Linke Maschen stricken (und vermeiden)

Auch wenn ich feststellen konnte, dass ich langsam Fortschritte in Sachen glatt rechts stricken mache, sind linke Maschen immer noch super ätzend für mich. Wenn ein Projekt (wie zum Beispiel ein wunderschöner, glatt rechts gestrickter Cardigan aus Sockenwolle) endlos viele Rückreihen aus linken Maschen hat, habe ich schon direkt keine Lust mehr, ihn zu stricken.

Lustigerweise sind linke Maschen nicht nur ein Aspekt des Strickens, den ich am wenigsten mag, sondern auch der Aspekt, mit dem ich mich am meisten beschäftige. Vermutlich hoffe ich immer noch heimlich, irgendwann auf DIE Methode zu stoßen, die linke Maschen ganz einfach und angenehm zu stricken macht. Tatsächlich kenne ich eine ganze Menge Methoden, linke Maschen zu stricken oder auch nicht zu stricken, wie mir letztens aufgefallen ist. Ich dachte, ich mache mal einen kleinen Lehrgang zum glatt rechts Stricken daraus.

Hier wollen wir hin:

firstUnd so geht’s:

 

Die klassische linke Masche

links-klassDiese Methode kennt fast jeder, oder? Der Faden liegt vor der Arbeit, man sticht mit der Arbeitsnadel (im Bild die hellere von beiden) von rechts nach links ins vordere Maschenglied ein (1), wickelt von oben nach unten den Faden um die Nadel (2) und zieht ihn als neue Masche von der rechten Nadel (3). Easy peasy – oder auch nicht. Ich finde das ganze Manöver umständlich und anstrengend. Aber es geht auch anders.

 

Die linke Masche im west-östlichen Kombistricken

So habe ich linke Maschen immer zu Anfang gestrickt und habe das für richtig gehalten. Bis ich gemerkt habe, dass ich so die Maschen verdreht aufnehme (ihr seht gleich, was ich meine). Daraufhin musste ich linke Maschen mühsam neu stricken lernen. Vielleicht kommt daher mein Groll? Jedenfalls habe ich viele Jahre später durch Zufall herausgefunden, dass meine ursprüngliche Strickweise auch einen Namen hat, nämlich „west-östliches Kombistricken“. Außer in der Knitter 13/2013 finde ich allerdings nirgendwo etwas dazu, sorry.

links-kombiMan beginnt wie bei der klassischen linken Masche: Faden vor der Arbeit, Arbeitsnadel von rechts nach links in das vordere Maschenglied (1). Statt jetzt aber den Faden um die Masche zu wickeln, greift man ihn sich einfach von vorne nach hinten mit der Arbeitsnadel und zieht ihn nach hinten durch (2). Diese Bewegung geht ähnlich flüssig wie beim Stricken der rechten Masche und ist so weit wunderbar. Allerdings liegen die so entstehenden Maschen verdreht auf der Nadel. In der nächsten Hinreihe (3) müssen die rechten Maschen deshalb durch das hintere statt durch das vordere Maschenglied abgestrikt werden, sonst werden sie rechts verschränkt. Wenn man damit leben kann und auch bei komplizierten Lace-Mustern mit mehrfachen links- und rechtsgerichteten Zu- und Abnahmen umdenkt, ist diese Methode vermutlich okay. Ich konnte es nicht.

 

Die norwegische linke Masche

Diese Masche habe ich erst vor Kurzem entdeckt und finde sie eigentlich ganz gut. Man muss nur aufpassen, dass man den Faden gut straff hält, sonst wird das ganze Strickbild lulli. Und es empfiehlt sich, die Arbeitsmasche bis zum Abstricken festzuhalten.

links-norwBei der norwegischen Variante bleibt der Arbeitsfaden hinter der Arbeit, aber vor der Arbeitsnadel (1). Tipp: Achtet darauf, dass der Faden nicht auch vor die linke Nadel gerät. In die Arbeitsmasche wird wie gewohnt von rechts nach links eingestochen. Jetzt wird die Arbeitsnadel mit dem Maschenglied darauf nach rechts gezogen, wo sie von oben nach unten den Arbeitsfaden einholt (2). Und jetzt geht’s mit dem Faden von oben nach unten ab durch die Arbeitsmasche (3). Fertig und ab damit. Festziehen nicht vergessen! (4)

Dazu gibt es beim Garnstudio Drops ein schönes Video, das das Ganze noch etwas besser zeigt als ich.

 

Rückwärts rechts stricken

Was nun aber, wenn man wirklich keine linken Maschen stricken will? Auch dafür gibt es Lösungen, Die erste davon ist das rückwärts Stricken.

rechts-rückWir befinden uns auf der Vorderseite des Strickstücks, unmittelbar nach Beenden der Hinreihe. Die helle Nadel ist wieder unsere aktive Arbeitsnadel – nur diesmal links statt rechts. Die rechte (schwarze) Nadel bleibt die ganze Zeit still.

Die linke Nadel geht von links nach rechts durch das hintere Maschenglied der ersten Masche. Der Faden liegt hinter der Arbeit (1). Mit dem rechten Zeigefinger schnappt man sich jetzt den Arbeitsfaden und zieht ihn zu sich heran. Ruhig ein bisschen Spannung drin lassen, das hilft (2). Der Faden wird jetzt vor die Spitze der Arbeitsnadel gelegt, die da geduldig wartet (3). Ab damit durch die Masche, die dann auch schon von der rechten Nadel kann (4).

Diese Methode ergibt (zumindest bei mir) ziemlich feste Maschen, so dass das Strickbild über größere Flächen unregelmäßig wird. Ich finde diese Methode aber wunderbar für alle Fälle, in denen das Wenden des Strickstücks nervig wird, zum Beispiel bei Sockenfersen oder Entrelac. Gelernt habe ich das Rückwärtsstricken bei eliZZZa, die ich heiß und innig liebe. Ihr Videos sind fantastisch.

 

Steeking

Jetzt geht es ans Eingemachte. Die effektivste und krasseste Methode, linke Maschen zu vermeiden, lautet: rechts in der Runde stricken. Und wenn man einwerfen möchte, dass man einen Cardigan nicht in der Runde stricken kann, weil er ja vorne offen sein soll, lautet die Antwort: rechts in der Runde stricken. Und AUFSCHNEIDEN!

Als ich zum ersten Mal von Steeking gehört habe, habe ich es für einen schlechten Scherz gehalten. Aber es klappt tatsächlich. Sagen viele. Ich hatte bisher noch nicht den Mut, es an einem großen Projekt wie einem Cardigan auszuprobieren. Aber ich habe es ganz bestimmt vor. Vielleicht 2016.

steekMan beginnt damit, fröhlich in der Runde zu stricken. So weit so gut (1). Nun werden die Maschen links und rechts der Stelle, an der das Projekt geöffnet werden soll, mit festen Maschen fixiert. Ich bin mir nicht sicher, ob man nicht auch Kettmaschen machen könnte, um hinterher einen nicht ganz so großen Wulst zu haben (2). Tief luftholen und los: Die Fäden zwischen den gehäkelten Nähten werden aufgeschnitten (3). Tataa! Es hält! (4)

Bei einem Cardigan würde man jetzt entlang der Häkelkante Maschen aufnehmen und eine Knopfleiste anstricken, die die Naht verdeckt. Somit liegt auch keine Belastung mehr auf der Schnittkante, es kann also gar nichts passieren.

Garnstudio Drops hat auch dazu wieder ein schönes Video für die Umsetzung mit der Nähmaschine. Die gehäkelte Variante, die ich euch gerade gezeigt habe, sieht man in diesem englischsprachigen Video noch mal in Aktion.

 

Soweit meine Erfahrungen zum Thema linke Maschen. Vielleicht kann ich euch schon bald Steeking am lebenden Strickprojekt zeigen. Oder ich mache einen Lehrgang dazu, wie man Strickfotos schießt wenn man nur zwei Hände und eine unkooperative Katze hat.

bts

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3 Gedanken zu “Linke Maschen stricken (und vermeiden)

  1. Hallo, bin grad am verzweifeln mit meinen linken Maschen. Genau wie hier beschrieben, stricke ich sie falsch. Ich mag sie aber nicht anders stricken. Soweit gut, wenn da nicht die Unschlöge wören :-((
    Wie kann man denn undenken? Meine schönste Lösung bisher : die zwei Maschen vor dem zusamnenstricken umdrehen – Umschlag usw.
    Ich würd mich sehr über eine Antworten freuen
    Schöne Grüsse einer Leidensgenossin

    • Hallo Blanca! Ich frage mich oft, ob es damals für mich so klug war, die linken Maschen umzulernen, denn mit der Methode, die das verdrehte Ergebnis produziert, war ich viel schneller als heute mit der „richtig“ gestrickten linken Masche. Wenn es bei dir auch so ist, macht es auf alle Fälle Sinn, dich mit deinen gewohnten linken Maschen zu arrangieren. Du musst eigentlich nur immer darauf achten, ob du die Masche bzw. den Umschlag normal oder verschränkt abstrickst, also ob du das weiter vorne oder das weiter hinten liegende Maschenglied abstrickst. Bei den gängigen linken Maschen und vermutlich auch deinen rechten Maschen liegt bei der gestrickten Masche das vordere Maschenglied weiter rechts, das hintere weiter links. Durch das vordere Glied zu stricken produziert dann eine gewöhnliche Masche, durch das hintere ergibt es eine verschränkte Masche. „Unsere“ linke Maschen drehen das ganze aber um, da liegt dann das vordere Maschenglied links, das hintere rechts. Die Maschen einzeln umdrehen ist eine Lösung, die andere besteht ganz einfach darin, immer durch das weiter rechts liegende Glied zu stechen, also im Zweifelsfall durch das hintere. Die neue Masche liegt dann automatisch richtig auf der rechten Nadel und der folgende Umschlag tut was er soll. Mache ich mich verständlich?

  2. Hallo junge Strickerinnen,

    übt,übt und übt. Wenn euere Hände und Gelenke auf die 60 zugehen, lernt ihr linke Maschen lieben. Jede Abwechselung im Bewegungsablauf ist eine Wohltat. Auch Nähte sind dann nur gut. Je leichter das Strickstück, um so schonender für die Hände.

    Bis dahin, genießt schmerzfreies Stricken.

    Mia Muses

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