5 Tipps für den Maschenanschlag

Was gibt es bei 39 Grad im Schatten besseres als Stricken? Vermutlich eine ganze Menge, aber manche von uns sind eben Rebellen und Gefahrensucher. Oder einfach nur blöd. 

Wie dem auch sei, ich habe heute den Hauptteil der „Lace Affair“ Strickjacke angeschlagen, von der ich euch neulich schon die Ärmel gezeigt habe: 

 Was für einen Umfang wird das Ding bitteschön haben?! Was ihr hier seht ist der untere Saum für Rücken und beide Vorderteile, die in einem Stück hochgestrickt und dann an den Achseln geteilt werden. Und dieser Saum hat eine geschätzte Länge von 140 cm! So soll das hinterher aussehen: 

 Im Moment fehlt mir da noch jegliches Vorstellungsvermögen. Bringe ich ein Monstrum zur Welt? Aber Maschenzahl und Maschenprobe stimmen und die bereits gestrickten Ärmel sind auch normal dimensioniert. Spannend!

Beim Anschlagen der Maschen ist mit aufgefallen, dass ich mittlerweile einige Tricks gesammelt habe, die sich als hilfreich erwiesen haben. Vielleicht helfen sie euch auch:

5 Dinge, die beim Beginn eines neuen Strickprojektes helfen

  1. Die Kontrollschlaufe beim Maschenanschlagen – Es gibt ja sagenhaft viele Methoden, Maschen anzuschlagen. Ich liebe sie alle, benutze aber aus reiner Gewohnheit jedes Mal den guten alten Kreuzanschlag, den vermutlich die meisten Strickerinnen verwenden. Dafür muss man im Vorhinein die nötige Länge Garn abschätzen, um dann die Maschen zweifädig mit dem Faden, der aus dem Knäul kommt, und dem Ende, das man vorher abgerollt hat, anzuschlagen. Lustig wird es dann, wenn man bei Masche 199 von 220 plötzlich bemerkt, dass man nicht genug Garn abgerollt hat und noch mal ganz von vorne beginnen darf – ich spreche aus Erfahrung. Manche Strickerinnen können irgendwie ausrechnen oder hellsehen, wie viel Garn sie brauchen, aber ich kann das nicht. Deshalb habe ich folgenden Trick: Wenn ich so viel Garn abgerollt habe, wie mir sinnvoll erscheint, mache ich bei genau der Hälfte der Länge eine kleine Schlaufe. Wenn ich dann beim Maschenanschlag auf diese Schlaufe stoße, bevor die Hälfte der Maschen angeschlagen ist, weiß ich, dass ich nochmal neu anfangen muss. 100 Maschen neu anschlagen ist zwar auch bitter, aber immerhin nur halb so bitter wie 200 Maschen. 
  2. Maschenmarker! Ja, ich kann bis 200 zählen. Auch bis 500 oder 1000 wenn es sein muss. Aber irgendetwas ist ja immer wenn man gerade Maschen anschlägt: Man muss nießen, die Katze springt das Wollknäul an, das Handy bimmelt oder der Ehemann kommt rein und ruft aus reiner Bosheit willkürliche Zahlen – und schon weiß man nicht mehr, wieviele Maschen man gerade auf der Nadel hat. Und beim Nachzählen passiert nochmal das Gleiche. Und beim nochmal Nachzählen auch wieder. Ich spreche auch hier aus Erfahrung. Deshalb setzte ich immer, wenn ich mehr als 100 Maschen anschlagen muss, alle 50 Maschen einen Marker, die ich dann beim Stricken der ersten Reihe wieder entferne. 50 Maschen zählen sich einfach schneller als 200. Wenigstens in diesem Haushalt. 
  3. Schneide nichts ab, was du bereuen könntest! Eigentlich eine universelle Lebensweisheit, aber im Moment spreche ich vom Fadenende, das beim Maschenanschlag übrig bleibt. Wer beim Kreuzanschlag oft genug zu wenig Fadenlänge hatte, wird irgendwann etwas paranoid und neigt dazu, lieber zu viel als zu wenig abzurollen. Ich gehöre auf jeden Fall dazu, trotzt Schlaufentrick. Die Folge: Nachdem ich erfolgreich die richtige Menge Maschen angeschlagen habe, habe ich noch ein Fadenende von gut und gerne 1 Meter übrig. Da die Erfahrung lehrt, dass Projekte gerne mehrmals angeschlagen werden müssen, bevor es richtig losgehen kann, gilt stricktes Anschneideverbot – sonst hätte ich schon ganze Knäul gehexelt! Ich binde den Faden immer zu einem lockeren Knoten, damit ich ihn nicht versehentlich einstricke oder mich darin verheddere, und schneide ihn erst ab, wenn es an das Vernähen geht. 
  4. Hab Geduld! Die Anschlagskante erfüllt so gut wie nie die Maschenprobe, weil noch nicht genug Maschen da sind, um dem Gestrick Halt zu geben. Verzweiflung ist frühestens nach ein paar Reihen angesagt. (Diesen Punkt sollte ich vielleicht selbst bei meinem aktuellen Projekt beherzigen, fällt mir gerade auf…)
  5. Hab Mut! Ich weiß, am Anfang eines neuen Projektes ist man voller Elan und will Strecke machen. Aber sieh den Dingen ins Auge: Wenn es Murks ist, tun 10 Reihen ribbeln weniger weh als 100!
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6 Gedanken zu “5 Tipps für den Maschenanschlag

  1. Dass ich schon nach dem ersten Anschlags-Versuch Losstricken kann, passiert mir höchst selten! Deinen Schlaufentrick – so einfach und doch so genial! – werde ich daher gleich beim nächsten Projekt ausprobieren, das erspart mir sicher einiges Rumfluchen!

  2. So. 2 Tage Strickarbeit für die Katz‘, weil mir die angestrickte Knopfleiste nicht gefällt. Die werde ich lieber separat arbeiten.

    Und: NATÜRLICH hat der Anschlagsfaden beim Neuanfang dann wieder nicht gereicht, aber mit ein bisschen Versuchen und Tricksen ist es mir gelungen, aus dem laufenden Garn für die fehlenden ca. 35 Maschen den Anschlag weiterzuführen. Den Nachteil, zwei Fädchen mehr zu vernähen, nehme ich gern in Kauf.

  3. Ich lach mich tot!
    Offenbar bin ich nicht allein mit meinen Problemen beim Anschlagen, auch wenn bei mir keine Katze springt, sondern ein Hund mit dem Wollknäuel davon läuft. (Nicht nur einmal…)
    Aber deinen Trick mit der Schlaufe merk ich mir auch mal direkt, hab bald ein größeres Projekt mit sehr knapp bemessenem Garn, da darf kein Meter zu viel überhängen :-)

  4. Pingback: Trick Nr. 6 für den Maschenanschlag | Havariemarie

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