Ich habe ein Buch geschrieben. Echt jetzt.

Ich möchte heute etwas mit euch teilen, was ich schon seit langer, langer Zeit mit mir herumtrage. Dafür muss ich aber erstmal etwas ausholen.

Alles fing mit einem Blogbeitrag an, den ich vor fast zwei Jahren verfasst habe. Es war Mai, es war heiß, ich habe wenig gestrickt und wollte aber trotzdem bloggen und habe deshalb einige Kreativbücher vorgestellt, die ich gern mag. In ihnen ging es vor allem ums Malen und Schreiben – beides Dinge, die ich sehr gerne und viel tue, auch wenn ich hier selten darüber berichte.

Jede kreative Tätigkeit, sei es nun das Malen, Schreiben, Stricken, Tanzen, Singen oder sonstwas, scheint eine ganz eigenartige Wirkung auf uns zu haben. Einerseits fühlen sich viele von uns unwiderstehlich von der Vorstellung angezogen, selbst etwas zu erschaffen, unsere eigenen Ideen und Fantasien zum Ausdruck zu bringen. Auf der anderen Seite sind wir voller Widerstand. Wie oft hört man als Strickende Kommentare wie „Ach ja, das find ich toll, aber das könnte ich ja nicht.“ Beim Thema Zeichnen oder Schreiben wird es noch schlimmer, da hört man dann gnadenlose Selbstschikane wie „Ich kann nicht zeichnen“, „Ich bin nicht kreativ“, „Auf solche Ideen käme ich nie“, „Da bin ich zu ungeschickt für“ und so weiter. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs der Schläge, mit denen so viele Menschen ihr eigenes Bedürfnis nach Kreativität kleinknüppeln. Wir verweigern uns die Möglichkeit, unsere Kreativität zu entfalten, indem wir uns an unmöglichen Maßstäben messen und gnadenlos kritisieren. Zeichnen oder Schreiben zu lernen ist nicht nur eine Frage von Techniken, sondern eine lange, lange Verhandlung mit dem inneren Kritiker.

Ich weiß das so genau, weil ich den ganzen langen Weg selbst gegangen bin. Ich bin keines dieser mythischen Wunderkinder, denen ein Talent zum Geschichtenerzählen in die Wiege gelegt worden ist und das schon in der Grundschule die ganze Lehrerschaft mit goldigen Aufsätzen zu Tränen gerührt hat. Die Wahrheit ist, dass ich viele, viele Jahre gebraucht habe, um den inneren Widerstand von „das kann ich nicht“ und „das will doch keiner hören“ zu überwinden und mit dem Schreiben zu beginnen. Dass ich mittlerweile meinen Lebensunterhalt damit verdiene, für zwei Blogs schreibe und trotzdem niemand mit faulen Eiern nach mir wirft, kommt mir trotzdem noch manchmal vor wie ein Wunder.

Zurück zum Thema. Als ich damals den Blogbeitrag über diese vier Kreativitätsbücher verfasst habe, habe ich viel über innere Widerstände und Selbstzweifel nachgedacht und darüber, wie ich damit klargekommen bin. Und obwohl auch da wieder diese kleine Stimme mit „das will doch keiner hören“ war, war ich mir sicher, dass meine Erfahrungen auch anderen helfen können, die mit ihren inneren Kritikern kämpfen.

Nun war das ganze Thema aber zu groß für den Blogbeitrag mit den Buchvorstellungen. Und auch für einen eigenen Blogbeitrag über Kreativität war es zu groß. Auch für einen Mehrteiler. Kurz und gut, ich habe also ein Buch geschrieben. (Ich habe ein Buch geschrieben! Gott, ich kann es selbst kaum glauben.)

Kreativitätsratgeber gibt es wie Sand am Meer, ich weiß. Ich denke aber, dass ich einen Ansatz gefunden habe, den es bisher noch nicht gab, oder der mir zumindest noch nicht begegnet ist (und ich habe wirklich viele Kreativitätsratgeber gelesen). Weil meine Methode nicht in einem lapidaren „Hör doch einfach nicht auf deinen inneren Kritiker“ besteht, sondern diesen inneren Kritiker tatsächlich zum Schweigen bringen kann. Oder ihn zumindest leiser dreht.

Das Ding ist, ich bin weder Diplompsychologin noch kann ich auf jahrelange Workshoperfolge oder sonst ein Expertentum zurückblicken. Aber ich habe ja auch nicht Strickologie studiert und trotzdem kommt zum Beispiel ihr auf meinen Blog und schaut euch meine Stricksachen an, ohne mit faulen Eiern zu werfen. Und ich nehme mal an, ihr kommt auch nicht her, weil ihr meint, ich könne besser stricken als jeder andere, sondern weil ich wie ihr das Stricken liebe und Spaß daran habe und Fehler mache und manchmal alles in die Ecke werfen will. Manchmal braucht man keinen Experten, manchmal braucht man nur jemanden, dem es genauso geht wie einem selbst. Und genau so habe ich dieses Buch geschrieben. Nicht als Expertin für Kreativität oder Psychologie oder Kunst, sondern ganz einfach nur als Expertin für mich selbst und mit der Hoffnung, dass es anderen hilft, ihren eigenen kreativen Weg weiter zu verfolgen.

Im Moment bereite ich mein Buch für die Veröffentlichung als eBook vor und überlege noch, welchen Preis ich dafür festlegen werde. Mich interessiert brennend, was ihr im Allgemeinen von Kreativitätsratgebern haltet. Lest ihr sie gerne? Findet ihr sie hilfreich? Inspirierend? Überflüssig? Habt ihr Favoriten?

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Alpaka? Das ist sooo 2016!

Ich glaube manchmal, ich habe so eine unsichtbare kleine Fee, die mir Ideen eingibt, was ich tolles stricken könnte, welche Farben ich nehmen könnte, welche Garne sich gut kombininieren lassen und so weiter. Das Gute daran ist, dass ich immer Lust auf Stricken habe und immer ein Projekt auf meiner Warteliste (oder auch schon mal zehn). Die negative Seite besteht darin, dass meine Strickinspirations-Fee das Gemüt einer pubertierenden Fünfzehnjährigen hat.

Oh. Mein. Gott. Ich MUSS das DK-Garn von fairAlpaka haben. Das ist meeega weich!

Also kaufe ich das DK-Garn von fairAlpaka. Welche Farbe?

Ist doch egal, hast du die Holst Noble schon gesehen? Die ist mit Kaschmir! Hammer!

Klar, ich kaufe dir Holst Noble.

Weißt du, was total gut aussehen würde? Dieser eine Pullover von Joji mit den Laceärmeln aus Drops Belle in diesem schönen Gelb! Stricken wir den? Jetzt gleich? Ey, bitte!

Wollen wir nicht erstmal die Holst verstricken? Oder die fairAlpaka?

Alpaka? Hallooho, wir haben März! Und wer hat eigentlich diese Farbe ausgesucht?

Und so geht es endlos weiter, bis ich in Wolle ertrinke, pleite bin oder erzieherische Maßnahmen ergreife. Wenn es nach meiner Strickmuse geht, ist nämlich immer das nächste Projekt das interessanteste, und jedes Projekt, für das ich Wolle im Haus habe, das uninteressanteste.

Andererseits will ich mich und meine Strickmuse ja auch nicht durch ein Projekt zwingen, das keinen Spaß macht. Deshalb haben wir diesmal folgenden Kompromiss gefunden: Damit endlich dieser unselige Bestand fairAlpaka DK in Natur verschwindet, den ich jetzt schon zweimal erfolglos in Angriff genommen habe, habe ich nochmal Geld investiert und eine zweite Farbe des gleichen Garns angeschafft:


„Flieder“ heißt dieses schön stumpfe Violett und passt so gut zum naturfarbenen Garn, dass sogar meine launische kleine Strickinspirations-Fee sich wieder für das olle Zeug begeistern kann. Wenn dieses Mal alles gut geht, entsteht daraus der Drijfhout von Isabell Kraemer. Der Anfang hat sich auch schon fast von selbst gestrickt:


Jetzt versuche ich ihn schnell fertig zu kriegen, bevor meiner Strickinspirations-Fee wieder das gelbe Drops-Garn einfällt und bevor es zu warm für Alpaka wird. Ich meine: Hallooho? Wir haben März!

Ganz schön mysteriös!

Oh Mann, da habe ich mir was eingebrockt mit dem Mystery Knit Along von Stephen West.

Was ein Mystery Knit Along ist, lässt sich am besten so beschreiben: Stell dir vor, du bist 5 Jahre alt und auf einem MacDonalds-Kindergeburtstag eingeladen. Gefühlte fünfzig Kinder wurden mit fünf Litern koffeinhaltiger Limo und fünfhundert bunten Bällen in einen kleinen Raum gesteckt und sich selbst überlassen. Plötzlich kommt dir die fabelhafte Idee, dir zwei Pommes in die Nasenlöcher zu stecken und derart geschmückt die allgemeine Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen. Und in dem Moment, in dem sich die aufgedrehte Kinderschar auf dein „guckt mal, guckt mal, guckt mal!“ zu dir umdreht, wird dir klar: Gleich bist du entweder das coolste Kind oder der größte Depp im Raum. Vielleicht sogar beides gleichzeitig.

Genau so geht es mir gerade mit dem M-KAL von Stephen West. „Marled Magic“ heißt das Ding, von dem ich absolut keinen Schimmer habe, was es am Ende sein soll. Ich nehme an, ich werde es mir irgendwie um den Hals hängen können. Aber das empfiehlt Stephen West ja bei allen seinen Kreationen, den Wollschlüpper vermutlich nicht ausgenommen. Als mein Mann meinen „Marled Magic“ gesehen hat, hat er sofort „Ah, Stephen West?“ gesagt – jawohl, so schlimm ist es.

Spaß macht es immerhin. Immer zwei Fäden werden zusammen verstrickt, was mir die Möglichkeit gibt, eine Menge Restgarne zu verbrauchen. Auf der anderen Seite muss ich immer wieder gegen die berühmte Stricker-Reue ankämpfen: Vielleicht fällt mir ja eines Tages noch ein besseres Projekt für dieses Garnrestchen ein? Und dann ist es weg, gefressen von Stephen West!

Also gut, Augen zu und durch. Schließlich besteht die Möglichkeit, dass ich hinterher das coolste Kind im MacDonalds bin.