Achterbahn des Alltags

Kennt ihr das? Wenn irgendwo was gut läuft, läuft etwas anderes an einer anderen Stelle schlecht. Oder man bekommt etwas geschenkt und am nächsten Tag geht etwas anderes kaputt. Oder (mein Favorit): man macht etwas sehr kluges und gleich darauf etwas sehr dummes. Manchmal kommt es mir vor, als verlaufe mein kompletter Alltag so.

Beispiele gefällig? Aber klar doch.

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Pullover: wächst und gedeiht.

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Pflänzchen: nicht.

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Apfel zum Frühstück: rund und gesund.

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Frikadellen zum Mittag: rund und … naja.

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Getiegerter Mitbewohner: herzig.

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Anderer getiegerter Mitbewohner: NICHT!

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Phantomas im Wollgeschäft

Wenn ihr das hier lest, habe ich es geschafft: Ich habe die Wachposten betäubt, die Schäferhunde mit Plätzchen gefügsam gemacht, die Alarmanlage gehackt, habe mich von der Decke abgeseilt, bin durch die Laserschranken geturnt, habe anhand von Fingerabdrücken den Zugangscode rekonstruiert und befinde mich jetzt in der nationalen Strickschatzkammer, wo Deutschlands Wollreserven verwahrt werden.

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Ich beginne jetzt damit, jedes einzelne Knäul zu herzen. Wenn ich vor Vollendung meiner Mission geschnappt werde lasst die Welt wissen: Ich bereue nichts!

Strickst du mir eine Headline?

Ich treibe mich ja echt viel im Internet herum, speziell auf Seiten wie Ravelry oder Strickcommunities auf Facebook. Ein unschlagbarer Vorteil der sozialen Netzwerke ist nämlich, dass man sich wunderbar mit anderen Strickerinnen austauschen kann, ihre Projekte sieht und sich Tipps holen kann.

Nur manchmal mag ich es noch altmodisch und kaufe mir eine Zeitschrift. So richtig aus Papier und allem. Zum Beispiel The Knitter.

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Dieses Mal musste ich allerdings stutzen als ich die große Schlagzeile auf der Titelseite gesehen habe: Stricklust PUR! Ja herrje, was habe ich denn dann bitteschön die ganzen vorherigen Ausgaben gekriegt? Verdünnte Stricklust? Lustloses Stricken? Oder etwa Häkellust? Ich will eine Erklärung, The Knitter!

Ich will jetzt hier nicht über eine ansonsten sehr hochwertige Zeitschrift herziehen. Meine Empfindlichkeit ist vermutlich auch ein bisschen der Tatsache geschuldet, dass ich selbst mit Schreiben mein Geld verdiene. Ich hab die Zeitschrift ja auch gekauft und kann sie nur empfehlen. Und so. ABER MAL IM ERNST, LEUTE!

Das piekst…!

Wolle und ich – eine Geschichte voller Tragik, Tränen und Selbstmitleid. Lasst sie mich euch erzählen.

Als ich ein junges Strickliesl war und noch ganz neu an der Nadel (so vor 3 Jahren), sah ich staunend die vielen wunderschön gearbeiteten Halstücher auf Ravelry und dachte gleich: Das will ich auch! Ebenso staunend stellte ich fest, dass viele Strickerinnen auf Ravelry ihre Meisterwerke nicht aus teurem Lace-Garn, sondern aus Sockenwolle herstellten. Warum nicht, dachte ich, und legte los:

IMG_0593_medium2Ein Wellenbaktus aus einem Zauberball von Schoppel. Wunderschön, passte zu jedem Outfit. Ich habe ihn sogar bei meiner Hochzeit getragen (die ihr euch jetzt aber nicht als Disney-Hochzeit in Weiß verstellen müsst – andere Geschichte). Leider stellte ich nach einer Weile fest: Das Tuch kratzt. Okay, dachte ich, es ist Sockenwolle. Da muss man sich nicht wundern. Und da eh der Winter nahte, habe ich mir etwas neues gestrickt:

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Ein Hitchhiker nach der Anleitung von Martina Behm. Zweifädig aus reinem Merinogarn und einem Mohair-Seiden-Garn. Richtig gutes Zeug von Lana Grossa, unglaublich flauschig und weich. Aber es piekste. Ich versuchte das Pieksen zu ignorieren. Es piekste mehr. Ich versuchte es zu ignorieren. Es piekste noch mehr … schließlich musste ich mir das Tuch zwei Minuten nach dem Anziehen vom Hals reißen, weil es unerträglich war.

Okay, dachte ich. Mohair empfinden viele als pieksig. Lassen wir das also weg. Versuchen wir es mal nur mit Merino und Seide.

IMG_0995_medium2Ich war in einem winzig kleinen Lädchen, in dem ausschließlich Garne der Marke Atelier Zitron verkauft werden. Die Inhaberin erzählte mir, dass alle anderen Wollhersteller ihre Produkte mit Pestiziden und anderen Giften besprühen lassen, um Schädlinge auf den langen Transportwegen abzutöten, und dass sie deshalb selbst von jeder anderen Wolle Ausschlag bekäme, außer von der Wolle von Atelier Zitron. Ich fühlte mich verstanden und kaufte einen sandfarbenen Strang Filisilk, 70 % Merino, 30 % Seide, den ich zu einem wunderschönen Tuch verhäkelte.

Es piekste.

Ich probierte noch mehr aus. Merino mit Kunstseide: Piekst. Babyalpaka mit Maulbeerseide: Piekst. Alpaka-Wollmischungen: Piekst. Merino mit Cashmere: Zwingt mich nicht es zu schreiben, die Trauer sitzt noch zu tief. Reines Merinogarn: Okay, solange es gut verzwirnt ist. Alles andere piekst so sehr, dass es mir schon weh tut. Nach einiger Zeit habe ich dann knallrote Flecken am Hals, aber das kann auch daher kommen, dass ich ständig die Haut unbewusst reibe.

Natürlich habe ich auch meinen Hautarzt dazu interviewt. „Könnte eine Wollallergie sein“, meinte er und unterzog mich einer hochwissenschaftlichen Testmethode, bei der er die Kante seines Lineals über meinen Unterarm zog. Da keine weißen Linien, Wunden Jesu Christi oder sonstwas erschienen, meinte er, es sei keine Allergie, meine Haut werde mit dem Alter einfach empfindlich. Danke, Herr Doktor. FÜR NICHTS.

Meine Selbstversuche haben aber gezeigt, dass er Recht hat. Ob mir ein Garn weh tut oder nicht hängt weniger vom Material ab, denn sogar Tücher ohne ein einziges Fädchen tierische Faser können mir unangenehm werden. Die Ursache scheint in der Flüschigkeit des Garns zu liegen. Alpaka und Mohair beispielsweise sind traditionell flauschige Garne, bei denen winzige Einzelhärchen in alle Richtungen abstehen und mich in den Wahnsinn treiben. Merino dagegen ist so brav, dass es einen weichen aber glatten Faden bildet, wenn man es lieb fragt. Die Filisilk zum Beispiel ist ein Merino-Seidengarn, das aber nur so lose gedreht und nicht mehrfädig verzwirnt ist, wie ihr auf dem Bild oben seht. Daher meine messerscharfe Schlussfolgerung: Je flauscher desto au!

Ich habe mich in so weit damit abgefunden, dass ich nur noch Tücher aus Garnen stricke, die ich auch ganz sicher vertragen kann: Baumwolle, reine Seide, Acryl, gute Merinowolle. Nur ihn habe ich jetzt noch hier wie einen traurigen letzten Partygast sitzen, der nicht heimgehen will:

20140709-221357-80037342.jpgDer Alpaca-Cardigan. Hätte ich mir eigentlich auch vorher denken können, dass er mich pieksen wird. Durch alle Kleidung hindurch und vor allem am Kragen. Und das schon beim Probetragen. Aber ihn wieder aufzuribbeln bringe ich auch nicht übers Herz. Das arme Ding!

 

Nice!

Ihr werdet lachen: Nachdem ich am Ende des letzten Beitrags geschrieben habe, dass ich nach dem Stand meiner Wollbestellung gucken muss, hatte ich tatsächlich eine Versandbestätigung im Postfach. Und gestern konnte ich das Paket auch schon aus der Packstation klauben. <3

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Hach, ist das nicht liebevoll verpackt? Eine Minitüte Gummibärchen war auch mit drin. Aber die Hauptsache ist natürlich die Wolle.

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Die Drops Cotton Merino ist ganz wunderbar weich – sogar für mein Empfinden. Ich habe den Eindruck, meine Haut wird immer empfindlicher, aber darüber schreibe ich noch mal. Das Garn jedenfalls ist großartig und hat diese dezente Ton-in-Ton-Melierung.
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Gestrickt wird daraus der Pullover „Ravello“ in einer Farbkombi, die ich mir bei der Lanade-Strickgruppe auf Facebook abgeschaut habe. Eigentlich bin ich immer dafür, eigene Farbkombis zu erfinden. Aber hier konnte ich einfach nicht widerstehen. Ihr werdet schon sehen warum. ;-)

Zeit ist relativ …

… hat Albert Einstein gesagt. Aber ich habe den Verdacht, dass er seine Theorie nochmal überdacht hätte wenn er mit Wolle zu tun gehabt hätte. Da verhält sich Zeit nämlich nicht relativ zur Geschwindigkeit, mit der man sich bewegt, sondern wird vom Projekt bestimmt, an dem man arbeiter. Egal wie schnell man daran strickt oder häkelt.

Es gibt Projekte, an denen verstricke ich hunderte von Wollmetern und scheine trotzdem kein Stück voran gekommen zu sein. Mein aktuelles Tuch ist so ein Fall. Ob ich drei Minuten oder drei Stunden stricke – kein Unterschied.

Und dann gibt es wieder solche Fälle, in denen in gefühlten drei Sekunden ein Teil fertig wird. Gerade noch die Garne ausgepackt…

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… ein bisschen herumgehäkelt …

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… und plötzlich ist da ein fix und fertiges Figürchen, dessen Ähnlichkeit mit bekannten Lizenzprodukten natürlich reiner Zufall ist.

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Wobei sich der wissenschaftlich interessante Effekt einstellen könnte, dass die Zeit, die beim Häkeln dieses Tierchens auf ein gefühltes Minütchen geschrumpft ist, wieder in gefühlt langer Wartezeit der Empfängerin in Erscheinung tritt. Das ist wie die Sache mit dem Energieerhaltungsgesetz und absolut nicht auf irgendjemandes Trödelei zurückzuführen (z.B. meine). Irgendwo muss die Zeit ja hin. Wissenschaft!

Dass die Zeit länger wird wenn man auf etwas wartet, kann ich aber aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich warte schon seit gefühlten Wochen auf ein Paket mit schöner Wolle! Und jetzt entschuldigt mich bitte, ich muss nachschauen, ob ich schon eine Versandbestätigung habe. Kann man ja wohl erwarten, vierzig Minuten nach Bestellungseingang.

Abenteuer Haarefärben – Episode 2

Ich habe ja neulich schon mal berichtet, dass ich mir vorgenommen habe, alle violetten und lilafarbenen Drogerie-Colorationen durchzuprobieren, die ich finden kann. Sozusagen als Hommage an meine Teenagerzeit, als es kaum Violetts auf dem Markt gab und alle coolen Kinder rote Haare hatten, wir hatten ja sonst nichts.

Die letzte Coloration, die ich benutzt habe, war jedenfalls nicht so der Hit. Nach einer Woche fantastischfarbener Haare hatte ich wieder mein ominöses Fuchsbraun auf dem Kopf:

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Also die nächste Coloration zur Hand. Diesmal ist es die Schwarzkopf Brillance Luminance mit aufhellendem Effekt, Farbe „Ultra-Violett“:

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Ich erspare euch dieses Mal die Dokumentation des Einwirkprozesses und wir springen direkt zum Ergebnis:

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HEIDEWITZKA!
Ein leuchtendes Pink-Violett, deutlich heller als die letzte Färbung. Nach dem Auswaschen hatte ich schon Sorge, dass die Farbe zu krass ist, aber jetzt mit trockenen Haaren gefällt sie mir ganz gut. Und sie passt hervorragend zu der Mütze, die ich zeitgleich fertiggestrickt habe!

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Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass dieses Violett durch den aufhellenden Anteil in der Coloration etwas länger hält.