Ein unverhoffter Schatz

Vor kurzem habe ich ein überraschendes Geschenk erhalten: Eine ältere Dame, die aus gesundheitlichen Gründen selbst nicht mehr stricken kann, hat mir im Tausch gegen warme Stricksocken ihre alten Wollbestände gespendet. Ich solle schauen, ob ich etwas davon gebrauchen könne, ließ sie mir ausrichten, nur Obacht, die Knäule hätten schon einige Zeit gelegen.

Ich trug also zwei randvolle Woll-Wundertüten nach Hause, wo ich sofort ihren Inhalt sichtete. Viel Baumwolle, ein halbgestrickter Pullover inklusive Nadeln, eine Strickliesel, noch mehr Baumwolle, einige Knöpfe … und dann der große Jackpot: 6 Knäule himmelblaue Angorawolle!

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Normalerweise steht Angora überhaupt nicht auf meiner Wunschliste, weil ich immer die fürchterlichen Bilder totgerupfter Kaninchen vor Augen habe – eigentlich inkonsequent, ich weiß ja auch nicht, ob Schafe und Alpakas rücksichtsvoller entwollt werden. Aber obendrein ist Angora unglaublich teuer.

Nun sind diese Knäule aber nunmal in meine Hände gelangt und die Spender-Kaninchen schon lange im Kaninchenhimmel. Der Hersteller, Esslinger Wolle, hat in den 80ern die Schotten dicht gemacht, also ist diese Wolle mindestens 30 Jahre alt. Vielleicht darf ich also annehmen, dass Angorakaninchen in den guten alten 80er Jahren noch mit liebevollen Streicheleinheiten von ihrem überschüssigen Fell befreit wurden. Auch wenn das Tierchen auf dem Etikett einen etwas panischen Blick hat.

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Eine schnelle Maschenprobe zeigt: Das Garn ist unglaublich, ja überirdisch weich! 80 % Angora, 20 % Lamm, 20 g pro Knäul – in der Tat ein kleiner Schatz! Babyblau ist zwar nicht meine erste Wahl, aber kombiniert mit einem hellen Grau könnte was draus werden. Ich denke darüber nach, das Garn mit der Drops Puna zu kombinieren, die ich eh schon seit längerem mal ausprobieren wollte. Das Ergebnis wird höchstwahrscheinlich unermesslich flauschig (und ebenso unermesslich fusselig, aber darüber möchte ich lieber gar nicht nachdenken).

Das alles war fast zu schön, um wahr zu sein. Gab es keinen Haken an dem Garn? Oh doch, den gab es:

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Motten! Beinahe jedes Knäul hatte eine oder zwei Stellen, die sauber durchgemümmelt und bis tief hinein mit eigenartigem, krümeligem Zeug durchzogen waren. Staub? Motteneier? Lieber kein Risiko eingehen! Ich habe sofort das Notfall-Programm durchgezogen:

  1. Die Wolle in Frischhaltetüten packen und für eine Woche ins Tiefkühlfach legen.
  2. Die Knäul auf der Haspel zu Strängen wickeln.
  3. Die Stränge baden, trocknen lassen, vor dem Zusammenbinden nochmal vorsichtig ausklopfen und dann gesondert vom restlichen Wollbestand mit einem Anti-Motten-Säckchen einlagern.
  4. Beten.

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Die Prozedur lief so weit ich das erkennen kann sehr gut. Beim Wickeln (wohlweißlich auf der Terrasse) ist das krümelige Zeug schon weitestgehend rausgerieselt, da ich den Faden immer durch meine Finger habe laufen lassen. Da ich darunter nichts erkennen konnte, was wie ein tatsächliches Insekt aussah, bin ich guter Dinge. Wenn ich eine Motte wäre, würde ich mir diese Wolle reinpfeifen, bis ich tot umfalle. Dass keine erwachsenen Motten in den Knäulen steckten, scheint mir also ein gutes Zeichen, dass der Mottenangriff schon viele Jahre zurückliegt und alle Tiere schon lange tot und zu Staub zerfallen sind.

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111 Gramm von den ursprünglich 120 konnte ich auf diese Weise retten. 9 Gramm mussten in Form von kurzgefressenen Schnipseln in die Tonne wandern. Eine ganz gute Ausbeute, will ich meinen!

Nun hoffe ich nur, dass das Alter dem Garn nicht zu sehr zugesetzt hat. Hat jemand von euch schon mal mit Angora gestrickt? Ist es normal, dass sich der Faden so einfach zerreißen lässt? Und verlieren die Strickstücke später immer noch so viele Fusseln wie am Anfang?

 

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19 Gedanken zu “Ein unverhoffter Schatz

  1. ja, es ist normal, das der Faden so leicht reißt und fusselt. Die Haare sind relativ kurz und glatt, dadurch entsteht beim Verspinnen nur ein ganz lockerer Verbund.

    nach dem Stricken und dem ersten Waschen äh BADEN des Strickstücks wird sich dieser lockere Verbund selbst bei zärtlichster Handhabung erneut bemerkbar machen: Auf der Wasseroberfläche schwimmen lose Haare, das Teil zieht sich im Wasser, und wenn es so richtig ausfusselt wird es sich selbst bei minimalster mechanischer Reibung verfilzen und umso mehr schrumpfen, wie es jetzt lose ist…..

    Du bekommst es dann wieder etwas entwirrt und aufgeflufft, wenn Du es mit eine Fellbürste für Hunde bearbeitest.

    Es fusselt beim Stricken, es fusselt beim Tragen.

    Und wenn Du neben Deiner Brille auch Kontaktlinsen trägst, so wie ich, wirst Du das Gefühl von feinen Haaren kennenlernen, die Dir auf den Linsen kleben. Wenn Du so wie ich einen Schal aus reinem Angora strickst, z.B. in Doppelrippe, dann wirst Du feststellen, das von der Doppelrippe nach kürzester Zeit nur eine zusammengeschnurrte Wurst entsteht, die nur mit der oben beschriebenen Fellbürste wieder in ein Flachgewebe zurückzuarbeiten ist.

    Und Du wirst feststellen, das es immer noch am Hals piekt, wenn Du schwitzt. Und dann kleben die Fusseln auf der Haut. Es ist zwar weich, aber die feinen Fussel pieken vdereinzelt doch, und das stört mich persönlich fast noch mehr als ein insgesamt grobes Strickteil, da verteilt sich das irgendwie, während man solche Einzelpiekse deutlich spürt.

    Mein Hundewelpe fand den Schal ganz toll, und nach den obigen Erfahrungen war ich auch nicht mehr traurig, als der Schal als Beute zerlegt wurde. Ich mußte nur aufpassen, das die Schnipsel nicht gefressen wurden-

    Angora ist m.E. nicht gut mit Puna, da die Eigenschaften nicht zusammenpassen – ebtl. ginge Kid-Silk, die ist ähnlich heikel.

    Lösung:
    ab in die Bucht. Für 111 gr. in frisch gewickelt und sauber bekommst Du noch ca. 20-25,– EUR und ersparst Dir viel Frust. Ansonsten: Stirnband und Mütze, nicht mit anderen Garnen mischen und schnelle Projekte, die wenig Arbeit machen und an denen Dein Herz nicht hängt. Und babybalu ist eh nicht Deine Farbe :-)

  2. PS: auch Wolle ist nicht unbedingt tierfreundlich produziert, speziell in OZ und NZ.

    Schau mal unter MULESING. Ich habe mir jetzt mal in Deutschland produzierte Biowolle vom Finkhof gekauft, als Test, um einen Troyer zu stricken. Ich war überrascht über den vergleichsweise günstigen Preis, EUR 4,20 für 100 gr Wolle in DK Stärke mit 300 M LL. Coburger Fuchsschaf und Ösi Jura Bergschaf… Beide Sorten sind so mittelfein, weicher als Shetlandwolle in Naturfarben. Es gibt aber auch gefärbte feine Merino aus Südamerika – ohne MULESING. Und traumhafte Klamotten und Acsessoires, die dürften genau Dein Ding sein, ich bin dafü+r leider zu dick, die verkaufen nur bis Gr. L.

    Schau mal Finkhof.de

    LG Britta

      • habe da nachgesehen, steht aber noch nicht viel drin. bei der Schäfereigenossenschaft Finkhof eG gibt es bereits viel Infos und eine gute Datenbank über deutsche Schafzucht und Wolle, ich bin durch einen Blogbeitrag darauf gestoßen.

        Ich habe jetzt mein aktuelles Strickprojekt beendet und werde mich am Wochenende auf die Wolle vom Coburger Fuchsschaf stürzen. Mal sehen, ob ich meinen Troyer auch so gut hinbekomme wie die auf den Finkhofseiten :-)

  3. Ich weiß nicht, wie Kaninchen ihre Wolle lassen, kann Dir aber versichern, dass Schafe und Alpakas in Deutschland schmerzfrei und mit Umsicht geschoren werden. Auf Woll- bzw. Schäfermärkten gibt es häufig Schervorführungen. Oder Du schaust mal auf meinem Blog vorbei. 🐏fiebrige Grüße

    • die Kaninchen werden in China 3-4x im Jahr außerhalb der natürlichen Fellwechselzeiten auf Brettern festgebunden oder mit den Pfoten eingeklemmt und an den Ohren festgehalten und geradegezogen, so daß sie unbeweglich in gestreckter Haltung verharren müssen. Dann wird ihnen das Fell am gesamten Körper bis an die Ohren in großen Büscheln ausgerissen, meistens in blutigen Büscheln. Die völlig nackten, verletzten und traumatisierten Tiere werden dann unversorgt ohne jede Behandlung nackt und ohne jede Wärmelampe in besonders kalten Räumen in ihre Käfige gesetzt, damit sie so schnell wie möglich wieder Fell bekommen.

      Die Tiere überleben das maximal 3 Jahre – wenn sie Glück haben. Die Unglückseligen, die besonders stark sind, müssen das 5 Jahre lang ertragen. Die wirklich glücklichen sterben nach der ersten Marter am Schock. Ich wußte das nicht, als ich meine Angorabestände gesammelt hatte. Nach dem ersten oben beschriebenen Schal konnte ich mir nicht mehr vorstellen, mit Freude auch nur noch eine einzige Masche anzuschlagen, damit inspiriert zu stricken und das Teil zu tragen. Ich habe alle Bestände über Ebay „entsorgt“.

      In Frankreich werden sie angeblich nur ausgebürstet und nur 2 x im Jahr – weshalb franz. Angora so teuer ist. Aber schaut man auf die Profitgier, die skrupellose menschliche Natur z.B. bei den bisherigen Fleischskandalen dürfen Zweifel angebracht sein. Ich jedenfalls stricke, weil ich es mag, Dinge mit den Händen zu „schaffen“. Wenn der Ursprung der Materialien bereits so ein schlimmes Karma hat mag ich damit nicht arbeiten.

      Apropos China: Dieser verachtende Umgang mit allem was lebt ist in China leider symptomatisch. Ich finde es entsetzlich, z.B.

      – In China in Yulin findet jedes Jahr ein „Hundeschlachtfest“ statt
      – In China findet die Gesundheitsversorgung für Mädchen (die nicht bereits abgetrieben wurden)
      nicht statt, weil sie „unwürdig“ sind. Folge: demografische Entwicklungen zeigen, daß in 20 Jahren
      nur noch jeder 5. Mann eine Frau haben wird……haha, dann gibt es wohl eune natürliche
      Schrumpfung
      – in China hat die Verpestung durch Insektizide ein solches Ausmaß angenommen, daß in den für
      den Obstanbau relevanten Regionen die Bienen ausgestorben sind. Dort hocken Menschen mit
      Wattebäuschen an langen Stöcken in den Bäumen, um Blüten zu befruchten.

      Große Firmen haben für ihre Betriebskantinen eigenen Gemüseproduktionen, weil sie ihre
      Mitarbeiter nicht mit pestizidverseuchtem Gemüse vergiften wollen, was in China leider passiert.

      Habt Ihr Euch schon mal gefragt, woher der chinesische Ingwer und Knoblauch kommen, die Aldi und Lidl so günstig anbieten….????

      Ich kaufe nur noch spanischen Knoblauch und Bioingwer.

      • danke britta, für diesen ausführlichen (und leider allzu wahren!) kommentar! wollte gerade zu etwas ähnlichem ansetzen… auch für mich ist angora seit jahren sowas von tabu. ich hätte bei jeder masche gemarterte kaninchen vor augen… bei schafswolle schaue ich, dass sie mulesing-frei ist. inzwischen hat meine nachbarin aber vier süße schafe – die wolle habe ich mir diesen frühling gekrallt und bin feste am kardieren und spinnen. bei den tieren weiß ich hundertpro, wie gut es ihnen geht.
        ansonsten würde ich mich freuen, wenn jemand was über alpaka-wolle aus peru (z.b. die von drops) weiß. irgendwelche infos, wie es diesen wunderschönen tieren ergeht?
        danke und viele grüße,
        ulex

  4. Hi, Ulex, danke für die netten Worte. Leider weiß ich nichts über die Alpakahaltung für die Industrieproduktion. Da aber Alpaka und Kaschmir immer mehr gehypt werden muß man schon überlegen, was da läuft. Es ist leider mit allen Dingen so:

    – Argentinisches Steak: vor dem Hype ein Nischenprodukt aus Freilandhaltung, sehr schmackhaft, heute genauso wässrig wie deutsches Fleisch. Massenzucht.
    – Quinoa: vor dem Hype ein preiswertes und hochwertiges Grundnahrungmittel für die indigene Bevölkerung, heute sauteuer für die Hipster und Edelwollsocken, und die indigene Bevölkerung kann es sich nicht mehr leisten!
    – Slippery Elm, ein Naturprodukt aus kanadischer Rotulme, eine „Geheimtip“ für alternative Heilmethoden, heute ist die Rotulme gefährdet.
    – Canada Goose: vor dem Hype geniale Jacken in umwerfend guter Qualität, die tierischen Bestandteile wie Kojotenfellkragen aus regulärer Bejagung zur Revier- und Forstpflege, was sie wohl immer noch so handhaben, finde ich persönlich ok, und die Gänsedaunen und Entendaunen aus Schlachtungen für die Nahrungsmittelproduktion, also totrupf- Was sie angeblich noch immer tun. Aber die Qualität hat nachgelassen, die Jacken sind schlechter verarbeitet und weniger gefüllt….
    – Teufelskralle: gemahlene Rinde und Wurzel einer wildwachsenden, nicht kultivierbaren afrikanischen Pflanze. Heilmittel für die indigene Bevölkerung – fast ausgerottet.

    Die Liste kann man beliebig verlängern.

    Müssen es z.B. unbedingt Gojibeeren aus dem Himalayhochland sein, wo die Leute eh kaum Vitamine zum Essen haben? Müssen wir in der Industriewelt diesen Menschen nur unbedingt diese Beeren wegfuttern, wo es hier doch alles im Überfluß gibt? Und dabei schmecken die noch nicht mal gut…..

    Vilcabamba: Ein kleines Dorf in Ecuador. Hier gab es nur einfaches Leben, Hochland und gute Luft.

    Aufgrund der einfachen und natürliches Lebensweise und den guten klimatischen Bedingungen gibt es hier viele Hundertjährige. Irgendwann latschte die erste intellektuelle Edelwollsocke in das Dorf und blieb – und es sprach sich als „Wunder“ unter Intellektuellen und reichen Hipstern herum, die entweder von den Folgen ihres Lotterlebens geheilt werden oder wenigstens 100 werden wollten – und die kauften die Jungen aus dem Dorf heraus, rissen sich das Land unter die gierigen lackierten Krallen und haben die Preise so in die Höhe getrieben, daß nur noch die Alten zum Sterben geblieben sind, die Jungen können sich das Leben dort nicht mehr leisten und sind weggezogen.

    Das hat auf Sylt übrigens auch prima funktioniert. Die alten Sylter wohnen jetzt auf dem festland und fahren täglich mit der Bahn nach Sylt, um den Protzproleten das Leben schön zu machen – als Dienstleister und Vertriebene in ihrer alten Heimat. Man muß also nicht unbedingt in der 3. Welt suchen, in der 1. läufts auch so…..

    Daher ist mein Angoraboykott mein kleiner persönlicher Versuch, diese Dinge nicht auch noch zu unterstützen, meine kleine Blase heile Welt…..

  5. das ist von den Peta Seiten. Wieviel Mühe wird ein Produzent in die Tiere stecken, wenn er für einen Low Budget Produzenten arbeitet?

    „Angorawolle stammt von sogenannten Angorakaninchen. 90 Prozent der Angorawolle kommt aus China, wo Tausende Tiere eingesperrt in winzigen Einzelkäfigen auf Farmen leben. Ein Undercover-Ermittler von PETA Asia filmte Arbeiter auf mehreren chinesischen Farmen, die den Tieren gewaltsam das Fell aus der sensiblen Haut rissen, während die Kaninchen markerschütternd vor Schmerzen schrien. Diese Misshandlung, nach der die Tiere in eine Schockstarre verfallen, müssen die Kaninchen alle drei Monate erleiden. Viele Kaninchen werden bei der Schur auch an Brettern gefesselt. Die Tiere erleiden bei der brutalen Schur nicht nur massive Verletzungen; bedingt durch den extremen Stress sterben viele der Fluchttiere zudem an Herzversagen. Die überlebenden Angorakaninchen werden nach zwei bis fünf Jahren schließlich getötet. Hierbei werden sie kopfüber aufgehängt, ihre Kehle wird durchschnitten und ihr Körper anschließend verkauft. (20)

    Kaschmir kommt von Kaschmir-Ziegen, die zu Millionen in China und der Mongolei gehalten werden. Laut Branchenexperten müssen Ziegenhalter davon ausgehen, 50 bis 80 Prozent der Jungziegen töten zu müssen, da die Felle der Tiere den Qualitätsanforderungen nicht entsprechen. (21) Zur Schur werden die Ziegen gefesselt und auf den Boden geworfen. Die Hirten reißen die Unterwolle mit Drahtbürsten aus dem Fell der schreienden Tiere. (22)

    Shahtoosh wird aus dem Fell der gefährdeten Tibetantilope, auch Tschiru genannt, hergestellt. Da sich Tschirus nicht domestizieren lassen, müssen sie getötet werden, um an die Wolle zu gelangen. Obwohl der Verkauf und Besitz von Shahtoosh seit 1975 illegal ist, sterben jährlich viele Tschirus für die Produktion von Schals, die für Tausende Dollar auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden. Für einen einzigen Schal ist die Wolle von fünf Antilopen erforderlich. (23)

    Alpakas sind höckerlose Kamele, die in Südamerika speziell der Wolle wegen gezüchtet und bei der Schur auf Streckbänke gespannt werden. Weltweit werden insgesamt drei Millionen Alpakas zur Herstellung von Wolle gezüchtet. (24) In den 80er-Jahren explodierte der Markt für Alpaka, da die Wolle als Luxusmaterial heiß begehrt war. Aus diesem Grund sind Alpaka-Herden mittlerweile auf Tausende Tiere angewachsen.

    Mohair stammt von Angoraziegen, die vor allem in Südafrika, den USA und der Türkei gezüchtet werden. Die sanften Tiere werden jährlich zweimal geschoren. (25, 26) Dazu werden sie oft an den Hörnern gezogen und während der Schur gefesselt.

    Die Kleinkamele Vikunjas leben meist frei in den Anden. Mit bis zu 500 US-Dollar pro Kilo ist ihre Wolle noch exklusiver als Kaschmir. Die hohe Nachfrage führte im 20. Jahrhundert bereits beinahe zur Ausrottung der Tiere. Auch heute werden die Vikunjas trotz Schutzmaßnahmen noch systematisch gewildert und getötet. (27, 28)“

  6. Ganz ehrlich? Versuchs einfach. Die Wolle ist da, verkaufen hilft den Kaninchen auch nicht mehr und den derzeitigen Markt unterstützt du auch nicht, wenn du sie verstrickst. Das mit dem Fusseln stimmt allerdings. Ich hab zwar Angora noch nie verstrickt, aber in den 80ern einen Pulli mit einem Streifen am Kragen.. aber das streicheln war toll!;-)
    Ich finde was da ist, sollte auch verarbeitet werden. Egal ob es dem heutigen ethischen Grundsätzen entspricht oder nicht. Wichtig ist doch einfach mal sein Hirn einzuschalten – was zwar manchmal bedeutet das kleinere Übel zu wählen, aber das ist einfach so.
    PETA hin oder her. Klar kaufe ich keine Mulesingwolle mehr, aber wenn ich welche geschenkt kriege, wird sie verarbeitet! Und die Empfehlung keine Wollkleidung mehr zu tragen und stattdessen auf Baumwolle (oh, der Wasserverbrauch, die Pestizide!) oder Kunstfaser (yeah, irgendwann als Mikroplastik in meinem Essen!) auszuweichen, lässt mich mehr als kopfschüttelnd zurück. Oder das gegenseitige Tätscheln der nähenden Bloggerwelt: ich nähe selbst und rette damit ein kleines Mädchen in Bangladesch….und woher kommt der Stoff? Der günstige vom Stoffmarkt??? Nie was darüber gelesen!
    Oh man! Was hast du hier bloß mit ein paar Knäulen Angorawolle losgetreten?!
    Ich wünsch dir viel Spaß beim Stricken! Und wenn du das mit der Puna ausprobieren willst, dann los!
    Übrigens, ich kaufe deutsche Äpfel wenn der Bio-Apfel aus Chile kommt!

    • Hallo, Lonie,
      niemand versucht, Nina das Verstricken der Wolle auszureden, auch ich nicht. Aber ein bißchen Aufklärung schadet auch nicht, dazu können Blogs prima beitragen.

      Wenn also dieses „Lostreten“ das Du hier gerade kopfschüttelnd verächtlich machst und mich damit persönlich triffst dazu beiträgt, daß es in Zukunft für chinesische Folterbetriebe unrentabel wird Angora zu „produzieren“ dann hat mein Beitrag vielleicht ein bißchen dazu beigetragen.

      Und wenn Du aufmerksam nach oben scrollst: es kam die Frage, wie Kaninchen ihre Haare loswerden – und die habe ich beantwortet. Zieh das also bitte nicht ins Lächerliche. Jeder muß für sich selbst entscheiden, wann und an welcher Stelle er sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen entscheidet. Wenn Du außerdem den Teil über Canada Goose nochmal liest würde Dir auffallen, daß ich nicht per se gegen Verwendung von Fellen oder Daunen oder sonst. „tierische Bestandteile“ bin. Ich esse auch Fleisch. Versuche aber darauf zu achten, daß es nicht aus Massenhaltung und Qualhaltung ist. Mein Fleisch kommt von einem Gutshof am Stadtrand von Berlin, und die Rinder habe ich zu Lebzeiten beim Gassigehen mit meinen Hunden mampfend auf der Wiese gesehen. Bio interessiert mich da gar nicht. Und es macht mir auch nichts, daß ein Kilo dann 60,– EUR kostet, ich esse dann eben weniger Fleisch, max. 2x im Monat….Aber es schmeckt super.

      Ich habe auch noch Merinowolle aus OZ. Natürlich werfe ich die auch nicht weg. Bei Neukäufen achte ich jetzt aber auf die Herkunft soweit es möglich ist….

      Aber bei der Angora hat es mir so den Magen umgedreht, daß es mich richtig davor geekelt hat, damit zu arbeiten. Das ist aber eine persönliche Sache.

      Zu den Äpfeln: ist es überhaupt möglich, für ein Flugprodukt aus Südamerika wie frische Äpfel in Deutschland ein Biosiegel zu vergeben? Das ist doch schon per se nicht Bio wegen der Transportbilanz. Bei getrockneten Sachen habe ich das schon gesehen, aber bei Biosiegeln fließt doch die CO2 Belastung mit ein? Normalerweise ist Bio immer aus der Region mit möglichst kurzem Transportweg. Bei Bananen ist es unumgänglich, aber da kaufe ich nur noch Bio, weil die besser schmecken.

      Microplastik bekommst Du bereits jetzt in Deinen Körper. Viele Duschgele, Shampoos, Make-Ups usw. enthalten Microplastik, damit sie schön seidig und dick aus der Flasche quellen. Zahncremes, damit die Zähne poliert werden. Belasten das Abwasser, werden als zu klein nicht filtriert, ab ins Meer, ab in die Fische und dann……Yummi…

      Nicht nur Baumwolle braucht wahnsinnig viel Wasser, auch Erdbeeren und Tomaten: Du brauchst für 1 kg Erdbeeren mindestens 30 l Wasser, Freilandtomaten 100 l.

      Und von diesen ökopolitisch korrekten Recyclingklamotten aus Plastik halte ich gar nichts, weil die sich sch…… tragen. Wenn Du eine wirklich warme Jacke willst kommst Du an an Daune nicht vorbei. Aber es muß ja nicht die aus China sein, bei Schlachtungen fallen genügend Daunen an, die Gewinnung ist nur teurer und die Jacke wird damit teurer.

      Das eigentliche Problem liegt darin, daß heute praktisch jeder alles haben und konsumieren will, alles muß immer verfügbar sein, aber möglichst billig. „Früher“ war es völlig normal, daß bei den „normalen“ Bürgern Fleisch nur am Sonntag auf den Tisch kam, da hatten die Schweine noch ein gutes Leben und brauchten dafür keinen Biostempel auf dem Popes. Und die Ansprüche an Optik und „Industrienorm“ sind so anerzogen, daß eine krumme Gurke nicht gekauft wird, und ein Apfel mit einer grauen Stelle in der Schale bleibt liegen. Also werden 50 % direkt nach der Produktion wieder vernichtet. Das wird dann durch industrielles Hochpeitschen wieder ausgeglichen….

      Daher wäre es gut, wenn die Verbraucher erstmal wieder an ihrem eigenen Anspruchsdenken arbeiten würden…..

      Aber ich werde die Liste jetzt mal lieber nicht beliebig verlängern, das würde einen Strickblog in der Tat sprengen.

      Schönen Sonntag noch.

  7. Ein toller Fund! Unverhoffte Wollfunde sind ja fast wie ein 6er im Lotto! Das du dir trotzdem Gedanken machst, wie die Wolle produziert wurde, finde ich super. Ich schaue bei Neukäufen schon sehr danach, was und wie produziert wird. AngoraWolle würde ich mir deshalb nie kaufen, um die Tierquälerei nicht zu unterstützen. Einige der Kommentare sind da ja echt aufrüttelnd. Allerdings würde ich die geschenkte Wolle wohl auch verstricken. Macht irgendwie auch keinen Sinn sie wegzuwerfen! Liebe Grüße, Zuzsa

    • Hallo Nina, hallo Britta und alle andere,
      ich hatte nicht vor jemanden persönlich anzugreifen. Manchmal ist das aber leider schwer abzuschätzen. Auch finde ich hier keinerlei Informationen „lächerlich“, vielleicht etwas vielfältig…. Alles gut! Leider greift immer eins ins andere und wenn ich’s einfach haben will, schau ich halt nur auf die eine Seite – und ja, diese Äpfel gibt es wirklich! Endloses Thema….
      Strickt was schönes!
      Wie ist es denn mit Seidenhase.de?

  8. Hallo und Gratulation zu diesem Fund.
    Ich würde sagen: Probier es aus mit dem Stricken und dann wirst du sehen, ob die Wolle noch „gut“ ist und auch hübsch bleibt.
    Wie wäre es mit ein paar Beinstulpen für den Winter oder auch Arm/Handstulpen? Ich denke Angora lässt sich bestimmt auch färben, gibts nicht Färbemittel für Seide und andere Naturfasern, wo man alles in einem Eimer einweicht und dann auch per Hand auswäscht?

    Und *hüstel* ich hoffe ich darf das:
    Auf http://www.seidenhase.de
    gibts Angorawolle aus eigener, kleiner Produktion aus D und auf der Seite sind auch wunderbare Runduminfos um die Angorakaninchen und deren Haltung und Wollgewinnung.

    Ich habe von dort einen Strang und er ist traumhaft kuschelweich. Hab ihn immer noch nicht verstrickt, weil ich micht nicht entscheiden kann, was es werden soll… aber immer mal damit kuscheln ist auch fein. *kicher*

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