Das Elend mit dem Fädenvernähen

Jedes Mal das gleiche Spiel: Die letzte Masche eines Projektes ist gestrickt und abgekettet, die Nabelschnur zum Wollknäul ist durchtrennt, ich hebe das Strickstück in bester König-der-Löwen-Manier dem imaginären jubelnden Volk entgegen und will gerade FERTIG! brüllen, das fällt mein Blick auf das hier:

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Eintausend Fadenenden, die noch nicht vernäht sind. Yuck!

Fadenenden hängen überall da heraus, wo man ein neues Knäul anfangen musste. Zum Beispiel, weil das erste Knäul aufgebraucht ist oder weil eine neue Farbe beginnt. Bei diesem Pullover sind 10 Knäul Wolle verbraucht worden, das macht 20 Fadenenden, plus neu angesetzte Knäul an jedem Ärmel, plus Madame Schlaufuchs braucht die Reste auf und erzeugt deshalb auf 20 cm Strickstück 20 Mal neu Fadenansetzen. Ah, mais bien!

Wenn nun Nichtstricker unter euch denken, diese Fäden könne man doch nun einfach alle abschneiden, möchte ich antworten: mitnichten. Unvernäht sehen Fadenwechsel nämlich gerne so aus:

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Und wenn man die Fäden auf der Rückseite einfach abschneidet, zieht sich die Masche ganz schnell auf. Und wie das dann weitergeht, kennen wir alle von den Damenstrupfhosen: Eine Laufmasche springt der gesamten Länge nach auf, Tränenpalast, globale Erderwärmung und so weiter. Also nimmt man sich eine dicke Stopfnadel und vernäht jeden einzelnen Faden auf der Rückseite des Strickstücks.

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Von vorne sieht das Teil dann auch schon gleich viel besser aus.

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Und DANN kann man die losen Fadenenden abschneiden.

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FERTIIIIGGG!

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Strickmuster: Ravello von Isabell Kraemer
Garn: Drops Cotton Merino in Natur, Beige und Sturmblau
Nadeln: 3,0 für den Hauptteil, 2,5 für die Bündchen

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7 Gedanken zu “Das Elend mit dem Fädenvernähen

  1. Glückwunsch zum fertigen Stück, sehr schön sieht er aus. Hoffentlich wird es da auch noch Tragefotos geben?
    Bei Streifen führe ich den Faden der zweiten, gerade nicht gebrauchten Farbe immer mit, sodass ich nicht abschneiden muss. Könntest du ja auch mal versuchen :)

    • Danke! Tragefotos gibt es wenn der Pullover nach seinem Bad getrocknet ist und noch immer Pulloverform hat. Und ja, den Faden habe ich schon immer mitgeführt. Sonst wäre das Ding kein Pulli geworden, sondern ein Monster-Pompom! 8-/

  2. Wow!!! Du bist aber schnell, die Wolle kam doch gerade erst!
    Sehr schön geworden, Dein Pulli und was das Fäden vernähen angeht hoffe ich immer noch auf eine Masochistin, die das vielleicht im Forum mal freiwillig und kostenlos anbietet – für uns alle! ;)

  3. Ich fange gerade mit dem Ravello an und vielleicht bist du so lieb und beantwortest mir meine Anfänger-Fragen dazu, denn ich verstehe ihre Anleitung nicht richtig:
    Ich verstehe das mit den li und re geneigten Zunahmen nicht so richtig.
    Werden nur immer die li geneigten Zunahmen verschränkt gestrickt und die rechts geneigten nicht? Und wenn die rechts geneigten nicht verschränkt gestrickt werden, stricke ich dir rechts geneigten dann so ein, dass ich wie immer in den vorderen Schenkel einsteche oder steche ich bei diesen Zunahmen in hinteren Schenkel ein???
    Irgendwie sieht das bei mir komisch aus und wenn ich mir ihre Erklärungen durchlese, klingt es so, als ob sie nur die li geneigten Zunahmen verschränkt und die re geneigten nicht???

    Bist du so lieb und hilfst mir?? ;-)

    LG Eva

    • Hi Eva,
      puh, die Erklärung in der Anleitung ist aber auch die umständlichste für dieses Manöver, die ich je gesehen habe. Aber keine Sorge, wenn du einmal gesehen hast was gemeint ist, wird alles für dich Sinn ergeben. Dieses Video zeigt’s am besten, finde ich: http://www.garnstudio.com/lang/de/video.php?id=9

      Da wird zuerst eine linksgerichtete Zunahme gemacht, dann eine rechtsgerichtete. In beiden Fällen macht man eigentlich genau das Gleiche, nämlich den Querfaden zwischen der gerade gestrickte und der nächsten Masche wie eine eigene Masche auf die linke Nadel heben und verschränkt abstricken (und ja, beide Zunahmen werden verschränkt gestrickt, also durch das schwerer zu erreichende Maschenglied, sonst gibts ein Loch). Die unterschiedlichen Zunahmen kommen nur dadurch zustande, ob du den Mittelfaden von vorn oder von hinten aufnimmst. Aber ich kann dir sagen, dass ich das auch schon oft genug verwechselt habe und den Unterschied nicht wirklich auffällig fand. ;-)

      Und das ist auch schon die ganze Magie. War das hilfreich?

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