Nun hat die Schere endlich zugeschlagen …

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… und die letzten überstehenden Fäden des Norwegerpullovers abgetrennt.

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Trotz aller Versuchung habe ich den Pullover also nicht in Stücke geschnitten, sondern tapfer weitergekämpft und ihn fertiggestellt. Wie er mir gefällt kann ich noch nicht sagen, dafür brauche ich erstmal ein paar Tage Abstand. Aber ich weiß schon jetzt, dass ich eine Menge an diesem Projekt gelernt habe. Zum Beispiel:
– ich kann nicht zählen
– mehrfarbiges Stricken ist verdammt anstrengend
– mit der Fadenspannung ist nicht zu spaßen
– Norwegerpullover sehen super aus!

Letzteres zeigt euch Dolly noch mal:

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Muster: Norwegerpullover „Elena“ (143-15) von Drops Design
Garn: Lana Grossa McWool Merino Mix 100, ca. 500 g Petrol, 100 g türkis und 50 g Wollweiß
Nadelstärke 4,0
Hilfsmittel: Dornfelder lieblich, ca. 500 ml

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Ich habe eine Schere und ich werde nicht zögern sie einzusetzen!

Okay, bevor ich mir den Unmut der Briefmarken-Community zuziehe gestehe ich frei heraus: Die Briefmarken aus dem letzten Posting waren nicht echt. Schockierend, ich weiß. Aber ich war in einer schlimmen Verfassung gestern. Schuld war natürlich dieses Biest hier:

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Ich habe den Pullover so weit fertiggestellt, dass ich nur noch den Kragenteil mit dem großen Mustersatz zwischen Achseln und Hals zu stricken habe. Also den schwierigsten Teil von allem. Gestern abend habe ich mich dann tapfer an die Arbeit gemacht. Vor mir lag ein Muster mit einem Rapport über 22 Maschen, also eine feste Reihenfolge von dunkler Faden, heller Faden, dunkel, hell, dunkel, dunkel, hell, etc. etc. , die sich alle 22 Maschen wiederholt und am Ende der Runde 11 Mal gestrickt worden sein sollte. Also 242 Maschen mit zwei Fäden und höchster Konzentration stricken. So weit so gut.

Ich erreichte das Ende der Runde. Der Mustersatz ging nicht auf. War mir ein Fehler bei der Farbreihenfolge unterlaufen? Tatsächlich, vor 50 Maschen. Also 50 Maschen zurück und nochmal richtig weiter.

Ich erreichte das Ende der Runde. Der Mustersatz ging nicht auf. War mir noch ein Fehler unterlaufen? Nein. Hatte ich die richtige Anzahl Maschen auf der Nadel? Nein. Aha! Aus irgendeinem Grund waren es 249 statt 242 Maschen. Also 200 Maschen zurück und bei gleichmäßiger Abnahme von 7 Maschen nochmal richtig weiter.

Ich erreichte das Ende der Runde. DER MUSTERSATZ GING NICHT AUF. War mir ein Fehler im Muster unterlaufen? NEIN! Hatte ich die richtige Anzahl Maschen auf der Nadel? NEIN!! WARUM ZUM TEUFEL NICHT? Wieviele Maschen hatte ich auf der Nadel? 230! WIE IST DAS MÖGLICH?! Ich war rat- und fassungslos. Ich stricke nunmehr schon so lange und so viel, dass ich auf gewisse Dinge einfach vertraue. Dass mir keine Maschen spurlos verloren gehen zum Beispiel. Ich lasse keine Maschen fallen. Und auch zählen kann ich eigentlich ganz gut. Aber jetzt musste ich an meinem Verstand und dem Gefüge der Wirklichkeit zweifeln. Befand ich mich plötzlich in einem lovecraft’schen Universum, wo sich Parallelen im Unendlichen nicht treffen und 249 minus 7 gleich 230 ist? Konnte ich mir der Realität noch sicher sein? Konnte ich mir meiner Existenz sicher sein? War dieser Pullover ein Symbol für den Sinn des Lebens oder nur eine Metapher meines verirrten Geistes? Als ich emotional auf Händen, Knien und Augenbrauen zu meinem Mann gekrochen kam um metaphysischen Beistand bei ihm zu finden, kam von ihm ein stoisches: „Na dann strickste das Ding halt noch mal neu, ne?“

Kennt ihr diese Veranstaltungen in Spanien, wo sie wütende Stiere durch die Straßen rennen lassen, die dann versuchen, die davonrennenden Menschen auf die Hörner zu nehmen? So ungefähr ging es hier gestern abend zu. Ich erspare euch mal die Einzelheiten. Nur zur Beruhigung: Ich habe den Pullover nicht in kleine Stückchen geschnitten. Ich denke noch darüber nach.

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Erst werde ich nochmal ganz sorgfältig alle Maschen zählen und Musterfolgen überprüfen. Dann wird sich zeigen, ob ich den Fehler korrigieren kann oder alles wieder aufribbeln muss. Ich habe so eine Ahnung, dass beides gleich aufwühlend sein wird. Zum Glück gibt es auch hierfür praktische kleine Hilfsmittel …

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Liebe Briefmarkenfreunde,

wie ihr wisst, schlägt mein Herz ganz allein für die hohe Kunst der Briefmarkerei und nichts anderes auf der Welt. Andere mögen sich für Automobile, Schuhe oder gar Wolle (!) erwärmen können – wir aber wissen den Wert dieser kleinen, wohlfeilen Papiermärkchen zu schätzen. Keine Probleme, keine Verwicklungen, ja keine Enttäuschungen vermögen sie zu erregen, denn Briefmarken sind rein und unschuldig. Ich weiß mit Gewissheit, dass viele Menschen uns um unser Hobby beneiden, jawohl.

Es ist mir eine besondere Freude, liebe Briefmarkenliebhaber, euch die beiden neuesten Errungenschaften in meinem Album präsentieren zu dürfen. Diese Briefmarken haben gleichsam persönliche Bedeutung für mich und werden mich auf immer an ein einschneidendes, zutiefst aufwühlendes Erlebnis erinnern. Deshalb nun ohne weitere Worte:

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PS: Noch Eine Frage in eigener Sache an die geehrten Herrschaften. Hat jemand Interesse an etwa 600 gramm kleinen Wollschnipseln?

Gut gefuscht ist halb gewonnen …

… lautet eine der vielen Redensarten, mit denen ich aufgewachsen bin. Und während mich andere heimatliche Sprüche wie „Kind, überlass das Denken den Pferden, die haben den größeren Kopf“ im Leben nicht so richtig weiterbringen konnten, bewährt sich der oben genannte Satz doch immer wieder.

So zum Beispiel auch beim Stricken. Da zeigt man voller Stolz die ersten gelungenen Reihen Norwegermuster her, da kommt vom Strickkritiker meines Vertrauens wie aus der Pistole geschossen: „Schön! Strickst du mir sowas als Hülle für mein neues Handy?“ – „Pfffchhrrrjaaaber gerne doch …“ Vorsichtiges Abklopfen ergibt dann: Der Herr wünscht sich eigentlich gar kein Norwegermuster, sondern ein eingestricktes Logo. Was technisch nochmal eine Nummer härter ist als ein gleichmäßig auf ganze Runden verteiltes Muster, zumindest für mich. Aber was tut man nicht alles für die Liebe!

Zum Glück habe ich mir in der Vergangenheit bei ähnlichen Aufträgen die Technik des Einstickens angeeignet. Dabei wird das Motiv einfach nachträglich dem Maschenbild folgend mit der Stopfnadel aufgestickt. Der Unterschied zur echten Intarsienstrickerei ist für das unbedarfte Auge nicht zu erkennen, die bestickte Fläche ist am Ende nur etwas dicker als der Rest, da dort das Garn auf jeder Masche doppelt liegt. Tut ja aber auch nicht weh.

Ich habe also fix mit Sockenwolle eine simple Handysocke runtergestrickt …

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… Reihe für Reihe das gewünschte Motiv eingestickt …

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… und dann das fertige Stück an leuchtende Männeraugen übergeben. Entschuldigt bitte die schlechte Bildqualität, aber wie man mir sagte, könne das neue Handy auf gar keinen Fall bis zum nächsten Tag auf sein Söckchen warten.

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Wer es nachmachen will, hier die Eckdaten passend für das neue iPhone 6:
– 40 Maschen Sockenwolle (hier Lana Grossa Meilenweit in Petrol) auf 2,5er-Nadeln, 10 Runden 2 links, 2 rechts, dann ca. 13 cm glatt rechts.
Für abgerundete Ecken die letzten 4 Runden folgendermaßen: [1re, 1 abheben, 1 re, abehobene M über letzte re ziehen, 14 re, 2 re zus, 1 re] x2, dann eine Runde glatt rechts, dann diese beiden Runden nochmal wiederholen.
Entweder alles abketten und Handysocke unten zunähen oder die gegenüberliegenden Seiten direkt beim Abketten zusammenstricken (sog. 3 Needle Bind Off).

Das Apfelmotiv zum Einstricken oder -sticken gibt es hier bei Ravelry für lau.

Yay Norway!

Entwarnung: Der Norweger und ich haben uns wieder versöhnt. Nach einigen Startschwierigkeiten (er hat versucht, meine Finger mit zwei Garnen gleichzeitig zu verknoten, ich habe ihn mit bösen Schimpfworten bedacht und wiederholt mit der Schere gedroht) sind wir jetzt allerbeste Freunde. Und das haben wir diesem kleinen Ding hier zu verdanken:

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Sieht aus wie etwas, das an ein Fahrrad oder einen Schallschraubenzieher gehört, hilft aber tatsächlich dabei, die Fäden beim mehrfarbigen Stricken zu bändigen. In Aktion sieht das dann so aus:

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Ich war diesem Strick-Fingerhut gegenüber EXTREM skeptisch eingestellt und habe ihn eigentlich nur bestellt, um mich davon abzuhalten, mit einem scharfen Gegenstand auf den Norwegerpullover loszugehen. Nach all den Problemen mit den beiden Fäden, die simultan gehalten werden müssen, sich aber bei mir ständig verheddern, zu locker laufen oder direkt vom Finger fallen, habe ich nicht mehr an eine friedliche Lösung geglaubt. Aber siehe da: Mit dem Fingerhut läuft alles wunderbar. Perfekt würde ich das Ergebnis noch nicht nennen, aber auf alle Fälle besser als die vorherigen Versuche.

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No Way!

Kinder, ich sach et euch: Lasst die Finger von der Wolle! Das nimmt nie ein gutes Ende.

Seht nur mich an! Wollte nur mal als junges Ding so ne Wolle ausprobieren, wollte nur zu den coolen Kindern dazugehören, nur mal so ein oder zwei Luftmaschen auf ner Party häkeln, aber dann: ZACK! Hing ich an der Nadel. Ja Kinders, und dann ging es nur noch abwärts. Linke Maschen, rechte Maschen, Merino, Baumwolle, egal, ich hab alles genommen. Bei den Großeltern aufm Klo heimlich Zopfmuster weggestrickt, die Oma am heulen, der Opa schon mit der Polizei am telefonieren, ich noch schnell den halbfertigen Pulli die Toilette runtergespült und dann ab durchs Fenster getürmt, die kriegen mich nicht! Dann die ganzen Nächte unter der Brücke, überall zerbrochene Stricknadeln und Wollfluseln, tagsüber schnorren vor dem Wollgeschäft: „Ey, haste ma‘ Alpaka?“
Jau, Kinders, und irgendwann ist auch Zopfmuster nicht mehr genug, dann muss halt noch was Härteres her, dann biste halt auf zweifarbigem Norweger, auf der Straße auch Höllenstrick genannt. Das Zeug knallt euch geradewegs den Verstand aus der Birne. Erst neulich habe ich von einer gehört, die hats glatt weggehauen. War mitten im Norweger-Flash, da schmeisstse alles hin und brüllt nur noch so rum von wegen „Waruuuum??!“ und „Ich hasse Strickeeeeen!!“ und „Aaaarghhh“. Voll Psycho.

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Nee nee, Kinders. Dat is kein Spass mit der Wolle, ich sach et euch!

Norway oder No Way?

Nachdem der Ravello-Pullover so gut gelungen ist, habe ich mir für mein nächstes Strickprojekt etwas Schwierigeres ausgesucht: Ein Norwegerpullover.

Mehrfarbiges Stricken finde ich unglaublich eindrucksvoll, aber auch unglaublich schwer. Zwei Fäden gleichzeitig verarbeiten und das auch noch in der richtigen Reihenfolge und ohne die Fadenspannung zu verpatzen – das ist echt nicht leicht. Bisher habe ich mich bei entsprechenden Strickaufträgen damit herausgemogelt, dass ich das Motiv nachträglich aufgestickt statt eingestrickt habe. Aber das kann ja auch nicht ewig so weitergehen.

Schon vor einiger Zeit habe ich ein paar Stulpen mit zweifarbigen Mustern gestrickt. Sozusagen als Gesellenstück.

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Das Stricken ging mehr oder weniger gut und da die Stulpen auch nach mehrfachem Tragen nicht auseinandergefallen, geschmolzen oder explodiert sind, habe ich jetzt ernst gemacht und entsprechend Wolle in Pullovermenge geordert. Die Farbkombi hat was, finde ich.

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Und das Muster gibt es auch schon:

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Ich bin so aufgeregt. Wünscht mir Glück!