Farbabenteuer bei Malabrigo & Madelinetosh

Habt ihr gesehen? Lanade hat jetzt auch Madelinetosh ins Programm aufgenommen! Ich könnte meinen Monitor ablecken bei den ganzen tollen Farben! Mach ich aber nicht, der schmeckt so bitter.

Das Tolle bei Madelinetosh ist, dass sich die Färbungen über sämtliche Garnqualitäten ziehen. Die Farbe „Cosmic Wonder Dust“ zum Beispiel findet man sowohl bei der Tosh Merino Light wie auch bei der Pashmina, der Tosh DK und allen anderen Garnen der Marke – und das gleiche gilt für jede der über 150 Farben. Malabrigo macht das leider nicht ganz so konsequent, aber viele Färbungen erkennt man doch wieder.

Zu Madelinetosh kann ich noch nicht ganz so viel sagen, aber bei Malabrigo ist mir aufgefallen, dass gleiche Färbungen bei verschiedenen Garnen sehr unterschiedlich ausfallen können. Seht mal hier beispielsweise die Farbe „Archangel“, einmal auf der Malabrigo Arroyo (links) und einmal auf der Malabrigo Rastita (rechts):

Oder hier die Farbe „Lotus“, einmal links auf der Malabrigo Silky Merino und einmal rechts wieder auf Malabrigo Arroyo:

Merke: Gleiche Farben sehen auf verschiedenen Garnen nicht automatisch gleich aus. Zum Einen liegt das natürlich am Material. Seide nimmt Farbe anders an als Merinowolle und verzwirnte Merinowolle wiederum anders als ein unverzwirntes Merino-Dochtgarn. Und dann ist da natürlich auch noch die Sache mit dem Handarbeitsfaktor beim handgefärbten Garn: Das Ergebnis ist immer ein bisschen anders. Oder auch schon mal ganz viel anders, und das auch schon mal innerhalb der gleichen Qualität, was dann etwas ärgerlich sein kann, wenn der Pullover plötzlich einen unfreiwilligen Blockstreifen hat.

Aber mit handgefärbtem Garn ist es eben wie mit einer Schachtel Pralinen: Man weiß nie was man bekommt, aber man kann trotzdem nicht die Finger davon lassen.

Hier nochmal etwas Eye Candy. Aber nicht meinen Blog ablecken, verstanden?

img_3942

Zen in der Kunst des Strickmusterverkackens

Ein kluger Zen-Meister hat mal gesagt, bei einem achtsamen Leben kommt es vor allen Dingen darauf an, einen Anfängergeist zu entwickeln. Ein Experte sieht die Dinge durch die Brille seiner Expertise und ist deshalb extrem eingeschränkt in seiner Wahrnehmung. Ein Anfänger aber sieht alles zum ersten Mal und kann deshalb alles unvoreingenommen erleben. 

Was soll ich sagen? Der Mann hat Recht!

Bei dieser Strickjacke von Justyna Lorkowa habe ich so richtig gepatzt. und zwar auf eine Weise, die mir als Anfängerin nie passiert wäre. 

Als Anfängerin habe ich nämlich jeden Satz einer Anleitung zehnmal gelesen und jede Anweisung gewissenhaft befolgt. Wenn da irgendwo stand „jetzt Maschenmarker setzen“ habe ich einen Maschenmarker gesetzt, wenn da irgendwo stand „jetzt 10 Reihen weiter im Muster arbeiten“ habe ich das nicht einfach überlesen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. 

Jetzt aber, als fortgeschrittene Strickerin? Pfff, was sollen die ganzen Marker? Was soll ich so genau in die Anleitung gucken? Ich bin Experte, ich krieg das schon hin … nicht. Und jetzt habe ich einen extrem schiefen Halsausschnitt, herzlichen Glückwunsch. Also: ribbeln und Anfängergeist kultivieren. 

Das Garn, mit dem ich die Jacke stricke, ist übrigens die wundervolle Malabrigo Rios in der Farbe Paris Night, die ich mir selbst zum Geburtstag diese Woche geschenkt habe. 33 bin ich geworden, was ich in stillen Momenten total befremdlich finde. Mit 13 hatte ich immer die Vorstellung, dass man mit 30 irgendwie fertig sei als Mensch. Dann ist man erwachsen, dachte ich, hat Mann, Job, Haus, weiß immer was zu tun ist und bleibt irgendwie der gleiche Mensch bis man dann – pling! – ins Omialter kommt und dann gehts genauso weiter nur mit weißen Haaren. Und jetzt bin ich über 30, fühle mich aber weder fertig noch weiß ich jemals wirklich was zu tun ist, und der einzige Unterschied zu 13 besteht darin, dass ich jetzt verheiratet bin, arbeiten gehe und einen Immobilienkredit abbezahlen muss. Hab ich was verpasst?

Davon abgesehen werde ich gern älter und finde es unsäglich, über das eigene Alter zu jammern. Wir hören alle schon noch früh genug auf mit dem Älterwerden. Und wenn ich mich so umsehe, scheint es mir eine gute Leistung zu sein, ein weiteres Jahr in dieser Welt durchzuhalten, ohne von einer unheilbaren Krankheit, einem entgleisten Zug oder einem religiösen Fanatiker erwischt zu werden. Von daher halte ich das Älterwerden für eine verdammt feine Sache und hoffe sehr, dass ich es bis ins hohe Omialter schaffe. Mit weißen Haaren und allem. 

True love can wait

Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber ich habe immer ellenlange Listen von Projekten, die ich gerne stricken möchte. Und da ich für viele davon auch schon ganz zufällig (oder auch nicht so ganz zufällig) das passende Garn im Haus habe, habe ich meistens einen Großteil meiner Liste gleichzeitig auf den Nadeln.

Das ist dann eine Weile ganz lustig, bis mir dämmert, dass es mit dem Strickfortschritt umso langsamer vorwärts geht, je mehr ich gleichzeitig fertig zu stellen versuche. Was ich mir auch vorher schon hätte denken können, richtig. Aber irgendwie setzt die Logik bei mir immer aus, wenn ich wieder mal eine tolle Anleitung oder ein tolles Garn entdeckt habe. Und so entsteht ein Teufelskreis: Ich ärgere mich, dass meine Sachen nicht fertig werden, und um dem Ärger etwas Positives entgegenzusetzen, schlage ich ein neues Projekt an. Das dann die anderen laufenden Projekte noch mehr verlangsamt. Worüber ich mich ärgere. Weshalb ich ein neues Projekt anschlage. Aaahhhhrgh!

Da hilft nur kalter Entzug. Ich habe alles fertiggestrickt was ging, den Rest in diverse Kisten verbannt und stricke jetzt nur ein einziges Teil. Nur eins!

Und es zieht sich eeeeendlooooos …!
Nein, nicht wirklich. Tatsächlich strickt es sich rasend schnell dafür, dass es sich um ein zweifarbiges Patentprojekt in Elefantengröße handelt (ich werde noch berichten). Das Ding ist nur, dass es sich mit dem Stricken wie mit anderen guten Vorsätzen à la „ab jetzt gehe ich jeden Tag joggen“ und „dieses Auto werde ich ganz bestimmt regelmäßig in die Waschstraße bringen“ verhält: Sobald der erste Rausch verflogen ist, läuft es nur noch so semi gut. Dann weiß man plötzlich nicht mehr, warum man die Sache eigentlich für eine gute Idee gehalten hat, und alles andere wird plötzlich so viel attraktiver. Jedes Garn scheint interessanter als die 15 Garne, mit denen ich gerade stricke. Jedes Muster scheint schöner, als das, in das ich schon seit zwei Wochen reinstiere.

Aber diesmal will ich eisern bleiben und das laufende Projekt fertig stricken, bevor ich ein neues anschlage. Wenn Garn und Muster so toll sind, wie sie mir jetzt vorkommen, dann sind sie das auch noch in ein paar Tagen. Basta.

Okay, ich hab die Maschen schon angeschlagen. Aber ich stricke sie noch nicht, also gilt das nicht, okay? Ich halte das Knäul nur so in den Händen und streichle es. Ich kann jederzeit aufhören und mein Patentprojekt weiter stricken. Echt!

Was bisher geschah …

Kaum zu glauben, aber ich habe es endlich geschafft, die violette Jacke fertig zu kriegen, die ich euch letztens gezeigt habe. Dass ich jetzt zwei Wochen für Ärmel und Kragen gebraucht habe kommt mir in erster Linie deshalb so lang vor, weil ich eigentlich nur drei Tage fürs Stricken selbst gebraucht habe, sich das alles aber wahnsinnig in die Länge gezogen hat, weil ich zwischendurch noch mein Auto kaputtmachen, es zur Werkstatt bringen, es unrepariert abholen und ein neues kaufen musste. 

Was ich daraus gelernt habe: Autos sind teurer als Wolle. Fazit: Weniger autofahren, mehr stricken. 

Hier jedenfalls die Jacke:

–> Projekt auf Ravelry

Die Arme glatt rechts zu stricken statt wie vorgesehen in diesem Lacemuster war definitiv eine gute Idee. Trotzdem bin ich noch nicht so richtig überzeugt von dieser Kragenleiste. Lust auf nochmal neumachen habe ich aber auch nicht. Mal sehen, wie sie sich so trägt. 

Außerdem in der letzten Woche: Kriegsschauplatz Strickzimmer!

Ich habe jahrelang immer über die Leute gelacht, die die große Mottenpanik schieben. Motten? Bei mir? Das wüsste ich! 

Sprachs und flanierte zufrieden an den Mitstrickerinnen und ihren Plastikboxen vorbei. Bis ich dann eines Tages herausgefunden habe, dass die gefürchteten Kleidermotten nicht diese fetten Flatterdinger mit den schönen Flügeln sind, sondern in erster Linie diese kleinen weißen Tierchen, die manchmal bei mir durchs Zimmer fliegen. 

Ihr könnt euch jetzt vorstellen, wie diese Information gemächlich durch mein Bewusstsen gewatschelt ist, zufällig die Erinnerung an ein Knäul Merinowolle aus meinem Vorrat angerempelt hat, dessen Faden eigenartigerweise mehrfach zerschnitten schien, sich diese beiden Fakten einen Moment freundlich beschnuppert haben, bis mein Gehirn endlich geschaltet hat: Ich habe Motten in meiner Wolle!

Fallen sind aufgestellt, Lavendelsäckchen verteilt, Gebete gesprochen. Drückt mir die Daumen!

Ich halte mich derweil an Baumwolle, genauer gesagt die pinke Drops loves you #7, für die ich eine schöne Anleitung gefunden zu haben glaube: Topstykke. Die Anleitung gibt es auf Englisch nur in ausgedruckter Form mit 13 $ Versandkosten und auf Deutsch nur im Set mit Garn, das ich nicht auf nackter Haut tragen kann. Und nein, anders kann man sie nicht kriegen, schrieb mir die Designerin mit dem beneidenswerten Namen Bente Geil auf meine Nachfrage. Aber schaut mal, was ich Fuchs gefunden habe: Die englische Strickzeitschrift, in der das Top 2015 veröffentlicht wurde, als Komplettdownload für 3,99 $. Ha!

Sofern also diesmal keine Einwände von der Stiljury kommen, wird das mein nächstes Projekt. Oder ich schmachte einfach noch zwei Wochen dieses Paket mit Malabrigo Rios in Paris Night an. Die schenke ich mir nämlich selbst zum Geburtstag.