr gestrickt habe, bin ich jetzt wieder total im Fieber. Bei Ravelry springen mir ständig Muster ins Auge, bei denen sich Einzelstränge handgefärbter Garne in Sockenwollstärke kombinieren ließen. Wollt ihr mal ein paar sehen? Die folgenden Bilder sind alle von den DesignerInnen (so schnell stricke ich dann ja auch wieder nicht).

Beata Jezek ist nicht nur die Mami der wundervollen Hedgehog-Garne, sondern auch Schöpferin vieler toller Anleitungen, die man mit ihren Garnen umsetzen kann. „Shockwaves“ wurde für vier Stränge buntes Garn geschrieben und begeistert mich maßlos. Ach ja, und es ist gratis!


„Lilli Pilli“ von Ambah O’Brien steht schon lange auf meiner Strickliste und war auch die ursprüngliche Wahl für meine beiden Grünlinge, bis der Goldfish Memory dazwischenkam. Beide Tücher haben eine Parallelogramm-Form (nennt man das so?), die ich viel lieber trage als Dreieckstücher. Bei Dreieckstüchern habe ich immer das dumme Gefühl, einen Schlabberlatz zu tragen. Beim Lilli Pilli könnte man das wiederholende Lace-Stück auch immer in einer anderen Farbe stricken und so ein paar Reste aufbrauchen, denke ich mir.


Und dann gibt es da natürlich noch den MKAL von Stephen West, der nächste Woche startet. Ich finde, Stephens Mystery Knit-Alongs sind immer so eine Überraschungstüte – manche ergeben hinterher etwas, was ganz großartig aussieht, und manche sehen am Ende aus wie etwas, was man aus dem Altkleidercontainer gezogen hat. Beim letzten Mal war ich sehr froh, dass ich nicht mitgemacht habe. Dieses Mal habe ich mich auch standhaft geweigert. Aber dann habe ich mir Stephen Wests Musikvideo zur Aktion angesehen und plötzlich war ich angemeldet und hatte passende Garne bestellt. Er hat hypnotische Kräfte! Seht selbst – aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

Verkürzte Reihen Teil 5: Japanese Short Rows

Jawohl, ich habe sie nicht vergessen, die fünfte Technik für verkürzte Reihen! Schon seit Wochen und Monaten habe ich mir vorgenommen, die japanische Technik kennen zu lernen. Aber dann war ich von den Shadow Wraps so begeistert, dass ich dachte, besser kann die ganze Kiste nicht mehr werden. Per Zufall bin ich dann von einer Anleitung mit der Nase auf die Japanese Short Rows gestoßen worden und siehe da: Es geht doch noch besser!

Die japanische Variante ist unglaublich simpel, leicht zu stricken und verschwindet unsichtbar im fertigen Gestrick. Die habens echt drauf in Japan! Einziger Knackpunkt: Man braucht einen offenen Maschenmarker dafür. Zur Not tuts aber auch eine Büroklammer oder eine Sicherheitsnadel. Mit etwas Übung kommt man dann vermutlich auch irgendwann ohne Hilfmittel aus, für den Anfang sollte man aber auf jeden Fall einen kleinen Helfer zur Hand haben.

So geht’s:
Zuerst strickt ihr wie immer bis zu dem Punkt, an dem die verkürzte Reihe enden soll.

Jetzt dreht ihr die Arbeit um und hebt die erste Masche der linken Nadel ungestrickt auf die rechte Nadel. Das war auch schon die ganze Wendemasche! Einfach, gell?

Hier kommt der Maschenmarker ins Spiel. Ihr hängt ihn in den Arbeitsfaden ein und strickt dann die Reihe zurück. Achtet darauf, dass der Marker auf der Seite der Arbeit hängt, die später die Rückseite bildet.

Wenn ihr das nächste Mal in der Hinreihe an diese Stelle kommt, werdet ihr zwischen der Wendemasche und der ersten Folgemasche eine fette Lücke sehen. Bleibt das etwa so?! Natürlich nicht. Die machen wir jetzt zu.

Dafür zieht ihr jetzt an dem Maschenmarker, den ihr vorhin eingehangen habt, eine Schlaufe auf die linke Nadel. Achtet darauf, dass die Schlaufe die gleiche Orientierung hat wie die folgende Masche, also nicht verdreht wird. Den Maschenmarker könnt ihr dann abnehmen und in einer Sofaritze verlieren, so mache ich das auch immer.

Jetzt die Schlaufe mit der nächsten Masche zusammen abstricken und die Sache ist geritzt!

Tadaa: Eine wunderschöne verkürzte Reihe ohne das geringste Loch oder Knötchen.

Diese Technik funktioniert bei glatt links und kraus rechts ganz genauso, im Falle von glatt links werden dann Schlaufe und Masche natürlich links zusammengestrickt. Ihr müsst lediglich darauf achten, dass die Schlaufe aus der Wendemasche hinterher hinter der Masche zu liegen kommt, mit der sie zusammengestrickt wird. Dafür müssen Schlaufe und Masche einmal kurz Plätze tauschen, so dass die Schlaufe links von der Masche liegt. Das Schöne ist aber, dass man sofort sieht, ob man es richtig gemacht hat. Diese Technik ist daher definitiv mein neuer Favorit!

Die vier übrigen Techniken von verkürzten Reihen, die ich bisher vorgestellt habe, findet ihr hier. Und wen es interessiert: Die im Beispiel verwendeten Garne sind Madelinetosh Merino Twist DK in „Baltic“ als Grundfarbe und Malabrigo Merino Worsted in „Water Green“ für die verkürzte Reihe.

Kennt ihr noch mehr Techniken für verkürzte Reihen? Vielleicht geht es ja doch noch eleganter als mit der Japanischen?

Nachtrag:
Nachdem ich jetzt diese Stricktechnik bei mehreren Projekten angewendet habe, möchte ich noch zwei wichtige Punkte ergänzen.

1. Man sollte sich im Vorhinein klar machen, wie viele verkürzte Reihen da auf einen zukommen. Mein aktuelles Projekt formt einen schräg abfallenden Saum mit gefühlt 50 verkürzten Reihen. Nach der 5. Reihe bin ich von Japanese Short Rows auf Shadow Wraps umgestiegen, weil ich mehr Maschenmarker angesammelt habe als Weihnachten Kugeln am Baum hängen.

2. Es ist wichtig zu beachten, welche Technik die Anleitung ursprünglich für verkürzte Reihen vorsieht. Bei z.B. der klassischen Technik mit Doppelmaschen steht in der Anleitung oft „bis 2 Maschen vor letzter Doppelmasche rechts stricken, dann wenden und Doppelmasche arbeiten“ – jede verkürzte Reihe ist damit 3 Maschen kürzer als die vorherige (2 Maschen + Doppelmasche). Bei einer Technik wie den Japanese Short Rows aber gibt es keine explizite Wendemasche, so dass man jede verkürzte Reihe nur 2 Maschen kürzer als die Vorreihe strickt, wenn man sich an die Anleitung hält. Das verändert u.U. Form und Länge des Strickstücks!

Heute ist Waschtag!

Mir ist neulich etwas klar geworden: Ich habe noch nie eins meiner selbstgestrickten Kleidungsstücke in die Waschmaschine gegeben.

Dahinter steht eine ganz irrationale Angst, dass die Waschmaschine meinem Strickstück etwas ganz schlimmes antun könnte. Und das, obwohl die Maschine ja auch nichts wesentlich anderes macht als ich, wenn ich meine Sachen von Hand wasche. Und das, obwohl ich meine Stricksocken ohne zu zögern in die Kochwäsche gebe und sie jedes Mal heil zurückbekomme. Aber Pullover und Strickjacken? Nee. Wer weiß, ob die Waschmaschine die nicht vernichtet?!

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Was natürlich Quatsch ist, solange man das passende Waschprogramm für das Strickstück verwendet und es nicht übertreibt. Nachdem ich von immer mehr Strickerinnen glaubhaft versichert bekommen habe, dass all ihre Strickstücke die Wäsche überleben und dadurch zum Teil sogar noch weicher und schöner werden, habe ich mir ein Herz gefasst und ihn gewagt, den schweren Gang zur Waschmaschine.

Verwendet habe ich das Bio-Wollwaschmittel von Sonett. Das Billigwaschmittel aus der Drogerie, das ich bisher für die Handwäsche im Waschbecken verwendet habe, war zwar schön rosa, roch aber so aufdringlich nach Seife, dass ich schon länger etwas Neues gesucht habe. Über Sonett wurde dann unter Strickerinnen auf Facebook so geschwärmt, dass ich mir ein Fläschlein bestellt habe. Das enthaltene Olivenöl soll rückfettend und besänftigend wirken. Klingt doch gut!

Meine Testobjekte waren drei Pullover mit verschiedenen Garnen, zwei davon gehören zu meinen absoluten Lieblingspullovern. Du bist besser gut zu ihnen, Waschmaschine!

Für den ersten Test habe ich vorsichtig angefangen: Programm Handwäsche mit nur 400 Umdrehungen, kein Schleudern, keine wollevernichtende Salzsäure und dergleichen. Wäsche und Waschmittel rein, anstellen, beten, nach 45 Minuten aufmachen: Die Pullover sind noch da. Puh! Dann mal ab auf den Wäscheständer damit.

Am nächsten Morgen Kontrolle. Schock! Die Ärmel und das Kragenbündchen des ersten Pullovers, den ich in die Hand nahm, waren steinhart geworden! Wie konnte das sein?! Gestocktes Olivenöl? Extremverfilzung? Mein geliebter Pullover, was habe ich dir angetan?!
Dann wurde es mir klar. Der Wäscheständer stand auf der Terrasse und es war in der Nacht sehr kalt gewesen. Die tropfnasse Wäsche war angefroren. Tätää! Ende des Dramas, rein mit dem Wäscheständer.

Nach einer weiteren Nacht (diesmal innerhalb des Hauses) waren die Pullover dann aufgetaut und getrocknet und bereit für ein erstes Fazit.

Testobjekt 1: Drops Flora + Merinogarn

Die Flora meines selbstentworfenen Streifenpullovers ist ja mit 65 % Schurwolle und 35 % Alpaka an sich schon recht weich, ist aber vielleicht noch mal einen Ticken weicher aus der Waschmaschine gekommen. Auf jeden Fall hat das Garn trotz fehlender Superwash-Ausrüstung in keiner Weise gelitten. Top! Die türkisen Streifen haben sich nicht fühlbar verändert. Ich nehme an, weicher kann Merino halt nicht werden.

Testobjekt 2: Holst Supersoft

Mein geliebter Holsten aus Holst Supersoft. Die dünne Shetland-Wolle ist sehr rustikal und fühlt sich beinahe kratzig an, ist aber eigenartigerweise total angenehm auf der Haut zu tragen. Viele Leute haben mir erzählt, dass das Garn kuschelweich werden würde, wenn man es in die Waschmaschine wirft, aber aus meiner Waschmaschine ist der Pullover praktisch unverändert hervorgegangen. Immerhin keine Verschlechterung.

Testobjekt 3: Drops Alaska

Ihr erinnert euch vielleicht noch an das Resultat der großen Farbabstimmung, die ich mal mit euch veranstaltet habe. Der Pullover aus Drops Alaska ist auch sehr schön geworden, durch die recht rustikale Schurwolle aber naturgemäß leicht kratzig und kurz darauf bei dem Versuch, ihn mir willfährig zu machen, dem großen Lanolin-Desaster zum Opfer gefallen. Dieses Teil hat in der Waschmaschine eindeutig profitiert: Das Garn ist spürbar weicher und geschmeidiger geworden! Leider fühle ich gerade im dicken Zopfmuster am Kragen noch diese leicht schmierigen Lanolin-Rückstände, so dass ich den Pullover nochmal in die Maschine geben werden, diesmal mit Schleudergang und allem. Mal sehen, was er dazu sagt!
Das Ergebnis freut mich aber in jedem Fall, denn ich habe noch einen kleinen Alaska-Vorrat und eine zugehörige schöne Strickidee, die ich jetzt guten Gewissens umsetzen kann.

Wie sind eure Erfahrungen mit Strickstücken in der Waschmaschine? Habt ihr noch Tipps für mich?

Vorsicht, ansteckend!

Das Leben als Bloggerin für Lanade bringt ja so einiges mit sich: Den großen Jet-Set-Lifestyle, mit dem grünen Privatjet um die Welt zu den angesagtesten Schafherden und Star-Alpakas, exzessive Gala-Parties mit den großen Designern, Stricknadeln made by Swarovski und leicht realitätsferne Tagträume zum Beispiel. Ein anderer Nebeneffekt ist aber leider auch, dass ich hier nicht immer alles zeigen kann, woran ich gerade stricke, weil es für Lanade geplant ist. So auch diese Woche: Ich habe eigentlich gleich zwei aufregende Projekte auf den Nadeln, muss aber notgedrungen dichthalten, damit ihr euch später auf dem Lanade-Blog nicht langweilt.

Als Trostpflaster zeige ich euch, was bei mir gerade ganz oben auf der (laaaangen) Liste der Projekte steht, die ich in naher Zukunft stricken möchte. Die Bilder stammen alle von den jeweiligen Designerinnen, nicht von mir. Vielleicht inspiriert euch ja das eine oder andere davon? ;)

1. Schockverliebt: Dip Dye Sweater

Liebe auf den ersten Blick: Der Dip Dye Sweater von Camilla Vad wird zweifädig glatt rechts mit wechselnden Farben gestrickt und dann auf links gekrempelt. Genau mein Ding, aber sowas von! Den möchte ich aus der DROPS Flora in allen denkbaren Farbkombis stricken.

2. Genial: Cardigan in der Runde gestrickt

Designerin Astrid Müller hat mit ihrem Nonnas Liaison meiner Meinung nach einen Orden verdient: Dieser Cardigan wird in Runden gestrickt! Endlich ein Projekt für meine mittlerweile antike Lace-Wollmeise?

3. Hübsch: Herbarium

Ich mag ja Pullover mit Lace-Front sowieso gerne. Dieser hier von Nadia Crétin-Léchenne ist sehr luftig und wird in Runden von unten nach oben gestrickt. Mir fallen so viele Garne dafür ein: DROPS Loves You #7, Holst Noble, DROPS Baby Alpaka Silk … Mein Favorit für den Frühling!

4. Der Winter kommt wieder: Portage

So ein Mist! Da ist der Winter fast vorbei und ich stolpere noch über eine fantastische Anleitung für einen warmen Cardigan. Portage von Melissa Schaschwary hat tiefe Taschen, ein interessantes Muster am Rücken und ist perfekt für die DROPS Lima, die mir diesen Winter ans Herz gewachsen ist. Vielleicht stricke ich die Jacke einfach diesen Sommer, dann ist sie auf jeden Fall fertig, wenn es wieder kalt wird.

5. Basic at its best: Aden

Am Aden von Ankestrick bin ich schon so manches Mal vorbeigegangen, bis ich ihn in echt bei einer Strickfreundin sehen durfte. Verhängnisvoll! Jetzt will ich natürlich auch einen haben. Mit buntem Bändel am Kragen.

Ich hoffe, ich habe jetzt niemanden mit einem Strickvirus angesteckt! Ihr dürft mich aber auch gern zurückanstecken: was steht aktuell auf euren Stricklisten?

Bottom up? Top down? Beides!

Ich muss euch mal ganz kurz einen Zwischenstand eines kleinen Projektes zeigen, auf das ich in zweifacher Hinsicht stolz bin:

Das Ganze wird mal ein Fair-Isle-Pullover, wenn es fertig ist. Vorlage war der Paper Dolls von Kate Davies, allerdings kriegt meiner lange Ärmel.

Der erste Grund, weshalb ich stolz darauf bin, ist dass ich auf die Idee gekommen bin, ihn von der Mitte aus zu beginnen. Mich hat vor allem das Fair Isle gereizt, das aber nur in der Passe vorkommt. Das Muster sieht eine Bottom-up-Konstruktion vor – ich hatte aber wenig Lust, erst den kompletten Körper und die beiden Ärmel zu stricken, bevor ich endlich mit dem Fair-Isle-Teil anfangen kann. Natürlich hätte ich das ganze auch Top down stricken können, also mit dem Kragen beginnend nach unten arbeiten. In einer Rundpasse sehen die Zunahmen einer Top-down-Konstruktion aber einfach nicht so gut aus wie die viel unauffälligeren Abnahmen beim Bottom up. Was also tun?

Meine Lösung war eine Art Aus-der-Mitte-in-alle-Richtungen. Dafür habe ich die Maschenzahl unmittelbar über der Ärmelöffnung (da, wo die Bottom-up-Anleitung Körper und Ärmel zusammenlegt) im provisorischen Maschenanschlag angeschlagen und dann ganz brav nach Anleitung bottom up in Richtung Kragen losgestrickt. Am unteren Rand sehr ihr noch die gehäkelte Luftmaschenkette, die meine Maschen festhält. Das schöne an diesem gehäkelten Anschlag ist, dass ich ihn ganz einfach auflösen kann und dann meine Maschen freihabe, um den Rest des Pullovers top down zuende zu stricken.

Wie genau der gehäkelte provisorische Maschenanschlag funktioniert, habe ich übrigens hier schon mal gezeigt. Antje hat bei Lanade das ganze gestern sogar noch ein bisschen cleverer in einem Video erklärt – ihre Variante erspart einem das mühsame Herauspopeln der Maschen aus der Häkelkette.

Ach ja, und der zweite Grund, weshalb ich so stolz auf dieses Projekt bin: Totenköpfe!
Dazu muss ich nichts mehr sagen, oder?

Heilige Häkelnadel, Batman!

Was Blogbeiträge angeht, ist das neue Jahr bei mir noch nicht so richtig in die Gänge gekommen. Was Wolle angeht, gehts dafür ganz gut voran. Mein Häkelpullover ist fertig!

Ich habe ja schon in meinem letzten Beitrag meinem Unmut in Bezug auf Häkelmode Luft gemacht. Als ich dann nach einer ausführlichen Besprechung des Problems bei Lanade eine riesige Well an Antworten anderer leidgeprüfter Häkelwilliger erhielt, stand für mich fest, dass 2017 bei mir unter dem Zeichen der Häkelnadel stehen wird.

Mein Fazit bei Lanade zum Thema Häkelmode war, dass es einige wenige wirklich gute Anleitungen gibt, ansonsten aber viele schlichte Muster auch schon sehr davon profitieren, wenn man sie einfach mal nicht mit Baumwolle, sondern mit einem geschmeidigeren Garn wie zum Beispiel Alpaka umsetzt. Baumwolle verhäkelt sich zwar nämlich gut, ist aber dann oft schwer und steif, was bei einem Oberteil nicht immer so prickelnd ist – Stichwort: Menschlicher Topflappen.

Das Muster für meinen Pullover macht schon mal einen guten Ansatz: Weiches Garn mit Alpaka-Anteil und Glitzer (Lana Grossa Alta Moda Superbaby Stella (Leute, wer macht bei euch eigentlich die Produktnamen?!), ein schlichtes Häkelmuster und ein guter Teil Strick, der das ganze Teil tragbar macht. Kann da noch was schief gehen?

Kann es. Etwa wenn man das Rückenteil eine Nummer größer arbeitet als das Vorderteil, um nur ein Beispiel zu nennen.

Nach dem ersten Schock war ich aber ganz froh über dieses Missgeschick. Der kleine Überhang beim Häkelteil ließ sich nämlich recht unauffällig beim Zusammennähen nach innen hin umklappen. Endlich hat das Arbeiten in Einzelteilen mal einen Vorteil! Am unteren Rand habe ich das Strickbündchen dagegen genauso breit wie das Häkelstück gemacht. Die Seitennaht habe ich dann schräg verlaufen lassen, so dass ich statt des vorgeschriebenen Kastenschnitts eine leichte A-Linie erzeugen konnte. Damit liegen die Seitennähte zwar am unteren Saum nicht mehr exakt seitlich sondern ein Stück weiter vorne, aber das fällt nicht wirklich auf.

Mit voller Absicht geändert habe ich die Ärmel. Die waren nämlich wie so oft bei Filati-Anleitungen ohne jede Abnahme als stupide Rechtecke vorgesehen, bei denen dann logischerweise das Bündchen am Handgelenk einen genauso großen Umfang hat wie die Ärmelöffnung an der Schulter. Wenn ich eines Tages das Bedürfnis verspüren sollte, meinen Kopf in einen Ärmel zu stecken, folge ich den Strickmustern der Filati gerne aufs Wort. Bis dahin aber passe ich die Ärmel ein bisschen meiner individuellen Anatomie an.

Hat auch gar nicht weh getan.

Und so sieht das gute Teil aus. Den Körper habe ich im Häkelteil um volle 10 cm verlängert, sonst wäre ich mir damit zu quadratisch vorgekommen. So gefällt mir der Pullover aber sehr gut und vor allem gefällt mir der gehäkelte Teil. Das fluffige Garn macht das Häkelmuster tatsächlich geschmeidig und luftig, da ist nix mehr mit Topflappen-Style. Man könnte vermutlich sogar noch ein bisschen mehr am Fluffi-Regler drehen, wenn man ein Blow-Garn wie Drops Air oder Drops Cloud nimmt. Mit denen möchte ich definitiv auch noch mal einen Häkel-Versuch starten!