Silvester bin ich blau (die übrigen Tage auch)

Herrje, da ist man mal einen Moment abgelenkt und schon ist das Jahr zuende. Wie konnte das passieren?

Irgendwie sind die letzten Tage zwischen Weihnachtsplätzchen futtern und Dauerstricken einfach unbemerkt an mir vorbeigezogen. Meine beste Freundin hat sich einen Cardigan von mir gewünscht, der 90 Prozent der Zeit einfach nur stupide glatt rechts in Reihen gestrickt wird – ein Prozess, den ich erst bestürzend eintönig, dann aber irgendwie hypnotisch angenehm fand. Bis ich eines Tages wie aus tiefem Schlaf erwachte, den Cardigan in fertigen Einzelteilen vor mir liegen und keine Erinnerung an die letzten Tage hatte. Irgendwie gruselig. Aber irgendwie auch schön. Eine Art Strick-Schlafwandeln vielleicht? Jetzt muss ich nur noch sichergehen, dass ich in meiner Gedankenlosigkeit nicht vier Ärmel oder drei Rückenteile gestrickt habe.

Derweil schon mal angefangen habe ich einen Pullover aus der Wolle, die ich mir selbst zu Weihnachten geschenkt habe: Lana Grossa Alta Moda Super Baby Stella, ein Babyalpaka-Merino-Garn mit einer ordentlichen Ladung Glitzer drin. Das Muster stammt aus der Filati und hat mich angesprochen, weil es teils gehäkelt, teils gestrickt wird:

Häkelmode ist ja so eine Sache. Irgendwie finde ich da in der Regel nie Muster, mit denen ich mich auf die Straße trauen würde. Ich weiß aber nicht, ob das an meinem Geschmack oder an den Mustern liegt, habe mir aber vorgenommen, der Angelegenheit mal richtig auf den Grund zu gehen. Wie seht ihr das? Gibt es irgendwo richtig schöne Häkelmuster für Pullover oder Jacken, die ihr empfehlen könnt? Die besten Sachen, die ich bisher auftreiben konnte, waren immer Strick-Häkel-Kombis wie dieser Filati-Pullover oder zum Beispiel die Julia-Tunika von Vicky Chan:
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Was ist da los in der Häkelwelt? Fehlt es an guten Designern oder ist Gehäkeltes einfach von Natur aus Mist? Ich werde es herausfinden! (Bitte an dieser Stelle die Titelmelodie von Indiana Jones pfeifen)

Für das nächste nächste Strickprojekt liegen hier schon drei wunderschöne Stränge Madelinetosh Twist Light bereit – lustigerweise auch in Blau, irgendwie hänge ich gerade an dieser Farbe. Und hatte ich mir nicht auch schon zum letzten Geburtstag die Malabrigo Rios in Blau geschenkt? Und neulich einen Pullover aus Drops Lima in Blaugrün gestrickt? Ich muss unbedingt mal mein Farbspektrum erweitern!
Auf jeden Fall bin ich mir extrem unsicher, was den Blauton angeht, mit dem ich die Twist Light kombinieren möchte. Was meint ihr?

Mein guter Vorsatz für das nächste Jahr lautet, endlich die Wollmeisen zu verstricken, die ich seit etlichen Monaten horte – ein Strang Lace, ein Strang DK und zwei Stränge Blend, allesamt in verschiedenen Schattierungen von Dunkelmagenta. Mein anderer guter Vorsatz: Endlich mal andere Farben verstricken! Vielleicht mal ein Gelb?

Was sind eure guten Strick-Vorsätze für 2017? Kommt gut ins neue Jahr!

Mysterium Maschenprobe

Ach, es ist ein Trauerspiel. Ich habe den FairAlpaka-Cardigan weitergestrickt. Wollt ihr mal sehen, wie er jetzt aussieht?

Wie ein Pullover sieht er jetzt aus. Was daran liegt, dass ich ihn komplett geribbelt und nach der Anleitung „Dessine-moi un Mouton“ von Maison Rililie neu angefangen habe. Dieser Pullover schien mir absolut perfekt für mein Garn, weil er 1.) schön ist und 2.) exakt die Maschenprobe verlangt, die ich mit dem FairAlpaka-Garn erreiche. 

Dachte ich zumindest. Doch nach etwa einer Woche des Strickens hat sich etwas abgezeichnet, was auf dem Foto schon zum Teil erkennbar ist: Ich stricke einen Kartoffelsack! Einen schönen Kartoffelsack zwar, aber trotzdem viel, viel, viel zu groß für mich. Auf dem Bild sieht man, dass der Umfang trotz der leichten Raffung durch das Nadelseil den Körperumfang der braven Dolly mehr als großzügig übersteigt. Und ich trage mittlerweile eine volle Kleidergröße weniger als Dolly. 

Wie konnte das passieren? Wie gesagt, die Maschenprobe stimmt. Nicht so sicher bin mich mir dagegen beim Muster, das schon unterhalb der Ärmelöffnungen verdächtig viele Maschen vorschreibt. Aber auf Ravelry scheint niemand ein Problem mit der Größe gehabt zu haben. Liegt es an mir? Oder liegt auf diesem Garn ein Fluch?

Zum Trost wollte ich einen Pullover mit dem schönen Madelinetosh Garn Twist Light anfangen. Da bin ich aber schon gleich zu Beginn gegen das Thema Maschenprobe gedonnert. 22 Maschen will Designerin Justyna bei diesem Pullover mit Malabrigo Mechita auf 10 cm haben. Bei mir kriegt die baugleiche Twist Light aber bestenfalls 26 Maschen auf 10 cm hin – und dann sind die schon so locker, dass man durchgucken kann. Wie schafft man bitteschön 22 Maschen? Und hat dann immernoch so ein schönes Ergebnis wie Justyna auf ihren Bildern? Wenn ich die 22 Maschen auf 10 cm mit der Mechita erzwingen würde, wären die so groß, dass ich meinen Kopf durchstecken könnte! 

Irgendwie habe ich da eine echte Bildungslücke, wenn es um Maschenproben geht. Kann mir das jemand erklären?

Gute Wollzeiten, schlechte Wollzeiten

Irgendwie ist im Moment bei mir Strick-Flaute was meine persönlichen Projekte angeht. Der FairAlpaka-Cardigan hängt wie ein Unheilszeichen über mir und ich kann mich einfach nicht entscheiden, ob ich ihn weiterstricken oder ribbeln soll. Er könnte gut werden! Aber wenn nicht? Dann wäre ich noch deprimierter! Also ribbeln? Aber was stricke ich dann aus dem Garn?

Meine Lösung in solchen Situationen ist meistens die Flucht nach vorn, deshalb habe ich in den letzten Wochen stattdessen einen anderen Cardigan gestrickt. Hier ein schnelles Spiegel-Selfie:

Anleitung ist der „Shapely Boyfriend“, Garn ist die Lana Grossa Arioso, die ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Ich bin begeistert von der Farbkombi! Langsam glaube ich, ich sollte mein Garn gar nicht mehr selbst aussuchen, sondern die Farbwahl prinzipiell meiner Mutter, meiner Schwiegermutter oder dem Internet überlassen.

Trotzdem hatte ich auch bei diesem Projekt meine Grummelmomente. Vorgeschlagene Nadelstärke ergab riesige Labbelmaschen – grummel. Berechnung ergab, dass ich ein Knäul rotes Garn zukaufen musste – grummel. Taillenzunahmen nach Anleitung erzeugten eigenartige Beulen um die Hüften – grummel. Ärmelbündchen grenzwertig eng – grummel. Rotes Garn reichte am Ende doch, Zusatzknäul umsonst gekauft – GRUMMEL. Dann das Teil gebadet, getrocknet und angezogen – grummmmochja, eigentlich ganz schön! Und so bin ich ganz überraschend total zufrieden mit dem Cardigan, trotz engen Ärmelbündchen und allem. Und passende Knöpfe habe ich auch noch gefunden!

Aber sobald ich jetzt frohgemut in mein Strickzimmer schlendere, mahnt natürlich wieder der FairAlpaka-Cardigan. Arrgh!

Ich tröste mich mit dem Gedanken an Weihnachten. Wollt ihr mal linsen, was ich mir selbst schenke?

Glitzer! Hach, die Welt ist eben doch noch in Ordnung.