Mysterium Maschenprobe

Ach, es ist ein Trauerspiel. Ich habe den FairAlpaka-Cardigan weitergestrickt. Wollt ihr mal sehen, wie er jetzt aussieht?

Wie ein Pullover sieht er jetzt aus. Was daran liegt, dass ich ihn komplett geribbelt und nach der Anleitung „Dessine-moi un Mouton“ von Maison Rililie neu angefangen habe. Dieser Pullover schien mir absolut perfekt für mein Garn, weil er 1.) schön ist und 2.) exakt die Maschenprobe verlangt, die ich mit dem FairAlpaka-Garn erreiche. 

Dachte ich zumindest. Doch nach etwa einer Woche des Strickens hat sich etwas abgezeichnet, was auf dem Foto schon zum Teil erkennbar ist: Ich stricke einen Kartoffelsack! Einen schönen Kartoffelsack zwar, aber trotzdem viel, viel, viel zu groß für mich. Auf dem Bild sieht man, dass der Umfang trotz der leichten Raffung durch das Nadelseil den Körperumfang der braven Dolly mehr als großzügig übersteigt. Und ich trage mittlerweile eine volle Kleidergröße weniger als Dolly. 

Wie konnte das passieren? Wie gesagt, die Maschenprobe stimmt. Nicht so sicher bin mich mir dagegen beim Muster, das schon unterhalb der Ärmelöffnungen verdächtig viele Maschen vorschreibt. Aber auf Ravelry scheint niemand ein Problem mit der Größe gehabt zu haben. Liegt es an mir? Oder liegt auf diesem Garn ein Fluch?

Zum Trost wollte ich einen Pullover mit dem schönen Madelinetosh Garn Twist Light anfangen. Da bin ich aber schon gleich zu Beginn gegen das Thema Maschenprobe gedonnert. 22 Maschen will Designerin Justyna bei diesem Pullover mit Malabrigo Mechita auf 10 cm haben. Bei mir kriegt die baugleiche Twist Light aber bestenfalls 26 Maschen auf 10 cm hin – und dann sind die schon so locker, dass man durchgucken kann. Wie schafft man bitteschön 22 Maschen? Und hat dann immernoch so ein schönes Ergebnis wie Justyna auf ihren Bildern? Wenn ich die 22 Maschen auf 10 cm mit der Mechita erzwingen würde, wären die so groß, dass ich meinen Kopf durchstecken könnte! 

Irgendwie habe ich da eine echte Bildungslücke, wenn es um Maschenproben geht. Kann mir das jemand erklären?

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12 Gedanken zu “Mysterium Maschenprobe

  1. Nein, ich kann das nicht erklären weil es mir genauso geht. Eine Maschenprobe mache ich nur um mich für die Nadelstärke zu entscheiden. Dann stricke ich einfach los und wenn ich ein Stück gestrickt habe wasche ich das Teil und entscheide dann ob das so weiter gehen kann oder ich beginne noch mal neu.
    Maschenproben sind mir ein ewiges Rätsel 🤔

  2. Jeder strickt halt unterschiedlich fest, das wäre die einfachste Erklärung für deine Probleme mit den Maschenproben. Das hat mich auch schon immer genervt. Vielleicht bin ich deswegen auch so eine schlechte Kundin für Strickmuster! Wenn ich ein Teil cool finde, dann stricke ich das so gut es geht frei Schnauze nach. Zum Glück steht mir ein bisschen Kartoffelsack ganz gut, hihi.

  3. Pingback: Inspiration 51/2016: Letzter Adventsrabatt im Shop und ein Blick in die Strick- und Häkelblogszene - Gemacht mit Liebe

  4. Nein, erklären kann ich das nicht, Dir aber voll zustimmen, was dieses Thema betrifft. Langsam brüte ich nämlich eine MaPro-Phobie aus und frage mich, wieso ich mir das eigentlich antue. Ich stricke seit Jahrzehnten, die meiste Zeit davon ohne MaPro frei nach Schnauze und das funzte fast immer. Seit diesem ewigen MaPro-Gedöns strick ich bald keine Pullover mehr, weil das nie (okay, fast nie) hinkommt. Habe gerade einen Pulli fertig, der (weil Nadeln zu groß für Garn, aber MaPro stimmte) nach vorsichtiger Handwäsche um 2 Konfektionsgrößen gewachsen ist – neeee…. Tja, einen Rat kann ich Dir nicht geben außer – mache Deine eigene (ausreichend große) Maschenprobe mit Nadeln, die wirklich zum Garn passen, wasche sie und rechne dann das Modell der Wahl darauf um, sofern das Design das erlaubt… Wenn Du dieses vor dem Start und nicht kurz vor Vollendung des Werkes machst, dann ist der Zeitaufwand für’s Rechnen allemal zu vernachlässigen ;-))
    Liebe Grüße und ein strickiges Wochenende
    Regina

  5. Hallo, also ich kann dich beruhigen, mir ging es mit dem Dessine-moi un Mouton ganz genau so, er wird wirklich sehr groß wenn man sich an die Maßen hält…da aber so lockere Pullis immer noch recht in Mode sind und meine Frustration was das Holst Garn (extra für den Pulli mal Original gekauft) so unendlich hoch war, dass ich sie nie wieder (!) neu verstrickt hätte, habe ich das Teil modifiziert. Er ist jetzt Kartoffelsackgroß aber an der Hüfte habe ich über wenige Reihen viele Maschen abgenommen, sodass er mit I-Cord eng anliegt, sieht eigentlich ganz gut aus. Und wenn ich in seeehr weit entfernter Zukunft mal die Ärmel dran stricke stell ich ein Foto auf ravelry XD.
    Aber ich finde, deine Farben kommen bei dem Muster echt toll raus! Also nicht aufgeben, weiter machen. Am Schluss wird es der perfekte Pulli ;)

    • Oje, ist der Dessine-moi am Ende doch ein Ärgermacher? Die Holst fällt wenigstens noch so luftig, dass ein Oversize-Pulli gut aussehen kann. Aber bei der dickeren FairAlpaka DK und über 20 cm Luft im Brustumfang? Ich weiß nicht, ob das noch was wird … :,-(

  6. An Tinefee: man soll ja die Maschenprobe machen, weil jeder Mensch eine individuelle Strickfestigkeit hat. Ich denke, hier ist ein anderes Problem der Punkt.
    Ich habe mir mal die Projektinfos der beiden erwähnten Anleitungen angeschaut. Die angegebenen Maschenproben sind beide Male für glatt rechts. Was sagt denn die eigentliche Anleitung zur Maschenprobe für das Muster (sofern überhaupt etwas gesagt wird)? Glatt rechts und Muster sind zwei Welten, die getrennt von einander getestet werden sollten. Anleitungen, die das nicht berücksichtigen, sind meiner Meinung nach einfach sch… lecht.
    Was die Maschendichte der fertigen Teile betrifft, speziell Justyna: das sieht toll gleichmäßig aus. So dicht, dass man bei den Teilen in natura nicht die Unterwäsche durchschimmern sehen würde, würde ich das aber nicht bezeichnen. Warum? Auf Fotos ist das fertige Teil in der Regel zweilagig gelegt (Oberteile) oder am Körper getragen gezeigt. Das Licht kommt nur von vorn aus Blickrichtung der Kamera. Die linke Seite der Stücke liegt damit immer im Schatten. Deine Maschenprobe zu Hause ist aber einlagig (sofern nicht in Runde gestrickt) und du kannst sie gegen das Licht halten. Also auf Fotos sieht Strickgewebe immer dichter aus als in natura. Außerdem sind bei Justynas Fotos (Vergrößere dir die Ärmel) deutlich die (breiten) Schatten an den runden Fäden zu sehen. Je dichter ein Strickgewebe ist, desto kleiner werden die. Natürlich spielt die Intensität und der Einfallswinkel des Lichts dabei auch eine Rolle, die den Effekt entweder verringern oder verstärken können. Ich denke aber, dass in diesem Fall die Maschen deutlich zu weit auseinander für ein schön blickdichtes Strickgewebe sind. Dann hast du noch die relative Distanz zwischen Kamera und Objekt. Das stört mich bei Drops immer, dass es nur selten Nahaufnahmen des Strickgewebes im fertigen Teil gibt und meistens nur ein viel zu kleines Foto (auch in der Pop-Up-Vergrößerung) des Gesamteindrucks.
    Damit schließe ich noch einen Gedanken an, der mir prinzipiell bei allen Garnen auf den Keks geht. Die empfohlenen Maschenproben sind mir grundsätzlich zu locker. Gerade Oberteile trage ich direkt auf der Haut ohne Shirt oder Unterhemd (habe ich als Kind schon gehasst) drunter. Wenn dann noch eine gigantische Leibesfülle von Damenkonfektionsgröße 54 (56 um die Hüften) dazu kommt, ist das Teil noch mehr durch das Eigengewicht belastet und zieht sich entsprechend stärker als bei einer Normalgröße 38 oder dem Fliegengewicht der Maschenprobe. Selbst die fertiggekauften Strickpullis sind in großen Größen so locker, dass man auf kurze Distanz wunderbar den BH sieht (denn ich ganz sicher nicht jedem zeigen will!). Daher gilt für mich die Devise: Anleitungen als Designanregung verstehen und die Größe und Körperform auf mich anpassen. Ohne Umrechnungen auf meine eigene Maschenprobe geht da dann sowieso nix.
    P.S.: Dadurch finde ich, dass dir deine eigenen Designs besser stehen, als die Teile nach Fremdanleitung. ;-)

    • Du sprichst mir aus der Seele, Katrin. Ich weiß auch nicht, was manche Designer diesen extrem lockeren Maschenbildern abgewinnen können. Bei Drops ist das zum Teil sehr krass, das habe ich auch schon oft bemerkt. Da gehe ich schon aus Prinzip bei der ersten Maschenprobe drei Nadelstärken runter, um überhaupt ein ordentliches Strickbild zu erhalten. Bei den neueren Garnen wie z.B. Flora geht es aber eigentlich schon langsam mit den Nadel- und Maschenproben-Vorgaben. Ein echter Aufwärtstrend.

      Zu Gunsten von Justyna Lorkowska und Maison Rililie muss ich dabei sagen, dass ihre Maschenproben auch immer das Muster abdecken, nicht nur glatt rechts. Helfen tut es trotzdem nicht…

  7. Mh, ich kenne Maschenproben so, dass man sich passend zur Wolle und Muster (falls vorhanden) die Nadeln sucht, wo einen das Strickbild dann zufriedenstellt. Anhand dieser MaPro rechnet man dann die Anleitung um, je nachdem wie dort die MaPro angegeben ist.
    Was noch ganz, ganz wichtig ist: rundgestricktes auch eine rundgestrickte MaPro machen! Es verhält sich anders, als eine gestrickte Fläche. (bei mir wirds etwas kompakter, weil ich die Maschen enger stricke bei rundstricken, zumindest wenns glatt rechts ist)
    Zum Rundstricken einer MaPro: Man strickt am besten x Maschen und führt dann den Faden hinter dem Strickteil locker (!) wieder zum Beginn und strickt wieder von vorn. So spart man sich das Schlauchstricken, der ja auch gross genug sein muss, um die Dimensionen abzuschätzen.
    Vielleicht sollte man auch mal die Strickdesigner fragen, ob die angegebene MaPro in rund oder flächig gestrickt ist?

    Übrigens Grösse der MaPro: Lieber 20×20 cm stricken, als die kleinen 10x10cm. Je grösser das Stück desto besser kann man Auszählen, weil man dann quasi in der Mitte des Läppchens seine 10x10cm auszählen kann und die eventuell weiteren (oder engeren) Randmaschen nicht dazwischenpfuschen. Und waschen würde ich sie vorher auch, sicher ist sicher.

    Und ich muss sagen: Das Muster des Pullovers gefällt mir supersupersuper gut :) vielleicht solltest du einfach nochmal bist zur Armteilung aufribbeln. Am besten vorher gleich noch auszählen wieviel M jetzt wieviel cm Umfang ausmachen und dann unter den Armen etwas weniger M aufnehmen (*hüstel* du hast ja jetzt quasi eine Riesen-MaPro dafür). Bzw. Nach dem M-Aufnehmen, damits in der Achsel nicht zwickt in ein paar Reihen weiter wieder abnehmen, damits kein Kartoffelsack wird.
    Der Pulli ist viel zu schön, um ihn nicht zu strickseln! Also wirf den Strickfrust ins Eck und Plane dir deinen eigenen, passend bemassten Pullover. Du hast doch schon passende, die du abmessen kannst. Oder auch der Einfachheit halber immer mal dranhalten und gucken, obs passend wird.

    Kämpf dich durch, der Pulli mit dem Muster und in der Farbkombi wird eine Wucht werden, da bin ich mir ganz sicher.
    Liebe Grüsse von
    Steff

  8. Das kenne ich! Ich habe 2 oder 3 mal eine Maschenprobe gestrickt und danach hat das Teil nicht gepasst. Ich weiß auch nicht, ob ich im großen anders stricke als bei der Maschenprobe. Seitdem mache ich keine Maschenprobe mehr. Ich weiß, dass ich bei Fingering-Garnen und figurbetontem Pulli 120 Maschen (also je – für Vorder- und Rückenteil) auf Brusthöhe brauche – und es passt immer. Ich suche mir vorher die Größe zum Stricken aus, die auf genau diese Maschenzahl kommt, manchmal ist es M, manchmal L. Außerdem lassen sich RVO’s gut ohne Maschenprobe stricken, da du sie jederzeit anpassen kannst. Wenn die Raglan-Linie (wie bei deinem Pulli) weit außen liegt, brauchst du weniger Zentimeter Länge nach unten – was dann noch fehlt, nimmst du beim Zusammenführen der Teile zu. Ich hoffe, man kann verstehen, wie ich das meine.
    LG und viel Strickerfolg bei diesem schönen Pullover.
    LG
    Ingrid

  9. Jupp, ist leider ein bekanntes Problem. Maschenproben können trügerisch sein. Was hab ich mich da schon dusselig gerechnet :-/

    Ich habe für mich herausgefunden, dass eine Maschenprobe (egal ob 10×10 oder 20×20 cm) sich schlichtweg nicht so verhält wie der ganze Pulli. Und ein Pulli in Größe 36 aus Fingering Weight verhält sich mit dem Waschen anders als ein Pulli gleicher Größe aus DK Weight. Und das ist für Pullis in Größe 46 wieder anders. Rechne da jetzt noch Schnitt und Mustereigenheiten ein, dann wirds völlig undurchschaubar. Das kann man meiner Erfahrung nach nicht wirklich anhand einer MaPro herausfinden, sondern nur anhand des gesamten Strickstücks, konstanter Überprüfung und immer etwas im Hinterkopf, dass das Gestrick nach dem Waschen eigentlich immer etwas wächst. Erfahrung hilft.

    Auf einem anderen Blatt stehen dann noch die in meinen Augen gänzlich abwegigen MaPros der Hersteller. Ist mir auch alles zu locker. Oder bei einigen Designern sind die MaPros so eng – ich sag nur Alice Starmore – dass ich die mit 2er Nadeln nicht erreichen würde und in der Höhe kommt es nie hin. Da hilft dann nur auf eine andere Größe gehen und selber anpassen.

    Ich finde den Mouton Pulli ja echt süß. Der muss doch oversized ;-)

    Frohes Stricken und Kopf hoch!

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