Wolle von Lana Grossa und Drops im Langzeittest

Leute, ich weiß nicht was los ist bei mir. Ich stricke wie eine Geistesgestörte Reihe um Reihe, aber wenn ich dann nachmesse, ist das Teil NULL Zentimeter länger. Ich nehme an, dass Nachts bösartige kleine Geister aus dem Wald in mein Strickzimmer kommen und meine Strickprojekte immer wieder zum gleichen Punkt aufribbeln. Ich krieg euch schon noch!

Gestern habe ich mich in einer schweren Stunde in den Kleiderschrank gesetzt und all meine selbstgestrickten Sachen an mich gedrückt um mich davon zu überzeugen, dass ich überhaupt schon mal irgendetwas in meinem Leben fertiggestrickt habe. Dabei sind mir zwei Dinge aufgefallen:

1.: Meine Stricksachen altern unterschiedlich.

2.: Ich brauche einen größeren Kleiderschrank.

Da euch meine Möbel vermutlich eher weniger interessieren, habe ich für euch mal Fotos gemacht um euch zu zeigen, wie gut oder nicht gut einige Garne den Alltagseinsatz als Kleidungsstück aushalten. Natürlich hängt das immer davon ab, wie fest man strickt und was man im Alltag so macht, aber ich möchte behaupten, dass ich da im guten Mittelfeld liege: Ich stricke mittelfest und ich rutsche selten auf dem Bauch durch die Gegend. Und wenn, dann ziehe ich selbstgestricke Sache vorher aus.

 

Garnstudio Drops Cotton Light
50 % Baumwolle, 50 % Polyester, ca. 1,60 € pro 50 g

Ach, mein geliebter Emerald Pullover. Erst Anfang diesen Monats habe ich ihn fertig gestellt. Natürlich habe ich ihn oft getragen, aber dass er jetzt schon so aussieht macht mich traurig. Pilling, Pilling, Pilling!


Langzeit-Fazit: Nay!

 

Lana Grossa Cool Wool Big
100 % Merino, ca. 4,95 € pro 50 g

Die Cool Wool Big ist mein absolutes Lieblingsgarn, weil sie so weich ist, in unglaublich vielen wunderschönen Farben zu haben ist und nicht schangelig wird. Seht selbst: Mein Grandpa Cardigan wird seit Januar viel getragen und hat sogar an kritischen Stellen wie den Ärmelbümdchen und unter den Armen so gut wie keine sichtbaren Tragespuren!


Der graue Chalkstone, den ich euch bei der Vorführung meines Fusselrasierers gezeigt hatte, ist etwas über ein Jahr alt und hatte schon ein paar Flüselchen. Aber auch das war noch absolut im vertretbaren Bereich.
Langzeit-Fazit: Yay!

 

Lana Grossa Bingo
100 % Merino, ca. 4.95 € pro 50 g

Die Bingo ist etwas dicker als die Cool Wool Big und nicht ganz so hochwertig – und das merkt man ihr leider auch an. Der Bloomsbury, den ich im Januar fertiggestrickt hatte, hat trotz eher seltenerem Tragen schon deutlichen Flaum:

Langzeit-Fazit: Meh.

 

Garnstudio Drops Safran
100 % Baumwolle, ca. 2,50 € pro 50 g

Ein totaler Überraschungserfolg für mich. Ich habe das Garn im Juli 2012 für eins meiner ersten größeren Projekte gekauft, eine Häkeljacke – die dann sagenhaft scheiße geworden ist. Etwa 2 Jahre hing sie im Schrank, dann habe ich das Garn geribbelt und die Julia Tunika daraus gemacht. Verstrickt ist das dünne Baumwollgarn wunderbar weich und gefühlt unkaputtbar. Nachschub liegt schon im Lager!

Langzeit-Fazit: Nice!

 

Garnstudio Drops Cotton Merino
50 % Baumwolle, 50 % Merino, ca. 3,35 € pro 50 g

Ich liebe dieses Garn! Es verbindet die Stabilität von Baumwolle mit der Weichheit von Merino, ist leicht meliert und auch noch günstig. Wieso stricke ich nicht öfter damit?
Der Ravello Pullover aus Cotton Merino Natur, Beige und Sturmblau ist jetzt ein gutes Jahr alt und noch immer schön. Mit Mühe und viel Suchen habe ich ein paar Flüselchen am Ärmel entdeckt, das war es aber auch schon.


Langzeit-Fazit: Toppoletti!

 

Ich hoffe, mein kleiner Rundgang durch meinen Kleiderschrank hilft euch etwas bei eurer eigenen Garnwahl. Wolle von Drops kaufe ich immer am liebsten bei Lanade.de und Lana Grossa bei Garnwelt.de, wobei man die Marke auch in so ziemlich jedem Wollgeschäftlein zum gleichen Preis findet und da dann auch meistens übrig gebliebene Knäul zurückgeben kann.

Und jetzt muss ich meinen Fusselrasierer suchen gehen.

Tiffy kommt auf Touren

Ich weiß nicht ob es an der Hitze liegt oder ob ich einfach nur langsam bin, aber es kommt mir vor, als würden meine Strickprojekte nur im Schneckentempo wachsen. Ob ich da noch all meine Sommerprojekte fertigkriege, bevor der Sommer fertig ist …?

Damit mal wenigstens irgendetwas bei mir fertig wird, habe ich mich einen Nachmittag zu Tiffy gesetzt. Tiffy ist meine Nähmaschine, die ich euch schrecklich gern zeigen würde, aber nicht kann, weil sie schüchtern ist und ich außerdem vergessen habe ein Foto zu machen. Sie ist jedenfalls keins von diesen Supermodellen, bei denen den Nähbloggerinnen auf ihren hübschen Nähblogs immer vor Aufregung die Garnspule aus dem Nähkästchen hüpft. Aber das ist okay für mich, schließlich kann ich auch nicht so gut nähen wie die großen Nähbloggerinnen. Tiffy und ich sind also in unserer Liga ein gutes Team.

Mein Projekt habe ich aus diesem Buch hier genommen, das mir der Verlag freundlicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt hat:

„Einfache Projekte“ fand ich sehr ansprechend. Und da ich als Anfängerin nur auf Stoffvorräte blicken kann, die andere wohlwollend als Reste bezeichnen würden, scheint diese Buch genau richtig für mich zu sein. Mein Favorit war schnell gefunden:

Ein Täschchen für kleine Strickprojekte! Davon kann man nie genug haben. Heißt zwar „Nähtasche“, aber geschenkt.

Sympathisch an diesem Buch finde ich, dass es ohne Schnittvorlagen auskommt. Heißen die so? Ihr wisst schon, diese dünnen Papierbögen im Format und Faltwerk einer ADAC-Deutschlandkarte des Prä-Navi-Zeitalters, auf denen in wilder Strichelei alle Einzelteile in allen Größen eingezeichnet sind, damit man sie auf Stoff übertragen, sich mit der Größe vertun, den Stoff ruinieren und ein Loch ins eigene Shirt schneiden kann. Es überrascht vermutlich niemanden, wenn ich an dieser Stelle verrate, dass ich diesen Prozess als Herausforderung erlebe. Daher fand ich es sehr angenehm, einfach nur ein paar Vierecke ausschneiden zu müssen.

Uuuund ….:

Tädää!
Bah, was bin ich stolz auf meine Tiffy. Kein Faden gerissen, keine Nadel gebrochen, alles tadellos vernäht, was ich durch sie durchgejagt habe. Auch wenn man dem Endprodukt leider an manchen Ecken ansieht, dass ich mit mehr Gewalt als Geduld gearbeitet habe.

Ich muss sagen, dass ich das Stricken (und Häkeln) nach wie vor charmanter finde. Es ist einfach angenehmer für mich, die Arbeitsgeschwindigkeit bei schwierigen Manövern selbst in der Hand zu haben, statt mit einer Maschine zu arbeiten, die mir selbst in der geringsten Geschwindigkeitsstufe noch gefährlich erscheint. Ich bin mir sicher, dass ich mir theoretisch die Hand am Stoff festnähen könnte. Da könnt ihr mir erzählen was ihr wollt! Außerdem macht mich die schnelle Maschine tendenziell ungeduldig. Wenn ein Strickstück lange braucht, dann weil ich langsam stricke. Wenn ich bei der Tiffy den Bleifuß mache, wird aber nichts schneller fertig, eher im Gegenteil.

Das sind natürlich alles Anfängerprobleme, die mit der Zeit vergehen. Ich will meine Tiffy aber auch nicht zu lieb gewinnen. Noch ein kreatives Hobby im Umfang meiner Woll-Liebhaberei verträgt weder mein Konto noch mein Sozialleben!

Emerald Love

Er ist fertig und er ist großartig geworden!


Ich bin immer wieder etwas überrascht, wenn ein selbstgestricktes Teil tatsächlich gelingt. Wochenlang war es nur ein Wollsack auf meinem Schoß, aus dem ständig Fadenenden heraushingen, und plötzlich ist es ein Pullover und ich habe ihn an. Wahnsinn! Haben Eltern eigentlich auch manchmal so einen befremdlichen Moment, wenn das, was monatelang ein dicker Bauch war, ihnen eines Tages vom Küchentisch aus zuwinkt?

Zurück zum Pullover. Emerald ist ein wunderbares Muster, das von oben nach unten gestrickt wird. Durch die dekorative Borte und das leichte Gerüsche darunter ist er spannend zu stricken, aber nicht zu anspruchsvoll. Mein Garn war die Drops Cotton Light, die pappenbillig ist, ohne dass man es ihr ansieht, und sehr angenehm für die kühleren Sommertage. Das Baumwolle-/Poly-Gemisch ist ordentlich robust, was besonders den Ellenbogenbereichen zugute kommt. Für den Herbst möchte ich mir aber nochmal eine Variante aus Merino stricken, da ist der Fall einfach schöner.

Bei den Ärmeln habe ich ein paar Zentimeter draufgelegt. Ich weiß nicht, ob ich sagenhafte Affenarme habe, aber die empfohlene Ärmellänge ist mir immer zu kurz. Ich mag Ärmel, die bei ausgestreckten Armen bis zum Handgelenk und ansonsten bis zu den Fingern gehen.


Die Knöpfe habe ich schon vor ein paar Tagen auf Instagram gezeigt: bunt gemischt. Endlich zahlt sich das jahrelange Sammeln der Reserveknöpfe von Blusen und Cardigans aus!

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Wenn ihr auch so auf bunte Knopfmischungen steht, dann haltet die Augen nach einem Action Discounter in eurer Umgebung offen! Ich habe gestern in so einem Laden mit großen Augen eine dicke, fette Tüte voller grüner Knöpfe geborgen, die mich weniger gekostet hat als ein einziger der Perlmuttknöpfe, die ich neulich gezeigt habe.

Die Knöpfe in dieser Mischung sind tatsächlich auch Markenknöpfe, vielleicht Überbleibsel aus der Knopffabrik oder das, was im Kaufhaus nach Ladenschluss aus den Umkleidekabinen zusammengekehrt wird. Mir solls gleich sein, ich liebe sie alle.

Ich weiß nicht warum, aber Knöpfe machen mich einfach unglaublich glücklich. Ich könnte den ganzen Tag nur Knöpfe ansehen und anfassen und nebeneinander legen!

5 Tipps für den Maschenanschlag

Was gibt es bei 39 Grad im Schatten besseres als Stricken? Vermutlich eine ganze Menge, aber manche von uns sind eben Rebellen und Gefahrensucher. Oder einfach nur blöd. 

Wie dem auch sei, ich habe heute den Hauptteil der „Lace Affair“ Strickjacke angeschlagen, von der ich euch neulich schon die Ärmel gezeigt habe: 

 Was für einen Umfang wird das Ding bitteschön haben?! Was ihr hier seht ist der untere Saum für Rücken und beide Vorderteile, die in einem Stück hochgestrickt und dann an den Achseln geteilt werden. Und dieser Saum hat eine geschätzte Länge von 140 cm! So soll das hinterher aussehen: 

 Im Moment fehlt mir da noch jegliches Vorstellungsvermögen. Bringe ich ein Monstrum zur Welt? Aber Maschenzahl und Maschenprobe stimmen und die bereits gestrickten Ärmel sind auch normal dimensioniert. Spannend!

Beim Anschlagen der Maschen ist mit aufgefallen, dass ich mittlerweile einige Tricks gesammelt habe, die sich als hilfreich erwiesen haben. Vielleicht helfen sie euch auch:

5 Dinge, die beim Beginn eines neuen Strickprojektes helfen

  1. Die Kontrollschlaufe beim Maschenanschlagen – Es gibt ja sagenhaft viele Methoden, Maschen anzuschlagen. Ich liebe sie alle, benutze aber aus reiner Gewohnheit jedes Mal den guten alten Kreuzanschlag, den vermutlich die meisten Strickerinnen verwenden. Dafür muss man im Vorhinein die nötige Länge Garn abschätzen, um dann die Maschen zweifädig mit dem Faden, der aus dem Knäul kommt, und dem Ende, das man vorher abgerollt hat, anzuschlagen. Lustig wird es dann, wenn man bei Masche 199 von 220 plötzlich bemerkt, dass man nicht genug Garn abgerollt hat und noch mal ganz von vorne beginnen darf – ich spreche aus Erfahrung. Manche Strickerinnen können irgendwie ausrechnen oder hellsehen, wie viel Garn sie brauchen, aber ich kann das nicht. Deshalb habe ich folgenden Trick: Wenn ich so viel Garn abgerollt habe, wie mir sinnvoll erscheint, mache ich bei genau der Hälfte der Länge eine kleine Schlaufe. Wenn ich dann beim Maschenanschlag auf diese Schlaufe stoße, bevor die Hälfte der Maschen angeschlagen ist, weiß ich, dass ich nochmal neu anfangen muss. 100 Maschen neu anschlagen ist zwar auch bitter, aber immerhin nur halb so bitter wie 200 Maschen. 
  2. Maschenmarker! Ja, ich kann bis 200 zählen. Auch bis 500 oder 1000 wenn es sein muss. Aber irgendetwas ist ja immer wenn man gerade Maschen anschlägt: Man muss nießen, die Katze springt das Wollknäul an, das Handy bimmelt oder der Ehemann kommt rein und ruft aus reiner Bosheit willkürliche Zahlen – und schon weiß man nicht mehr, wieviele Maschen man gerade auf der Nadel hat. Und beim Nachzählen passiert nochmal das Gleiche. Und beim nochmal Nachzählen auch wieder. Ich spreche auch hier aus Erfahrung. Deshalb setzte ich immer, wenn ich mehr als 100 Maschen anschlagen muss, alle 50 Maschen einen Marker, die ich dann beim Stricken der ersten Reihe wieder entferne. 50 Maschen zählen sich einfach schneller als 200. Wenigstens in diesem Haushalt. 
  3. Schneide nichts ab, was du bereuen könntest! Eigentlich eine universelle Lebensweisheit, aber im Moment spreche ich vom Fadenende, das beim Maschenanschlag übrig bleibt. Wer beim Kreuzanschlag oft genug zu wenig Fadenlänge hatte, wird irgendwann etwas paranoid und neigt dazu, lieber zu viel als zu wenig abzurollen. Ich gehöre auf jeden Fall dazu, trotzt Schlaufentrick. Die Folge: Nachdem ich erfolgreich die richtige Menge Maschen angeschlagen habe, habe ich noch ein Fadenende von gut und gerne 1 Meter übrig. Da die Erfahrung lehrt, dass Projekte gerne mehrmals angeschlagen werden müssen, bevor es richtig losgehen kann, gilt stricktes Anschneideverbot – sonst hätte ich schon ganze Knäul gehexelt! Ich binde den Faden immer zu einem lockeren Knoten, damit ich ihn nicht versehentlich einstricke oder mich darin verheddere, und schneide ihn erst ab, wenn es an das Vernähen geht. 
  4. Hab Geduld! Die Anschlagskante erfüllt so gut wie nie die Maschenprobe, weil noch nicht genug Maschen da sind, um dem Gestrick Halt zu geben. Verzweiflung ist frühestens nach ein paar Reihen angesagt. (Diesen Punkt sollte ich vielleicht selbst bei meinem aktuellen Projekt beherzigen, fällt mir gerade auf…)
  5. Hab Mut! Ich weiß, am Anfang eines neuen Projektes ist man voller Elan und will Strecke machen. Aber sieh den Dingen ins Auge: Wenn es Murks ist, tun 10 Reihen ribbeln weniger weh als 100!