Was tun, wenn das Strickbild unregelmäßig ist?

Auf dem Lanade-Blog habe ich neulich darüber geschrieben, wie man ein Strickmuster, das einen Pullover oder eine Jacke in Einzelteilen vorsieht, zu einer nahtlosen Konstruktion umbauen kann. Der Vorteil: Man muss nichts vernähen und kann einen guten Teil des Projekts in Runden stricken.

Ich gebe zu, ich habe bei dieses Thema in erster Linie aus persönlichen Gründen gewählt: ich lache mir immer heimlich ins Fäustchen, wenn ich eine Strickanleitung umbauen und so diesen mühseligen Rückreihen ein Schnippchen schlagen kann. Und da ich gerade ein Projekt mit laaaangen, absolut unausweichlichen Reihen hinter mir hatte, war da ein gewisser Leidensdruck.

Darüber habe ich allerdings glatt ein Phänomen vergessen, das beim Stricken teils in Runden, teils in Reihen bei vielen auftritt. Sehr viele Strickerinnen haben bei rechten Maschen eine andere Fadenspannung als bei linken Maschen – ich selbst eingeschlossen. In Reihen Gestricktes wirkt so etwas unruhiger im Maschenbild als etwas, was in Runden gestrickt wurde. Hier der typische Effekt, der sich bei unregelmäßiger Fadenspannung auf der Rückseite des Strickstücks einstellt:

Kann man in den meisten Fällen mit leben, sticht aber oft doch sehr stark ins Auge, wenn man innerhalb eines Strickstücks von Rundstrick auf Reihen gewechselt ist. Und manchmal will man auch bei durchgängig in Reihen gestrickten Stücken etwas mehr Regelmäßigkeit drinhaben. Deshalb habe ich ein paar Tipps zusammengestellt, die dabei helfen, die Fadenspannung für Vorder- und Rückseite etwas einheitlicher zu halten.

1. Garnwahl
Es gibt Garne, die sind einfach Biester. Pflanzenfasern wie Baumwolle und Leinen gehören gern dazu, manchmal liegt es aber auch an der Art der Verzwirnung, der Sternenkonstellation oder irgendwelchen okkulten kosmischen Gesetzen, die noch nicht wissenschaftlich erforscht sind. Flutschigere Fasern wie Merino oder Kaschmir dagegen sind extrem gutmütig und ziehen sich fast schon von selbst in Form. Wer tendenziell unregelmäßig strickt, kann daher viel mit dem richtigen Garn ausgleichen. Die ultimative Geheimwaffe ist hier natürlich Flauschgarn wie Mohair, Bouclé oder dergleichen, die ganz einfach gar kein Maschenbild mehr erkennen lassen.

2. Zieh!
Wenn man weiß, welche der beiden Maschenarten man lockerer strickt als die andere, kann man versuchen, die Fadenspannung entsprechend zu erhöhen. Beispiel: Meine linken Maschen werden grundsätzlich etwas lockerer als die rechten, deshalb wickle ich bei Rückreihen den Arbeitsfaden einmal öfter um den Zeigefinger. Das erhöht die Spannung und macht damit die Maschen etwas fester, allerdings leidet auch die Durchblutung etwas darunter (aua!).


3. Nadelkombis
Zum einen kann das richtige Material der Stricknadeln das Maschenbild ganz allgemein verbessern. Die Acryl-Nadeln der KnitPro Spectra Serie zum Beispiel kann ich gar nicht ausstehen, da leidet schon mein Maschenbild daran, dass ich mich bei jeder Masche schütteln muss. Mit Bambusnadeln von KnitPro dagegen wird bei mir alles ein kleines bisschen schöner. Ist aber auch immer Geschmackssache.
Was man darüber hinaus noch tun kann, um über die Nadeln das Maschenbild zu regulieren, ist eine Anpassung der Nadelstärke für Hin- und Rückreihen. Bei einem modularen Nadelsystem wie KnitPro, Addi oder Hiya Hiya kann man einfach die benötigten Nadeln zusammenbasteln und so zum Beispiel die Rückreihen eine halbe oder ganze Nadelstärke kleiner stricken als die Hinreihen. Macht hier im Vorfeld unbedingt ein paar Maschenproben, bis ihr die richtige Stärken-Kombi habt!


4. Mustertricks
Wenn das alles nichts fruchtet, bleibt immer noch eine Möglichkeit: ganz einfach nicht glatt rechts stricken. Ein einfaches Perlmuster lässt sich ohne große Rechnerei in jede Anleitung einbauen, sieht gut aus und verteilt in Runden wie in Reihen linke und rechte Maschen so gleichmäßig, dass unterschiedliche Fadenspannung nicht mehr auffällt!

Kennt ihr noch weitere Tricks für ein gleichmäßigeres Maschenbild?

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12 Gedanken zu “Was tun, wenn das Strickbild unregelmäßig ist?

  1. Ich bin dazu übergegangen, in solchen Fällen das Eastern Purling nach der Methode, wie Ysolda Teague sie beschreibt, zu verwenden. Dabei wird bei den linken Maschen der Arbeitsfaden in die andere Richtung um die Nadel gewickelt. Da der Faden dabei einen kürzeren Weg läuft, sind die Maschen automatisch fester. Die rechten Maschen iegen dann allerdings verdreht auf der Nadel und man muss sie alle verschränkt abstricken, damit sie wieder richtig herum liegen. Aber das hat man schnell raus. Das Maschenbild ist dadurch bei mir jedenfalls total gleichmäßig und ich kann auf eine größere Nadestärke gehen. Ich stricke nämlich sonst total locker – ich sag nur Nadel 1,5 für Drops Alpaka! Im Eastern Purling kann ich locker eine Nadelstärke hochgehen.
    Ach ja, aufpassen muss man nur bei Aktionen wie sytk oder k2tog! Da leg ich mir die rechten Maschen vorher „richtig rum“ auf die Nadel, weil das sonst mit den rechts- oder linksgerichteten Abnahmen nicht so aussieht, wie es soll.

    • Oh je, 1,5 ist echt mörderisch! Ich kenne die von dir beschriebene Technik, habe aber tatsächlich noch nie geprüft, ob sie mein Maschenbild verbessert. Werde ich direkt mal überprüfen!

      • Hast Du das Buch „little red in the city“? Darin beschreibt Ysolda diese Methode aus genau dem Grund, dass sie das uneinheitliche Maschenbild verbessert ;-)

      • Da fällt mir ein: bestimmt hast Du das Buch! Du bist ja der totale Ysolda-Fan, oder? Ich erinnere mich da an ein Foto von Dir und ihr auf irgendeinem Wollfest und neben Deinem Grinsen sieht man Ysolda fast nicht :-)

      • Weil ich ohnehin gerade eine Maschenprobe machen musste, habe ich die Technik direkt mal angewendet. Und siehe da: fantastisch gleichmäßig! Ich bin begeistert! :-D

    • Haha, ist ja cool – da machst Du einen Beitrag, um was zu erklären und lernst dabei selbst was – und zwar von mir! Ich fühl mich geehrt! ;-)

  2. Linke Maschen? Mach ich mit links! ;)

    Bei langen Reihen linker Maschen wende ich das Strickstück und stricke die Maschen dann von der rechten auf die linke Nadel (statt wie sonst von der linken auf die rechte).
    Dabei liegt der Faden hinter den Nadeln, ich steche mit der linken Nadel von links in die erste Masche auf der rechten Nadel ein und führe den Faden einmal mit dem linken Zeigefinder (das ist mein Garnfinger – egal auf welcher Seite ich stricke) um die linke Nadel herum.

    In diesem Video (bei 0:30) sieht man etwa, was ich meine. Die Dame führt das Garn zwar über den rechten Zeigefinger, aber sonst ist das im Wesentlichen meine Methode (ich bin allerdings keine Linkshänderin):

    Ich bin darauf gekommen, das so zu machen, indem ich die linke Masche – Schritt für Schritt – auf der „normalen“ Seite gestrickt habe und mir angeschaut habe, wie das auf der anderen Seite aussieht. Die gleichen Überlegungen kann man natürlich auch für rechte Maschen anstellen und so mit ein bisschen Konzentration auch z.B. ein Perlmuster auf der „falschen“ Seite stricken.

    • Hallo Esther,
      diese Technik ist in der Tat fantastisch für Projekte, die man oft wenden muss. Ich habe sie mal irgendwann bei Lanade für Entrelac gezeigt, wo man ja einen Drehwurm kriegt, wenn man alle 10 Maschen wenden muss. :-D
      Gleichmäßiger wird es dadurch nur leider zumindest für mich nicht. Rückwärts gestrickte Maschen werden bei mir nämlich sehr fest, so dass ich wieder zu lockere Hinreihen habe …

      • Hallo Nina,

        interessant, bei mir werden die linken Maschen mit Eastern Purling zu fest und mit Rückwärtsstricken genau passend. Ich führe den Faden dabei allerdings auch nicht, wie Du im Entrelac-Video zeigst, mit der rechten Hand von unten nach oben um die linke Nadel, sondern gebe meiner linken Nadel mit der linken Hand einen Schubs.
        Im Detail: Linker Kleiner und Ringfinger drücken den unteren Teil der linken Nadel nach vorne. Dadurch bewegt sich die Spitze nach links. Mein Zeigefinger bewegt sich ein Stück der Nadelspitze entgegen nach rechts, um dem Faden ein bisschen um sie herum zu helfen.
        Dabei wickelt sich der Faden andersherum um die Nadel und die Maschen liegen dann gleich richtig herum auf der Nadel. Vielleicht sorgt der Schubs für die nötige Lockerheit :-D

  3. Ich habe nun schon zum zweiten Mal ein Barett in wunderschönem Rubinrot (Drops Fabel Sockenwolle) aufgemacht. Ich stricke in Runden glatt rechts, es sieht so unsauber aus, ich bin am verzweifeln.
    Ich werde jetzt mal das mit dem Perlmuster probieren. Ob das allerdings zu dem Bund passt, der zuvor als Zopf (einfaches Wellenmuster) gestrickt wurde, ist fraglich und bei den Abnahmen mit Perlmuster….wir werden sehen

    Viele Grüße und eine schöne Herbst/Winter Stricksaison!
    Sandra

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