Verkürzte Reihen Teil 5: Japanese Short Rows

Jawohl, ich habe sie nicht vergessen, die fünfte Technik für verkürzte Reihen! Schon seit Wochen und Monaten habe ich mir vorgenommen, die japanische Technik kennen zu lernen. Aber dann war ich von den Shadow Wraps so begeistert, dass ich dachte, besser kann die ganze Kiste nicht mehr werden. Per Zufall bin ich dann von einer Anleitung mit der Nase auf die Japanese Short Rows gestoßen worden und siehe da: Es geht doch noch besser!

Die japanische Variante ist unglaublich simpel, leicht zu stricken und verschwindet unsichtbar im fertigen Gestrick. Die habens echt drauf in Japan! Einziger Knackpunkt: Man braucht einen offenen Maschenmarker dafür. Zur Not tuts aber auch eine Büroklammer oder eine Sicherheitsnadel. Mit etwas Übung kommt man dann vermutlich auch irgendwann ohne Hilfmittel aus, für den Anfang sollte man aber auf jeden Fall einen kleinen Helfer zur Hand haben.

So geht’s:
Zuerst strickt ihr wie immer bis zu dem Punkt, an dem die verkürzte Reihe enden soll.

Jetzt dreht ihr die Arbeit um und hebt die erste Masche der linken Nadel ungestrickt auf die rechte Nadel. Das war auch schon die ganze Wendemasche! Einfach, gell?

Hier kommt der Maschenmarker ins Spiel. Ihr hängt ihn in den Arbeitsfaden ein und strickt dann die Reihe zurück. Achtet darauf, dass der Marker auf der Seite der Arbeit hängt, die später die Rückseite bildet.

Wenn ihr das nächste Mal in der Hinreihe an diese Stelle kommt, werdet ihr zwischen der Wendemasche und der ersten Folgemasche eine fette Lücke sehen. Bleibt das etwa so?! Natürlich nicht. Die machen wir jetzt zu.

Dafür zieht ihr jetzt an dem Maschenmarker, den ihr vorhin eingehangen habt, eine Schlaufe auf die linke Nadel. Achtet darauf, dass die Schlaufe die gleiche Orientierung hat wie die folgende Masche, also nicht verdreht wird. Den Maschenmarker könnt ihr dann abnehmen und in einer Sofaritze verlieren, so mache ich das auch immer.

Jetzt die Schlaufe mit der nächsten Masche zusammen abstricken und die Sache ist geritzt!

Tadaa: Eine wunderschöne verkürzte Reihe ohne das geringste Loch oder Knötchen.

Diese Technik funktioniert bei glatt links und kraus rechts ganz genauso, im Falle von glatt links werden dann Schlaufe und Masche natürlich links zusammengestrickt. Ihr müsst lediglich darauf achten, dass die Schlaufe aus der Wendemasche hinterher hinter der Masche zu liegen kommt, mit der sie zusammengestrickt wird. Dafür müssen Schlaufe und Masche einmal kurz Plätze tauschen, so dass die Schlaufe links von der Masche liegt. Das Schöne ist aber, dass man sofort sieht, ob man es richtig gemacht hat. Diese Technik ist daher definitiv mein neuer Favorit!

Die vier übrigen Techniken von verkürzten Reihen, die ich bisher vorgestellt habe, findet ihr hier. Und wen es interessiert: Die im Beispiel verwendeten Garne sind Madelinetosh Merino Twist DK in „Baltic“ als Grundfarbe und Malabrigo Merino Worsted in „Water Green“ für die verkürzte Reihe.

Kennt ihr noch mehr Techniken für verkürzte Reihen? Vielleicht geht es ja doch noch eleganter als mit der Japanischen?

Nachtrag:
Nachdem ich jetzt diese Stricktechnik bei mehreren Projekten angewendet habe, möchte ich noch zwei wichtige Punkte ergänzen.

1. Man sollte sich im Vorhinein klar machen, wie viele verkürzte Reihen da auf einen zukommen. Mein aktuelles Projekt formt einen schräg abfallenden Saum mit gefühlt 50 verkürzten Reihen. Nach der 5. Reihe bin ich von Japanese Short Rows auf Shadow Wraps umgestiegen, weil ich mehr Maschenmarker angesammelt habe als Weihnachten Kugeln am Baum hängen.

2. Es ist wichtig zu beachten, welche Technik die Anleitung ursprünglich für verkürzte Reihen vorsieht. Bei z.B. der klassischen Technik mit Doppelmaschen steht in der Anleitung oft „bis 2 Maschen vor letzter Doppelmasche rechts stricken, dann wenden und Doppelmasche arbeiten“ – jede verkürzte Reihe ist damit 3 Maschen kürzer als die vorherige (2 Maschen + Doppelmasche). Bei einer Technik wie den Japanese Short Rows aber gibt es keine explizite Wendemasche, so dass man jede verkürzte Reihe nur 2 Maschen kürzer als die Vorreihe strickt, wenn man sich an die Anleitung hält. Das verändert u.U. Form und Länge des Strickstücks!

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7 Gedanken zu “Verkürzte Reihen Teil 5: Japanese Short Rows

  1. Wahnsinn, diese Variante der verkürzten Reihen ist ja großartig. Ich kann es kaum erwarten sie mal auszuprobieren. Vielen Dank!

  2. Wow, so einfach und so ein schönes Ergebnis! Bisher kannte ich diese Variante von verkürzten Reihen noch nicht, aber du hast das so toll vorgemacht, das musste sofort ausprobiert werden und siehe da -ist mal richtig, richtig gut!

  3. Ich habe mal gelesen, das geht auch mit einer Haarspange /in unserem Dialekt: Spängele (die ganz einfachen, so wie man die früher hatte, zum ins Haar schieben, vorne oben etwas gebogen und nicht spitz). Habe es selbst noch nicht versucht, aber ich erinnere mich, dass ich diesen Tipp super fand. Liebe Grüße!

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