Kreativer geht’s immer – 4 inspirierende Bücher

Seit mir der Sommer im Nacken hängt und jederzeit über mich und meine Strickprojekte hereinzubrechen droht, denke ich viel darüber nach, was ich denn eigentlich mache, wenn es wirklich zu heiß zum Stricken wird. Eine Weile kann man sich ja noch mit Baumwollgarn behelfen, wie mir mehrere liebe Leserinnen nach meinem letzten Beitrag zugeflüstert haben. Aber irgendwann werden Hände auch dafür zu schwitzig, meine zumindest.

Für alle, die das gleiche Problem haben und eine kreative Sommerbeschäftigung suchen oder sich generell gern kreativ weiterbilden wollen, habe ich deshalb ein paar Buchtipps. Und weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass sich viele Menschen (darunter auch gerne immer wieder ich selbst) bei der Erstberührung mit neuen kreativen Bereichen mental wie die Dreijährigen auf den Boden schmeißen und brüllen, sie könnten nicht zeichnen/malen/schreiben, habe ich Bücher ausgewählt, die sowas von motivierend sind, dass Selbstzweifel keine Chance haben.

Jetzt ist also eure Gelegenheit, euch einmal auf den Boden zu schmeißen, „ich kann aber nicht zeichnen/malen/schreiben!!!“ zu brüllen, ein bisschen mit den Beinen zu strampeln und wieder aufzustehen. Tief durchatmen. Besser? Dann können wir ja anfangen.

 

Eloise Renouf, 20 stramme Bäume und 44 weitere natürliche Dinge zeichnen


Dieses Buch finde ich unglaublich süß. Erstens, weil es das Format und Einband eines Bilderbuchs hat. Zweitens, weil „stramme Bäume“ wundervoll klingt (es gibt übrigens auch noch illustre Katzen und kesse Kleider). Und drittens, weil dieses Buch einen nicht mit Anleitungen und Lehrgängen nervt, bei denen man sich nur immer wie ein Neanderthaler am Bleistift fühlt. Stattdessen gibt es auf jeder Doppelseite ganz minimalistische Anregungen: Zeichnet 20 Eulen, zeichnet 20 Schneeflocken, zeichnet 20 Bäume. Deine Eulen sehen aus wie vom LKW überfahren? Fein! Dann zeichne noch 19 weitere!

Jede Anregung wird von einigen Zeichnungen der Autorin begleitet, die Ideen geben, aber nicht einschüchtern. Das sind die Zeichnungen, die ihr auf den Bildern oben seht. Um in Gang zu kommen kann man auch erstmal nur ein paar Zeichnungen ausmalen oder nachzeichnen. Das beruhigt den wild strampelnden inneren Kritiker ein bisschen und man wird etwas lockerer. Denn das ist das Wichtigste bei jeder kreativen Tätigkeit: dass man spielerisch und mit Freude bei der Sache ist, statt sich Gedanken darüber zu machen, ob man besser oder schlechter als andere ist und ob einen nicht die ganze Welt auslachen wird, weil man einen Stift, einen Pinsel oder eine Stricknadel in die Hand genommen hat. Spoiler: Meistens lacht niemand. Und wenn doch, lassen sich Stift, Pinsel oder Stricknadel ganz schnell zum Schlaginstrument umfunktionieren.

 

Vahram Muratyan und Élodie Chaillous, Mal-Zeit*


Dieses Buch ist vom Prinzip her genauso wie das mit den strammen Bäumen (ich könnte es immer wieder sagen. Stramme Bäume!), bietet aber noch ein bisschen mehr Hilfestellung in Sachen Inspiration und ist thematisch breiter ausgerichtet. Hier hat jede Doppelseite einen Arbeitsauftrag, der von diversen Rahmenillustrationen begleitet wird, damit man nicht völlig bei Null anfangen muss. Da wird man aufgefordert, Gesichter in Bilderrahmen, Etiketten an Weinflaschen, Cover auf Plattenlabel oder Schuhe an Damenfüße zu malen.

Ich empfinde das als noch ein bisschen einladender und inspirierender als das erste Buch (ihr wisst schon… das mit den Bäumen). Die Aufgaben sind einfach so unernst und spielerisch, dass es leicht ist, den eigenen Fähigkeiten gegenüber nachsichtig zu sein. Man kann das Buch außerdem hervorragend auf einer Party herumgehen lassen und sich hinterher über die alkoholisierten Ideen der Gäste freuen.

 

Keri Smith, How to be an Explorer of the World

   Gibt es auch auf Deutsch, heißt dann Wie man sich die Welt erlebt.

Das bekannteste Buch der Autorin ist vermutlich Mach dieses Buch fertig (Wreck this Journal), aber weil darüber schon viele kluge Blogger geschrieben haben, zeige ich euch lieber den Explorer of the World. Generell sind alle Bücher von Keri Smith durch die Bank weg empfehlenswert, weil sie inspirierend sind, zum Mitmachen auffordern und viele Ideen liefern, Kreativität in jeder Lebenslage und an jedem Ort zu leben.

How to be an Explorer of the World weckt den Blick und die Neugier für Dinge, die wir gern übersehen: eigenartig geformte Kieselsteine, Wolkenformen, die Kritzelgraffittis an den Häuserwänden. Alles will entdeckt werden! Natürlich bietet das Buch auch direkt Platz, um die eigenen Beobachtungen festzuhalten, und wird damit zum Begleiter im Abenteuer. Der aber schnell aus allen Nähten platzt, weil Keri Smith einfach unglaublich viel Lust am spielerischen Entdecken, Dokumentieren und Sammeln macht. Ich liebe ihre Bücher!

 

San Francisco Writer’s Grotto, 642 Things to Write about


Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Buch mit in diesen Beitrag aufnehme, weil es nur auf Englisch erhältlich ist und im Vergleich zu den drei anderen nicht mit Illustrationen aufwarten kann.  Dass Illustrationen fehlen tut der Sache aber keinen Abbruch, weil es hier ums kreative Schreiben geht. Und die Schreibanregungen sind so gut, dass ich dieses Buch jedem empfehle, der auch nur ein Fitzelchen Englisch beherrscht. Wenn man nur die Hälfte versteht und sich den Rest kreativ dazu denkt funktioniert das Ganze nämlich genauso gut wie wenn man englischer Muttersprachler in sechster Generation strammer Engländer ist.

Das Problem mit dem kreativen Schreiben ist, dass man es schwerer vormachen kann, um es anderen beizubringen. Man kann nicht wie beim Zeichnen eine Strich-für-Strich-Anleitung erstellen, sondern eigentlich nur dabei helfen, einer Fähigkeit eine Stimme zu verleihen, die jeder von uns hat: das Geschichtenerzählen. Ein Buch über kreatives Schreiben kann also im Wesentlichen entweder vormachen, wie es am Ende aussehen könnte (und dafür gibt es eigentlich auch genug gute Romane und Autobiographien auf der Welt, die man stattdessen lesen kann), oder einen dazu bringen, den inneren Kritiker in den Wald zu den strammen Bäumen zu schicken und seiner Phantasie freien Lauf zu lassen.

Und genau das tut dieses Buch mit herrlich durchgeknallten Schreibanweisungen. Schreibe einen Absatz in einer ausgedachten Sprache. Nenne fünf Dinge, von denen du dir wünschst, deine Mutter hätte sie dir nie erzählt. Schreibe den Text für einen Radiospot, in dem du selbst beworben wirst. Schreibe eine Kurzgeschichte über eine Teetasse die im Argentinien des Jahres 1932. Du weißt nichts über das Argentinien des Jahres 1932? Dann erfinde etwas! Lass dich nicht von überflüssigen Bedenken aufhalten! Lass dich von gar nichts aufhalten! Schreib was du willst!  Zeichne was du willst! Sei kreativ!

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesen Buchtipps inspirieren. Wenn ja, kann ich gern noch einen Beitrag mit Buchtipps für Fortgeschrittene schreiben, mein Buchregal gibt noch einiges her!

 

——

*Dieses Buch wurde mir vom Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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4 Gedanken zu “Kreativer geht’s immer – 4 inspirierende Bücher

  1. Zum Glück hast du auch noch die strammen Schreibideen eingefügt, obwohl sie ohne stramme Bilder auskommen. Ich finde zwar die strammen Bäume auch ganz interessant, aber direkt auf den strammen Wunschzettel habe ich das stramme letzte Buch gesetzt.

    Stramme Grüße
    Nele

  2. Das mit dem Strammen Schreiben ist vielleicht die Idee um mein Schreibblockade endlich wegzuräumen – mal schauen ob ich da noch irgendwo Budget für habe….

  3. Pingback: Ich habe ein Buch geschrieben. Echt jetzt. | Havariemarie

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