Heiße Aufnahmen

Man merkt, dass es wärmer wird – die Blogbeiträge werden weniger. Dabei stricke ich aber weiterhin fleißig an meinen Projekten. Nur eben an allen gleichzeitig, so dass sie alle gleichermaßen langsam vorwärtskommen. Ah, c’est la vie. Hier etwas Eyecandy zum Trost:

   
Pullover „Emerald“ aus Drops Cotton Light (50 % Baumwolle, 50 % Polyester) in Traube.  

   
Strickjacke „Lace Affair“ aus Drops Loves You #5 (100 % recyclete Baumwolle) in Dunkelgrün – macht erstaunlich viel Spaß zu stricken!
   

Halstuch „Groovy“ aus Alize Bamboo Fine (100 % Bambus) in Hellgrau. Es ist so weich, ich werde WAHNSINNIG! 

Und ihr so?

Stricken macht glücklich(er)

Ist heute abend zufällig ein Psychologe anwesend? Ist hier irgendwer Psychologe? Bitte Handzeichen, es handelt sich um einen dringenden Fall: Mir ist ein Gedanke gekommen. 

Und zwar habe ich die Theorie entwickelt, dass das Stricken die dunklere Seite in der Persönlichkeit eines Menschen zutage bringt. C. G. Jung nennt diese Seite den Schatten und definiert ihn als Abspaltung aller Charaktereigenschaften, die wir für unerwünscht, unzumutbar oder illegal halten, im Gegensatz zur Persona, unserer Maske der gesellschaftlich gefälligen Eigenschaften.

Ein Beispiel: Ich bin eigentlich recht stolz darauf, mich als toleranten und allgemein friedfertigen Menschen bezeichnen zu dürfen. Beim Stricken aber verwandle ich mich in einen gehässigen Teufel, der mit Schimpfwörtern nur so um sich wirft – ich verzichte auf Zitate. Oder in Sachen Beziehung: Im Alltag die sanftmütige Ehefrau, aber ein Drachen, sobald ich die Nadeln in der Hand habe. Mein Mann fängt schon immer leicht an zu zittern wenn er mich die letzten Fäden eines Strickprojektes vernähen sieht, weil meine folgende Frage, wie er es findet, beinahe unvermeidlich hässliche Szenen nach sich zieht („Ääh, schön, aber etwas schief, oder?“ – „WAAAS?! DU BIST SCHIEF, MEIN LIEBER!“). Ein drittes Beispiel: Ich bin generell ein gutmütiger und gelassener Mensch, der auch mal Fünfe gerade sein lässt, doch beim Stricken zähle ich jede Reihe mit, errechne meinen Fortschritt in Prozent und versuche auszuzählen, in wieviele Tagen ich fertig bin, wenn ich in gleichem Tempo jeden Tag weiterstricke und am Freitag vielleicht noch in der Mittagspause heimlich auf dem Kantinenklo Knöpfe annähe. Ich will gar nicht so pedantisch sein, diese Dinge rechnen sich von selbst in meinem Kopf aus, ich schwöre es!

Deshalb hat es mich sehr überrascht, als ich dieses Wochenende ganz plötzlich die letzte Masche des Hauptteils des Emerald abgekettet hatte: 

 

Verantwortlich dafür war vermutlich vor allen Dingen das hervorragende Muster, das das Stricken sehr kurzweilig gemacht hat. Vielleicht, ganz vielleicht bin ich aber auch an einen Punkt gekommen, an dem auch der Schattenteil meiner Persönlichkeit ein kleines bisschen gelassener geworden ist und nicht mehr jede Masche mitzählen muss wie ein Geizhals seine Pfennige. Ist der Psychologe da? Dann einmal Schulterklopfen bitte. 

Garn Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung

Es ist ein Elend mit mir und den Lacegarnen, ich sag es euch. Nachdem selbst der in monatelanger hingebungsvoller Arbeit gehäkelte Schal aus reinem Merino-Lacegarn am Hals gepiekst und gejuckt hat, habe ich schon fast  verzweifeln wollen. Welches Garn bleibt mir denn noch übrig?

Aber dann ist mir aufgefallen, dass ich immer nur bei den gleichen Garnherstellern gucke, nämlich Garnstudio Drops und Lana Grossa, und andere Hersteller vielleicht durchaus Garn im Angebot haben, das ich tränenfrei tragen kann. Checkliste: Darf keine Tierhaare enthalten, weil pieksig, sollte keine Baumwolle sein, weil öde, und muss kein billigstes Polyzeug sein, weil fies.

Was gibt es sonst noch? Seide natürlich! In einem kleinen Wollstübchen habe ich einmal eine halbe Stunde lang mit der Geschäftsinhaberin zusammen ergriffen einen Strang Traumseide gestreichelt und im Flüsterton seine Weichheit gelobt. In dieses Garn setze ich all meine Hoffnungen … aber der Preis! Uff. Da teste ich erst noch mal ein paar Alternativen durch.

Mein aktuelles Testobjekt: Garn von Alize.

Dieses Garn kommt aus der Türkei und kostet grob überschlagen nur ein Zehntel so viel wie die Traumseide. „Forever“ ist ein Mikrofasergarn (hey, besser als Poly!), „Bamboo Fine“ besteht aus Bambus. Wenn ich mir vorzustellen versuche, wie man aus Bambus Wolle herstellt, sehe ich vor meinem geistigen Auge nur mich selbst, wie ich einen Bambusstock und ein Knäul Wolle gegeneinanderschlage wie ein blödes Kind, das das viereckige Bauklötzchen in das runde Loch zu hämmern versucht. Aber ich muss ja nicht alles verstehen. Das Bambusgarn ist jedenfalls so weich, dass ich verrückt werden könnte!

 Für die Garne schwebt mir etwas Einfaches zum Einkuscheln vor, etwa ein Nuvem oder eine Sandbank, was an abgekühlten Sommerabenden zum Einsatz kommen kann.  Ich bin so gespannt! Beide Garne habe ich von Wolle1000.de, falls jemand neugierig geworden ist.

Übrigens noch ein Nachtrag zu neulich: Die intensive Beschäftigung mit dem Thema Knöpfe hatte noch ein Nachspiel für mich:

50 sternchenförmige Holzknöpfe! Ist eine Welt, in der man 50 sternchenförmige Holzknöpfe im Internet kaufen kann, nicht eine wunderbare Welt? Jeder Mensch braucht 50 sternchenförmige Holzknöpfe!

Ihr fragt euch, wofür man 50 sternchenförmige Holzknöpfe braucht?

Fragt nicht. Man braucht sie einfach.

Lektion der Woche

„Links ist da, wo der Daumen rechts ist“, hat mir meine Mutter beigebracht. Geholfen hat es allerdings nicht, da ich nie herausfinden konnte, ob man für diesen Merksatz die Hände von der Innenseite oder der Außenseite her betrachten muss. Während ich also als Kind vermutlich einen unterhaltsamen Anblick geboten habe, wenn ich hochkonzentriert meine Hände angestiert habe, hat mich die Links-Rechts-Problematik bis ins Erwachsenenalter begleitet und führt regelmäßig dazu, dass mein Navi und ich uns gegenseitig in den Wahnsinn treiben („Bitte jetzt links abbiegen“ – „Okay!“ – „Jetzt links abbiegen“ – „Erledigt!“ – „Jetzt links!!!“ – „HAB ICH DOCH!!“ – „BITTE WENDEN!“ – „WAS WILLST DU VON MIR LASS MICH ZUFRIEDEEEEN!!!!“).

Beim Stricken wird es dann noch mal besonders heikel, wenn die Designerin nicht deutlich macht, ob mit dem „linken Seitenteil“ die Seite gemeint ist, die ich auf der Schemazeichnung oder dem Modelbild in der linken Bildhälfte sehe, oder die Seite, die ich später auf meiner linken Körperhälfte trage. Beide Varianten sehe ich oft, da es sich aber meistens um Cardigans handelt, die in Einzelteilen gestrickt werden, macht eine Verwechslung nie viel aus, solange man die Teile am Ende richtig zusammennäht.

Gestern allerdings bin ich beim Emerald an den Punkt gekommen, an dem vom Rückenteil aus die beiden Seitenteile der Front gestrickt werden, die sich dann später unter der Knopfleiste zum Stricken in der Runde treffen. Da war es wieder, das „linke Seitenteil“ und absolut kein Hinweis darauf, von welcher Seite betrachtet das „Links“ gemeint sein könnte oder auch nur, von welcher Seite des Rückenteils aus die Maschen aufzufassen seien. Was nun? Ich habe folgende unfehlbare Faustregel ermittelt:

Wenn die Seitenangaben in einer Strickanleitung nicht eindeutig sind, dann bezeichnet „links“ genau die Seite, die du in den vergangenen zwei Stunden gestrickt hast, NICHT.

 

Ich ribbel dann mal die Knopfleiste unter dem Arm weg …

Trommelwirbel!

Guckt mal, guckt mal, guckt mal:


Mein Cardigan ist fertig! Aber hier sieht man das gar nicht richtig, ich nehme euch mal mit auf die Terrasse.

Vielen Dank an alle, die mir bei der Wahl der Knöpfe geholfen haben. Ich habe jetzt rote Kunststoffknöpfe bei eBay gefunden und innerhalb von 24 Stunden im Briefkasten gehabt. Habt ihr schon mal bei eBay nach Knöpfen gesucht? Ich könnte mich totkaufen! Vielleicht habe ich das auch (hüstel).

Zum Cardigan: Ich bin wirklich begeistert von dem Teil. Lush heißt das Modell und ist eigentlich so simpel wie eindrucksvoll. Borte quer, Nackenpartie mit ein paar verkürzten Reihen, Rest wie gewohnt Körper, zwei Arme, Knopfleiste. Aaaber… es gibt auch ein Aber. Erstens: Der Cardigan ist für meinen Geschmack etwas kurz. Ist vermutlich meine eigene Schuld, dass ich das erst wieder merke wenn alles abgekettet und vernäht ist, und dass ich keine Lust habe, ewig zu ribbeln und zu verlängern. Geschenkt. Das zweite Aber allerdings wiegt schon stärker: Das Garn. Die Drops Belle, in manchen Teilen des Internets hoch gelobt wie des Rumpelstielzchens gesponnen Gold, hat durch das Bad an Flexibilität verloren und ist etwas geschrumpft. Nachdem ich immer nur Merino verstrickt und mit durchschnittlich 50 % Wachstum aus der Badewanne geholt habe, habe ich damit wirklich nicht gerechnet. Der Cardigan ist jetzt etwas enger als erwartet, was natürlich ganz fabelhaft dazu passt, dass er auch kürzer ist als erwartet. Hatte ich mir nicht vorgenommen, etwas großzügiger zu kalkulieren?

Aber ich beschwere mich nicht. Man kann ihn auch offen tragen und die Farbe ist nach wie vor wunderschön.