Ein Herz für Alpakas!

Ich muss euch was gestehen: Ich habe schon wieder Wolle gekauft.

Zu meiner Verteidigung: Ich brauche sie, um meine Wolleinkäufe vom Wollfest Hamburg zu verstricken. Und außerdem wurde ich Opfer von Umständen. Jawohl.

Als die neue Drops Flora rauskam, habe ich erstmal nur mit den Achseln gezuckt. Ein dünnes Garn aus Schurwolle und Alpaka, aha. Das konnte mich nicht hinter dem Ofen hervorlocken, dafür habe ich einfach schon zu viele pieksige Erfahrungen mit Alpaka-Garnen gemacht. Aber dann habe ich die Flora in Hamburg in Aktion erlebt, genauer gesagt in Gestalt eines ganz wundervollen Fair-Isle-Pullovers, an dem Carolin von Lanade gestrickt hat. Und der schien gar nicht mal so pieksig, sondern eigentlich richtig schön. Griffig wie Schurwolle, etwas weicher durch den Alpaka-Anteil, aber nicht ganz so schlabbrig wie reines Alpaka gerne schon mal ist. Nett!

Den letzten Stoß hat mir dann Ysolda Teague in ihrem Workshop über Maschenproben versetzt. Da hat sie nämlich nicht nur gestanden, dass sie total gerne Maschenproben strickt (iiihhh…!), sondern auch die kühne Behauptung aufgestellt, dass Superwash-Merino nicht immer die beste Wahl sei, sondern manchmal ein Pullover aus robusterem, schlichten Garn am Ende viel besser sitzt und länger lebt. Waaaas? Alles was ich zu wissen glaubte, geriet plötzlich ins Wanken! Und während ich Ysolda mit offenem Mund zuhörte wie ein römischer Bischof einem Vortrag von Galilei, saß Caro weise lächelnd in ihrer Ecke des Klassenzimmers und strickte an ihrem Flora-Pullover. In meinem Gehirn begannen sich einige rostige Zahnrädchen zu drehen. Ich sah zu Ysolda. Ich sah zu Caro. Ysolda. Caro. Ysolda. Caro. Flora? Flora!

Um es kurz zu machen: Ich habe also dieses Garn bestellt und bin sehr gespannt, wie es sich bewährt. Carolin hat selbst übrigens schon drüben einen ersten Erfahrungsbericht geliefert und wenn ich auf Instagram richtig mitzähle, hat sie jetzt ihr drittes Projekt mit dem Garn angeschlagen. Das scheint mir eine gute Empfehlung von jemandem, der eine Lagerhalle voller Wolle besitzt!

Alpaka steht aber auch generell wieder weiter oben auf meiner Strickliste als früher. Ich bin nämlich zwar nicht weniger empfindlich geworden, aber dafür vielleicht ein kleines bisschen klüger. Nur weil ich vor ein paar Jahren ein Halstuch und einen Cardigan mit Stehkragen aus Alpaka-Garnen nicht vertragen habe, heißt das nicht, dass Alpaka gar nicht mehr geht. Ich muss vielleicht einfach nur Modelle stricken, die mir etwas Luft um den Hals herum lassen!

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Wie viele selbstgestrickte Pullover hast du eigentlich?!

Diese Frage stellte mir Leserin Hafenhexe nach meinem letzten Blogbeitrag. Und ich musste feststellen, dass ich nicht die geringste Ahnung hatte. Ich habe in den 5 Jahren, die ich jetzt schon „ernsthaft“ stricke, so viele Teile fertig gestellt, geribbelt, verschenkt und verschwinden lassen, dass ich nie auch nur ansatzweise einen Überblick gewonnen habe. Dann geh ich mal zählen, dachte ich, und öffnete frohen Mutes meinen Kleiderschrank. 

Was mir da aus diversen Fächern entgegenquoll, hat mich dazu gebracht, die Türen ganz schnell wieder zu schließen und mich eine gute Woche vor dieser Aufgabe zu drücken. Das war ein Fass ohne Boden! Aber versprochen ist versprochen, deshalb habe ich schließlich alles Handgestrickte aus meinem Schrank gezerrt und aufgestapelt:

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Puh!

24 Pullover und Strickjacken seht ihr hier. Darunter noch einige, die kurz vor der Ausmusterung stehen, weil ich sie eigentlich nie anziehe (dicke Baumwolle für einen langen Strickmantel – doch keine so gute Idee wie ich damals dachte) oder weil sie mittlerweile zu Tode getragen sind. Ich bin da zwangsläufig erbarmungslos: Was nicht getragen wird, kommt zur Altkleidersammlung oder wird geribbelt. 

Nicht im Bild: Mehrere Strickjacken, die ich für andere gestrickt habe, eine Strickjacke, die vom Bügel gerutscht war und deshalb meiner Razzia entkommen ist, eine Strickjacke, die noch nicht ganz fertig ist, und natürlich der Holsten-Pulli, der ebenfalls noch nicht fertig ist, da Strickfortschritte bei ihm nur im mikroskopischen Bereich vonstatten gehen. 

Alles in allem noch ganz gesittet, oder? Fragt nur bitte nicht, für wieviele zukünftige Pullover und Strickjacken ich Wolle im Haus habe …

Auf den Nadeln: Holsten

Ich weiß ja nicht, wie das bei euch ist, aber im Sommer geht es bei mir nie so schnell voran mit dem Stricken. Nicht weil ich weniger stricken würde, sondern weil ich dünnere Garne verarbeite, mit denen alles viiiiiel lääänger dauert. Aktuell: Der Holsten Pullover von Ankestrick. 


Ich verwende dafür das empfohlene Holst Garn Supersoft, das aus dünner Shetlandwolle besteht und gar nicht mal so soft ist, wie der Name vermuten lassen würde – das aber ist ein Thema für sich, über das ich vielleicht noch mal schreibe, wenn der Pulli fertig ist. 


Meine Farben sind das verwaschen türkise Topaz als Hauptfarbe und das dunkle Indigo für den Kontraststreifen über der Brust und dem linken Ärmel – beide hat meine Mutter ausgesucht, die mir Wolle und Anleitung geschenkt hat. Ich lasse gern andere die Farben für meine Strickprojekte aussuchen, weil ich sonst immer zu den gleichen Farben greife. So komme ich zu Farben, die ich selbst nicht ausgesucht hätte, die mir aber trotzdem immer gefallen, weil Außenstehende meist noch mal einen differenzierteren Blick dafür haben, was einem steht und was nicht. Klar gehört immer etwas Mut und Vertrauen dazu, jemanden anders ohne Wenn und Aber die Farbe für den nächsten Pullover aussuchen zu lassen. Aber mal im Ernst: Wem kann ich trauen wenn nicht meiner Mama?

Apropos Farbe …

… die habe ich jetzt ÜBERALL. 

Wollfest Hamburg 2016

Ihr habt vielleicht schon davon gehört, dass letztes Wochenende in Hamburg das Wollfest stattgefunden hat. Das war soetwas wie eine kleine Messe für Strickerinnen, auf der man wunderschöne Garne kaufen, großartige Workshops belegen und generell durchdrehen konnte. Nix für mich also.

In einem Anfall von Selbstdisziplin habe ich mir tatsächlich vorgenommen, nicht hinzufahren. Ich kaufe mich ja schon im Internet dumm und dusselig, was soll da erst passieren, wenn ich die ganzen tollen Garne vor der Nase habe? Da werde ich arm!

Eine Woche vorher klingelten dann Carolin und Antje von Lanade bei mir an, die ihre Wollfest-Köfferchen schon seit Monaten bereitstehen hatten. „Kommst du nächstes Wochenende auch?“ – „Nee …“ – „Och komm!“ – „Nee!“ – „Och bitte!“ – „Okay, ich bin dabei.“

Und so fand ich mich eine Woche später, also letzten Freitag, in der vielleicht spontansten Kurzreise meines Lebens mit Caro und Antje in Hamburg wieder. Ich wusste selbst nicht so ganz, wie ich da hingekommen bin.

Samstag früh ging es dann los. Stadtkarte brauchten wir nicht, die erfahrene Strickerin folgt einfach ihrem Wollinstinkt.

Und der führte zu: Wolle! Fantastisch viel Wolle in fantastischen Variationen, Reihe an Reihe.

Während die Damen um mich herum plötzlich Verhungernden glichen, denen man ein Festbankett vorgesetzt hatte, schlenderte ich mit kühler Gelassenheit durch die Gänge. Ich brauche eigentlich im Moment keine Wolle, dachte ich bei mir. Ich wüsste auch gar nicht, was ich damit stricken sollte. Und überhaupt. Habe ich so ein Garn nicht sogar noch zuhause liegen?

Ich befühlte ein paar Stränge, tätschelte ein paar Knäul und wähnte mich in voller Kontrolle meiner tierischen Instinkte, als Antje in der Menschenmenge an mir vorbei getrieben wurde, einen hinreißend gesprenkelten Strang Merinowolle an sich gedrückt, und mir zubrüllte: „Schau mal was ich habe! Die gibt es da drüben!“

„Da drüben“ fand ich dann zwei weitere Bekannte im Zustand fortgeschrittener Ekstase. Zu dritt haben wir so ziemlich jedes einzelne Garn der Halle angegrabscht und mit Ooohs und Aaahs und Ohmeingotts kommentiert, bis dann schließlich eins zum anderen führte und ich am nächsten Morgen mit zwei Strängen Wollmeise und einem Pfund Fair Alpaka im Arm aufgewacht bin. Unter anderem.

Noch besser als die Wolle fand ich aber eigentlich sogar die Menschen auf dem Wollfest Hamburg. Es war wunderbar zu wissen, dass alle um einen herum die gleiche Leidenschaft für Wolle und Stricken haben. An den Verkaufsständen gab es kein Haareziehen, sondern gegenseitige Garnberatung und -empfehlungen und ständig fragte irgendjemand irgendwen, welches Muster und welches Garn denn für diese Strickjacke oder diesen Pullover verwendet worden sei, das sehe ja traumhaft aus.

Viele haben mich auf meinen Blog angesprochen, was mich total gefreut hat, weil ich nie so genau weiß, wie viele hier eigentlich mitlesen. Ich bekomme zwar von WordPress angezeigt, wieviele Besucher den Blog betreten, aber über die Handvoll treuer Seelen hinaus, die regelmäßig Kommentare schreiben, weiß ich nie, ob das nicht vielleicht alles verirrte Surfer und Googlebots sind.
Ich für meinen Teil habe auch einige Designerinnen auf dem Wollfest entdeckt, aber meistens nicht dran gedacht, sie um ein Foto zu bitten. Außer Ysolda Teague, bei der ich einen Workshop zum Thema Maschenprobe belegt hatte:

Ich finde sie toll. Sieht man mir auf dem Foto vielleicht an.

Außerdem habe ich mir eine Vorführung von Martina Behm angesehen, bei der sie gezeigt hat, wie man ihre Tücher tragen kann. An Isabell Kraemer und Justyna Lorkowska dagegen bin ich nur mit offenem Mund vorbeigelaufen und habe geistig „Das ist doch … das ist doch …!“ gestottert, bis mir eingefallen sind, wer sie sind und welche ihrer Designs ich gestrickt habe. Woraufhin die Begegnung natürlich schon wieder eine halbe Stunde her war.

Am Ende meines Besuchs auf dem Wollfest gab es dann noch ein kinoreifes Drama. Ich hatte all meine Einkäufe eingepackt und war bereit zum Abmarsch in Richtung Bahnhof, als ich ein leises Stimmchen hörte: „Mama! Maaama…!“ Was war da los? Ein Kind in Not? Niemand sonst schien etwas gehört zu haben. Ich folge den leisen Rufen durch die Hallen. „Mammi, wo bist du?“ Mutterinstinkte auf 100 %. Am Stand von Skein Queen habe ich sie dann entdeckt. „Da bist du ja endlich, Mama! Bringst du uns nach Hause?“

Wie könnte ich den Kleinen diesen Wunsch abschlagen? Also verabschiedete ich mich von meinem letzten Geld und vom Wollfest Hamburg und trat die Heimreise an. Ich bin froh, dass ich doch noch hingefahren bin!