Fäden beim Stricken einweben

Ich muss heute ein Geständnis ablegen: Ich vernähe gerne Fäden. Ahh, bitte nicht schlagen!

Nein, ganz ehrlich. Wenn ich Wochen und Monate mit einem Projekt verbracht habe, fühlt es sich seltsam an, die letzte Masche abzuketten. Natürlich freue ich mich, das Teil endlich fertig zu haben, aber irgendwie fühlt sich das Ende auch immer so abrupt an. Wir haben so viel Zeit miteinander verbracht, waren an so vielen Orten zusammen, haben so viele Filme zusammen gesehen … Da finde ich es dann sehr schön, noch die Fadenenden zu vernähen, vielleicht ein paar kleine Löcher zu kitten, ein paar fehlgeleitete Knötchen nach innen zu ziehen. Das ist eine Art von Abschiednehmen, bevor der Pullover oder die Strickjacke raus in das harte Leben eines Kleidungsstücks geschickt wird.

Jetzt hatte ich allerdings ein Projekt, bei dem es auch mir zu bunt wurde: Breite, mehrfarbige Streifen, bei denen sich die einzelnen Farben nicht bin zu ihrem nächsten Einsatz mitführen ließen (Permanent 6 Fäden über jeweils 22 Runden mitführen? N.E.I.N.) und deshalb nach jedem Einsatz abgeschnitten werden mussten – das ergab nach vorsichtigen Berechnungen verflucht noch mal zu viele Fadenenden! Ich habe also ein bisschen YouTube durchforstet und rumprobiert, bis ich die für mich beste Lösung gefunden hatte, um diese ganzen Fadenenden schon beim Stricken einweben zu können. Das Ganze ist nicht meine Erfindung, aber die Technik interessiert vielleicht trotzdem einige von euch. Hier kommt sie:

1.) Ich wechsle von Gelb nach Grün und lege dafür das neue Fadenende hinter das alte Fadenende.


2.) Ich stricke die erste Masche mit der neuen Farbe (Grün).

3.) Bevor ich nun die zweite Masche abstricke, lege ich das alte Fadenende (Gelb) von hinten kommend und von unten nach oben über die Masche. Das grüne Fadenende vergessen wir jetzt erstmal.

4.) Diesen Faden und die Masche stricke ich nun gemeinsam mit dem neuen Faden (Grün) ab.
Das gelbe Fadenende wandert damit zusammen mit der gelben Masche nach hinten.

5.) Die dritte Masche wird jetzt wieder ganz normal gestrickt. Der gelbe Faden bleibt hinten (auf dem Bild halte ich ihn zwischen Daumen und Mittelfingen fest).

6.) Und jetzt kommt der gelbe Faden wieder nach vorne über die vierte Masche.
7.) Und wir stricken wieder beide gemeinsam ab.

Und so geht es immer weiter: Eine Masche mit Fadenende abstricken, eine ohne. Haltet das Fadenende gut straff, damit beim Farbübergang kein Loch entsteht, aber nicht zu straff, sonst wird das Maschenbild unruhig. Mit etwas Übung wird das alles ganz einfach.

Von innen sieht das dann so aus: Der Faden ist ganz unauffällig eingewebt. Ein Katzenhaar auch, wie ich gerade sehe.
Und von außen?
Von außen ist nichts zu sehen. Übrigens auch dann nicht, wenn das Fadenende eine andere Farbe als die abgestrickten Maschen hat. Das Grüne Fadenende verwebt ihr dann in der nächsten Runde ganz genauso.

Wenn das Projekt fertig gestrickt ist, könnt ihr es ganz einfach umkrempeln und alle Fadenenden abschneiden, was ungemein befriedigend ist. Nehmt das, ihr Biester! Muahaha!

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Das Leben ist kein Wunschkonzert …

… aber dieser Blog schon!

Da hier meine kleinen Anleitungen und Tipps immer wieder auf Dank und Begeisterung stoßen, möchte ich euch sehr gern mehr davon liefern – Ihr müsst mir nur schreiben, was ihr gerne wissen wollt. Gibt es bestimmte Strick- oder Häkeltechniken, die ihr gern genauer erläutert hättet? Soll ich euch noch mehr Videos drehen? Hättet ihr gern Rezensionen zu bestimmten Garnen oder Nadeln? Gibt es etwas, was ihr mich schon immer fragen wolltet (aber nie zu fragen gewagt habt)? Was ihr mir auch unten in die Kommentare schreibt, ich werde nach Möglichkeit einen Beitrag dazu machen!
wunschkonzert

Maschen zunehmen (mit Videos!)

Ich hatte heute einen freien Tag, was natürlich nichts anderes bedeutet als: Stricktag! Okay, dachte ich mir, ich kann nicht den ganzen Tag stricken. Das gibt sonst irgendwann eine permanente Rille im Zeigefinger, wo der Faden durchläuft. Und auch wenn ich so eine fest eingefräste Rille eigentlich ganz praktisch finde (hilft bestimmt beim mehrfarbigen Stricken), mache ich dann doch mal ab und zu was anderes, damit sich meine Hände wieder erholen können. 

Heute waren das: Videos! Dank eines aufmerksamen Weihnachtsmanns habe ich seit Neuestem ein Stativ und kann so meine Hände filmen, ohne die Kamera zwischen den Zähnen halten zu müssen. Und das habe ich heute direkt mal ausprobiert, um zu zeigen, wie man rechts- und linksgeneigte Zunahmen macht. 

Diese Art der Zunahmen braucht man bei allen möglichen Strickgelegenheiten: Dreieckstücher, Raglanschultern, Taillenzunahmen, Handschuhe … Die einfachste Variante der Maschenzunahme besteht darin, einen Umschlag auf die Nadel zu legen und ihn in der nächsten Reihe wie eine normale Masche abzustricken – schon ist das Strickstück um eine Masche breiter. Dafür hat man an der Stelle der Zunahme aber auch ein Loch, was nicht immer wünschenswert ist. Die Maschenzunahme aus dem Mittelfaden kommt dagegen ohne Löcher aus und kann außerdem wahlweise nach links oder rechts gerichtet werden, was ein viel ordentlicheres Strickbild ergibt. Zum Beispiel so:

  
In beiden Fällen, der links- wie der rechtsgerichteten Zunahme, wird der Faden zwischen den beiden Maschen, zwischen denen die neue Masche entstehen soll, aufgenommen und abgestrickt. Ihr geht immer mit der Nadel von vorne nach hinten unter den Mittelfaden – und zwar mit der Nadel, in deren Richtung sich die zugenommene Masche dann neigen soll. Linksgeneigte Maschen werden von der linken Nadel von vorne nach hinten aufgenommen und verschränkt abgestrickt. Verschränkt heißt in diesem Fall: durch das hintere Maschenglied, weil das weiter links liegt als das hintere. Hier ist das Video:

  
Ganz einfach, oder? Mittelfaden mit links aufnehmen, abstricken, fertig. Rechtsgeneigt geht es ganz genau so, nur heben wir den Mittelfaden da mit der rechten Nadel auf und legen ihn auf die linke Nadel, damit wir ihn da abstricken können. Diesesmal durch das vordere Maschenglied. 

  
Wer darauf keine Lust hat, kann auch zwei Maschen aus einer Masche herausstricken. Das sieht zwar nicht so ordentlich aus und neigt sich auch nirgendwo hin, geht aber etwas schneller von der Hand und erzeugt auch keine Löcher. In englischen Anleitungen (und denen von Martina Behm) wird diese Technik oft mit „kfb“ abgekürzt, was für „knit in front and back“ steht: Eine Masche aus dem vorderen Maschenglied stricken, die Masche auf der linken Nadel behalten, eine Masche aus dem hinteren Maschenglied stricken. 

  
Welche Zunahmetechnik ist euer Favorit?

Upsss…!

Hasst ihr es nicht auch, wenn ihr aus reiner Gedankenlosigkeit bei eBay auf ein Wollpaket bietet, die Auktion überraschend gewinnt, die Sache wieder vergesst, dann das Paket geliefert bekommt, es öffnet, den Inhalt seht und euch fragt, welcher Teufel euch da eigentlich geritten hat?

Mit anderen Worten:

 Ich weiß noch nicht genau, was ich daraus mache, aber ich werde es Tweety Woodstock nennen.

Absolut keine Bedenken oder Reue jedweder Art habe ich dagegen bei dieser Wolle, die ich euch unbedingt zeigen muss:

 Regenbogen! Glitzer! Socken! Ich! Dreh! Hier! Durch!

In diesem Sinne: Auch euch einen aufregenden Wochenstart.

Il pleut dans ma chambre

Erinnert ihr euch noch, als ich euch letztens anhand meines aktuellen Projekts, dem Raindrops Pullover, gezeigt habe, wie ich ein Strickmuster auf eine abweichende Maschenprobe anpasse? Der Pullover ist jetzt fertig und ich stelle fest, dass die Umrechnung gelungen ist. Nicht ganz so, wie ich mir das vorher vorgestellt habe, aber gelungen. Das Regentropfenmuster ist wundervoll!
 
Muster: Raindrops von Tin Can Knits
Garn: Drops Karisma in Petrol Cerise, ganz genau 10 Knäul (aber sowas von genau!)
Nadeln: 3,5

Mein Pullover ist zugegebenermaßen ein ganzes Stück davon entfernt, was sich die Designerin vorgestellt hat, aber ich mag ihn sehr gerne. Er ist sehr viel weiter geschnitten als alles, was ich sonst stricke, aber das gefällt mir eigentlich sehr gut. Ich wünschte nur, ich hätte die Ärmel etwas schmaler gemacht, aber so dramatisch, dass ich sie nochmal stricken würde, ist die Weite jetzt auch nicht. Ein Pullover, den man im Winter gut über ein Sweatshirt ziehen kann.

Die Drops Karisma ist reine Schurwolle. Und obwohl man sie wirklich nicht als schmusig bezeichnen kann, bin ich sehr begeistert davon. Das Garn kommt mir schier unverwüstlich vor, fühlt sich beim Drüberstreichen aber keineswegs kratzig an. Direkt am Hals könnte ich es auch nicht tragen, von daher habe ich den Raindrops mit dem weiten Ausschnitt schon mit Bedacht gewählt. Aber man muss ja auch nicht mit allen seinen Sachen kuscheln. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich die Karisma im Langzeittest schlägt. Das nächste Teil mit dem Garn ist auf jeden Fall schon auf den Nadeln!

Den Pullover habe ich direkt zu einem sonnigen Spaziergang ausgeführt. Euch wünsche ich noch einen regenfreien Sonntag!
  

Wolkig mit Aussicht auf Alpaka

Kalt, kalt, kalt! Stricken, stricken, stricken!
cloud
Ich darf euch wieder in Richtung Lanade schicken, wo ich ein warmes Strickjäckerl mit der wunderbar flauschigen Drops Cloud vorführe! Das ist übrigens genau das Projekt, für das ich neulich die Monsternadeln in Stärke 15 vorgeführt habe. Gestrickt habe ich dann aber „nur“ mit 10 mm. Für 15 mm fehlt mir dann wohl doch der Mut. :-/

Fun Fact: Ich kriege bei Kälte sofort eine knallrote Nase und werde permanent deswegen gehänselt. Ja Mama, ich meine dich! *heul*