Schöne Streifen stricken

Streifen sind die einfachste Möglichkeit, vielfarbig zu stricken. Wer aber schon mal versucht hat, einem rundgestrickten Projekt wie Socken, Stulpen, Mützen oder Pullovern Ringel zu verpassen, stößt schnell auf das Problem, dass sich die Streifen nicht schön übereinander stapeln, sondern jede neue Farbe mit einer kleinen Kante beginnt und endet. Ich hatte das Problem bei meinem ersten Pullover auch.

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Das kommt daher, dass man in Wahrheit Spiralen und nicht abgeschlossene Runden strickt – die Häklerinnen unter euch dürfen sich jetzt alle einmal ins Fäustchen lachen. Die Strickerinnen dagegen dürfen weiterlesen und erfahren, was man gegen die Ringeltreppe beim Streifenstricken machen kann.

Noch ein Wort vorweg: Hundertprozentig unsichtbar wird der Übergang auch bei mir nicht. Theoretisch ist er wohl möglich, der absolut unsichtbare Rundenübergang. Das hat aber so viel mit Fadenspannung, Garn, Karma und der richtigen Sternenkonstellation zu tun, dass ich euch rate, die Sache einfach gelassen zu sehen. Besser halbgut als ganz scheiße, gell? Aber vielleicht kriegt ihr den Rundenübergang ja mit den folgenden Tipps auch besser hin als ich. Probiert’s mal aus!

Die gängigste Methode für einen unsichtbaren Streifenwechsel geht so:

  • Die erste Runde mit der neuen Farbe ganz normal stricken.
  • In der zweiten Runde die erste Masche ungestrickt abheben (Faden hinter der Arbeit), ab der zweiten Masche weiterstricken.
  • Alle weiteren Runden normal stricken.

  • (Das Dunkle ist nur ein Garn mit Variationen von Dunkelblau bis Lila.)

    Durch diese eine Hebemasche wird das Treppchen, das sich am Anfang der neuen Farbe bilden will, etwas hochgezogen. Meistens bringt das allein schon eine 90 % Verbesserung der Optik.
    Profitipp: Wenn ihr dann wieder zur vorherigen Farbe wechselt, könnt ihr ruhig den Faden etwas anziehen, um die letzte Masche des letzten Streifens dieser Farbe etwas zu straffen. Diese hier meine ich:

    Dadurch wird der Übergang zur neuen Farbe nochmal ein bisschen sanfter, denn das ist ja die Masche, die sonst über die Runde in den nächsten Streifen hinausragt. Ganz wichtig beim Farbenwechsel: Fäden verkreuzen! Dafür einfach den Faden der letzten Farbe nach Rundenende vor dem Faden des neuen Streifens verlaufen lassen, so wie ihr es im Bild seht. Andernfalls gibt dicke Löcher.

    Generell ist es wichtig ein Auge auf die Spannung der Fäden zu haben, die auf der Rückseite mitgeführt werden. Zu viel Spannung und euer Strickstück kriegt eine Rüsche, zu wenig Spannung und die Maschen gehen am Farbwechsel auseinander. Wenn Fäden über mehrere Runden mitgeführt werden wie hier das dunkle Garn, kann man es durch Verkreuzen mit dem Arbeitsfaden alle zwei oder drei Runden etwas in Zaum halten.

    So sieht das dann hinterher aus. Wenn man weiß, wo er ist, sieht man den Rundenübergang. Da das Teil aber nicht eingerahmt und an die Wand gehängt, sondern angezogen wird, bin ich zuversichtlich, dass es nicht jedem ins Auge stechen wird.

    Wenn diese Technik allein nicht ausreicht, gibt es noch die Möglichkeit, zusätzlich den Rundenanfang mit jedem Ringel um eine Masche nach links zu verschieben. Da die erste Masche durch das Abheben in der zweiten Runde eh einmal weniger gestrickt wird als die anderen, kann man sie auch direkt zur letzten Masche der Folgerunde erklären. Praktisch heißt das, dass ihr nach dem Abheben der ersten Masche in der zweiten Runde den Maschenmarker eins nach links verschiebt und dann so weitermacht wie oben beschrieben.

    Der Vorteil der Sache ist, dass so der Rundenanfang diagonal wandert und ihr nicht mehr diese ganzen leicht unruhigen Rundenübergänge schnurstracks in einer Reihe liegen habt. Das bietet sich nicht bei jedem Projekt an und erfordert meistens auch ein bisschen Mitdenken beim Strickmuster, kann aber viel ausmachen.

    Mein dritter Tipp für diejenigen, bei denen das alles nicht fruchtet, ist eine Fake-Naht. Auch das ist etwas, was nicht an jeder Stelle in jedem Strickstück funktioniert, aber wenn es funktioniert ist es die einfachste Maßnahme von allen. Eine Fake-Naht erzeugt ihr, indem ihr die erste Masche der Runde immer links strickt (und den Rest glatt rechts). Dann müsst ihr beim Farbwechsel auch nichts mehr abheben, zupfen, zähmen oder sonstwas machen, sondern könnt einfach durchstricken. Die linken Maschen ziehen sich mitsamt des Treppchens beim Farbwechsel nach innen und erzeugen den Eindruck einer genähten Naht – und ihr seid fein raus.

    Soweit meine Erfahrungen mit Ringeln. Habt ihr noch mehr Ideen für den perfekten Farbübergang?

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    13 Gedanken zu “Schöne Streifen stricken

    1. Schön, dass du das Thema in einem Blogbeitrag thematisiert hast! Du weißt ja, dass ich meine Probleme mit Streifen habe.
      Aber wenn ich das jetzt bei dir in dem großen Stück sehe, dann habe ich den Eindruck, dass ich zu kritisch mit mir war – es geht anscheinend gar nicht ganz unsichtbar?!
      Dann hätte ich meinen Pulli (den ich gestern endlich beendet habe!! :-)) doch dreifarbig gestreift stricken können!

      LG Eva

    2. Liebe Havariemarie,

      Danke schön! Danke schön für deine tollen Tipps und Hilfen! Sie haben mir schon einiges erleichtert! Dein blog ist wunderschön und inspirient! Ich glaub du kannst gar nicht soviel schreiben, wie ich reinguck ;)

      herzliche Grüße

    3. Pingback: Strickgeflüster KW20 :: Von Streifen und Maschenproben :: – Sooza's Knitting Stuff

    4. Vielen Dank für die Tipps, das werde ich demnächst mal ausprobieren.
      Du hast einen wirklich schönen Blog, ich schaue immer wieder bei dir vorbei.
      Liebe Grüße Sabine

    5. Komischerweise geht es bei mir, wenn ich die erste Masche der neuen Farbe eine Reihe tiefer einsteche. Ich verstehe eigentlich nicht, warum…

      • Weil Tieferstechen den gleichen Effekt wie Abheben hat, nur dass dann die Fadenspannung durch die zusätzliche Masche noch etwas stärker wird. Das probiere ich mal aus, danke für den Tipp! :-D

    6. Danke für den tollen Artikel! Kämpfe mich gerade durch meinen ersten Ringelpulli und habe mich sehr über die Tipps gefreut. Den Farbübergang bekomme ich so ganz gut hin. DANKE

      Hat jemand vielleicht noch tipps zum mitführen des Fadens in Runden? Das kriege ich nicht gut hin. Meine Streifen sind 4 bzw 6 Reihen breit. Reicht da einmal verkreuzen? Was mache ich bei drei Farben?

      Freue mich über jeden Tip.

      • Gerne. :)
        Ich verkreuze meine mitgeführten Fäden in der Regel jede zweite Runde, dann bleibt alles schön, wo es hingehört. Bei drei Fäden würde ich das vermutlich genauso machen, aber immer abwechselnd, so dass im Grunde jede Runde eine Verkreuzung stattfindet und kein Faden mehr als eine Runde frei herumfliegt. Ich muss aber auch sagen, dass ich sehr ungern zwei Fäden auf einmal mitführe und bei meinem letzten Streifenprojekt sogar zwei der drei Farben ohne Mitführen gemanagt habe. Den Vernähaufwand wünsche ich allerdings auch keinem. :-/

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