Beziehungskrise

Das Stricken und ich, wir haben eine etwas durchwachsene Beziehung. Manchmal ist alles rosarot und wunderbar, wir sehen uns jeden Abend, ich bringe kleine Geschenke mit wie Maschenmarker oder Strickmuster, wir sitzen zusammen auf der Terrasse oder vor dem Fernseher und alles ist schön. Ich sage Dinge wie: oh Stricken, ich liebe dich so sehr! Und das Stricken sagt: ich dich auch und hier ist ein kuscheliger Pullover für dich.

Und dann gibt es die Zeiten, da ist alles rosarot und … zum Kotzen.

Ich habe keine Ahnung wie so viel bei einem einzelnen Pullover schieflaufen kann, um dann am Ende trotzdem noch so unschuldig auszusehen. Dass ich 80 % des Teils neu stricken musste, weil ich mich nicht an die Anleitung gehalten habe, habe ich ja schon mal berichtet. Nachdem ich dann die richige Maschenanzahl hatte, stimmte der Umfang auch. Auf der Dolly sah alles wunderbar aus.

Aber dann habe ich den Pullover selbst angezogen und einen verhängnisvollen Konstruktionsfehler entdeckt: Die Armausschnitte sind viel zu groß!

 Die Achsel des Pullovers hängt mehr als eine Handbreit unter meiner eigenen Achsel. Erkennt man das auf dem Bild? Hier mal mit Markierung, wo der menschliche Körper verläuft (meiner zumindest):

 Da dieses dicke Baumwollgarn etwa so dehnfähig ist wie ein Holzbrett (was an der viel zu niedrigen Nadelstärke liegen könnte, die ich verwendet habe), kann ich mich in dem Pullover praktisch nicht bewegen, ohne sofort bis zum Brustbein entblößt zu werden. Worauf ich generell lieber verzichte.

Die Schuld, so fürchte ich, liegt gleichermaßen bei mir, die ich das Teil netto zweimal gestrickt habe, ohne das Problem zu bemerken, und beim Designer, der vermutlich lieber ungenannt bliebe, aber es nicht bleibt: Garnstudio Drops! Die Raglanzunahmen werden nämlich nicht wie bei jedem anderen Raglanpullover, der mir bisher begegenet ist, jede zweite Reihe vorgeschrieben, sondern nach der Hälfte der Strecke nur noch jede vierte Reihe und zum Schluss jede sechste Reihe. Da muss der Armausschnitt ja riesig werden. Hätte ich mir wohl auch vorher denken können.

Nach so viel Arbeit so ein untragbares Teil hervorzubringen hat die Beziehung zwischen mir und dem Stricken etwas aus dem Gleichgewicht gebracht. Heute nicht, ich bin müde, hieß es in der letzten Zeit öfter von mit. Oder nach einem kleinen Unfall mit dem Brotmesser beim Osterfrühstück: Heute nicht, ich blute!

Meine Stricknadeln dürfen nur nicht herausfinden, dass ich mich heimlich mit wem anders treffe. Ihr verratet doch nichts?

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6 Gedanken zu “Beziehungskrise

  1. Oh, ein bisschen Abwechslung, was die abendliche Gesellschaft betrifft, kann nie schaden. Und sei es, um die alte Liebe neu schätzen zu lernen. :-) Wobei – das wird in diesem Fall nichts, dafür ist das Ergebnis auf dem letzten Bild eindeutig zu schön.
    Wie arbeitet es sich denn mit der Symfonie?

    Einen schönen Sonntag!

    • Danke schön ^_^
      Die Holznadeln sind mir eigentlich zu leicht zum Häkeln, aber bei dem dünnen Lacegarn ist sie genau richtig. Und fürs Auge natürlich ein echter Leckerbissen.

  2. Danke für die Antwort. Und stimmt, die Nadeln sind echt hübsch, deshalb warten auch schon mehrere auf mich. :-) Ich muss nur mal wieder etwas finden, das ich auch häkeln möchte, damit sie zum Einsatz kommen. Bin gespannt, ob mir das mit dem Gewicht auch auffällt.

  3. Ach ja so ne Pulliprobleme kenne ich aus – es gibt projekte die hab ich sozusagen 3mal gestrickt. Inzwischen bin ich ganz stolz auf mich das ich ohne große Gefühlsausbrüche auftrennen kann :-D was ist denn das schöne grüne da..das gefällt mir fabulös..

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