Let’s do Science! Heute: Lanolin

Ich habe euch ja schon häufiger mein Leid darüber geklagt, dass ich viele Garne als unerträglich pieksig und kratzig empfinde und deshalb einem Großteil des Wollsortiments dieser schönen Welt gegenüberstehe wie ein Waisenkind vor dem Spielzeugladen. Dass ich niemals Mohair tragen kann, kann ich ja noch verschmerzen. Aber niemals Alpaka? Schnüff. Auch nicht einfache Schafswolle? Heul! Manche Leute schlingen sich um den Hals was immer sie finden und sind glücklich, während ich Todesqualen leide. Ungerechte Welt!

„Verzage nicht,“ sagte da eines schönen Tages die schlaue Antje von Lanade zu mir, „versuchs mal mit Lanolin!“
Oha, dachte ich, gibt es etwa doch Hoffnung für mich?
Eine kleine Internetrecherche und Bestellung später war ich bereit für das große Experiment, an dem ich euch direkt teilhaben lasse:

 

Das Lanolin-Experiment

Erstmal zu den Grundlagen. Lanolin, auch Wollwachs genannt, ist auf Deutsch gesagt das Zeug, das die Schafe ausschwitzen, um ihr Plüschifell schön zu halten. Es macht die Schafswolle geschmeidig, leicht wasserabweisend und schützt es vor Schädlingen. Gut durchdacht von Mutter Natur, wir schrubben diesen Schutzmantel nur mit unseren Reinigungsmitteln wieder ab, weshalb Schafswolle sich dann später im Pulli kratzig anfühlen kann. Die Theorie ist jetzt: Packen wir den Lanolin-Schutzmantel wieder drauf, wird der Pulli wieder weich.

Lanolin kriegt man in der Apotheke, aber auch bei Amazon. Meine Apotheke wollte um die 16 Euro für 40 Gramm, Amazon wollte nur 10 Euro für 100 Gramm. Also Amazon. Und so sieht die Geschichte aus:

Meine Testobjekte waren:
– gestreifte Stulpen aus Schafswolle mit Superwash-Ausrüstung (Regia Sockenwolle)
– graue Stulpen aus Drops Alpaca (ich weiß zwar nicht, ob Wollfett viel auf Alpakahaaren bringt aber ein Mädchen darf ja wohl noch Träume haben)
– mein lila Pullover aus Drops Alaska, also Schafswolle ohne Superwash-Ausrüstung

Außerdem benötigt wird Spüli, ein Teelöffel, ein Wasserkocher, Wasser, eine Schüssel und ein Eimer.

  

1) Man nehme einen Teelöffel Lanolin und einen Teelöffel Spüli. Aufgepasst: Die Menge Lanolin, die ich hier in die Schüssel geworfen habe, ist schon zu viel (mehr dazu weiter unten). Nehmt im Zweifelsfall weniger als mehr.

2) Dazu kommt heißes Wasser, etwa ein halber Liter, in dem die Lanolin-Spüli-Mischung dann aufgelöst wird. Lanolin ist eigentlich nicht wasserlöslich und würde allein genommen jetzt nur herumschwimmen, das Spüli ist also eine Art Vermittler.

3) Wenn die Brühe etwas abgekühlt ist, schütten wir das in den Eimer, in dem die Testobjekte bereits in lauwarmem Wasser einliegen. Das Abkühlen ist wichtig wenn Nicht-Superwash-Garne im Spiel sind, die verfilzen sonst nämlich.

Der ganze Spaß kann jetzt erstmal ein paar Stunden einweichen, zum Beispiel über Nacht. Dann wie nach jedem Wollbad das Wasser auskippen, die Strickstücke vorsichtig auswringen und zum Trocknen hinlegen.

Die Sachen sind trocken. Erkenntnis Nr. 1: Zu viel Lanolin macht die Wolle ganz widerlich fettig. Man hat nach dem Anfassen ein ganz schmieriges Gefühl an den Händen. Bah!

Also nochmal baden, nochmal auswringen, nochmal trocknen. Dann anziehen, frohen Mutes in die Welt in die Welt hinaus laufen und rufen:

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„ICH BIN ALLERGISCH GEGEN LANOLIN VERDAMMTE SCHEISSE!“

Wikipedia sagt, dass tatsächlich nur sehr wenige Menschen allergisch auf Lanolin reagieren, also will ich nicht ausschließen, dass ich an diesem Tag nicht vielleicht einfach nur einen kleinen Kratzer am Hals hatte, der dann extrem gereizt auf das Wollwachs und/oder die Wollfasern selbst reagiert hat. Tatsache ist, dass ich mit einer dicken fetten Schwellung und einem sehr schweren Herzen nach Hause gegangen bin, wo ich mir den Pullover sofort runterreißen musste. Der sich zu allem Überfluss aber tatsächlich sehr viel weicher als vorher angefühlt hat. Ungerechte Welt!

Zu den anderen beiden Testobjekten: Die Alpaka-Stulpen fühlten sich herzlich unverändert an, die Sockenwoll-Stulpen dagegen schienen vom Lanolinbad profitiert zu haben. Man kann sie zwar noch nicht schmuseweich nennen und auch am Hals würde ich sie nicht tragen, aber etwas geschmeidiger sind sie schon. Ist mir jetzt aber auch egal. Ich bin beleidigt.

Habt ihr Erfahrungen mit Lanolin gemacht? Oder kennt ihr eine Alternative?

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14 Gedanken zu “Let’s do Science! Heute: Lanolin

    • Wenn Du sonst Wolle verträgst war es einfach zuviel Fett.

      Alpaca ist eine Hohlfaser und lanolinfrei. – für Allergiker die erste Wahl, lach…. Ein Bad in Wollfett ist für Allergiker kontraproduktiv und kann außerdem den Wärmeverlust der Faser bedeuten, wenn sie sich vollsaugt :-( Und es sind ganz schön viele Menschen, die Wollfett nicht vertragen (s. Windelallergie) Lanolin NUR FÜR SCHAFWOLLE.

      Dosierung:

      Ich mixe mein eigenes Wollwaschmittel: 1 Stück Kernseife mit einer Küchenreibe fein raspeln, in einer Schüssel zusammen mit 1 geh. Esslöffel Wollfett und ca 500 ml kochendem Wasser aufgießen und verquirlen, bis alles in einer Emulsion gelöst ist. In eine Deckeldose oder Glas gießen. Nach dem Erkalten gibt es einen stichfesten bis glibbrigen Brei, je nach Menge der Kernseife. Für eine Handwäsche ca 1-2 EL ins Waschbecken geben. Ich greife einfach in das Glas, und was ich mit den eingerollten Fingern in der Hand raushole ist genau richtig. Zum letzten Spülgang Essig ins Wasser geben. Die Sachen werden schön weich, der Essig erhält die Farben, und die Fettmenge ist ausreichend. Und der Wabbel reicht für viele Wäschen.

      Den gleichen Waschbrei verwende ich für Lederbekleidung, das Teil mit dem Wabbel und einem feuchten Topfschwamm großzügig einstreichen, schmutzige Stellen mit dem Schwamm bearbeiten und ab in die WM, Pflegeprogramm 30 °C mit Extraspülen, und ich gebe mit der Giesskanne noch extra Wasser in die Maschine, bis der Wasserstand am Bullauge halb hoch steht. Kein Waschmittel mehr dazugeben. Liegend trocknen und immer wieder mal wenden, umkrempeln und durchbewegen und in Form ziehen, damit es nicht steif wird. Voila: frische Lederklamotte, egal ob Jacke oder Hose, teure Reingung gespart.

      • doch, das wird sauber, siehe Ledersättel. Die teure Lederseife ist auch nichts anderes als Seife mit Ölen :-) Das geht billiger. Die Reinigungen nehmen ein Vermögen für Nassreinigungen, und dann geben die auch keine Garantien auf Materialveränderungen wie Einlaufen, Verziehen, Risse oder Ausbluten der Farbe. Und kosten im Schnitt 60,– Euretten…. augenroll…..und man weiß nie, welches fremde Stinkerteil noch mit in der Maschine war….. Nubuk geht auch, man muß es anschließend nur mit so einem Gummischwamm zum Schuheputzen wieder anrauhen und weniger Wabbel nehmen, damit es nicht speckig wird. Und blanke Stellen mit Schmirgelpapier anrauhen. richtig gündtig gibt es Wollwachs hier:

        http://internet-apotheke-freiburg.de/shop/adeps-lanae-1094641

        PS: Kann Deine heftige Reaktion evtl von dem Spüli kommen?

        LG Britta

      • Das mit den blanken Stellen merke ich mir. ;)
        Auf Spüli habe ich noch nie reagiert, daher kann ich das eigentlich ausschließen. Es war wohl wirklich die Kombi aus zu viel Wollwachs und Pieksefasern … :,-(

      • Hallo Britta Doose, hab erst heute den Beitrag gelesen. Das sind aber ganz tolle Tips. Danke

  1. Du bist nicht allein!Seit 40 Jahren bin ich gegen dieses Zeug allergisch mit schwerer Neurodermitis,und strick trotzdem fröhlich mit vielen wunderbaren Garnen.

  2. Pingback: Inspiration 13/2016: Wolle färben, Termine und gestrickte Tücher - Gemacht mit Liebe

  3. Liebe Havariemarie,
    versuch es mal mit Yakhaar. Das ist Rind und der gemeine Schurwollallergiker kommt damit vielleicht zurecht. Bei einigen wildgewordenen amerikanischen Wollherstellern soll es auch Büffelhaar geben. Du mußt nur darauf achten, daß nicht aus Kostengründen Schaf oder Alpaca untergemischt worden sind. Es kommt auf die Hufe an, habe ich mir sagen lassen. Die sind beim Rind anders.
    Liebe Grüße,
    Sabine

  4. Pingback: Heute ist Waschtag! | Havariemarie

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