Des Wahnsinns fette Beute

Ich habe von Zeit zu Zeit einen ganz bestimmten Traum, genauer gesagt eine Sorte Traum mit wechselnden Inhalten und immer gleichem Ablauf, der vielleicht schon eine Form des Schlafwandelns darstellt. Ich träume, dass ich in meinem Bett liege und irgendetwas bei mir habe – manchmal ein Kätzchen, manchmal eine Nadel, einen Bleistift oder eine Murmel, manchmal eine Schlange oder Spinne. Im Traum ist das aus irgendeinem Grund sinnvoll. Jedes Mal sehe ich das Tier oder den Gegenstand ganz deutlich auf oder neben meinem Kissen liegen. Dann schaue ich für einen Augenblick nicht hin und im nächsten Moment ist es verschwunden. Ich suche wie verrückt danach, denn ich will mich nicht versehentlich auf ein Kätzchen (eine Nadel, eine fette Spinne) legen, kann aber nirgends etwas finden. Der Traum endet jedes Mal damit, dass mein Mann sagt, ich solle endlich aufhören, im Bett herumzuwühlen und weiterschlafen, woraufhin ich meistens etwas entgegne wie „Aber du verstehst nicht, ich habe die Nadel verloren!“ oder „ich habe Angst, die Kätzchen zu zerquetschen!“  Dann merke ich, was für einen Quatsch ich eigentlich rede, lege mich hin und schlafe wieder ein. (Außer das eine Mal, als ich rief: „da ist eine Schlange im Bett!“ und mein Mann mit einem schrillen „Ohmeingottwas?!“ einen Dreimetersatz aus dem Bett machte, das Licht einschaltete, die Decke vom Bett riss und uns beiden gleichzeitig mit einem Mal aufging, was für einen Quatsch ich geredet hatte. Das war lustig.)

Ich erzähle das alles um zu verdeutlichen, wie mich heute dieser kleine Maschenmarker beinahe um meine geistige Gesundheit gebracht hat:



Ein ganz simpler kleiner Maschenmarker aus pinkem Plastik. Er wandert friedlich auf der Stricknadel mit bis die Masche vor ihm abgestrickt ist, wird dann auf die rechte Nadel gehoben und setzt dort seine Wanderung fort. Er sagt mir, wann ich eine Runde vollendet habe und wann ich Maschen zunehmen muss. Er ist mein bester Freund. Außer in diesem einen kurzen Moment, wenn er von der linken auf die rechte Nadel übergeht. Wie eine Masche fällt der Marker nämlich schon mal ganz gern unterwegs runter. 

So auch heute. Ich stricke fleißig vor mich hin, komme zum Maschenmarker, will ihn auf die rechte Nadel heben, blinzle für den Bruchteil einer Sekunde – und er ist weg. Wo ist er hin? Sicher runtergefallen. Ins Strickstück? Nein. Auf meinen Schoß? Nein. Ins Sofapolster? Nein. In meine Hausschuhe, unter das Sofa, irgendwo auf den Boden? Nein, nein, nein. Ist er auf den Boden gefallen, weitergerollt und jetzt irgendwo im Umkreis von fünf bis sieben Metern? Ist er unter den Teppich gewandert? Ist er auf dem Boden wie ein Flummi aufgetitscht, hochgeflogen und mir ins Haar gelangt? Nein! Nein! Nein! Drehe ich gerade völlig durch? Vielleicht. 

Grundlegende Zweifel kommen auf. Ist das ein Traum? Hat es diesen Maschenmarker überhaupt jemals gegeben? Weckt mich gleich mein Mann und sagt mir, ich solle aufhören rumzuwühlen? Habe ich überhaupt einen Mann? Ist mein ganzes Leben nur ein Traum? Gibt es mich überhaupt…?

Ach leck mich am Arsch, ich nehme einen neuen Maschenmarker. 


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Ein Gedanke zu “Des Wahnsinns fette Beute

  1. *lol*! Wieder herzlich gelacht inkl. Ehemann!
    Stricke auch grad RVO mit Markern und das hätte von mir sein können!
    LG, frances2014

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