Stricktücher baden & spannen

Mein „Cloud Illusion“ Lacetuch ist jetzt definitiv fertig und bereit für sein Bad. Ohne Baden und Spannen sieht Lace nämlich etwas mickrig und verschrumpelt aus:

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Durch das Wasser entspannen sich die Fasern und Maschen, alles rückt an seinen Platz und das Muster öffnet sich. Oft wächst das Tuch dabei auch noch mal ein gutes Stück – und genau deshalb hat mein Tuch jetzt schon eine Weile gelegen. Noch größer muss das eigentlich echt nicht werden. Aber ohne Spannen gehts eben auch nicht.

Also habe ich das gute Stück erstmal im Waschbecken in handwarmem Wasser einweichen lassen:

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Beim Baden muss man ein bisschen darauf achten, was für Materialien man verstrickt hat. Die Baumwoll-Acryl-Mischung hier ist vermutlich unzerstörbar, aber ein Merinogarn kann unter zu heißem Wasser stark leiden, sämtliche Spannung verlieren und euer ganzes Strickstück ruinieren (fragt nicht woher ich das weiß…). Im Zweifelsfall hilft ein Blick auf die Garnbanderole, dort hinterlassen die Hersteller freundlicherweise ein paar Pflegehinweise.
Tierische Fasern profitieren davon, wenn man dem Badewasser etwas Wollwaschmittel beigibt. Ansonsten tuts auch ein mildes Shampoo – sind ja auch nur Haare.

Nach einem Viertelstündchen kann man das Wasser ablassen, das Tuch vorsichtig ausdrücken (nicht wringen, nicht ausschlagen, nicht fönen), in ein Handtuch schlagen und sich einmal draufstellen, um das überschüssige Wasser herauszudrücken. Barfuß macht das am meisten Spaß, aber ich wollte euch nicht meine trendigen Hausschuhe vorenthalten.

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Jetzt kommt der spannende Teil. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Wir brauchen einen Haufen Stecknadeln (Protipp: Bunte Nadelköpfe!) oder Pinnwand-Pinne sowie eine pinfähige Unterlage. Diese Schaumstoff-Puzzelmatten für Kinder sind da ganz toll, weil sie sich je nach Bedarf zusammensetzen lassen und relativ günstig sind. Man kann aber auch Isomatten, Pappkarton oder den Teppichboden nehmen. Seid euch nur darüber im Klaren, dass das Strickstück unter Umständen zwei bis drei Tage zum Trocknen braucht und es daher nirgendwo liegen sollte, wo ihr, eure Partner, Kinder, Haustiere oder der Heizungsableser in dieser Zeit dranmüsst. Ein Strickstück auf dem Bett aufzuspannen ist deshalb nicht die beste Idee (fragt nicht woher ich das weiß).

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Also: Puzzelmatte zusammenpuzzeln und das Tuch locker auflegen. Und als hätte ich es nicht geahnt …

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Mir fehlen etwa 30 weitere Puzzelteile um dieses MONSTRUM aufzuspannen.

An dieser Stelle könnte ich jetzt irgendein Provisorium basteln, stattdessen entscheide ich mich für die Quick-and-Dirty-Methode: Ich falte das Tuch in der Mitte. So braucht es etwas länger zum Trocknen und hat dann vermutlich eine leichte Bügelfalte, aber dafür kann ich es ordentlich aufspannen. Und was ganz wichtig für mich ist: Ich kann das ganze Mattenkonstrukt dann noch bewegen und zum finalen Trocknungsplatz in der Abstellkammer tragen. Zum großen Leidwesen meiner Strickkarriere lebe ich nämlich mit zwei Katzen zusammen, deren erklärtes Lebensziel es ist, sich in jedem einzelnen Strickstück zu wälzen, das ich produziere. Und weil das nicht nur mir missfällt, sondern auch den Stecknadeln, mit denen ich das Tuch fixiere, trocknet bei mir alles in einer verschließbaren Abstellkammer.

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Womit wir auch schon bei besagten Stecknadeln sind. Das Bad hat das Lacemuster gut aufgeweicht, jetzt sorgen wir dafür, dass es auch genauso trocknet, wie wir es haben wollen. Dafür wird das Tuch zurechtgezogen und mit den Nadeln leicht auf Spannung fixiert. In diesem Fall habe ich erst die eine Hälfte festgepinnt, dann die zweite Hälfte drübergefaltet und dann auch sie fixiert. Die Nadeln werden immer passend zum Muster in regelmäßigen Abständen gesetzt.

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Und so trocknet das dann. Und wenn das Tuch trocken ist, kommt der große Moment. Man zieht Nadel für Nadel heraus und das Muster bleibt genauso, wie man es aufgespannt hat. Auch wenn man das Tuch knautscht, dehnt oder knotet. Magic! Allein dafür lohnt sich die Strickerei.

Noch ein Tipp zum Abschluss: Auch wenn ihr darauf brennt, das fertige Tuch in den Händen zu halten – achtet darauf, ob ihr auch keine Nadel übersehen habt. Die paar investierten Minuten lohnen sich.  Fragt nicht woher ich das weiß.

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4 Gedanken zu “Stricktücher baden & spannen

  1. Hallo HavarieMarie, bezieht sich das Baden auf alle Strickstücke? Ich verarbeite gerade ein Garn, das gerade erst aufgeribbelt wurde, zu KrausRechtsRippen. Obwohl ich eigentlich sehr gleichmäßig stricke, ist das Maschenbild etwas wellig und sieht nicht schön aus. Kann sich das beim Spannen gerade ziehen? Hast du da Erfahrungen gemacht? Ich bin gespannt ….Grüße aus dem Rheinland….Nico

    • Hallo Nico! Ja, soetwas habe ich auch schon ein paar Mal erlebt. Auch wenn es aufwändig ist: Es empfiehlt sich, das Garn zum Strang zu wickeln (z.B. über eine Stuhllehne), zu baden, trockenen zu lassen, zurück zum Knäul zu wickeln und erst dann zu verstricken. Wenn du es direkt vom Ribbeln aus weiterverstrickst behält es einen Teil der Welligkeit auch dann bei, wenn du das fertige Strickstück noch mal badest. Das hängt aber auch alles stark von der Zusammensetzung des Garns ab. Baumwolle ist zum Beispiel weniger zu beeindrucken als z.B. Merino. Im Zweifelsfall hilft immer eine kleine Maschenprobe! Die kannst du ja nach Herzenslust baden und spannen, dann siehst du, ob sich das Wellige von selbst gibt. :)

      • Danke für den Tip!! Und deine schnelle Antwort. Schauen wir, was ich mache. Das wird auf jeden Fall mein erstes Wollbad…😊

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