Mehr Bottom-up-Probleme: Schultern

Wenn es darum geht, einen Pullover oder Cardigan in einem Stück zu stricken, teilen sich die Lager in zwei Vorgehensweisen: von oben herab Top Down oder von unten aufwärts Bottom Up. Welche ist besser? Über diese Frage sind schon wahre Glaubenskriege entstanden, bei denen sich friedliebende Strickerinnen in nadelschwingende Harpyien verwandeln. Deshalb gleich vorweg: Ich mag beide Methoden. Tut mir nichts!

Beim Bottom Up finde ich enorm praktisch, dass die Ärmel direkt mit eingestrickt werden. So steht man nicht nach der langen Arbeit des Hauptteils da und muss noch zwei komplette Ärmel anstricken – wenn fertig, dann fertig!

Ein Nachteil des Bottom Up ist, dass man sich im Vorhinein überlegen muss, wie lang Körper und Ärmel werden sollen, statt einfach so lange weiter zu stricken, bis man zufrieden ist. Eine Lösung für dieses Problem habe ich euch damals anhand meines Eulenpullis aus der Malabrigo Chunky gezeigt. Nun bin ich beim Stricken meines 3 ind 1 Pullovers auf eine andere Schwachstelle des Bottom Ups gestoßen: Diese verflucht engen Schulterrunden!

Gemeint sind damit diese sehr anstrengenden Zentimeter zwischen dem Punkt, an dem Körper und Ärmel zum ersten Mal zusammen auf eine Rundnadel kommen, und dem magischen Punkt in Kragennähe, ab dem es nicht mehr solche Schwierigkeiten macht, mit den Stricknadeln um die Schulterkurven zu kommen. Denn dort muss man eine Form, die man während der Ärmel mit Nadelspiel gestrickt hat, plötzlich mit der Rundstricknadel hinbekommen. Und das kann sehr, sehr fummelig werden. Diese zwei Methoden funktionieren bei mir ganz gut:

1) Das Rundstricknadel-Nadelspiel

Wer schon mal Martina Behms Nuvem gestrickt hat, kennt den Trick vermutlich schon: Einfach zwei Rundstricknadeln verweden! Jede Rundnadel beherbergt eine Hälfte der Maschen, an den äußersten Punkten der Schultern ist dann jeweils Ende. Ein Foto habe ich leider nicht, aber dafür diese hinreißende handgezeichnete Skizze:


Abgestrickt wird immer mit der Nadelspitze des gleichen Seils, sonst hat man ja irgendwann wieder alle Maschen auf der gleichen Nadel.
Vorteil: Man muss nicht um die Kurve stricken. Nachteil: Leiterchengefahr! Wer auch bei Socken etc. oft sichtbar verzogene Maschen zwischen den Nadeln des Nadelspiels hat, kann auch hier Pech haben. den Nadelwechsel jede Runde um ein paar Maschen zu verschieben kann aber schon helfen.

2) Gewaltanwendung (aka Magic Loop)

Der Magic Loop ist eine Art Lebensretter für Nadelspielhasser, die Socken stricken möchten, und nebenbei auch für enge Schulterrunden im Bottom Up Pullover geeignet. Es gibt einmal die einfache Variante, die ich immer dann anwende, wenn ich mit Rundstricknadeln in der Runde stricke, die Runde aber kleiner ist als meine Seillänge. Dann ziehe ich irgendwo zwischen zwei Maschen eine Schlaufe des Seils heraus und habe damit praktisch meine Seillänge reduziert. Easy peasy. Die meisten zählen diese Technik vermutlich noch gar nicht zum Magic Loop.
Der richtig richtige Magic Loop dagegen erzeugt noch eine zweite freifliegende Seil-Schlaufe, um enge Strickschläuche handhaben zu können. Man kommt damit tatsächlich auch um die kleinste Kurve, muss aber ständig neue Schlaufen herauszupfen. Hier eine Verdeutlichung anhand einer Socke:

IMG_2475

Drops hat dazu ein schönes Video, das ihr euch hier ansehen könnt.

Für mich fühlt sich das immer sehr umständlich an, tatsächlich wende ich diese Technik aber bei Bottom-Up-Schultern immer an, weil ich im entscheidenden Moment nie eine zweite Rundstricknadel in passender Größe finden kann. Geht also alles.
Leiterchen entstehen hier kaum, weil man den Loop jedes Mal an einer anderen Stelle herauszieht (oder herausziehen sollte).

Welche Variante strickt ihr lieber, Top down oder Bottom Up?

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2 Gedanken zu “Mehr Bottom-up-Probleme: Schultern

  1. Seit ich Anfang des Jahres ein Buch zum Thema „nahtlos von oben für eingesetzte Ärmel“ gekauft habe, werde ich nur noch so stricken.
    Was mir in deinem Bild mit dem Socken als auch im Video von Drops auffällt, ist, dass ihr nicht darauf achtet, wie das Seil liegt. Egal wie hochwertig die Rundstricknadel ist, das Seil hat immer einen gewissen Drall. Das kannst du ausnutzen. Wenn du den nächsten/vorderen Abschnitt anfängst, achte darauf deine rechte Nadel so zu legen, dass das Seil rechts vom hinteren Abschnitt nach unten zeigt und der hintere Abschnitt selbst sich schön rund nach hinten wölbt. Die rechte Nadel kann dann dem Seildrall folgend in den Loop oberhalb des Seiles angelegt und die erste Masche gestrickt werden. Der Loop zeigt dabei nach unten und nicht wie bei dir nach oben. Wenn du dann die erste Masche des vorderen Abschnittes beim stricken gut anziehst, sollte das Seil sich gut mit heranziehen lassen und die letzte Masche vom hinteren Abschnitt etwas verengt werden. Dadurch wird die Gefahr der Leitern gemindert, weil das Seil dünner als die 2,5er Nadel ist. Die linke Nadel ergibt sich dann so, dass das Seil oberhalb der Nadel liegt, wie bei dir im Bild. Durch das leichte Abstehen vom Metallhalter am Nadelende zeigt der linke Loop zwar etwas nach oben, insgesamt ist es aber in Ordnung.
    Die erste Zeit ist das etwas gewöhnungsbedürftig, dann läuft es aber ganz von allein sauber weiter. Dem Bild nach würde ich sagen, dass du mindestens eine 100er Länge als Nadel verwendest. Ich nehme eine 80er Länge. Die Loops sind dabei kleiner, gleichzeitig zwingen sich dich aber auch, auf die richtige Lage des Seils zu achten. Dann brauchst du auch keine Gewalt anwenden, weil du den Loop immer an den gleichen Stellen behalten kannst. Gerade bei Socken ist das doch toll, weil du die Sohle und den Fußrücken direkt getrennt hast.

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