Heute ist Waschtag!

Mir ist neulich etwas klar geworden: Ich habe noch nie eins meiner selbstgestrickten Kleidungsstücke in die Waschmaschine gegeben.

Dahinter steht eine ganz irrationale Angst, dass die Waschmaschine meinem Strickstück etwas ganz schlimmes antun könnte. Und das, obwohl die Maschine ja auch nichts wesentlich anderes macht als ich, wenn ich meine Sachen von Hand wasche. Und das, obwohl ich meine Stricksocken ohne zu zögern in die Kochwäsche gebe und sie jedes Mal heil zurückbekomme. Aber Pullover und Strickjacken? Nee. Wer weiß, ob die Waschmaschine die nicht vernichtet?!

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Was natürlich Quatsch ist, solange man das passende Waschprogramm für das Strickstück verwendet und es nicht übertreibt. Nachdem ich von immer mehr Strickerinnen glaubhaft versichert bekommen habe, dass all ihre Strickstücke die Wäsche überleben und dadurch zum Teil sogar noch weicher und schöner werden, habe ich mir ein Herz gefasst und ihn gewagt, den schweren Gang zur Waschmaschine.

Verwendet habe ich das Bio-Wollwaschmittel von Sonett. Das Billigwaschmittel aus der Drogerie, das ich bisher für die Handwäsche im Waschbecken verwendet habe, war zwar schön rosa, roch aber so aufdringlich nach Seife, dass ich schon länger etwas Neues gesucht habe. Über Sonett wurde dann unter Strickerinnen auf Facebook so geschwärmt, dass ich mir ein Fläschlein bestellt habe. Das enthaltene Olivenöl soll rückfettend und besänftigend wirken. Klingt doch gut!

Meine Testobjekte waren drei Pullover mit verschiedenen Garnen, zwei davon gehören zu meinen absoluten Lieblingspullovern. Du bist besser gut zu ihnen, Waschmaschine!

Für den ersten Test habe ich vorsichtig angefangen: Programm Handwäsche mit nur 400 Umdrehungen, kein Schleudern, keine wollevernichtende Salzsäure und dergleichen. Wäsche und Waschmittel rein, anstellen, beten, nach 45 Minuten aufmachen: Die Pullover sind noch da. Puh! Dann mal ab auf den Wäscheständer damit.

Am nächsten Morgen Kontrolle. Schock! Die Ärmel und das Kragenbündchen des ersten Pullovers, den ich in die Hand nahm, waren steinhart geworden! Wie konnte das sein?! Gestocktes Olivenöl? Extremverfilzung? Mein geliebter Pullover, was habe ich dir angetan?!
Dann wurde es mir klar. Der Wäscheständer stand auf der Terrasse und es war in der Nacht sehr kalt gewesen. Die tropfnasse Wäsche war angefroren. Tätää! Ende des Dramas, rein mit dem Wäscheständer.

Nach einer weiteren Nacht (diesmal innerhalb des Hauses) waren die Pullover dann aufgetaut und getrocknet und bereit für ein erstes Fazit.

Testobjekt 1: Drops Flora + Merinogarn

Die Flora meines selbstentworfenen Streifenpullovers ist ja mit 65 % Schurwolle und 35 % Alpaka an sich schon recht weich, ist aber vielleicht noch mal einen Ticken weicher aus der Waschmaschine gekommen. Auf jeden Fall hat das Garn trotz fehlender Superwash-Ausrüstung in keiner Weise gelitten. Top! Die türkisen Streifen haben sich nicht fühlbar verändert. Ich nehme an, weicher kann Merino halt nicht werden.

Testobjekt 2: Holst Supersoft

Mein geliebter Holsten aus Holst Supersoft. Die dünne Shetland-Wolle ist sehr rustikal und fühlt sich beinahe kratzig an, ist aber eigenartigerweise total angenehm auf der Haut zu tragen. Viele Leute haben mir erzählt, dass das Garn kuschelweich werden würde, wenn man es in die Waschmaschine wirft, aber aus meiner Waschmaschine ist der Pullover praktisch unverändert hervorgegangen. Immerhin keine Verschlechterung.

Testobjekt 3: Drops Alaska

Ihr erinnert euch vielleicht noch an das Resultat der großen Farbabstimmung, die ich mal mit euch veranstaltet habe. Der Pullover aus Drops Alaska ist auch sehr schön geworden, durch die recht rustikale Schurwolle aber naturgemäß leicht kratzig und kurz darauf bei dem Versuch, ihn mir willfährig zu machen, dem großen Lanolin-Desaster zum Opfer gefallen. Dieses Teil hat in der Waschmaschine eindeutig profitiert: Das Garn ist spürbar weicher und geschmeidiger geworden! Leider fühle ich gerade im dicken Zopfmuster am Kragen noch diese leicht schmierigen Lanolin-Rückstände, so dass ich den Pullover nochmal in die Maschine geben werden, diesmal mit Schleudergang und allem. Mal sehen, was er dazu sagt!
Das Ergebnis freut mich aber in jedem Fall, denn ich habe noch einen kleinen Alaska-Vorrat und eine zugehörige schöne Strickidee, die ich jetzt guten Gewissens umsetzen kann.

Wie sind eure Erfahrungen mit Strickstücken in der Waschmaschine? Habt ihr noch Tipps für mich?

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10 Gedanken zu “Heute ist Waschtag!

  1. Ich wasche alles mit der Maschine. Bis jetzt ist alles gut gegangen, Toi Toi Toi
    Bei ganz empfindlichen Teilen geh ich dabei auf Nummer sicher und wasche sie kalt. Ich wasche natürlich auch Maschenproben in der Maschine, da kannst du auch gleich testen, ob alles gut geht.

  2. Bin da mittlerweile auch recht mutig geworden , Wollwaschgang kalt und zur Sicherheit die Sachen in einen Kopfkissenbezug damit keine faden gezogen werden können . Den meisten Sachen mute ich auch einen 800er Schleudergang zu . Dem Aden Pulli aus Drops Puna hat es nichts ausgemacht und die Drops Cotton -Merino hält das gut aus (sogar auch 30Grad Wollwaschgang)

  3. Also mir ist mal von meiner Kollegin im Wollladen gesagt worden, dass sie alle ihre Stricksachen in die Waschmaschine gibt und auch Schleudert. Gerade im Wollgang ist das überhaupt nicht schilmm, weil die Teile quasi sofort an die Trommelwand gedrückt werden, sich dort nichtmehr wegbewegen und das Wasser rausgedrückt wird. Das gefürchtete Filzen entsteht eher durch Temperaturwechsel und zu viel Reibung. Ich habe schon öfter ein gestricktes Teil kurz im Waschbecken gewaschen, also nach dem Fertigstellen, und dann in der Waschmaschine geschleudert. Hat alles nix geschadet, und liegt dann nicht fünf Jahre auf dem Boden, zieht Staub und Katzen an während es trocknet ;)

  4. Seitdem uns von den Finkhofleuten geraten wurde, die Wolle-Seide-Shirts auf jeden Fall in der Maschine zu waschen, wandert jedes Strickstück zuerst mal in die Waschmaschine. Wollprogramm kalt, Wollwaschmittel aus dem Bioladen, schleudern (aber nur einmal schleudern, aus Versehen zweimal war ganz, ganz böse), liegend trocknen, alles ist gut. Bei der Handwäsche wird mehr gerieben, die Wolle leidet tatsächlich mehr. Und ganz ehrlich: Wer hält denn im Winter schon dieses eiskalte Wasser aus?

  5. Ich habe bisher nur bei Drops Air mit der kalten Wollwäsche schlechte Erfahrung gemacht, 600 oder 800 Umdrehungen, im Wäschenetz. Evtl. waren noch Waschmittelreste in der Maschine:-(. Ich konnte das Jäckchen zum Glück noch weitergeben:-D. Danke für die Erfahrung mit Drops Puna.

    Vielen Dank für den tollen Blog!!!

  6. Witzig, genau das Waschmittel habe ich mir gestern aus genau dem gleichen Grund im Tegut besorgt… An die Waschmaschine hab ich mich mit meinem Selbstgestrickten auch noch nicht getraut… Und ja, ich wasche gekaufte Stricksachen mit der normalen Waesche in der Maschine bei 30 Grad. Das wird auch mit 1600 Umdrehungen geschleudert, da bin ich schmerzfrei, und da ist noch nie was passiert. Nun haben diese Sachen aber meist einen recht hohen Kunstfaseranteil, also werde ich das meinen teuren selbstgemachten Sachen vielleicht doch nicht antun ^^ Danke jedenfalls fuer die Erfahrungswerte, das werde ich auch mal versuchen :)

  7. Was um Himmels Willen hat der Waschbär da in den Pfoten, was sich dann im Wasser komplett auflöst? Armes verwirrtes Tier ;-)
    Zum Thema: das Wollprogramm meiner Maschine ist auf 40°C voreingestellt und das kann man auch nicht ändern. Ist das nicht zu viel? Bei wieviel Grad wäscht Du denn Deine Wolle?
    LG
    Anja

    • Zuckerwatte oder Mäusespeck vielleicht? :-D
      40 Grad kann man einigen Wollarten noch zumuten, denke ich. Meine Waschmaschine hat aber auch noch ein Handwäscheprogramm, das nur 30 Grad macht. Ich taste mich da auch noch ran.

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