Yarn Battle: Drops Air vs. Lana Grossa Merino Air

Kennt ihr das, wenn ihr eine neue Sache kennen lernt und sie euch dann plötzlich überall begegnet? So ging es mir vor etwa 1,5 Jahren mit Garnen, die sich „Air“ nannten. Plötzlich schien jeder Hersteller irgendeine Art von Air-Garn im Sortiment zu haben und jeder schien damit zu stricken (zumindest in den Facebook-Gruppen, in denen ich mich rumtreibe). Pah, alles nur heiße Luft, dacht ich und habe mich standhaft von diesen neuen Garnen ferngehalten. Trotzdem musste ich feststellen, dass sich zwei Exemplare dieser Gattung irgendwie in meinen Wollvorrat eingeschlichen haben. Wie die hier nur immer reinkommen? Was solls. Wenn sie schon mal hier sind veranstalten wir doch einfach mal einen:

KAMPF DER AIR-GARNE

Die Kontrahenten

In der linken Ecke sehen wir Drops Air, ein Blow-Garn aus 70 % Alpaka, 23 % Polyamid und 7 % Schurwolle, Farbe 15 „Lila Nebel“. In der rechten Ecke: Lana Grossa Merino Air, 90 % Merino, 10 % Polyamid, Farbe 5 (manche nennen sie „Woodstock“).

Beide Garne bestehen aus einem Polyamidschlauch, der mit der eigentlichen Wolle gefüllt ist. Bei Drops wird die Alpaka-Schafswollmischung irgendwie reingepustet, was in meiner Vorstellung ungefähr so funktioniert wie das Auspusten von Luftschlangen und einen bemitleidenswerten Trupp hochroter Mitarbeiter in einer fernen Drops-Fabrik erfordert. Die Variante von Lana Grossa scheint eher gestopft als gepustet zu werden, denn hier ist die Füllung etwas dichter. Beide Garne sind, wie der Name nahelegt, federleicht: 150 (Drops) bzw. 130 (Lana Grossa) Meter stecken in den 50 Gramm, die mit Nadelstärke 5 verstrickt werden. Zum Vergleich: Drops Big Merino und Lana Grossa Bingo, die vergleichbare Maschenproben haben wie Air und Merino Air, kriegen nur 75 bis 80 Meter pro Knäul zusammen.

Aber ist Air gleich Air? Welches Air ist das Richtige für mich? Finden wir es raus!

 

Runde 1: Weichheit

Die Drops Air ist so locker gefüllt, dass sie wirklich plüschig weich ist. Das Knäul fühlt sich an wie ein fluffiges kleines Tier und man würde sich nicht wundern, wenn es jeden Moment zu gurren anfinge. An schweren Tagen so ein Knäul Drops Air zu drücken hat etwas sehr Tröstliches. Eine ganze Wanne voll davon hätte sicher schon therapeutischen Nutzen.

Die locker Alpaka-Füllung bringt es allerdings auch mit sich, dass mehr Härchen aus dem Faden herausstehen. Einerseits macht gerade das das Garn so schön flauschig. Andererseits bedeutet das für empfindliche Menschen (z.B. mich) einen potenziellen Pieksfaktor und außerdem eine Menge Fusseln.

Die Lana Grossa Merino Air dagegen behält ihre Haare weitestgehen bei sich, was sowohl an der festeren Füllung wie auch am Füllmaterial Merino liegt. Das finde ich als Mimose sehr sympathisch und erkläre sie deshalb zum Rundengewinner.

Gewinner Runde 1: Lana Grossa

 

Runde 2: Melierung

Ich bin ein großer Fan von meliertem Garn, deshalb schaue ich auf soetwas immer ganz genau. Die Lana Grossa Merino Air hat sehr dezent eingestreute rote und weiße Anteile, was der sehr knalligen Farbe Tiefe verleiht. Aber gegen das sagenhafte „Lila Nebel“ und die anderen melierten Varianten der Drops Air kann sie einfach nicht anstinken. Diese Runde ist somit schnell entschieden:

Gewinner Runde 2: Drops

 

Runde 3: Maschenbild

Auch hier gibt es keine großen Überraschungen. Die plüschige Drops Air, hier mal im klassischen Patentmuster, sieht verstrickt so ziemlich genauso aus, wie man es erwartet: Plüschig. Ich stelle sie mir als schöne Alternative für Projekte vor, bei denen man vielleicht sonst Merino und ein Mohairgarn zweifädig verstrickt hätte, also zum Beispiel Kuschelpullover oder Halstücher. Ich trage soetwas eigentlich nie, finde die Drops Air aber so schön, dass ich fast darüber nachdenken würde, einen Pullover daraus zu stricken.

Die Lana Grossa Merino Air gibt ein klareres Maschenbild, das man fast für gewöhnliches Merinogarn halten könnte wenn man nicht gerade so dicht am Strickstück klebt wie ich jetzt mit der Kamera. Sie ist deshalb eine großartige Alternative für jedes Projekt mit Lace- oder Zopfmuster, das kuschelig und trotzdem leicht sein soll. Das Garn strickt sich übrigens auch viel angenehmer, als ich Anfangs vermutet habe, und das Gestrick ist watteweich. Deshalb zeige ich euch vermutlich schon sehr bald ein fertiges Projekt mit der Merino Air. ;)

Gewinner Runde 3: Lana Grossa

 

Runde 4: Preis

So sehr wir es uns auch wünschen, Wolle fällt leider nicht vom Himmel und Wollhändler vergessen eher selten, Geld für ihre Ware zu verlangen – der Preis ist deshalb ein nicht unerheblicher Faktor bei der Garnwahl. Reden wir Tacheles:

Drops Air kostet bei Lanade 4,80 Euro pro 50-Gramm-Bolle.

Lana Grossa Merino Air gibt es für 5,95 Euro bei jedem Lana Grossa Händler (ich mag die Garnwelt sehr gerne).

Klarer Fall? Momentchen! Wer in der Farbwahl flexibel ist, kann bei filati.cc Lana Grossa für 3,95 Euro absahnen – versandkostenfrei! Aber wer Geduld mitbringt, kann auch bis zur Drops Alpaca Party im Herbst warten und dann die Drops Air für 3,60 Euro bei Lanade kriegen. Also wohl doch ein klarer Fall.

Gewinner Runde 4: Drops

 

Und der Gewinner ist …

… beide!

Bis auf die Tatsache, dass sie federleicht sind, sind die beiden Garne trotz des ähnlichen Namens gar nicht so vergleichbar und haben deshalb jeder ihren eigenen kleinen Platz in meinem Herzen (bzw. Wollvorrat). Die Drops Air wiegt das Fusselige, das mir persönlich nicht so gut gefällt und mich tendenziell piekst, durch ihre wundervolle Melierung auf, die mir persönlich extrem gut gefällt. Die Lana Grossa Merino Air dagegen ist von vorne bis hinten ein solider Gewinner, den ich für viele Strickprojekte in Betracht ziehen würde. Welches Garn ist euer Favorit?

 

PS: Der Transparenz halber – ich werde übrigens von keinem der beiden Wollhersteller oder deren Händler für diesen Beitrag bezahlt. ;)

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4 Gedanken zu “Yarn Battle: Drops Air vs. Lana Grossa Merino Air

  1. Das war ein schöner informativer Bericht über die Airs mit denen ich vorher nichts anfangen konnte die aber nun von mir Beachtung bekommen, vielen Dank :-).
    Der kleine kurze Ausschnitt aus Raumschiff Enterprise passt hervorragend zu deinem Text und ich erinnere mich daran das ich die Serie als Kind früher gerne gesehen habe und an diese Folge kann ich mich gut erinnern. Was waren das für niedliche Puschels die zur Plage wurden :-).
    Schöne Restwoche

  2. Pingback: Frohe Ostern! | Havariemarie

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