Boom, Karma!

Ich habe eine Tätowierung. Eigentlich habe ich mehrere, aber diese eine, die auch meine erste Tätowierung war, sticht den Leuten immer als erstes ins Auge, vermutlich weil sie aus unbekannten Schriftzeichen besteht und, wie ich mir einrede, jeden beeindruckt. Auf die Bedeutung angesprochen lautet meine Antwort immer, dass es sich keineswegs um Arabisch, Hebräisch oder Elbisch handelt, sondern um ein buddhistisches Mantra in tibetischer Schrift.

„Ah, Buddhismus“, heißt es dann oft, „das mit dem Karma, richtig?“ Richtig. Aber was ist Karma? Hier kriege ich dann oft die buntesten Assoziationen und Definitionen zu hören. Von „Karmaaaaaäähhhchamäleon?“ über „das ist, wenn man als Stein wiedergeboren wird“ (okaaaay …?) bis hin zum google’schen Deutungsvorschlag „Karma ist wie 69, du kriegst was du gibst“, auf den ich gar nicht erst eingehen möchte. Die meisten haben soetwas wie ein kosmisches Finanzamt vor Augen, das ganz genau kontrolliert was man tut, und einem irgendwann eine feine Steuerrückzahlung hinlatzt, wenn man alles richtig gemacht hat (oder einen ins Gefängnis bringt, wenn man bei der Steuererklärung beschissen hat, je nach dem). Ein bisschen wie der Nikolaus mit seinem goldenen Buch: Geschenke oder Rute!

Tatsächlich ist Karma ganz simpel. Übersetzt heißt das Wort so viel wie „Handlung“ und meint, dass alles, was wir tun, Folgen hat und damit wieder auf uns Einfluss nimmt. Dafür braucht es gar kein kosmisches Finanzamt, Nikolaus oder Gott, das funktioniert ganz von allein. Die lange Kette von Ursache und Wirkung nimmt nur manchmal so gewundene Wege, dass wir sie aus den Augen verlieren. Und wenn das Ende der Ursache-Wirkungskette bei uns ankommt und uns in den Hintern tritt, erkennen wir nicht mehr, dass am Anfang unsere eigene Handlung stand, und fragen uns, warum so ein verdammter Mist immer ausgerechnet uns passiert.

Ich habe da zufällig ein Beispiel aus der Strickwelt zur Hand.

Angenommen, ich stricke einen Pullover. Angenommen, es ist ein Raglanpullover, der von oben nach unten gestrickt wird, und ich habe gerade die Ärmelmaschen stillgelegt. Angenommen, ich bin nun plötzlich der Meinung, die Anleitung, die ich bisher minutiös befolgt habe, sei ausgemachter Mumpitz und es sei viel klüger, nicht 8 Maschen unter jedem Arm anzuschlagen, sondern vielmehr gar keine. Angenommen, ich stricke dementsprechend weiter.

Angenommen, der Pullover ist schon beinahe fertig als ich ihn zum ersten Mal anprobiere. Und angenommen, ich stelle dann fest, dass er zu eng ist und etwa 16 Maschen mehr im Umfang fehlen, damit er richtig sitzt …

… dann ist das keine Strafe Gottes und kein kosmischer Steuerbescheid, sondern schlicht und einfach die Folge meiner eigenen Dummheit.

Oder wie Stephen West vielleicht sagen würde: BOOM, Karma!

Knit Picks Nadelspitzen Caspian Wood (sabber)

Ihr kennt sicher alle die auswechselbaren Nadelspitzen von Knit Pro. Es gibt sie aus Bambus, aus Metall, aus Rosenholz, aus Karbonfaser und natürlich aus Birkenholz, das schichtweise in Dunkelgrün-/Orange-/Brauntönen gefärbt ist. Und diese Nadelspitzen gibt es auch von der Marke Knit Picks in wunderschönen Blaugrüntönen, in die ich mich sofort verliebt habe, als ich sie zum ersten mal gesehen habe. Diese Farben! Und die dazu passenden Nadelseile! Das nächste, woran ich mich erinnere, ist die Bestellbestätigung von Amazon. Wie konnte das passieren? Aber ich bereue nichts.  

Sind die nicht schön? Sind die nicht wunderwunderschön? Und nein, ich habe nicht schon genug Stricknadeln, danke der Nachfrage.

Ich lasse einfach mal die Bilder für sich sprechen.

*seufz*

*hach*

*schmacht*

Des Wahnsinns fette Beute

Ich habe von Zeit zu Zeit einen ganz bestimmten Traum, genauer gesagt eine Sorte Traum mit wechselnden Inhalten und immer gleichem Ablauf, der vielleicht schon eine Form des Schlafwandelns darstellt. Ich träume, dass ich in meinem Bett liege und irgendetwas bei mir habe – manchmal ein Kätzchen, manchmal eine Nadel, einen Bleistift oder eine Murmel, manchmal eine Schlange oder Spinne. Im Traum ist das aus irgendeinem Grund sinnvoll. Jedes Mal sehe ich das Tier oder den Gegenstand ganz deutlich auf oder neben meinem Kissen liegen. Dann schaue ich für einen Augenblick nicht hin und im nächsten Moment ist es verschwunden. Ich suche wie verrückt danach, denn ich will mich nicht versehentlich auf ein Kätzchen (eine Nadel, eine fette Spinne) legen, kann aber nirgends etwas finden. Der Traum endet jedes Mal damit, dass mein Mann sagt, ich solle endlich aufhören, im Bett herumzuwühlen und weiterschlafen, woraufhin ich meistens etwas entgegne wie „Aber du verstehst nicht, ich habe die Nadel verloren!“ oder „ich habe Angst, die Kätzchen zu zerquetschen!“  Dann merke ich, was für einen Quatsch ich eigentlich rede, lege mich hin und schlafe wieder ein. (Außer das eine Mal, als ich rief: „da ist eine Schlange im Bett!“ und mein Mann mit einem schrillen „Ohmeingottwas?!“ einen Dreimetersatz aus dem Bett machte, das Licht einschaltete, die Decke vom Bett riss und uns beiden gleichzeitig mit einem Mal aufging, was für einen Quatsch ich geredet hatte. Das war lustig.)

Ich erzähle das alles um zu verdeutlichen, wie mich heute dieser kleine Maschenmarker beinahe um meine geistige Gesundheit gebracht hat:



Ein ganz simpler kleiner Maschenmarker aus pinkem Plastik. Er wandert friedlich auf der Stricknadel mit bis die Masche vor ihm abgestrickt ist, wird dann auf die rechte Nadel gehoben und setzt dort seine Wanderung fort. Er sagt mir, wann ich eine Runde vollendet habe und wann ich Maschen zunehmen muss. Er ist mein bester Freund. Außer in diesem einen kurzen Moment, wenn er von der linken auf die rechte Nadel übergeht. Wie eine Masche fällt der Marker nämlich schon mal ganz gern unterwegs runter. 

So auch heute. Ich stricke fleißig vor mich hin, komme zum Maschenmarker, will ihn auf die rechte Nadel heben, blinzle für den Bruchteil einer Sekunde – und er ist weg. Wo ist er hin? Sicher runtergefallen. Ins Strickstück? Nein. Auf meinen Schoß? Nein. Ins Sofapolster? Nein. In meine Hausschuhe, unter das Sofa, irgendwo auf den Boden? Nein, nein, nein. Ist er auf den Boden gefallen, weitergerollt und jetzt irgendwo im Umkreis von fünf bis sieben Metern? Ist er unter den Teppich gewandert? Ist er auf dem Boden wie ein Flummi aufgetitscht, hochgeflogen und mir ins Haar gelangt? Nein! Nein! Nein! Drehe ich gerade völlig durch? Vielleicht. 

Grundlegende Zweifel kommen auf. Ist das ein Traum? Hat es diesen Maschenmarker überhaupt jemals gegeben? Weckt mich gleich mein Mann und sagt mir, ich solle aufhören rumzuwühlen? Habe ich überhaupt einen Mann? Ist mein ganzes Leben nur ein Traum? Gibt es mich überhaupt…?

Ach leck mich am Arsch, ich nehme einen neuen Maschenmarker. 


Marmor, Stein und Eisen bricht … und die Katze auch. 

Ich habe wieder eine ganze Weile nichts von mir hören lassen. Grund dafür ist, dass meine Küche gerade so aussieht…

… mein Versuch, eine Garnschale zu töpfern so…

… und meine Katze so …

… was eigentlich ganz süß ist, aber ganz schnell blöde wird, wenn so ein 2250-Gramm-Tierchen plötzlich nichts mehr bei sich behalten will und sich der tierärztlichen Untersuchung nur mit der Gefügigkeit eines überkoffeinierten Braunbärs mit Zahnschmerzen unterzieht.

Dafür habe ich zwischen Handwerkerbesuchen, Schalenzerstampfen und Katzenzähmen etwas stricken können. Fertig geworden ist der Vitamin D Cardigan aus der Alta Moda Super Baby Fine. Und wider alle Befürchtungen sehe ich darin nicht aus wie ein riesiges Plüschtier. Tatsächlich ist er ganz gut geworden!

Dann habe ich den Häkelpullover aus der neuen Sommerkollektion von Garnstudio Drops gehäkelt, die Teile aber noch nicht zusammengenäht, weil mich plötzlich Zweifel überkamen, ob das Teil nicht aussieht wie ein riesiger Topflappen. Vielleicht am Wochenende.

Also habe ich den Baumwollpullover aus der gleichen Kollektion angefangen und bin so weit ganz zufrieden damit. Das ist mal ein Projekt, das wirklich wenig Zeit und Geld erfordert! Das Stück, das ihr jetzt hier seht, habe ich an zwei Abenden gestrickt. Und das Garn Drops Loves You #5 kostet gerade nur 1€ pro Knäul (zum Beispiel bei Lanade.de). Statt des etwas sehr verspielten Bändchens im Rücken werde ich einen Knopf anbringen, für den ich einfach eine kleine Lasche mit 5 Maschen extra pro Seite angeschlagen und nach 8 Reihen wieder abgekettet habe.