Meine Top 5: Merino

Leserin Gloria hat mich im Wunschkonzert-Beitrag nach meinen Lieblingsgarnen gefragt und damit bei mir natürlich offene Türen eingerannt. Was heißt Türen? Offene Torbögen! Ohne Wände drumherum! Offene Felder! Im Ernst, ich könnte den ganzen Tag über Garn reden. Dass ich bisher noch keine Top-5-Listen präsentiert habe, liegt daran, dass ich immer erst noch die Garne in meinem Vorrat ausprobieren will. Ein Beitrag über handgefärbte Garne? Klar, aber erst wenn ich mal eine Wollmeise in die Finger gekriegt habe. Ein Beitrag über Baumwollgarne? Unbedingt! Aber da gibt es doch schon wieder ein Neues bei Lanade, das sollte ich vorher ausprobieren …

Ihr ahnt schon, so kommt nie ein Beitrag zustande. Deshalb fange ich jetzt einfach mal mit meinen ersten Lieblingslisten an und berichte, wenn ich einen neue Nummer 1 in irgendeinem Bereich gefunden haben sollte. Empfehlungen aus euren eigenen Hitlisten nehme ich übrigens immer gern entgegen!

Los geht’s mit meinen Lieblings-Merinogarnen. Merinos sind sowas wie Zauberschafe, die ich mir wie kleine Wölkchen mit vier Pfötchen dran vorstelle, denn Merinowolle ist wirklich unfassbar weich – meistens jedenfalls. Wolle gewöhnlicher 08/15-Schafe piekt und kratzt mich ganz fürchterlich, deshalb ist Merino immer, immer, immer meine erste Wahl und auch schon in vielen Varianten in mein Wollkämmerlein gewandert. Leider ist Merino nicht gleich Merino, wie ich mühsam lernen musste. Seht her:

 

Platz 5: Merino-Bäh-Mischungen

Zum Beispiel: Katia Big Merino, Lana Grossa McWool Merino Mix 100

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Für kleines Geld den Woll-Tausendsassa spielen wollen – so bin ich zu den Low-Budget-Merinos gekommen. Was kann das bisschen Polyacryl schon tun, flüstert die kleine Stimme im Kopf. Es ist doch MERINO, flüstert die andere kleine Stimme. Schau nur den Preis an, flüstert die Dritte. Stimmenhören ist ein Indikator für psychisches Ungleichgewicht also kauf die Wolle, das wird dir helfen, sagt die vierte Stimme. Und schon ist die Wolle gekauft. Mehrheitsentscheid.

Merino-Poly-Mischungen sind immernoch besser als reine Kunstfaser oder Schafswolle-Poly, das stimmt. Aber wirklich glücklich machen diese Garne trotzdem nicht. Sie fassen sich einfach nicht so schön an wie reine Merino-Stücke und hinterlassen somit eigentlich nur den Nachgeschmack überteuerter Kunstfaserwolle. Wenn ich Pullover aus solchen Garnen gestrickt habe, dann um Geld zu sparen, was sich aber letzten Endes nicht ausgezahlt hat, weil ich diese Teile so gut wie nie anziehe. Mein Tipp ist daher: Investiert lieber etwas mehr Geld, auch wenn ihr noch unsicher mit euren Strickerfolgen seid. Ein missglücktes Teil aus reiner Merinowolle lässt sich aufribbeln und neu stricken. Ein geglücktes Teil aus Billigwolle wird euch nicht glücklich machen.

 

Platz 4: Merino-Lecker-Mischungen

Zum Beispiel: Drops Cotton Merino, Lana Grossa Alta Moda Cashmere, Lana Grossa Yak Merino

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Ja, man kann Merino auch mit wirklich schönen Sachen mischen. Zum Beispiel mit Baumwolle (Drops Cotton Merino), Kaschmir (Lana Grossa Alta Moda Cashmere), Seide (Lana Grossa Seta – wird nicht mehr hergestellt, deshalb kein Bild) oder irgendwelchen Fabelwesen aus dem Kuschelland (Lana Grossa Yak Merino). Das Ergebnis ist beinahe immer großartig und ein echter Traum – aber es ist nichts mehr, was ich unter „Merino“ verbuchen würde. Zusammen mit Luxusmaterialen wird der Merinoanteil quasi zu einer Luxusfüllmasse, was eine feine Sache ist, aber damit für mich aus der Kategorie Merinogarn herausfällt. Würde ich beispielsweise einen Baumwollpullover stricken wollen, wäre die Drops Cotton Merino meine erste Wahl, weil das Merino darin die Baumwolle um etwa 3000 % aufwertet. Würde ich einen Merinopullover stricken wollen und noch nach dem richtigen Garn suchen, würde ich die Cotton Merino nicht nehmen, weil sie durch den Baumwollanteil etwas steifer ist als reines Merino. Gleiches Spiel etwa bei der Lana Grossa Yak Merino: Erste Wahl für das Projekt „Luxuspullover“, keine Option für das Projekt „Merinopullover“.

Genauso wie bei Wolle Geiz nicht immer geil ist, ist auch Teuer nicht immer die richtige Wahl. Wobei ich natürlich keins der oben genannten Garne verschmähen würde, wenn es vor meiner Tür stünde.

 

Platz 3: Low Budget Merino

Zum Beispiel: Drops Baby Merino, Drops Merino Extra Fine, Drops Big Merino

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Kommen wir also zu den reinen Merinogarnen. Hier merkt man schnell beim Stöbern durch den Webshop oder das Wollstübchen des Vertrauens, dass die Preise sich deutlich von der gewöhnlichen Schafswolle abheben. Der Low-Budget-Bereich liegt meiner Beobachtung nach bei um die 3 Euro für das 50-Gramm-Knäul, darunter werde ich immer etwas misstrauisch. Low Budget Merinos gibt es von diversen Marken, wirkliche Erfahrungen habe ich nur mit den drei Spielarten von Drops. Oben im Bild seht ihr den Color Affection Schal aus der Baby Merino (übrigens ein wunderbares Projekt für alle, die verkürzte Reihen üben möchten), den ich viel getragen habe und daher aus erster Hand sagen kann: Das Garn fühlt sich wirklich weich und hochwertig an, ist aber nicht das Ende der Messlatte. Sachen, die ich aus diesen Garnen gestrickt habe, pillen nach einiger Zeit (was man aber rasieren kann). Außerdem habe ich das Gefühl, dass diese Garne noch etwas nachgiebiger sind als ich es von Merino eh schon gewohnt bin, so dass mir die Maschenprobe nach einem Bad schon mal unerwartet stark auseinander geht – aber das ist auch eher so ein Bauchgefühl.

 

Platz 2: Das gute Zeug

Zum Beispiel: Lana Grossa Cool Wool (~Baby, ~Big)

 

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Dieses Garn ist seit Jahren mein absoluter Favorit für Strickstücke, die etwas aushalten müssen – also Pullover, Strickjacken etc. Die Garne der Cool Wool Reihe von Lana Grossa sind durch die Bank weg wunderschön, weich und geradezu unzerstörbar. Da geht nichts auseinander, da fluselt, pillt und filzt nichts. Ein Traum, wirklich. Der natürlich auch seinen Preis hat: 50 bis 70 Euro haben meine Projekte aus der Cool Wool mich alle gekostet (z.B. der im Bild gezeigte Grandpa-Cardigan, der Chalkstone-Pullover oder der Sprig-Pullover), weshalb ich das Garn auch nur verwende, wenn ich ein wirklich tolles Projekt vor Augen oder zu viel Geld in der Tasche habe. Letzteres kommt leider eher selten vor.

Ich würde die Cool Wool übrigens nicht für einen Schal oder ein Tuch verwenden, weil ich da dann doch wieder zu zimperlich bin und mir einbilde, dass mich das Garn kratzt (bzw. den Halsausschnitt des Sprig als unangenehm empfinde). Fairerweise will ich aber dabeisagen, dass ich noch nie die feine Variante Cool Wool Baby für mich ausprobiert habe, von der Empfängerin eines damit gestrickten Tuches aber noch keine Beschwerden kamen. Ob das für die Robustheit der Trägerin, ihre Höflichkeit oder aber das Garn spricht kann ich leider nicht sagen. Für ein eigenes Halstuch würde ich also aus rein subjektiver Voreingenommenheit die Low-Budget-Variante von Drops oder folgendes Garn wählen.

 

Platz 1: Der Merino-Porsche

Zum Beispiel: Malabrigo ohgottohgottdasistsoweich Merino Worsted

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Oh, Malabrigo. Glücklich waren meine Tage, als ich dich noch nicht kannte. Ich hatte meine Standardgarne, ich hatte Geld, ich hatte Freunde. Und jetzt? Jetzt stehle ich mit dem Pappbecher vor dem Einkaufszentrum und keuche die Leute an: Haste ma nen Euro, ich brauch dringend Malabrigo! Die Katze ist schon ausgezogen, die Eltern haben mich enterbt, der Ehemann heult am Telefon, alles egal, MALABRIGO!

Ich schweife ab. Zweifellos sind alle Garne von Malabrigo traumhaft, doch auf Platz eins steht bei mir eindeutig die Merino Worsted. Es handelt sich dabei um ein Dochtgarn, das nicht wie die üblichen Merinos fein verzwirnt, sondern nur ganz zärtlich von kleinen Engelchen beim lieben Gott im Himmel getätschelt worden ist. Das Ergebnis fühlt sich an wie Zuckerwatte und Wolken und Weltfrieden und ja, das ist mein voller Ernst. Ich habe noch nicht hinlänglich erforscht, ob die anderen Dochtgarne der Marke (Lace, Rasta, Rastita, Mecha und Mechita) genauso weich sind und wie sich die Dochtmerinos anderer Marken im Vergleich schlagen, werde aber alle Forschungsergebnisse nachreichen. Die verzwirnten Merinos von Malabrigo (z.B. Arroyo, Rios, Sock, etc.) würde ich durch die Bank weg auf eine Stufe mit der Lana Grossa Cool Wool auf Platz 2 stellen, habe sie jetzt aber nicht mit aufgeführt, weil ich dazu noch einen eigenen Beitrag plane.

Die Worsted jedenfalls vertrage ich ohne das geringste Ziepen am Hals und habe bisher auch nur Schal-/Cowl-Projekte aus ihr gestrickt – erstens weil eine Pullovermenge dann doch echt ins Geld geht und zweitens weil die lockere Verzwirnung natürlich auch schneller pillt und fluselt. Auch hier hilft ein Rasierer enorm weiter, doch mir würde einfach das Herz bluten, wenn ich einen Pullover aus der Merino Worsted den normalen Strapazen eines Pulloveralltags aussetzen müsste. Vielleicht bin ich eines Tages stark genug dafür.

 

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Verkürzte Reihen stricken – Wickelmaschen easypeasy

Weiter geht es mit den verkürzten Reihen! Die Methode mit den Wickelmaschen, die ich euch neulich gezeigt habe, ist eigentlich schon meine Lieblingsvariante, funktioniert aber leider nicht in allen Lebenslagen. Im Moment stricke ich beispielsweise ein Oberteil aus Drops Belle – ein wunderschönes, aber absolut unflexibles Baumwoll-Leinen-Garn, das nur locker verzwirnt wurde und das ich obendrein auch noch in einer sehr dunklen Farbvariante verstricke. Da dann mit stumpfen 3,5er-Metallnadeln einen Wickel von einer Masche popeln und auf die Nadel zerren? Da sage ich im Interesse meines Augenlichts und meiner Nerven NEIN DANKE!

Zum Glück gibt es einen Trick, um Wickelmaschen zu stricken ohne Maschen zu umwickeln. Perfekt für alle, die sehr fest stricken, wie ich mit widerborstigem Garn kämpfen oder einfach keinen Bock auf die klassischen Wickelmaschen haben. Und so gehts:

1) Wir stricken wieder bis zu dem Punkt, an dem die verkürzte Reihe enden soll. Hier wird die Arbeit ohne weiteres Brimborium gewendet.


2a) Jetzt wird ein Umschlag auf die rechte Nadel gelegt,
2b) und dann wird zurückgestrickt. Macht den Umschlag nicht zu locker! Gewaltanwendung ist aber auch nicht nötig.

 
3a) Wenn ihr bei der nächsten Hinreihe zu eurem Wendepunkt kommt, strickt ihr bis zum Umschlag,
3b) den ihr dann ganz einfach mit der nächsten Masche zusammenstrickt.


Das war schon der ganze Trick! Sieht genauso schön aus wie die richtige Wickelmaschen-Technik und ist auch tatsächlich genau das Gleiche. Ihr habt den Wickel ganz einfach nur auf der Nadel gelassen, statt ihn um die Masche zu legen.

Wollt ihr das Ganze noch mal sehen, wenn man den Wendepunkt auf der Rückseite aufnimmt?

a) Da strickt ihr bis eine Masche vor dem Umschlag,
b) und dann wieder Masche und Umschlag zusammen links ab.

  
Voila, auch schön.
Sollte der Umschlag aus irgendeinem Grund von der Vorderseite gesehen vor eurer Masche liegen (das kann passieren, wenn auf der Rückseite gewendet wurde und der Umschlag auch auf der Rückseite eingestrickt werden muss) lautet die Lösung, in Schritt b) Umschlag und Masche links verschränkt, also durch die jeweils hinteren Maschenglieder zusammenzustricken.

Nächstes Mal zeige ich euch noch die gute alte Doppelmasche. Wer jetzt schon Lust auf verkürzte Reihen bekommen hat, kann bei Ravelry ganz wunderbare Modelle finden, bei denen man sich wild hin- und herwenden kann. Sehr schon ist zum Beispiel das Tuch „Color Affection“, „Exploration Station“ des unvergleichlichen Stephen West oder für ganz Abenteuerliche der Cardigan „Stripes gone crazy“.

Das zauberhafte graue Garn in meinen Demo-Fotos ist übrigens Malabrigo Mecha in der Farbe Polar Morn. Ein Traum!

Der große Liebste

Ganz schön reingelegt hat der Winter mich. Er hatte schon die Koffer gepackt und die Urlaubsübergabe für den Frühling an den Kühlschrank geheftet, ich hatte schon Osterglöckchen erspäht und die gefütterten Stiefel eingemottet, da macht es BÄM! – und ich stehe wieder schlotternd im Schnee und kratze fingerdicke Eisschichten von meinem Auto. Verflucht seist du, Winter! Verflucht!

Zum Glück habe ich noch einen Geheimvorrat Wintergarn im Haus gehabt, aus dem dann auch in Windeseile ein warmer Pullover entstanden ist: 

 
Anleitung: Il Grande Favorito von Isabell Kraemer, Größe L
Garn: Lana Grossa Alta Moda Cashmere, 10 Knüdel
Nadeln: 6,0

Eigentlich ist das ein ganz simples Raglan-von-oben-Teil, das aber erstes durch die wundervolle Cashmerewolle und zweitens durch die kraus rechts gestrickte Front etwas Besonderes bekommt. Auf die Idee mit dem Kraus Rechts bin ich nicht selbst gekommen, da hab ich bei Ravelry gespickt. 

Eine andere schöne Besonderheit ist die verlängerte Rückenpartie:

 
Das iat übrigens ein wunderbares Beispiel für einen Einsatz von verkürzten Reihen. Den nächsten Teil der Technik-Serie gibt es auch in Kürze in diesem Theater. ;)

Was meint ihr, ist noch genug Winter übrig, um noch einen weiteren warmen Pullover zu stricken?

Anleitung: Strickjacke aus Drops Karisma

Ach, Regenbögen. Sie sind das Kennzeichen für den Bund Gottes mit den Menschen, Symbol der gleichgeschlechtlichen Liebe und Wegweiser zu einem Topf voll Gold – und wenn nicht wenigstens eins davon euer Herz höher schlagen lässt, kann ich auch nichts mehr für euch tun. Nachdem ich euch schon neulich meine heißgeliebte Regenbogen-Sockenwolle gezeigt habe, habe ich jetzt folgendes Regenbogen-Teil vorzuführen:

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Diese Strickjacke mit etwas gedämpfteren Regenbogenfarben aus Drops Karisma habe ich gerade für Lanade fertiggestellt, um an ihr die Steeking-Technik zu demonstrieren. Euch habe ich das Steeking ja schon vor ein paar Wochen gezeigt, deshalb kriegt ihr heute von mir die Anleitung zu dieser Strickjacke. Mit und ohne Steek.


 

Strickjacke Karisma

Größen für Brustumfang 92 cm (97/102/107/112/117/122/127)

Garn: Drops Karisma, 100 m pro 50 g, 21 M x 28 R = 10 x 10 cm, ca. 11 (11/12/13/14/15/16/16) Knäul – Für meine Jacke mit 97 cm Brustumfang habe ich 5 Knäul in Anthrazit und je eins in Weinrot, Orange, Senf dunkel, Waldgrün, Marine und Dunkel Lila gebraucht, wobei Anthrazit immer 12 Reihen/Runden lang gestrickt wurde und die Farben jeweils 2 Reihen/Runden. Ich gehe in der Anleitung nicht auf die Farbenwechsel ein, das kann jeder nach Lust und Laune machen.

Nadeln: 3,5 mm, 3,0 mm für Bündchen

 

Abkürzungen

re – rechts stricken

li – links stricken

MaMa – Maschenmarker

m1r – rechtsgeneigte Zunahme aus dem Mittelfaden

m1l – linksgeneigte Zunahme aus dem Mittelfaden

MaAb – Maschenmarker auf die rechte Nadel schieben

HR – Hinreihe

RR – Rückreihe

2rezus – 2 Maschen rechts zusammenstricken

2reab – 2 Maschen rechts abgehoben zusammenstricken (1 Masche wie zum Rechtsstricken abheben, 1 re, die abgehobene Masche über die gestrickte ziehen)

U – Umschlag

 

Die Strickjacke wird als Raglan in einem Stück von oben nach unten gestrickt. Ihr könnt euch aussuchen, ob ihr am Ende des V-Ausschnitts die Reihe zur Runde schließt, die ihr später als Steek aufschneidet (oder als Pullover lasst), oder ob ihr in Reihen als Cardigan weiterstrickt.

 

Nacken und Schultern

44 (46/48/50/52/60/60/62) Maschen anschlagen.

Rückreihe: 1 Masche rechts, Marker setzen, 6 (6/6/6/6/8/8/8) Maschen links, Marker setzen, 30 (32/34/36/38/42/42/44) Maschen links, Marker setzen, 6 (6/6/6/6/8/8/8) Maschen links, Marker setzen, 1 Masche rechts.

Raglanzunahmen

Von jetzt an folgende zwei Reihen 22 (22/24/28/29/27/30/33) Mal wiederholen:

R1 (Hinreihe): *Bis zum MaMa rechts, m1r, MaAb, 1 re, m1l* – diesen Teil 4 x wiederholen, bis zum Ende der Reihe rechts

R2 (Rückreihe): 1 re, bis zur letzten Masche li, 1 re

Danach 3 (4/4/2/2/3/2/1) Mal folgende vier Reihen wiederholen:

R1 (HR): *Bis zum MaMa rechts, m1r, MaAb, 1 re, m1l* – diesen Teil 4 x wiederholen, bis zum Ende der Reihe rechts

R2 (Rückreihe): 1 re, bis zur letzten Masche li, 1 re

R1 (HR): 1 re, m1l, re bis zur letzten Masche, m1r, 1 re

R2 (Rückreihe): 1 re, bis zur letzten Masche li, 1 re

Ihr solltet jetzt 56 (58/62/66/68/68/72/76) Ärmelmaschen und 80 (84/90/96/100/102/106/112) Maschen für den Rücken haben.

Stilllegen der Ärmelmaschen

In der nächsten HR strickt ihr bis zum 1. MaMa, legt alle Maschen bis zum 2. MaMa auf einen Hilfsfaden o.ä., schlingt 5 (5/5/5/5/7/7/7) Maschen auf die Nadel, setzt einen neuen MaMa, schlingt weitere 5 (5/5/5/5/7/7/7) Maschen auf, strickt bis zum 3. MaMa, legt alle Maschen bis zum 4. MaMa auf einen Hilfsfaden o.ä., schlingt 5 (5/5/5/5/7/7/7) Maschen auf die Nadel, setzt einen neuen MaMa, schlingt weitere 5 (5/5/5/5/7/7/7) Maschen auf. Die alten Maschenmarker werden dabei entfernt, ihr habt jetzt nur noch die beiden neuen Marker auf der Nadel.

Abschluss des V-Ausschnitts

Von jetzt an folgende zwei Reihen wiederholen, bis die beiden Frontteile (Anfang bis 1. MaMa; 2. Mama bis Ende) jeweils 45 (47/50/53/55/58/60/63) Maschen haben:

R1 (Hinreihe): 1 re, m1l, re bis zur letzten Masche, m1r, 1 re

R2 (Rückreihe): 1 re, li bis zur letzten Masche, 1 re

Für den Pullover oder Steek-Cardigan nach der nächsten Hinreihe zur Runde schließen. Für den klassischen Cardigan weiter in Reihen stricken.

Taille

Hier gibt es eigentlich keine Faustformel, weil Menschen so unterschiedlich gebaut sind. Manche haben eine Taille, manche nicht, manche sind birnenförmig, andere bananen-, melonen-, mango- oder esskastanienförmig – alles ist fein auf dieser Welt und das einzige, was gar nicht geht, ist ein schlecht sitzendes Kleidungsstück. Schätzt für die Taillenab- und -zunahmen also selbst ein, was zu euch passt. Wer eine Taille hat, misst den Abstand zum Armausschnitt und bringt beim Strickstück auf diese Länge ab Ärmelöffnung verteilt etwa 3 bis 4 Mal je eine Abnahme pro Seite unter. Je nach Hüftbreite werden diese Maschen oder auch ein paar mehr dann für die restliche Strecke in gleicher Geschwindigkeit wieder zugenommen.

Ich zum Beispiel habe eine moderate Taille und eine etwas breitere Hüfte, deshalb habe ich ab 10 cm unter den Ärmelöffnungen insgesamt 3 Mal alle 5 cm zwei Maschen je Seite abgenommen. Ab 20 cm nach den Ärmelöffnungen habe ich dann alle 5 cm wieder zwei Maschen je Maschenmarker zugenommen und das 5 Mal.

Abnahmereihen (immer HR) gehen immer so: re bis 3 vor MaMa, 2rezus, 1 re, MaAb, 1 re, 2reab, re bis 3 vor MaMa, 2rezus, 1 re, MaAb, 1 re, 2reab, re bis Ende

Zunahmereihen (auch immer HR) gehen so: re bis 1 vor MaMa, m1r, 1 re, MaAb, 1 re, m1l, re bis 1 vor MaMa, m1r, 1 re, MaAb, 1 re, m1l, re bis Ende

Wenn die gewünschte Länge erreicht ist zu 3 mm Nadeln wechseln und Bündchen 2 re, 2 li stricken. Locker abketten.

Ärmel

Auch hier solltet ihr in erster Linie darauf achten, was euch steht und gefällt. Ich mache es immer so, dass ich den Ärmel ca. 10 cm glatt stricke und dann in regelmäßigen Abständen Maschen abnehme, bis er mir eng genug ist. Zwischendurch anprobieren ist hilfreich. Im Falle dieses Cardigans habe ich ab dem zweiten Regenbogenstreifen bei jeder ersten roten und jeder ersten anthrazitenen Runde zwei Maschen abgenommen bis zum Ärmelende.

Abnahmereihen Ärmel: 1 re, 2reab, re bis 3 vor MaMa, 2 rezus, 1 re

Wenn der Ärmel die gewünschte Länge hat mit Nadelstärke 3,0 für 6 Runden 2 re, 2 li Rippenmuster stricken, abketten.

Das gleiche nochmal für den zweiten Ärmel machen.

 

Steek

Wer einen Pullover gestrickt hat und ihn in einen Cardigan verwandeln will, findet hier bei Lanade meine Anleitung für das Steeken ohne Nähmaschine. Wer es beim Pullover belassen will oder direkt einen Cardigan gestrickt hat, überspringt diesen Teil.

 

Kragen/Knopfleiste

Entlang der Halsöffnung (Pullover) und der Fronten (Cardigan) mit Nadel 3,0 Maschen aufnehmen, dabei auf 3 Reihen zwei Maschen herausstricken (sonst kräuselt’s sich). 6 Reihen Bündchen (2 re, 2 li) stricken, Knopflöcher (U, 2rezu) nach Bedarf einstreuen. Abketten, Fäden vernähen, mit Stolz tragen.

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Verkürzte Reihen stricken – Wickelmaschen

Leserin Natalie hat sich neulich ein Tutorial zum Thema verkürzte Reihen gewünscht. Kein Problem, dachte ich leichtfertig und habe mich ans Schreiben gemacht, dann aber festgestellt, dass das Thema doch ein bisschen umfangreicher ist. Um mit den Reihen nicht auch die Anleitungen zu verkürzen, mache ich euch eine kleine Serie daraus. Und heute fangen wir an mit den Wickelmaschen.

Wickelmaschen sind die gängigste Form, verkürzte Reihen zu stricken. Sie sind leicht zu lernen und später im Strickbild so gut wie unsichtbar. In englischsprachigen Anleitungen findet ihr oft das Kürzel „w&t“ – wrap and turn, wickeln und wenden. Und damit ist die Technik auch schon fast komplett erklärt. Aber der Reihe nach.

Maschen einwickeln

Ihr strickt bis zu der Stelle, die in der Anleitung angegeben ist.
1a) Nun hebt ihr die nächste Masche auf die rechte Nadel,
1b) legt den Arbeitsfaden nach vorne,
1c) hebt die ungestrickte Masche wieder auf die linke Nadel und holt euch den Faden zurück nach hinten. Voila, le Wickel!


3) So sieht das Ganze von hinten aus. Von hier aus wird die Reihe wieder zurückgestrickt.

Wickelmaschen einstricken (Vorderseite)

Wenn ihr das nächste Mal zu der gewickelten Masche kommt, nehmt ihr den Wickel wieder auf. Das geht so:


1a) Ihr geht mit der rechten Nadel von unten in den Wickel und weiter durch die Masche, die gestrickt werden will.
1b) Dann strickt ihr beide zusammen ab. Das erfordert vielleicht ein bisschen Schubsen und Schieben, also nur keine Scheu.


Und so sieht das Ganze in fertig aus. Vom Wickel ist nichts mehr zu sehen. Toppoletti!

Wickelmaschen einstricken (Rückseite)

Solltet ihr bei einer Rückreihe auf eine eingewickelte Masche stoßen, könnt ihr euch freuen, denn da geht das Einstricken sogar noch etwas einfacher als auf der Vorderseite, weil der Wickel nach rechts zeigt statt nach links.


1a) Ihr hebt den Wickel rauf auf die linke Nadel,
1b) und strickt beide zusammen links ab. Das wars.


Auch hier seht ihr nichts, wie ihr seht. Ist doch nett, oder?

Ich stricke verkürzte Reihen immer auf diese Weise und habe nie Probleme damit. Das Schlimmste, was euch passieren kann, ist dass ihr einen Wickel überseht und die Wendemasche einfach überstrickt. Für diesen Fall könnt ihr euch die Wickel mit Maschenmarkern markieren. Echte Schwierigkeiten könntet ihr nur bekommen, wenn ihr sehr fest strickt und die Nadel nicht unter die Wickel kriegt. Für diesen Fall zeige ich euch im nächsten Teil meiner kleinen Serie zu den verkürzten Reihen eine Variation der Wickelmaschen!