Déjà-vu

Während ich bei vielen unvollendeten Strick- und Häkelprojekten, die ich aus den Ecken meines Handarbeitszimmers ziehe, eher eine Art Jamais-vu erlebe („Das habe ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen!“), hat mich bei meinem aktuellen Projekt ein ständies Déjà-vu begleitet:

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Das gesamte Stück, das Dolly hier probeträgt, hatte ich nämlich in der letzten Woche schon einmal gehäkelt und dann wieder komplett auftrennen müssen. Weil meine Maschenproben offenbar so viel wert sind wie ein Napf voll Spucke.

Für gewöhnlich hasse ich solche Rückschritte. Nicht wenige wirklich schöne Projekte sind von mir an so einem Punkt ersatzlos gestrichen und nie wieder angefangen worden. Aufribbeln ist unglaublich frustrierend. Nur dieses Mal nicht.

Der Anthropologe und Schriftsteller Carlos Castañeda, seines Zeichens Freund lateinamerikanischer Urvölker und selbsterfundener Pilzgerichte, hat mal gesagt, dass der Tod der einzig weise Ratgeber ist, den wir haben. Und er hat recht. Zwischen ausgedienten Medikamenten (40 ml, 2x täglich), Tierarztrechnungen (Euthanasie: 29,08€) und Prospekten von Tierkrematorien (geschmackvoll: Sepia) ist ein misslungenes Häkelstück nicht mehr so frustierend. Alles noch mal neu machen? Mach dich nicht lächerlich, sagt der Tod. Es gibt Schlimmeres im Leben. Es ist nur Wolle.

Könnten Sie bitte damit aufhören, Madame?

Trauer macht dich zum Idioten.

Du stehst in der Küche, trinkst ein Glas Eistee, und plötzlich kommt sie über dich wie eine dunkle Wolke. Und du presst die Lippen aufeinander, du kneifst die Augen zu, du hältst krampfhaft dein Glas fest, als würde sie einfach vorbeigehen, wenn du nur stehen bleibst als sei nichts gewesen, wenn du nur ganz still bleibst.

Ein Hinweis: Das funktioniert nur bis du Atmen holen musst.

Und selbst dann noch. Hältst an dem Glas fest als stündest du noch immer einfach nur so da und denkst dumme Sachen. Wie: Es ist nur eine Katze, es ist nur eine Katze, man sollte nicht so sehr trauern wegen einer Katze. Aber Trauer lässt nicht mit sich reden. Sie kommt zu dir, auch wenn du ganz lässig und unauffällig da stehst mit deinem Eistee. Sie kommt zu dir, auch wenn es nur eine Katze war. Sie kommt und lässt dich dastehen wie einen Idioten, der gedacht hat, alles könne für immer schön sein und nichts gehe jemals zuende.

Sie lacht über dich.

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Kleine Häkelnadelparade

Solange hier Sommerflaute herrscht, kann ich zumindest ein paar Basics aus der Welt der Wolle bringen. Zum Beispiel: Welche Häkelnadel passt zu mir?

Ein Wort vorab: Im Grunde tut jede Art von Häkelnadel ihren Job. Ob Holz, Metall oder Kunststoff ist weniger eine Sache der Effizienz als vielmehr eine Sache des persönlichen Geschmacks, denn anders als bei Stricknadeln ist man beim Häkeln nicht so sehr darauf angewiesen, dass zwölfhundert Maschen am Stück gut flutschen und auch das Gewicht der Nadel macht nicht so viel aus beim Stricken (vielleicht schreibe ich darüber nochmal separat). Aber wenn man schon mal Lust hat, Geld auszugeben …

20140723-113732-41852429.jpgHier eine kleine Parade der Nadeltypen, die ich besitze und benutze. Natürlich habe ich noch einen ganzen Wurf vergessen, die folgen dann gleich. Von links nach rechts sehen wir: Klassische Metallnadel mit Kunststoffgriff, KnitPro Waves Metallnadel mit Softgriff, Aluminiumnadel, Addi Swing, Acryl-Bubble-Dingens, Bambus.

Die ganz linke Häkelnadel ist das Standardmodell, das man in den gängigsten Größen im Supermarkt bekommt und das vermutlich jeder irgendwo herumfliegen hat. Als ich beschlossen habe, wieder mit dem Häkeln anzufangen, habe ich diese Nadel zwischen angekauten Bleistiften und leergeschriebenen Kulis in einer Schublade gefunden, ohne mich daran erinnern zu können sie jemals gekauft zu haben. Trotzdem sind diese Standardnadeln sehr gut zu handhaben und extrem verlässlich.

Die zweite Nadel von links ist von KnitPro und eigentlich so ziemlich wie die Billo-Nadel davor, nur mit abgeflachtem Softgriff. Softgriff heißt übrigens nicht, dass das Material wirklich weich ist, es handelt sich nur um diesen Softlack, der sich ein bisschen nach Gummi anfühlt. Ich persönlich mag gerade bei dünnen Nadeln diese abgeflachten Griffstücke, weil ich dann mehr Kontrolle habe. Außerdem bin ich immer ein Fan von schönen Farben und bei der KnitPro Waves Serie kommt jede Nadelstärke in einer anderen Farbe. Wenn ich nicht schon eine geschätzte Millionen Häkelnadeln hätte, würde ich mir ein ganzes Set davon kaufen.

Die dritte Häkelnadel von links ist aus eingefärbtem Aluminium, auch hier hat jede Stärke eine eigene Farbe. Man kriegt diese Nadeln in großen Sets für kleines Geld und zumindest bei meinem Set stimmte die Qualität absolut: Keine scharfen Kanten oder unsauberen Gussnähte. Leider sind diese Nadeln durch das fehlende Griffstück ab Größe 2,5 abwärts so dünn, dass ich sie nicht mehr richtig kontrollieren kann. Dann dreht sich der Haken beim Fadenholen nicht in die Richtung, in die ich ihn haben will, und die ganze Häkelei wird ein einziger Krampf. Vielleicht stelle ich mich auch nur dumm an. Für alles, was eine höhere Nadelstärke als 3,0 benötigt, sind diese Nadeln meine Favoriten.

Das blau-weiße Teil, das wie eine Zahnbürste aussieht, ist eine Addi Swing. Der lustige Griff soll besonders ergonomisch und schonend sein. Ich kann dazu leider nichts sagen, weil ich nicht mit dieser Nadel arbeiten kann. Der Abstand zwischen Spitze und Griffanfang ist zu kurz für meine offenbar extrem ausladende Art zu häkeln.

Die vorletzte Nadel von rechts ist Bestandteil des allerersten Häkelnadel-Sets, das ich mir gekauft habe. Ich weiß heute nicht mehr, was mich damals geritten hat. Vermutlich die bunten Farben und die Blubberbläschen. Diese Acrylnadeln sind nicht verkehrt und bei manchen Garnen arbeite ich eigentlich auch ganz gern damit. Ich weiß nur leider nicht mehr, wann das zuletzt der Fall war. Immerhin waren sie nicht teuer.

Und die letzte Nadel von links gesehen ist aus Bambus. In diesem Falle er 12-mm-Monster aus einem Set von Hooked Zpagetti, aber die gibt es auch in kleiner. Bei Stricknadeln finde ich Bambus super angenehm, weil es leicht und warm in den Händen liegt, bei Häkelnadeln dagegen finde ich ein gewisses Gewicht besser, da ich hier kompliziertere Manöver zustandebringen muss, ohne die Hilfe einer zweiten Nadel zu haben. Deshalb habe ich auch nur diese eine Häkelnadel aus Bambus und diese beiden schlimm vernachlässigten Nadeln aus Birkenholz:
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Diese Nadeln (KnitPro Symfonie) sind sehr, sehr schön, aber wie gesagt für meinen Geschmack zu leicht. Der Hersteller bietet sie aber auch mit einem unschlagbaren Gimmick an: Einem Gewinde am hinteren Ende, über das ein Rundstricknadel-Seil angeschraubt werden kann. Das ist unglaublich praktisch, wenn man beim Stricken irgendwo Maschen aufnehmen muss (zum Beispiel für eine Knopfblende), oder wenn man Spaß an der tunesischen Häkeltechnik hat, bei der die Maschen auf der Nadel bzw. dem Seil bleiben statt abgehäkelt zu werden.

 

Soviel zu meinen Häkelnadeln. Bis auf Einzelfälle schaffe ich es mittlerweile daran zu glauben, dass ich keine weiteren mehr brauche. Außer vielleicht eines Tages noch eine von diesen wunderschönen, handgearbeiteten hellen Birkenholznadeln mit dem gedrechselten Griff. Auch wenn ich gar nicht gern mit Holznadeln häkle. Nur zum Festhalten und Liebhaben.

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Fuck yeah, Science!

Die aktuelle Hitze hat mir Gelegenheit gegeben, eine wissenschaftliche These zu fundieren, die ich schon eine ganze Weile mit mir herumtrage. Hier die Rohversion aus meinen Forschungsunterlagen:

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Ab einer gewissen Außentemperatur, sagen wir: Null Grad, verspüre ich ein steigendes Interesse an meinem äußeren Erscheinungsbild. Passt diese Strickjacke zu diesen Schuhen? Haare hierum oder daherum kämmen? Beine rasieren oder nicht rasieren?

Die exakte Grenze liegt bei 30 Grad. Ab da ist alles nur noch Überlebenskampf. Geplatzte Äderchen an den Waden? Schwaches Bindegewebe, Winkeärmchen? Scheiß drauf, her mit der kürzesten Hose des Kleiderschrankes und dem Trägerhemdchen!

Heute mal Haare

Das Schöne am Älterwerden ist ja, dass man immer weiter zurückblicken kann. Ich bin immer wieder ganz erstaunt, wenn ich in irgendeinem alltäglichen Zusammenhang plötzlich feststelle, wie weit meine Erinnerung zurückreicht. So wie auf der Geburtstagsfeier einer Freundin vor Kurzem, als ich ins Gespräch mit einem anderen Partygast kam. Ich kenne das Geburtstagskind schon seit drei Jahren, und du? Seit zwanzig.
Ich finde das jedes Mal aufs Neue fantastisch. Aber ich schweife ab.

Eigentlich wollte ich erzählen, wie ich vorgestern vor dem Haarfarbe-Regal im DM stand und dachte: Als ich mir als Teenager die Haare gefärbt habe gabs noch nicht so abgefahrene Farben. Und dann fiel mir ein, dass das auch schon fünfzehn Jahre oder mehr her ist. Paff!

Als ich Teenager war und bunte Haare wollte, hatte ich nur die Wahl zwischen ein paar mehr oder weniger intensiven Rottönen, dem violettstichigen Rot, das die meisten Firmen „Aubergine“ nannten, und diesen Punk-Tönungen von Directions, die nur zwei Haarwäschen gehalten haben wenn man vorher nicht eine dicke Blondierung draufgeworfen hat. Ich habe damals so ziemlich alles ausprobiert, mit wechselnden Erfolgserlebnissen. Zum Glück gab es damals noch kein Facebook, also auch keine peinlichen Fotos mehr außerhalb gut verschlossener Fotoalben bei meiner Mama im Regal. Obwohl das Lila von Directions damals extrem gut in meinen Haaren aussah.

Heute jedenfalls scheint Lila als Haarfarbe sehr viel gängiger zu sein. Im DM-Regal habe ich plötzlich dutzende von Colorationen in Nuancen wie Ultraviolett und Schwarzviolett und wie sie alle heißen gefunden. Mitgenommen habe ich Violettbraun von L’Oreal Preference:

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Auf der Packung sieht die Farbe schon mal gut heftig aus.

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Zur Erinnerung: Meine Haare sind verwaschen Mittelbraun mit ominösem Rotstich.

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Und los geht’s! Das Gute bei kurzen Haaren ist: Auftragen geht superfix.

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Warten, warten, warten… Warten? Warten. Ausspülen!

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Noch nass. Sieht dunkel aus. Her mit dem Fön!

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Nicht schlecht! Die Farbe ist echt dunkel, aber mit starkem Violettstich. Nicht so knallig wie auf der Packung, aber dafür fast noch schöner und alltagstauglicher. Die Haare werden von der Coloration auf jeden Fall schön glatt und glänzend und fallen viel besser als vorher.
Hier noch mal ein Bild, auf dem man die Farbe besser erkennt (echt schwer einzufangen!):

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Ich habe gut Lust, mich durch alle Lilatöne im DM-Regal durchzuprobieren. Und vielleicht kommen ja in nochmal fünfzehn Jahren auch Blau und Grün dazu!

Tippitoppitopmodel

Ich freue mich verkünden zu dürfen, dass ich eine Helferin an der Strickfront gewonnen habe! Darf ich vorstellen? Das ist Dolly.

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Dolly hat zwar keine Arme, Beine oder Kopf, aber dafür hat sie grob meine Kleidermaße und ein fabelhaftes Gespür für modische Trends. Sie hat sich bereit erklärt, meine Strickstücke unter die Lupe zu nehmen und mir zu sagen, ob ich sie tragen kann.

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„Ein TRÄUMCHEN, meine Liebe!“ – Danke, Dolly!

Das Schöne an Dolly ist, dass sie dank Armfreiheit viel einfacher in Oberteile reinkommt als ich (vor allem, wenn noch Stricknadeln drinstecken).

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„Das Jäckchen hättest du ETWAS länger machen können, meinst du nicht?“

Schön ist auch, dass sie nichts dagegen hat, dicke Pullover bei hochsommerlichen Temperaturen anzuziehen.

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„Waaas, diesen Pulli hattest du die ganze Zeit im Schrank liegen? Der sieht FANTASTISCH an dir aus!“ – Na ich weiß nicht, Dolly…

Upsss…

Schon fast zwei Wochen wieder nichts geschrieben? Passiert aber auch gerade nicht viel hier. Ich habe mehrere Projekte in Arbeit, von denen mich aber keins so richtig beschäftigt und viele wieder aufgeribbelt werden. Beispiele?

Eine Strickjacke, die nicht wächst, weil ich nicht weiß, ob mir das Alpaka-Garn am Kragen nicht zu sehr piekst…

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Ein rundes Tuch, das gaaanz langsam vor sich hin wächst…

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Ein Loop, der schon wieder aufgeribbelt wurde …

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Ein Tuch, das vielleicht demnächst aufgeribbelt wird …

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Teile eines Großprojekts, das mal ein Weihnachtsgeschenk wird (dieses eine Mal werde ich Weihnachten nicht zu knapp dran sein, dieses eine Mal nicht!) …

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Hey Moment, ich habe wohl ein Projekt fertiggestellt in den letzten Tagen!

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Jetzt kann ich mich immerhin ein kleines bisschen produktiv fühlen.