Angriff der 80er!

Man hat ja so seine Rituale morgens. Kaffee trinken, Zeitung lesen, Facebook checken, Beine rasieren … Ich für meinen Teil schaue morgens immer gerne nach den neuesten Strickmustern bei Ravelry rein, bevor ich mich in den Sattel schwinge und zur Arbeit galoppiere (darf man so sagen wenn das Auto gefühlt nur eine Pferdestärke hat). Oft inspirieren mich die Neuzugänge in der Ravelry-Musterdatenbank zu neuen Projekten, oft erinnern sie mich schmerzlich an meine schon bestehende To-Knit-Liste und manchmal bringen sie mich dazu, meinen Kaffee durch die Nase wieder auszuschnauben und mich halb lachend, halb erstickend auf dem Boden zu wälzen. Etwa wenn DROPS wieder einen Schwung alter Strickmuster aus den 80ern hochgeladen hat, so wie heute.

80

Herrlich, die 80er! Ich erinnere mich nur noch ganz vage an Schulterpolster und Löckchenberge in meiner Kindheit, aber wenn ich die alten Muster sehe, bereue ich ernstlich, dass ich nicht älter bin. Schaut euch mal diese Schätzchen an:

80

80

80

Ich muss gestehen, ich bin gleichermaßen fassungslos und fasziniert, dass Menschen soetwas mal getragen haben. Haben wir hier modische Zeitzeugen in der Leserschaft? Habt ihr solche Modelle damals gestrickt? Wie war das damals – hat man einer Frau Komplimente für ihre Schulterbreite gemacht wie heute für ihre schmale Taille? Hatte damals jeder Mann einen Segelboot-Pullover?

Aber alle Retro-Begeisterung mal beiseite, die DROPS-Oldies sind natürlich auch außerhalb von 80er-Jahre-Parties noch brauchbar. Man braucht nur einen unvoreingenommenen Blick und etwas Knobelei, um aus das eine oder andere Modell in ein wirklich gutes Projekt zu verwandeln. Beipiele:

80

Der Pullover 13-3 aus Baumwollgarn ist vom Schnitt her nicht so unbedingt mein Modell. Die pastellige Farbkombination gefällt mir aber sehr gut. Stellt euch die mal beim allseits beliebten Ravello-Pullover vor!

80

Ah ja, Modell 24-22, Eisprinzessin of the 80ies oder so ähnlich. Muss ich jetzt so nicht haben, aber das Einstrickmuster der Schneeflocken merke ich mir auf alle Fälle für Wintermützen oder Socken. In einer schlichteren Variante könnte das Muster nämlich wirklich gut zur Geltung kommen.

80

I’ve been looking for freedom … lasst ihn doch endlich frei, den jungen Mann. Ihm ist doch ganz offensichtlich zu heiß in seinem Wollpulli!
Den Pulli allerdings stelle ich mir sehr schön vor, wenn man vielleicht ein etwas ruhiger gefärbtes Garn verwendet (z.B. die Air in einem zarten Pastellton) und nicht die vorgeschlagene Zeltgröße strickt. Da der Schnitt kaum mehr als ein simpler Kasten ist und die Maschenprobe im Patentmuster glatte 10 Maschen auf 10 cm beträgt, ist das Umrechnen sehr einfach.

Die Schulterpolster lassen wir vielleicht auch weg. Kriegt man die heute überhaupt noch? Andererseits: vielleicht sehr praktisch für das kurze Schläfchen am Schreibtisch. Back to the 80ies!

Advertisements

19 Gedanken zu “Angriff der 80er!

  1. Ich! Hier! Anwesend! Ich hab solche Monster von Pullis in den 80ern tragen müss…äh dürfen. Allerdings nicht mit Schiffen sondern mit Pinguinen, Max und Moritz, den Fraggles und Ähnlichem. Die Schulterpolster allerdings, die habe ich zum Leidwesen meiner Mutter immer sofort raus gerissen…das fühlt man, dass das scheisse aussieht.

  2. Zum Glück hat sich meine Mama, was das Stricken angeht, an den Puppen des Kindergartens, in dem sie gearbeitet hat, ausgetobt. So blieben mir solche Scheußlickeiten erspart.

    • Irgendwer muss diese Sachen ja ganz toll gefunden haben – nur wer? Oder fanden sie alle scheußlich und niemand hat sich getraut was zu sagen? Ein kulturgeschichtliches Mysterium! :-D

  3. Oh mein Gott, ich bin doch noch so jung, aber ich kann mich noch erinnern! Das heißt wohl, ich bin doch nicht mehr soooo jung, oder?! ;-) Gestrickt hat bei uns damals keiner diese Teile – meine Oma hat sich wohlweislich geweigert, solche Monster aus Kiloweise Acrylgarn zu stricken – aber dafür wurden sie gekauft. Es gibt Beweisfotos, von daher gehe ich davon aus, dass auch andere sie getragen haben. Ende der 80er bis weit in die 90er waren auf jeden Fall riesige oversized maschinengestrickte Patentmuster Pullis aus pastellfarbenem Acrylgarn super-duper-mega-in. Mit Leggings. Öres.

    Noch örksiger: heute ist es wieder Mode. Es kommt halt doch alles wieder. Intarsien, hallo?! Alles ziemlich oversized, check! Pullis mit Lochmuster und Fledermausärmeln, vor 25 Jahren schon bei den „Fidschis“ auf’m Wochenmarkt gekauft. Bevorzugt in Neonpink. Ach ja, nicht zu vergessen, Häkelponchos/-kleider/-tunikas. Die waren aber vor meiner Zeit. Da meint meine Mutter heute noch: „Ach ja, die waren vor Deiner Geburt total angesagt.“ Bin ich also doch noch nicht ganz so alt :-D

    So ganz persönlich für mich habe ich ja auch den kastigen Kurzpullover mit überschnittenen Schultern wieder entdeckt. Ist schnell gestrickt, macht sich super über längeren Tops und peppt jedes Outfit. Also dann, es leben die 80er ;-)

    Happy Knitting,
    Sooza

  4. Hüstel, diese Art von Pullovern habe ich gestrickt.Jeder Wunsch wurde erfüllt,so Manches könnte ich samt Schulterpolster noch aus irgendeinem Karton hervorholen.
    Das lassen wir mal besser🙄
    Nostalgische Grüsse,Sabine

    • Wirklich? Herrlich! Lass mich dir einen Strickorden verleihen! Und keine Sorge: in dreißig Jahren gräbt bestimmt irgendwer die Fotos unserer Strickstücke aus und staunt genauso ungläubig darüber. ;)

  5. Ich habe aus der Zeit noch ein Buch, herausgegeben von der *😊igitte. Die Modelle darin sind vom Schnitt ähnlich schräg, werden aber noch um etliches durch die zeitgenössischen Frisuren (Minipli) getoppt. 👻grusel👻

  6. Das war auch noch Anfang der 90er total in. Da habe ich mir jeden Monat die „Verena“ gekauft und dann ab zum Woll-Rödel und dort das magere Lehrlingsgehalt gelassen. Brüllende Farben und wilder Material-Mix. Und was war ich Stolz wenn wieder was fertig war.

  7. Ach, ihr Lieben, wie herrlich, in den alten Zeiten zu schwelgen! Die achtziger waren stricktechnisch meine Hoch-Zeit! Überall gab es Wollgeschäfte mit unzähligen Effektgarnen! Wir haben in der Oberstufe sogar während des Schulunterrichts gestrickt! Ich habe aus der Zeit noch zwei Hefte der Zeitschrift „Mikado“, darin wimmelt es nur so von Schulterpolstern samt passender Frisuren. Und…ähm. …ja….ich fand das alles klasse ☺

  8. Wirklich schön,darüber bin ich auch gestolpert bei Drops. So richtig ausgetobt habe ich mich damals bei der „Produktion“von supen kurzen Strickröcken in allen Farben.Kein Vergleich zu diesen monströsen Pullovern. Die Muster der schönen alten Zeit habe ich heute noch und blättere gerne auch darin, wenn ich mal ein neues Projekt erstellen will.

    Schulterpolster sind mir übrigens in der Kurzwarenabteilung von „Karstadt“ begegnet.Hab sie aber dort gelassen, denn damit muss Frau ihre Figur nicht verunstalten.
    Freundliche Grüße aus Siegen
    AstridA

    • Ah, Strickröcke können allerdings eine feine Sache sein! Kannst du was dazu sagen, wie die sich im Langzeiteinsatz bewähren? Ich habe da immer diese irrationale Panik vor der einen Fallmasche, die den ganzen Rock aufribbelt und mich plötzlich barärschig dastehen lässt. 8-0

      • Klar, an diesen Miniröckchen war nicht viel zu ribbeln, dazu waren sie viel zu kurz.
        Aber Deine Befürchtungen müssen dann für Strickereien aller Art stehen.
        Gegenfrage,:“ Wie oft hast Du denn schon barbusig dagestanden?“
        Ich nehme an, nie.So ist das dann auch mit den“ breiten Gürteln“
        wie mein Lehrer sie verabscheuend betitelte.
        Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende.
        Freundliche Grüße aus Siegen
        AstridA

      • Ha, berechtigte Frage! Andererseits rutsche ich selten auf den Bauch durchs Büro, sitze aber viel und selten ganz ruhig. Es hilft wohl alles nichts, ich muss wohl mal selbst einen Rock stricken und ihn tragen. Dann ziehe ich aber vorsichtshalber den Superman-Schlüppi drunter!

  9. Liebe havariemarie,
    bitte nicht vergessen, ein tolles „Tragefoto“ davon einstellen!!! (auch mit dem darunter ;) )
    Herzlichst AstridA

  10. Öhhmmm – so was habe ich damals gestrickt, nur ohne Schulterpolster. Vorzugsweise aus der „Nicole“, die hatte für meinen Geschmack tolle anleitungen. Ich erinnere mich gerne an einen hellgrünen Flauschpullofer im Halbpatent mit irgendwie Verzopfungen drin. Schade, ich habe kaum Fotos meiner Machwerke. Und ich habe auch selbst entworfen (ohne mich gleich Designerin zu nennen), einen weiß-grünen Baumwollpulli, einen Mohairpulli aus Billiggarn mit kleinen Mustern aus einem sündhaft teuren Noppengarn, teuer wenigstens für mein damaliges Budget *hach* ich komme ins Schwärmen. Dann wurden die ersten Neffen geboren, und es gab Pullis mit Flugzeug drauf, oder mit einem Auto,
    Dann kam die Zeit, als Stricken uncool wurde und ich umziehen musste: alle meine Hefte (oder fast alle) landeten im Altpapier. Das bedauere ich heute sehr, aber ich konnte in einer Tauschbörse einen Karton mit alten Verena-Heften aus den 80ern ergattern. Die Schnitte – grauenhaft. Die Muster – toll. Vieles, was heute mit chicem Namen als Nonplusultra gefeiert wird und für das es exklusive Anleitungen, haben wir damals wie selbstverständlich gestrickt, die kompliziertesten Lochmuster, Einstrickmuster mit ich weiß nicht wieviel Farben, Zöpfe, zweifarbiges Patent und so weiter. Es kommt alles wieder, Mädels, hebt eure Strickhefte gut auf!

    Viele Grüße, Marion

  11. Die 80er waren Stricktechnisch meine tolle Zeit. Zuerst noch in der Oberstufe unter der Schulbank (ja, ich auch) und später unter der Uni-Bank bei juristischen (gähn!) Vorlesungen. Es war die produktivste Zeit. Alle knapp 3 Wochen 1 Pullover oder Jacke fertig. Da hatte ich keine Ufos.
    Die Zeit, als es pro Modell ein Foto in der Zeitung und maximal eine halbe Seite Anleitung (trotz spektakulären Musters) gab. Irgendwie musste man da nicht „tausendmal“ nachlesen, wie es jetzt weitergeht, um einen glatt rechts gestrickten Pullover herzustellen. :-))
    „Nicole“ war eine gute Zeitschrift mit manch extravaganten Mustern – leider auch ein wenig teurer. Dann gab es noch „Gabi“, die hatte neben schönen Strick- und Häkelklamotten auch Bastel- und auch mal Koch- oder Backanleitungen. Nach Gabe war „Verena“ meine liebste Zeitschrift. Oft war sie mit ihren Modellen der Zeit (oder besser dem Trend ein halbes oder sogar ein Jahr voraus.)
    Ich habe immer noch viele dieser Zeitschriften mit Modellen, die ich mir noch unbedingt mal stricken wollte…

    Es gab aber auch Geschäfte mit wirklich preiswerter Wolle. Und damit meine ich nicht billiges Acrylgarn. Zu der Zeit habe ich nämlich ausschließlich Naturfasern verstrickt (außer wenn mal Lurex mit dabei war). Und das kannst Du Dir ja heute kaum leisten. In Bonn gab es da so eine große Halle, das war sicher so eine Art Outlet-Verkauf, da konnte man für 1,– DM (!) 50g Baumwolle/ Viscose/ + Gemische kaufen (aber keine Topflappen-, sondern sehr schöne Garne). Und auch Schurwollen zu sehr günstigen Preisen. Da kostete dann ein tolles Stück zwischen 15 und 20 DM an Material. Prima für´s Studentenbudget.

    Und letzte Woche finde ich unter meinen alten Garnbeständen etwas, das muss ich in den 90ern gekauft haben. Hellblau/ weißes Viscose Noppengarn von Noro; ich traute meinen Augen nicht. Heute hole ich mir da mal 1 Knäuel, ausnahmsweise. Aber von besagtem habe ich 10 oder 15 x 50g Stränge und auf der Originaltüte , in der die drin waren steht „19,90 DM“. Aber hallo….

    Bei so viel schönen Erinnerungen sollte man doch glatt mal einen 80er Revival Strick- und Tratsch- und Tausch- Treff organisieren.

    Schönes Wochenende
    Sabine

    P.S.: Schulterpolster gab es auch in gemäßigt und auch schon mit Klettverschluß zum nach Bedarf einsetzen oder Rausnehmen.
    Jetzt aber Fini

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s