True love can wait

Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber ich habe immer ellenlange Listen von Projekten, die ich gerne stricken möchte. Und da ich für viele davon auch schon ganz zufällig (oder auch nicht so ganz zufällig) das passende Garn im Haus habe, habe ich meistens einen Großteil meiner Liste gleichzeitig auf den Nadeln.

Das ist dann eine Weile ganz lustig, bis mir dämmert, dass es mit dem Strickfortschritt umso langsamer vorwärts geht, je mehr ich gleichzeitig fertig zu stellen versuche. Was ich mir auch vorher schon hätte denken können, richtig. Aber irgendwie setzt die Logik bei mir immer aus, wenn ich wieder mal eine tolle Anleitung oder ein tolles Garn entdeckt habe. Und so entsteht ein Teufelskreis: Ich ärgere mich, dass meine Sachen nicht fertig werden, und um dem Ärger etwas Positives entgegenzusetzen, schlage ich ein neues Projekt an. Das dann die anderen laufenden Projekte noch mehr verlangsamt. Worüber ich mich ärgere. Weshalb ich ein neues Projekt anschlage. Aaahhhhrgh!

Da hilft nur kalter Entzug. Ich habe alles fertiggestrickt was ging, den Rest in diverse Kisten verbannt und stricke jetzt nur ein einziges Teil. Nur eins!

Und es zieht sich eeeeendlooooos …!
Nein, nicht wirklich. Tatsächlich strickt es sich rasend schnell dafür, dass es sich um ein zweifarbiges Patentprojekt in Elefantengröße handelt (ich werde noch berichten). Das Ding ist nur, dass es sich mit dem Stricken wie mit anderen guten Vorsätzen à la „ab jetzt gehe ich jeden Tag joggen“ und „dieses Auto werde ich ganz bestimmt regelmäßig in die Waschstraße bringen“ verhält: Sobald der erste Rausch verflogen ist, läuft es nur noch so semi gut. Dann weiß man plötzlich nicht mehr, warum man die Sache eigentlich für eine gute Idee gehalten hat, und alles andere wird plötzlich so viel attraktiver. Jedes Garn scheint interessanter als die 15 Garne, mit denen ich gerade stricke. Jedes Muster scheint schöner, als das, in das ich schon seit zwei Wochen reinstiere.

Aber diesmal will ich eisern bleiben und das laufende Projekt fertig stricken, bevor ich ein neues anschlage. Wenn Garn und Muster so toll sind, wie sie mir jetzt vorkommen, dann sind sie das auch noch in ein paar Tagen. Basta.

Okay, ich hab die Maschen schon angeschlagen. Aber ich stricke sie noch nicht, also gilt das nicht, okay? Ich halte das Knäul nur so in den Händen und streichle es. Ich kann jederzeit aufhören und mein Patentprojekt weiter stricken. Echt!

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6 Gedanken zu “True love can wait

  1. Hihi, an dieser Krankheit arbeite ich schon lange, aber glaub mir, heilbar ist die nicht, nicht in einem einzigen Strickerleben. Aber man kann das einigermaßen in den Griff kriegen – mit viel Geduld und Disziplin; die Frage ist nur, ob man das denn überhaupt will ;-)) Ich höre mit Anstricken auf, wenn ich für’s nächste Projekt neue Nadeln bestellen müsste und glaub mal, ich habe seeeehr viele Nadeln, allerdings wohl doch nicht genug von den gängigsten Größen …. Ja, es ist ein Kreuz mit der UfO-logie…
    meint
    Regina

  2. LOL Hehre Vorsätze ;o) Ich habe für mich festgestellt, dass so krasser Strickprojektentzug wirklich nicht klappt. Aber ich versuche schon, es nicht ausarten zu lassen. So kommt es schon mal vor, dass ich gelegentlich hart bleibe und ein neues Projekt nicht anschlage, bevor ich irgendwas anderes beendet habe. :-) Viel Spaß!

  3. ich arbeite mich durch meine Kiste und zerlege dabei manches Projekt, da sich kristallisiert, dass es nie fertig werden wird sondern eher ein Zombie wird
    jetzt mit dem kleinen Krümel versuche ich Nähen/Stricken/Häkeln/Knüpfen/Zeichnen/Acryl Malen als positiven Ausgleich zu nutzen und dann wirklich etwas fertig zu haben ist toll…

    Und ja ich weiß wie es dir geht, ich habe da grade wieder den link zu dem Samen von Stephen West gefunden, noch ein paar Ideen von Lanade und Drops plus den Stapel Bücher mit den gemarkerten Anleitungen für die auch schon das Material da ist und dann noch meine RVO Jacke mit dem flauschigen Garn *seufz*

    Suchti Alarm???

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