Schneckenstrick

Es ist ganz eigenartig in der letzten Zeit: Ich stricke und stricke, aber irgendwie passiert einfach nichts. Was vermutlich daran liegt, dass ich mit unglaublich feinem Garn stricke, nämlich Madelinetosh Prairie. 

Lace-Garn ist was für Leute, die viel Zeit, viel Geduld oder viel Freude an Selbstquälerei haben. Ich habe eigentlich nichts von den dreien und bin deshalb ein wenig irritiert, wie ich eigentlich auf die Idee gekommen bin, einen ganzen vermaledeiten Cardigan aus Lacegarn anzufangen. Ich erinnere mich nur noch, dass Caro mir schrieb, bei Lanade gäbe es jetzt auch Madelinetosh Prairie. Danach habe ich irgendwie eine Erinnerungslücke. Und das nächste, was ich wieder weiß, ist dass ich auf dem Sofa saß und etwa 2000 Maschen Madelinetosh Prairie auf der Nadel hatte. Schöne Farbe immerhin. Ich zeige das fertige Stück dann irgendwann im Sommer. 2019!

Restlos begeistert bin ich derweil von den neuen Plastiknadeln von Prym. Nachdem ich sie auf der Messe in Köln ausprobieren durfte, habe ich mir direkt ein paar Nadelspiele mit diesen knubbeligen Spitzen zugelegt und bei verschiedenen Projekten ausprobiert. Selbst Lacemuster mit mehrfachen Abnahmen und Überzügen funktionieren damit hervorragend. Wenn man sehr fest strickt, könnte es vielleicht schwierig werden, mit der verdickten Spitze durch mehrere Maschen zugleich zu kommen. Für mich als Lockerstrickerin sind sie aber super. Und der Kunststoff ist der angenehmste, der mir bisher bei Stricknadeln untergekommen ist. 

Es ist da!

Es ist so weit: Mein Buch ist bei Amazon & Co. erhältlich!

Vorerst nur als eBook, vielleicht kommt später noch eine Taschenbuchausgabe hinzu. Ihr findet es hier bei Amazon, aber natürlich auch bei anderen Buchhändlern wie Thalia.

Für wen ist dieses Buch? Für jeden, der schon immer gern zeichnen, malen, schreiben oder sonstwie kreativ sein wollte, sich aber nie so richtig getraut hat. Für jeden, der bereits zeichnet, malt, schreibt oder anders kreativ ist, aber sich gehemmt fühlt. Dass es sehr vielen Menschen so geht, zeigen mir immer wieder zwei Dinge: Erstens das Sätzchen „Ich wünschte, ich könnte auch so zeichnen (schreiben, stricken, etc.)!“ das so viele Menschen fast schon mantrahaft herunterleiern, sobald sie jemanden sehen, der seine Kreativität auslebt. Und zweitens der unglaubliche Erfolg, den Blankobücher á la Moleskine, Leuchtturm und Paperblanks seit Jahren haben. So ziemlich jeder mag diese kleinen Notizbücher, fast jeder besitzt eins, aber kaum jemand hat mehr als die ersten paar Seiten gefüllt.

Und das ist genau der Punkt, an dem mein Buch ansetzt. Hier die ersten Sätze aus der Einleitung:

Gehörst du auch zu den Leuten, die in Buchhandlungen und Schreibwarenläden von diesen hübschen Notizbüchern magisch angezogen werden? Du weißt schon, welche ich meine: handliches Format, elegant abgerundete Kanten, Gummibandverschluss, manche in zeitlosem Schwarz, manche mit wundervollen Umschlagmotiven. Im Inneren haben sie leere Seiten, die nur auf dich gewartet zu haben scheinen. Du kaufst das Buch, trägst es mit klopfendem Herzen nach Hause, malst dir aus, womit du das Buch füllen wirst – aber wenn du dann zuhause bist, findest du einfach den Anfang nicht. Nichts scheint dir gut genug, um dieses schöne Buch zu entweihen. Alles, was du schreiben, zeichnen, gestalten könntest, kommt dir mit einem Mal lächerlich vor. Und somit wandert das Notizbuch in eine Ecke des Bücherregals, aus der es niemals mehr herauskommt, und in der vielleicht schon viele unberührte Bücher dieser Art stehen.

Ich möchte dir Wege zeigen, diese Bedenken zu überwinden und deine Notizbücher mit kreativen, bedeutsamen Dingen zu füllen, die du noch in vielen Jahren gerne durchblättern wirst. Und noch mehr als das: Ich möchte dir beibringen, in jeder Hinsicht ein kreativeres Leben zu führen. Denn ich bin überzeugt davon, dass die verstohlene Sehnsucht, mit der du dich zu Blankobüchern hingezogen fühlst, ein Ruf deines Herzens nach mehr Kreativität ist. Denn noch bevor du mit deinen Bedenken und Selbstzweifeln jede weitere Entfaltung im Kern erstickst, ist da ein Teil von dir, der in den leeren Seiten des Notizbuches eine Einladung sieht, alles zu sagen, zu zeichnen, zu malen, zu gestalten, was du willst. Dieser Teil von dir hat all die Jahre überlebt, trotz allen „Das will doch keiner hören“ und trotz jedem „Ich bin da nicht gut drin“. Dieser Teil sagt in dem Moment, in dem du das Notizbuch in die Hand nimmst, ganz leise: „Was ich denke und fühle ist wichtig!“ Und diese Stimme hat Recht, es ist wichtig. Ich bin überzeugt davon, dass Kreativität nichts ist, was nur wenigen Auserwählten und mit Talent begabten zusteht, sondern eine universelle Sprache des Herzens ist, die jeder von uns entwickeln kann. Und ich bin überzeugt davon, dass ein kreativeres Leben ein erfüllteres, glücklicheres Leben bedeutet. Kreativ sein bedeutet, mehr man selbst zu sein, ein authentischeres Leben zu führen, enger mit der Welt verbunden zu sein, intensiver zu leben.

Ich hoffe sehr, dass mein Buch dem einen oder anderen von euch weiterhilft!

Eine unerwartete Wendung (und ein Pullover)

Ich denke, ich habe in den letzten Tagen viel über das Entwerfen von Buchcovern gelernt. Zum Beispiel folgendes:

1. Wenn man Farben auf ein Blatt Papier kleckst, hat man noch nicht automatisch ein tolles Motiv.

2. Wenn man Farben auf ein Blatt Papier kleckst, hat man aber fast immer automatisch auch eine interessant bekleckste Wand darüber.

3. Ich kann offenbar nicht mal eben so ein tolles Buchcover aus dem Ärmel schütteln.

4. Andere können das aber durchaus – so wie die liebe Katy, die gelernte Grafikerin, gute Seele und Leserin meines Blogs ist und mir nach meinem letzten Beitrag angeboten hat, mir bei der Covergestaltung zu helfen. Jetzt hat mein Buchcover professionelle Kleckse, professionelle Schrift und sogar ein professionelles Logo, was mir nie im Leben eingefallen wäre. Vielen Dank, Katy!

Das Buch mitsamt seinem hübschen Cover ist bereits an den eBook-Publisher geschickt und wartet auf Freigabe. Sobald es durch ist, folgt die große Präsentation!

Etwas, was ich übrigens in den letzten Tagen fertigstellen konnte, ohne meine Zimmerwände in Mitleidenschaft zu ziehen, ist mein Alpaka-Pullover:

Es ist mir tatsächlich gelungen, den Wettlauf mit dem Wetter zu gewinnen und das Teil genau zum Einbruch der Kältephase fertig zu kriegen. Optimal!

Die fairAlpaka DK hat mich in mehrfacher Hinsicht positiv überrascht: erstens weil sie mir zweimaliges Ribbeln ohne Groll verziehen hat, zweitens weil sich das alpakatypische unruhige Maschenbild nach dem Baden komplett geglättet hat und drittens weil mich der Pulli absolut nicht piekst, auch am Hals nicht. Dass er zum Irrewerden flauschig ist überrascht mich nicht, das habe ich mir schon vorher gedacht.

Das Muster ist „Drijfhout“ von Isabell Kraemer, eine etwas aufgemotzte Version des Driftwood-Pullovers. Ja, man kann auch den kostenlosen Driftwood auf die Maschenprobe der fairAlpaka DK umrechnen. Aber ich finde es eine gute Sache, Strickdesigner zu unterstützen und ihre Arbeit zu würdigen, und jeder, der sagt ich sei zu faul zum Umrechnen, ist ein gemeiner Lügner und soll sich was schämen.

Die tiefe Knopfleiste habe ich übrigens über die Länge der untersten drei Knöpfe zugenäht. So erhält die ganze Leiste Stabilität, die dem extrem geschmeidigen Alpaka-Garn ja leider manchmal abgeht, und ich muss mir keine Gedanken über ungewollte Entblößungen machen. Die Profi-Füchse unter den Strickerinnen sparen sich dann auch gleich die Knopflöcher und nähen die Knöpfe einfach auf die Leiste, aber naja. Ich wollte Isabell Kraemers Arbeit als Designerin von Knopflöchern würdigen.

Rrrrrunde Zwei!

Das Wichtigste voran: Vielen Dank euch allen für eure Kommentare zu meinen beiden Cover-Entwürfen! Ich bin extrem froh, euch meine Ideen vorab als Testlauf gezeigt zu haben, denn ich hatte zu diesem Zeitpunkt so viele Bilddatenbanken durchgeblättert, dass mir vermutlich sogar ein Foto von einer alten Bananenschale wie eine gute Idee vorgekommen wäre.

Die Luftballons sind auf jeden Fall raus, das Motiv scheint es tatsächlich schon oft genug gegeben  zu haben. Drin bleibt der Farbspritzer auf Asphalt, den ich nochmal umgefärbt und mit einer anderen Schriftart versehen habe:

Dann habe ich noch einen weiteren Entwurf gebastelt. An der Wand über dem Schreibtisch, auf dem das Motiv entstanden ist, gefallen mir die Sprenkel auf jeden Fall schon mal gut.

 

Definitiv besser als die erste Runde, was meint ihr?

Die Idee, die einige von euch hatten, Kreativ-Werkzeug oder sogar mich selbst für das Cover zu fotografieren, fand ich sehr schön – sie gehen nur leider völlig über meine fotografischen Fähigkeiten bzw. über mein Budget. Ich behalte die Option aber im Hinterkopf.

Publikumsjoker, bitte!

Ich brauche mal kurz eure unverbrauchten Augen. Nachdem ich zwei verschiedene Entwürfe für mein Buchcover gebaut und beide gefühlte 50 Stunden angestiert habe, kann ich absolut nicht mehr sagen, welches mir besser gefällt. Kann ich eure Meinung dazu hören?

Hier habe ich einmal Cover Nummer 1 …

… und dann noch Cover Nummer 2:

Cover 1 empfinde ich als aufgeräumter und direkter, befürchte aber, dass es zu rau und martialisch wirkt. Cover 2 ist ganz süß … oder zu süß?
Was meint ihr?

h+h Köln – Hacken ablaufen & Haben wollen

Ab und an habe ich ja so Momente in meinem Leben, in denen ich plötzlich von meinem Strickzeug aufschaue und mich frage, warum ich eigentlich in der dunklen Bude rumsitze, wenn doch draußen die Sonne scheint und die Vögelchen zwitschern. Letzten Samstag war wieder so ein Moment gekommen, also habe ich beschlossen, mal ein bisschen raus zu gehen und mir die Beine zu vertreten. Zum Beispiel auf der h+h Köln!

Um es kurz zu machen: Es war großartig. Die beiden „h“ stehen für „Handarbeit“ und „Hobby“, aber auch für „Hach ja, das könnte mir auch gefallen“ und „Huuu, meine Füüüüße!“ Dementsprechend habe ich jede Menge Wolle geherzt, mit vielen lieben Leuten geschnackt und heimlich dem lieben Gott gedankt, dass man auf dieser Messe nichts kaufen konnte. Und mir am Ende des Tages ein Paar Ersatzbeine gewünscht.

Ich musste natürlich auf jeden Fall die Neuheiten von Malabrigo und Madelinetosh ablecken in Augenschein nehmen. Links sehr ihr das, was Malabrigo unter Speckles versteht (gefällt mir!), rechts eine der neuen Farben von Madelinetosh. Bei den Damen von Madelinetosh habe ich mich auch direkt ordentlich eingeschleimt, weil ich meinen Walk Along aus Twist Light anhatte. „I loooove your yarn, I even wear it today!“ – „Reeeally? Your sweater is soooo prettyyyy!!!“ – „Nooo, your yarn is sooo prettyyyy!!!“ – „Awww, thank youuuu!!!“ – „No thank youuuuu!!!“
Hach ja, man versteht sich.

Sehr begeistert war ich auch von einigen Nadel-Neuheiten. Links seht ihr ein sehr innovatives Nadelspiel mit gebogenen Nadeln, das sich besonders für Leute eignet, die mit 5 geraden Nadeln Probleme haben. Durch die Beuge werden die Maschen gut gehalten, man muss aber immer etwas fummeln, um die nächste Nadeln zum Abstricken in Position zu bringen. Ich hatte beim Teststricken auch tendenziell immer das Problem, dass sich ein Nadelende im Gestrick verhakt hat, aber das mag ein Anfängerproblem sein.
Rechts seht ihr die nicht mehr ganz so brandneuen Prym Ergonomics. Ich kannte diese neue Nadelserie schon aus dem Internet und war extrem skeptisch (Kunststoff? Kugelspitze? Meh!), aber als ich sie in der Hand hatte, war ich positiv überrascht: Der Kunststoff fühlt sich nicht billig an und die eigenwillige Spitze macht das Stricken wirklich leichter! Ich kann mir denken, dass sie sich nicht für jedes Garn gleich gut eignen – wenn man damit doch mal einen Faden durchsticht, wird die Kugelspitze vermutlich zum nervigen Problem. Aber gut verzwirnte Merinos und dergleichen flutschen damit hervorragend. Zwei Nadelspiele habe ich mir direkt bestellt und warte jetzt ungeduldig darauf, dass die Rundstricknadeln in den Handel kommen.

Was gibts noch? Der Trend der gefachten Farbverlaufsgarne ist jetzt scheinbar auch bei den großen Herstellern angekommen. Leider arbeiten auch hier die meisten mit der Baumwoll-/Acrylmischung, die die meisten kleinen Manufakturen verwenden, aber ich habe auch ein paar Merinos erspäht.

Sehr lustig fand ich das Plastikgarn von Rico, mit dem man süße Scheuerlappen häkeln kann. Das Häkeln selbst ist vermutlich der Horror, aber das Ergebnis ist toll.

Und mit der handgemachten Käseauslage von Madame Tricot verabschiede ich mich. Schön war’s in Köln!