Verkürzte Reihen Stricken Teil 4: Shadow Wraps

Da dachte ich Fuchs ja letztens, ich hätte das Thema verkürzte Reihen abgefrühstückt. In Wahrheit habe ich aber gerade mal an der Oberfläche gekratzt! Leserin Eva hat mich nach meinem Beitrag über die Doppelmaschen gefragt, ob ich auch die sogenannten Shadow Wraps kenne. Ein großes Fragezeichengesicht meinerseits, intensive Internetrecherche und fünfzig Versuche am lebenden Objekt bzw. Projekt später kann ich guten Gewissens sagen: Jawohl, kenne ich. Und hier zeige ich sie euch auch direkt.

Shadow Wraps sind eine Art Wendemaschen, die wie die Doppelmaschen eine verdoppelte Masche erzeugt, das aber etwas eleganter hinkriegt als die klassische Doppelmaschentechnik. Ich muss sagen, dass ich die Shadow Wraps mittlerweile sehr gerne einsetze, lieber noch als die Wickelmaschen. Für die Shadow Wraps scheint es weder einen deutschen Begriff noch eine vernünftige Erklärung zu geben, warum sie Shadow Wraps genannt werden. Der Name klingt aber so cool, dass ich beides verschmerzen kann.

Los geht’s! Unser Garn des Tages ist Drops Nepal in Ocker und Himbeere und wir sehen uns zuerst an, wie man diese Wendemasche von der Vorderseite her arbeitet.


Wie immer stricken wir zu dem Punkt, an dem gewendet werden soll. Die nächste, noch nicht gestrickte Masche auf der linken Nadel ist jetzt interessant.


1. Mit der rechten Nadel stechen wir von hinten nach vorne in die Masche unterhalb der Masche auf der linken Nadel ein …
2. … und heben sie neben die bestehende Masche auf die linke Nadel.
3. Wir stricken aus dieser neuen Masche eine normale rechte Masche heraus – die gerade hochgehobene Masche darf wieder runter von der Nadel, die ursprüngliche Masche bleibt wo sie ist.
4. Und dann wird die gestrickte Masche zurück auf die linke Nadel gelegt. Wie ihr seht kommen jetzt zwei Maschen aus der Masche darunter, die ursprüngliche (pink) und die neu gestrickte (gelb).


Jetzt wendet ihr die Arbeit, hebt die neugeborene Doppelmasche unverrichteter Dinge auf die rechte Nadel und strickt eure Rückreihe.


Wenn ihr nun das nächste Mal in der Hinreihe zu eurer Doppelmasche kommt, strickt ihr einfach beide Maschen zusammen. Ein bisschen müsst ihr aufpassen, die Wendemasche nicht zu übersehen, weil der Shadow Wrap sehr dezent ist. Wenn ihr die Maschen auf der Nadel etwas auseinanderzieht seht ihr aber sofort, wo zwei Maschen zusammen aus einer Masche herauskommen.

Das war nicht schwer, oder? Sehen wir uns mal die ganze Geschichte an, wenn sie auf der Rückseite des Strickstücks stattfindet.


Wir stricken wieder bis zu dem Punkt, an dem die Anleitung das Wenden vorschreibt.


1. Diesmal heben wir die folgende Masche komplett auf die rechte Nadel. Achtet darauf, den Arbeitsfaden vorne zu halten.
2. Jetzt hebt ihr mit der linken Nadel die Masche eins tiefer von unten nach oben an. (sorry, Bild ist etwas unscharf. Das kommt davon, wenn man den Auslöser der Kamera mit der Nase bedienen muss.)
3. Dieses hochgehobene Maschenglied auf der linken Nadel behandelt ihr jetzt wie eine ganz normale Masche und strickt sie links ab. Die Originalmasche dieser Operation bleibt die ganze Zeit über auf der rechten Nadel.
4. Und jetzt habt ihr eine wunderschöne links gestrickte Doppelmasche auf der rechten Nadel. Den Faden gut anziehen, damit es keine Löcher gibt!


Und wieder: Wenden, Doppelmasche ungestrickt auf die rechte Nadel heben und ab die Post.

So sieht das Ganze dann hinterher aus: Gut! Und vielleicht sogar noch besser, wenn man die passende Nadelstärke für das Garn nimmt statt wie ich einfach zu nehmen, was gerade herumliegt. Ich kann die Shadow Wraps wirklich empfehlen, aber ich werde auch noch all die anderen Sorten von Wendemaschen erforschen, die da draußen existieren, und sie euch nach und nach vorführen. Ich habe gehört, es gibt auch noch eine japanische Variante …

Hier nochmal alle Wendemaschen-Tutorials:
Wickelmaschen
Wickelmaschen easypeasy
Doppelmaschen

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Wie kann ich mehr stricken?

„Schon wieder ein Pulli fertig? Wie schnell strickst du denn bitteschön?!“

„Machst du auch noch was anderes als stricken?“

„Wo nimmst du die Zeit dafür nur her???“

Solche Fragen kriege ich ganz schön oft zu hören. Denn obwohl ich für mein Empfinden nicht besonders schnell stricke, mich auch noch mit vielen anderen Dingen beschäftige und wie jeder Mensch auf dieser Welt nur 24 Stunden pro Tag zur Verfügung habe, von denen eine ganze Menge für Arbeit, Schlaf, Essen und dergleichen draufgeht, scheine ich relativ produktiv zu sein. (Was mich mehr als alle anderen erstaunt, weil mir der Fortschritt bei meinen Strickprojekten immer zu langsam vorwärts geht.) Grund dafür sind vermutlich einige Strategien, die ich mir im Laufe der Zeit angeeignet habe. Und das sind folgende:

1. WIP-Limit setzen
Ihr kennt das genauso gut wie ich: Man hat schon drei Projekte am Laufen, da kommt das perfekte Garn für ein viertes Projekt des Weges, auf Ravelry entdeckt man eine tolle neue Anleitung, der Schwager wünscht sich eine Mütze, die Katze braucht schon wieder neue Socken und so weiter und so weiter. Und plötzlich hat man mehr Works in Progress oder WIPs als man zählen kann und alle dümpeln so vor sich hin. Denn natürlich kann man nicht alles gleichzeitig stricken. Und wenn man jeden Tag an zwölfndrölfzig (oder auch nur fünf) Sachen arbeitet, wächst keins davon besonders schnell und man ist auf Dauer echt demotiviert. Ich habe deshalb ein strenges Limit von 3 WIPs gleichzeitig. Ein neues Projekt wird erst dann angefangen, wenn eins der drei abgeschlossen oder für tot erklärt und geribbelt wurde. Basta!

2. Multitasking
Für mich gibt es zwei Arten von Projekten: Die, bei denen ich nachdenken, ständig ins Muster gucken oder mehrere Farben gleichzeitig managen muss, und die, die praktisch so von selbst laufen. Eins meiner drei aktuellen Projekte ist deshalb immer so ein Selbstläufer, an dem ich nur arbeite, während ich eigentlich etwas anderes mache wie Fernsehen oder Telefonieren. Nach einiger Übung habe ich auch gelernt, rechte Maschen komplett blind zu stricken, so dass ich dabei lesen kann. Am besten funktioniert das für mich mit eBooks, weil man da leichter umblättern kann und mir kein Windzug die Seite verschlagen kann. So kriege ich auch endlich all diese Bücher durch, die ich schon immer mal gelesen haben wollte, aber bisher immer nur vor mir hergeschoben habe.

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3. Tandemprojekte
Jeder hat immer mal wieder diese Projekte, die man total begeistert beginnt, dann aber immer länger daran hängt und schließlich einfach nur noch fertig werden will, es aber nie wird, weil die anderen WIPs immer viel verlockender sind. Ätz, ätz, ätz! In solchen Situationen ziehe ich immer gern einen Schlussstrich, weil so ein Zombie im Strickkorb extrem demotivieren wirken kann und im Extremfall dazu führt, dass ich gar nicht stricke. Ribbeln macht frei! Wenn aber aus irgendeinem Grund Ribbeln nicht in Frage kommt (Auftragsarbeit, Geschenk, manischer Ehrgeiz), verbinde ich das Ätzprojekt mit einem Tandemprojekt, auf das ich extrem viel Lust habe, und stecke mir konkrete Ziele. Muss zum Beispiel eine nervige Strickjacke fertig werden, während ich viel lieber ein buntes Stephen-West-Tuch machen würde, setze ich mir das Ziel, immer erst ein Knäul Wolle in der Jacke zu verstricken, bevor ich den nächsten Mustersatz im Tuch arbeite. Vorteil: Je mehr Lust ich auf das Tuch habe, desto schneller wird auch die Jacke fertig.

4. Olé olé, Deutsche Bahn AG!
Wer viel mit der Bahn fährt, hat automatisch auch viel Zeit zum Stricken. Zwar kann man nur relativ unaufwändige Projekte unterwegs stricken (obwohl: was weiß ich schon? Vielleicht ist nicht jeder wie ich zu unorganisiert, um drei Garnknäul, Zopfnadeln, Maschenzähler und Anleitung auf dem Schoß zu balancieren?), dafür kann man immer wieder lustige Gespräche mit anderen Fahrgästen führen. Ob ich eine Socke, einen Pullover oder einen Schal in der Bahn stricke, ich werde immer gefragt, ob das eine Mütze wird. Viele fühlen sich bemüßigt mir zu erzählen, was ihre Großmutter ihnen schon alles gestrickt hat (Herzlichen Glückwunsch!) und einmal haben mir zwei junge Herren sogar bescheinigt, dass der Pullover, den ich da stricke, „voll West Side Style“ sei (ein Kompliment?) und ich ihnen ein Foto vom fertigen Teil per WhatsApp schicken müsse. Ihr habt mir aber nicht eure Nummern gegeben, ihr Genies!

Auch als Beifahrer im Auto stricke ich sehr viel. Tatsächlich fragt mein Mann mich schon immer, wenn wir eine längere Fahrt antreten, ob ich auch mein Strickzeug eingepackt habe. Ich habe den Verdacht, dass er glaubt, wenn ich die Schilder mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit nicht sehe, würde ich mich nicht fragen, ob man tatsächlich überall 240 km/h fahren darf. Aber hey, stricken!

5. Relax!
Okay, stricken ist was Feines und viel stricken kann auch toll sein. Aber mal im Ernst: Das ist kein Wettbewerb und niemandes Leben hängt davon ab, ob der Pullover heute, morgen oder nächste Woche fertig wird. Und wenn er erst in drei Jahren fertig ist – sei’s drum! Es gibt auch noch andere schönere und vielleicht sogar wichtigere Dinge im Leben. ;)

Das Paradies ist ein Laden in Amsterdam

Ich bin mir nicht ganz sicher: Entweder ich war für kurze Zeit tot und im Himmel oder ich war für zwei Tage in Amsterdam. Wo ich auch war, hier ist ein Foto davon!

  
Stephen & Penelope ist der Laden von Stephen West mitten in Amsterdam zwischen Sexshops und Nutellawaffelbäckern – oder im Himmel, schwer zu sagen. So oder so, der Laden ist randvoll mit himmlischen Garnen, die ich natürlich alle herzen und streicheln musste. 

Stephen West selbst war nicht da, was ich sehr schade fand. Aber so hatte ich mehr Zeit zum Shoppen. ;-D

  
Eigentlich wollte ich ein Orange für mein buntes Brioche-Projekt, aber dann hat mich dieses leuchtende Blau so angelacht. „Fathom“ heißt die Farbe dieses Strangs Madelinetosh Merino DK. Und sie sieht in echt ganz genauso aus wie auf dem Bild. Mit ins Körbchen gesprungen ist ein Strang Skinny Singles von Hedgehog Fibres in „Pistachio“. 

Okay, dachte ich zu diesem Zeitpunkt, zwei Stränge sind eine gute Ausbeute. Damit kann ich den Laden verlassen, ohne traurig sein oder Privatinsolvenz anmelden zu müssen. 

Dachte ich mir so. Und dann streifte mein Blick beiläufig die Wand mit Malabrigo Lace. Ein Donnerschlag ertönte, Engel kamen herein und bliesen in Posaunen, reines Licht erfüllte den Raum, der Himmel tat sich auf und hinab steckte sich Gottes Hand und legte fünf Stränge in meinen Korb. 

  
Tja, was will man machen?

Also ihr Lieben, wenn ihr mal in Amsterdam oder im Himmel seid – schaut mal bei Stephen & Penelope rein!

Laaangweilig …!

Ich würde euch ja gern jede Woche etwas Aufregendes zeigen, aber manchmal stricke auch ich einfach nur ganz unaufregend vor mich hin. Wollt ihr trotzdem mal sehen, was ich gerade so mache?

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Hauptsächlich arbeite ich gerade an einer sommerlichen Strickjacke nach einer Anleitung aus der Filati – hier könnt ihr sehen wie es aussieht, wenn es fertig ist. Das Garn, Lana Grossa Cotofine, gefällt mir bis auf das unruhige Maschenbild total gut. Es handelt sich um ein dickes Schlauchgarn mit Baumwollfüllung. Sehr glatt, sehr weich, aber gar nicht flutschig wie andere Schlauchgarne. Und mit den dicken Nadeln geht es auch super fix. Ich bin sehr gespannt, wie die Jacke hinterher aussehen wird. Bei den spärlichen Modelbildern bei Lana Grossa ist das ja immer ein bisschen Glücksspiel. Aber was wäre das Leben auch ohne ein bisschen Überraschung?

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Dann habe ich einen 3-in-1-Pullover angefangen. Was ne Konstruktion! Wenn ihr mal Lust habt, ungefähr zwölfmilliarden Maschen aus Wolle in Sockenwollstärke zu stricken und verkürzte Reihen üben wollt, kann ich euch die Anleitung nur ans Herz legen. Lustigerweise empfiehlt die Designerin hierfür statt Wickel- oder Doppelmaschen die sogenannten Shadow Wraps als Wendemaschen, die ich ohnehin zu lernen vorgenommen hatte nachdem Leserin Eva mir neulich von dieser Technik erzählt hat. Ich übe also an meinem bunten Pullover, was ich euch dann in meinem nächsten Tutorial zu verkürzten Reihen noch mal in ordentlich zeigen werde. ;)

Und dann spare ich gerade noch Garne für ein episches Brioche-Projekt à la Stephen West zusammen. Sozusagen Strickprojekt, Garntest und Spielstunde in einem. Was meint ihr, passt da noch ein Orange zu?