Ein Herz für Alpakas!

Ich muss euch was gestehen: Ich habe schon wieder Wolle gekauft.

Zu meiner Verteidigung: Ich brauche sie, um meine Wolleinkäufe vom Wollfest Hamburg zu verstricken. Und außerdem wurde ich Opfer von Umständen. Jawohl.

Als die neue Drops Flora rauskam, habe ich erstmal nur mit den Achseln gezuckt. Ein dünnes Garn aus Schurwolle und Alpaka, aha. Das konnte mich nicht hinter dem Ofen hervorlocken, dafür habe ich einfach schon zu viele pieksige Erfahrungen mit Alpaka-Garnen gemacht. Aber dann habe ich die Flora in Hamburg in Aktion erlebt, genauer gesagt in Gestalt eines ganz wundervollen Fair-Isle-Pullovers, an dem Carolin von Lanade gestrickt hat. Und der schien gar nicht mal so pieksig, sondern eigentlich richtig schön. Griffig wie Schurwolle, etwas weicher durch den Alpaka-Anteil, aber nicht ganz so schlabbrig wie reines Alpaka gerne schon mal ist. Nett!

Den letzten Stoß hat mir dann Ysolda Teague in ihrem Workshop über Maschenproben versetzt. Da hat sie nämlich nicht nur gestanden, dass sie total gerne Maschenproben strickt (iiihhh…!), sondern auch die kühne Behauptung aufgestellt, dass Superwash-Merino nicht immer die beste Wahl sei, sondern manchmal ein Pullover aus robusterem, schlichten Garn am Ende viel besser sitzt und länger lebt. Waaaas? Alles was ich zu wissen glaubte, geriet plötzlich ins Wanken! Und während ich Ysolda mit offenem Mund zuhörte wie ein römischer Bischof einem Vortrag von Galilei, saß Caro weise lächelnd in ihrer Ecke des Klassenzimmers und strickte an ihrem Flora-Pullover. In meinem Gehirn begannen sich einige rostige Zahnrädchen zu drehen. Ich sah zu Ysolda. Ich sah zu Caro. Ysolda. Caro. Ysolda. Caro. Flora? Flora!

Um es kurz zu machen: Ich habe also dieses Garn bestellt und bin sehr gespannt, wie es sich bewährt. Carolin hat selbst übrigens schon drüben einen ersten Erfahrungsbericht geliefert und wenn ich auf Instagram richtig mitzähle, hat sie jetzt ihr drittes Projekt mit dem Garn angeschlagen. Das scheint mir eine gute Empfehlung von jemandem, der eine Lagerhalle voller Wolle besitzt!

Alpaka steht aber auch generell wieder weiter oben auf meiner Strickliste als früher. Ich bin nämlich zwar nicht weniger empfindlich geworden, aber dafür vielleicht ein kleines bisschen klüger. Nur weil ich vor ein paar Jahren ein Halstuch und einen Cardigan mit Stehkragen aus Alpaka-Garnen nicht vertragen habe, heißt das nicht, dass Alpaka gar nicht mehr geht. Ich muss vielleicht einfach nur Modelle stricken, die mir etwas Luft um den Hals herum lassen!

Wie viele selbstgestrickte Pullover hast du eigentlich?!

Diese Frage stellte mir Leserin Hafenhexe nach meinem letzten Blogbeitrag. Und ich musste feststellen, dass ich nicht die geringste Ahnung hatte. Ich habe in den 5 Jahren, die ich jetzt schon „ernsthaft“ stricke, so viele Teile fertig gestellt, geribbelt, verschenkt und verschwinden lassen, dass ich nie auch nur ansatzweise einen Überblick gewonnen habe. Dann geh ich mal zählen, dachte ich, und öffnete frohen Mutes meinen Kleiderschrank. 

Was mir da aus diversen Fächern entgegenquoll, hat mich dazu gebracht, die Türen ganz schnell wieder zu schließen und mich eine gute Woche vor dieser Aufgabe zu drücken. Das war ein Fass ohne Boden! Aber versprochen ist versprochen, deshalb habe ich schließlich alles Handgestrickte aus meinem Schrank gezerrt und aufgestapelt:

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Puh!

24 Pullover und Strickjacken seht ihr hier. Darunter noch einige, die kurz vor der Ausmusterung stehen, weil ich sie eigentlich nie anziehe (dicke Baumwolle für einen langen Strickmantel – doch keine so gute Idee wie ich damals dachte) oder weil sie mittlerweile zu Tode getragen sind. Ich bin da zwangsläufig erbarmungslos: Was nicht getragen wird, kommt zur Altkleidersammlung oder wird geribbelt. 

Nicht im Bild: Mehrere Strickjacken, die ich für andere gestrickt habe, eine Strickjacke, die vom Bügel gerutscht war und deshalb meiner Razzia entkommen ist, eine Strickjacke, die noch nicht ganz fertig ist, und natürlich der Holsten-Pulli, der ebenfalls noch nicht fertig ist, da Strickfortschritte bei ihm nur im mikroskopischen Bereich vonstatten gehen. 

Alles in allem noch ganz gesittet, oder? Fragt nur bitte nicht, für wieviele zukünftige Pullover und Strickjacken ich Wolle im Haus habe …

Auf den Nadeln: Holsten

Ich weiß ja nicht, wie das bei euch ist, aber im Sommer geht es bei mir nie so schnell voran mit dem Stricken. Nicht weil ich weniger stricken würde, sondern weil ich dünnere Garne verarbeite, mit denen alles viiiiiel lääänger dauert. Aktuell: Der Holsten Pullover von Ankestrick. 


Ich verwende dafür das empfohlene Holst Garn Supersoft, das aus dünner Shetlandwolle besteht und gar nicht mal so soft ist, wie der Name vermuten lassen würde – das aber ist ein Thema für sich, über das ich vielleicht noch mal schreibe, wenn der Pulli fertig ist. 


Meine Farben sind das verwaschen türkise Topaz als Hauptfarbe und das dunkle Indigo für den Kontraststreifen über der Brust und dem linken Ärmel – beide hat meine Mutter ausgesucht, die mir Wolle und Anleitung geschenkt hat. Ich lasse gern andere die Farben für meine Strickprojekte aussuchen, weil ich sonst immer zu den gleichen Farben greife. So komme ich zu Farben, die ich selbst nicht ausgesucht hätte, die mir aber trotzdem immer gefallen, weil Außenstehende meist noch mal einen differenzierteren Blick dafür haben, was einem steht und was nicht. Klar gehört immer etwas Mut und Vertrauen dazu, jemanden anders ohne Wenn und Aber die Farbe für den nächsten Pullover aussuchen zu lassen. Aber mal im Ernst: Wem kann ich trauen wenn nicht meiner Mama?

Apropos Farbe …

… die habe ich jetzt ÜBERALL. 

Wollfest Hamburg 2016

Ihr habt vielleicht schon davon gehört, dass letztes Wochenende in Hamburg das Wollfest stattgefunden hat. Das war soetwas wie eine kleine Messe für Strickerinnen, auf der man wunderschöne Garne kaufen, großartige Workshops belegen und generell durchdrehen konnte. Nix für mich also.

In einem Anfall von Selbstdisziplin habe ich mir tatsächlich vorgenommen, nicht hinzufahren. Ich kaufe mich ja schon im Internet dumm und dusselig, was soll da erst passieren, wenn ich die ganzen tollen Garne vor der Nase habe? Da werde ich arm!

Eine Woche vorher klingelten dann Carolin und Antje von Lanade bei mir an, die ihre Wollfest-Köfferchen schon seit Monaten bereitstehen hatten. „Kommst du nächstes Wochenende auch?“ – „Nee …“ – „Och komm!“ – „Nee!“ – „Och bitte!“ – „Okay, ich bin dabei.“

Und so fand ich mich eine Woche später, also letzten Freitag, in der vielleicht spontansten Kurzreise meines Lebens mit Caro und Antje in Hamburg wieder. Ich wusste selbst nicht so ganz, wie ich da hingekommen bin.

Samstag früh ging es dann los. Stadtkarte brauchten wir nicht, die erfahrene Strickerin folgt einfach ihrem Wollinstinkt.

Und der führte zu: Wolle! Fantastisch viel Wolle in fantastischen Variationen, Reihe an Reihe.

Während die Damen um mich herum plötzlich Verhungernden glichen, denen man ein Festbankett vorgesetzt hatte, schlenderte ich mit kühler Gelassenheit durch die Gänge. Ich brauche eigentlich im Moment keine Wolle, dachte ich bei mir. Ich wüsste auch gar nicht, was ich damit stricken sollte. Und überhaupt. Habe ich so ein Garn nicht sogar noch zuhause liegen?

Ich befühlte ein paar Stränge, tätschelte ein paar Knäul und wähnte mich in voller Kontrolle meiner tierischen Instinkte, als Antje in der Menschenmenge an mir vorbei getrieben wurde, einen hinreißend gesprenkelten Strang Merinowolle an sich gedrückt, und mir zubrüllte: „Schau mal was ich habe! Die gibt es da drüben!“

„Da drüben“ fand ich dann zwei weitere Bekannte im Zustand fortgeschrittener Ekstase. Zu dritt haben wir so ziemlich jedes einzelne Garn der Halle angegrabscht und mit Ooohs und Aaahs und Ohmeingotts kommentiert, bis dann schließlich eins zum anderen führte und ich am nächsten Morgen mit zwei Strängen Wollmeise und einem Pfund Fair Alpaka im Arm aufgewacht bin. Unter anderem.

Noch besser als die Wolle fand ich aber eigentlich sogar die Menschen auf dem Wollfest Hamburg. Es war wunderbar zu wissen, dass alle um einen herum die gleiche Leidenschaft für Wolle und Stricken haben. An den Verkaufsständen gab es kein Haareziehen, sondern gegenseitige Garnberatung und -empfehlungen und ständig fragte irgendjemand irgendwen, welches Muster und welches Garn denn für diese Strickjacke oder diesen Pullover verwendet worden sei, das sehe ja traumhaft aus.

Viele haben mich auf meinen Blog angesprochen, was mich total gefreut hat, weil ich nie so genau weiß, wie viele hier eigentlich mitlesen. Ich bekomme zwar von WordPress angezeigt, wieviele Besucher den Blog betreten, aber über die Handvoll treuer Seelen hinaus, die regelmäßig Kommentare schreiben, weiß ich nie, ob das nicht vielleicht alles verirrte Surfer und Googlebots sind.
Ich für meinen Teil habe auch einige Designerinnen auf dem Wollfest entdeckt, aber meistens nicht dran gedacht, sie um ein Foto zu bitten. Außer Ysolda Teague, bei der ich einen Workshop zum Thema Maschenprobe belegt hatte:

Ich finde sie toll. Sieht man mir auf dem Foto vielleicht an.

Außerdem habe ich mir eine Vorführung von Martina Behm angesehen, bei der sie gezeigt hat, wie man ihre Tücher tragen kann. An Isabell Kraemer und Justyna Lorkowska dagegen bin ich nur mit offenem Mund vorbeigelaufen und habe geistig „Das ist doch … das ist doch …!“ gestottert, bis mir eingefallen sind, wer sie sind und welche ihrer Designs ich gestrickt habe. Woraufhin die Begegnung natürlich schon wieder eine halbe Stunde her war.

Am Ende meines Besuchs auf dem Wollfest gab es dann noch ein kinoreifes Drama. Ich hatte all meine Einkäufe eingepackt und war bereit zum Abmarsch in Richtung Bahnhof, als ich ein leises Stimmchen hörte: „Mama! Maaama…!“ Was war da los? Ein Kind in Not? Niemand sonst schien etwas gehört zu haben. Ich folge den leisen Rufen durch die Hallen. „Mammi, wo bist du?“ Mutterinstinkte auf 100 %. Am Stand von Skein Queen habe ich sie dann entdeckt. „Da bist du ja endlich, Mama! Bringst du uns nach Hause?“

Wie könnte ich den Kleinen diesen Wunsch abschlagen? Also verabschiedete ich mich von meinem letzten Geld und vom Wollfest Hamburg und trat die Heimreise an. Ich bin froh, dass ich doch noch hingefahren bin!

Chinesisches Roulette mit Aliexpress

Ich muss euch heute mal was zeigen, was gar nichts mit Stricken zu tun hat. Oder vielleicht doch, schauen wir mal.

Und zwar bin ich vor einiger Zeit über die chinesische Verkaufsplattform Aliexpress gestolpert. Aliexpress ist sowas wie das eBay des Ostens, nur ohne Versteigerungen. Man findet dort alles Mögliche (wenn man lange genug sucht vermutlich ganz wörtlich alles Mögliche …) und das gar nicht unbedingt zu den klischeehaften China-Billigpreisen. Man stolpert zwar immer wieder über Produkte, die sehr stark, aber eben doch nicht völlig, bekannten Markenprodukten ähneln, aber man findet auch jede Menge originär chinesische Produkte, die man auf dem europäischen Markt gar nicht kriegt. Sowas finde ich viel interessanter als Billigimitate.

Ich wollte Aliexpress unbedingt mal ausprobieren. Kosmetik und Lebensmittel habe ich mich nicht getraut, Elektronik war mir doch zu teuer (ab ca. 25 Euro kassiert der Zoll die deutsche Mehrwertsteuer ein), also habe ich mich im Bereich Schreibwaren umgesehen. Notizbücher und Stifte sind eine heimliche Leidenschaft von mir.

Außerdem liebe ich dieses skurrile Asia-Englisch! Vielleicht werden ständig wohlklingende chinesische Redewendungen ins Englische übertragen und die arglosen chinesischen Produktdesigner merken nicht, dass der Sinn unterwegs verloren geht? Oder vielleicht hat der westliche Tattoo-Trend mit den chinesischen Schriftzeichen in den 90ern/00ern die Chinesen zu dem Schluss gebracht, dass man Menschen, die sich „Friede, Liebe, Schweinefleisch süß-sauer“ auf den Nacken tattoowieren lassen, jeglichen Slogan verkaufen kann. Ich tippe stark auf Letzteres, denn auch ich habe ein Tattoo mit asiatischen Schriftzeichen (wenn auch nicht Chinesisch und hoffentlich auch kein Schweinefleich süß-sauer) und mir kann man jederzeit das wildeste Asia-Englisch verkaufen. Der Pluspunkt ist außerdem, dass man bei Aliexpress oft im Vorfeld nicht zu hundert Prozent erkennen kann, was man eigentlich bestellt, da die Produktbeschreibungen nicht immer übersetzt werden. Das ganze ist somit eine Art chinesisches Roulette mit vielen schönen Überraschungen.

Hier ist meine bisherige Aliexpress-Aubeute:

Sticker kann man immer gebrauchen, nicht wahr? „I like you“ oder „Forever“ sind kleine Botschaften, über die sich jeder freut. Noch keine Verwendung dagegen habe ich leider für „I wish that you loved me“ gefunden. Vielleicht bei der nächsten Steuererklärung? Ganz unsicher bin ich mir allerdings, wann „I can read your mind“ angemessen ist. Klingt irgendwie bedrohlich.

Nächster Fund: Dieses Notizbuch. Galaxien sind hip! Erst als ich das Buch erhielt, stellte ich fest, dass mir außerdem noch ein kleiner Astronomie-Kurs geliefert wurde: „The known universe“, also das bekannte Universum, besteht also aus einem Planeten („Planet side“), einem unbekannten Planeten in Form eines Sternnebels („An unknown Planet“), dem Rand („The Edge“) und nochmal einem Rand („Edge“). Demnach leben wir auf diesem blauen Saturn. Gut zu wissen!

Ein echter Glückstreffer war dieses Notizbuch mit einem großartigen Cover im Steampunk-Stil (in China auch „Steampung“ genannt, wie ein Aufdruck auf der Rückseite zeigt). Das Papier ist sehr hochwertig und es gab sogar ein kleines Zahnrad als Beigabe. Sehr betrübt hat mich allerdings, dass der Designer des zweiten Notizbuchs meiner Bestellung, ein schlichtes schwarzes Buch mit Blumenornamenten, offenbar aufgrund einer unglücklichen Romanze allen Lebenswillen verloren hat. Auf der Banderole des Buches hat er nämlich neben den üblichen Pflichtangaben wie Seitenzahl und Format auch ein kleines Gedicht hinterlassen:

Ich hoffe, der arme Mann hat sich nichts angetan …

Alles in allem bin ich echt begeistert von Aliexpress. Ich hatte bisher noch keine wirklichen Nieten, dafür aber einige echte Hits für kleines Geld. Wenn ihr es einmal selbst versuchen wollt: Ich empfehle euch generell, nur mit Kreditkarte zu zahlen (sicher ist sicher), nicht zu viel Geld zu investieren (wie gesagt, sicher ist sicher …) und euch auf 3 bis 5 Wochen Lieferzeit einzustellen. Und wenn ihr mit irgendwelchen Produkten liebäugelt, die gegessen, aufgeschmiert oder sonstwie in Kontakt mit Schleimhäuten gebracht werden, solltet ihr vielleicht kurz darüber nachdenken, wie sinnvoll die strengen EU-Verordnungen für Produkte dieser Art sind. Ist aber nur meine persönliche Ansicht.

Falls euch jetzt die ganze Zeit die Frage auf den Nägeln gebrannt hat, was denn eigentlich mit Stricken ist: Ja, es gibt auch Wolle bei Aliexpress.

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Auch hier ist es aufgrund der wirren Produktbeschreibung etwas undurchsichtig, was man eigentlich kauft, welche Maschenprobe es hat und wie viele Knäul es werden. Es könnte sich aber lohnen. Was meint ihr, soll ich es mal versuchen?

Blogportrait-Bild – Das Making of

Als ich diesen Blog hier angefangen habe, habe ich das ohne große Ansprüche und auch ohne große Ressourcen im Rücken gemacht. Gratis-Account bei WordPress, selbstgebasteltes Header-Banner, Fotos mit der Handykamera gemacht und ab ins Internet damit. Als dann im Laufe der Zeit überraschenderweise keine faulen Tomaten geflogen kamen, sondern immer mehr Besucher auftauchten, habe ich immer mehr aufgestockt. Ein schöneres Banner zum Beispiel oder etwas besseres Foto-Equipment.

Der nächste Punkt auf meiner Liste war mein kleines Portrait in der rechten Spalte. Das Bild, das ich da lange Zeit hatte, kam noch aus der Zeit, als ich mein Gesicht lieber nicht im Blog zeigen wollte. Da ich damit mittlerweile kein Problem mehr habe, wollte ich auch das Portrait etwas offener gestalten. Es soll ja schließlich neuen Besuchern einen Eindruck verschaffen, wer denn hier eigentlich schreibt. Also eine Botschaft, die irgendwo zwischen „hey, das hier bin ich!“ und „ich bin übrigens ganz schön cool“ liegt. Alles, was ich an Selfies für das neue Portrait hingekriegt habe, schien aber immer nur etwas zwischen „ich hab schlimme Bauchschmerzen, versuche mir aber nichts anmerken zu lassen“ und „Achtung, ich muss gleich nießen!“ zu vermitteln. Nicht so zielführend, das alles.

Wie so oft in meinem Leben habe ich die Lösung für dieses Problem auf YouTube gefunden. Dort zeigt Künstlerin Kiara auf ihrem Channel Kiara’s Studio ihre großartigen Zeichenkünste und hat irgendwo erwähnt, dass sie auch Auftragsarbeiten macht. Drei Minuten später stand ich auf ihrer virtuellen Türschwelle, um mich von ihr malen zu lassen.

Nun läuft das in der Kunst leider (oder zum Glück?) nicht mehr so romantisch ab, dass man sich als Modell nackig auf ein Sofa fläzt und der Künstler wild mit dem Pinsel auf die Leinwand eindrischt. Stattdessen habe ich Kiara ein paar Fotos gemailt und ihr geschrieben, was auf jeden Fall mit rein muss (mein Gesicht, Wolle, Seefahrt) und ihr ansonsten freie Hand gelassen. Was sich als genau das Richtige herausgestellt hat, denn so konnte sie ihrer eigenen Inspiration folgen und hat dabei auch noch genau meinen Geschmack getroffen.

Großartig fand ich, dass ich den Entstehungsprozess des Bildes von Anfang an verfolgen konnte, da sie mir immer wieder Skizzen und Fotos des aktuellen Status der Arbeit geschickt hat.

Angefangen hat sie mit diesen drei Skizzen:
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Ich habe mir die mittlere der drei gewünscht, die sie dann noch einmal ins Reine gezeichnet hat:
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Ist das nicht schon fantastisch? Wenn ich groß bin, möchte ich auch so zeichnen können! Nach einem frenetischen go, go, GO! von mir hat sie dann die Zeichnung getuscht und koloriert. Und hier ist das fertige Werk:
ProfilKiarasStudio

Ich bin sowas von begeistert! Selbst wenn ich die gleichen Fähigkeiten im Umgang mit Zeichenutensilien hätte, hätte ich es nicht besser machen können. Sie hat sogar von sich aus zwei Symbole ins Bild eingebracht, die ich als Tattoos an den Fußknöcheln trage, nämlich Anker und Steuerrad – und ich habe ihr weder von den Tattoos erzählt, noch um diese Symbole im Speziellen gebeten.

Und um dem ganzen die Krone (oder das Papierhütchen) aufzusetzen, hat sie den Zeichenprozess gefilmt und das Video in ihrem YouTube-Channel hochgeladen. Hier könnt ihr es euch ansehen:

Mehr Bottom-up-Probleme: Schultern

Wenn es darum geht, einen Pullover oder Cardigan in einem Stück zu stricken, teilen sich die Lager in zwei Vorgehensweisen: von oben herab Top Down oder von unten aufwärts Bottom Up. Welche ist besser? Über diese Frage sind schon wahre Glaubenskriege entstanden, bei denen sich friedliebende Strickerinnen in nadelschwingende Harpyien verwandeln. Deshalb gleich vorweg: Ich mag beide Methoden. Tut mir nichts!

Beim Bottom Up finde ich enorm praktisch, dass die Ärmel direkt mit eingestrickt werden. So steht man nicht nach der langen Arbeit des Hauptteils da und muss noch zwei komplette Ärmel anstricken – wenn fertig, dann fertig!

Ein Nachteil des Bottom Up ist, dass man sich im Vorhinein überlegen muss, wie lang Körper und Ärmel werden sollen, statt einfach so lange weiter zu stricken, bis man zufrieden ist. Eine Lösung für dieses Problem habe ich euch damals anhand meines Eulenpullis aus der Malabrigo Chunky gezeigt. Nun bin ich beim Stricken meines 3 ind 1 Pullovers auf eine andere Schwachstelle des Bottom Ups gestoßen: Diese verflucht engen Schulterrunden!

Gemeint sind damit diese sehr anstrengenden Zentimeter zwischen dem Punkt, an dem Körper und Ärmel zum ersten Mal zusammen auf eine Rundnadel kommen, und dem magischen Punkt in Kragennähe, ab dem es nicht mehr solche Schwierigkeiten macht, mit den Stricknadeln um die Schulterkurven zu kommen. Denn dort muss man eine Form, die man während der Ärmel mit Nadelspiel gestrickt hat, plötzlich mit der Rundstricknadel hinbekommen. Und das kann sehr, sehr fummelig werden. Diese zwei Methoden funktionieren bei mir ganz gut:

1) Das Rundstricknadel-Nadelspiel

Wer schon mal Martina Behms Nuvem gestrickt hat, kennt den Trick vermutlich schon: Einfach zwei Rundstricknadeln verweden! Jede Rundnadel beherbergt eine Hälfte der Maschen, an den äußersten Punkten der Schultern ist dann jeweils Ende. Ein Foto habe ich leider nicht, aber dafür diese hinreißende handgezeichnete Skizze:


Abgestrickt wird immer mit der Nadelspitze des gleichen Seils, sonst hat man ja irgendwann wieder alle Maschen auf der gleichen Nadel.
Vorteil: Man muss nicht um die Kurve stricken. Nachteil: Leiterchengefahr! Wer auch bei Socken etc. oft sichtbar verzogene Maschen zwischen den Nadeln des Nadelspiels hat, kann auch hier Pech haben. den Nadelwechsel jede Runde um ein paar Maschen zu verschieben kann aber schon helfen.

2) Gewaltanwendung (aka Magic Loop)

Der Magic Loop ist eine Art Lebensretter für Nadelspielhasser, die Socken stricken möchten, und nebenbei auch für enge Schulterrunden im Bottom Up Pullover geeignet. Es gibt einmal die einfache Variante, die ich immer dann anwende, wenn ich mit Rundstricknadeln in der Runde stricke, die Runde aber kleiner ist als meine Seillänge. Dann ziehe ich irgendwo zwischen zwei Maschen eine Schlaufe des Seils heraus und habe damit praktisch meine Seillänge reduziert. Easy peasy. Die meisten zählen diese Technik vermutlich noch gar nicht zum Magic Loop.
Der richtig richtige Magic Loop dagegen erzeugt noch eine zweite freifliegende Seil-Schlaufe, um enge Strickschläuche handhaben zu können. Man kommt damit tatsächlich auch um die kleinste Kurve, muss aber ständig neue Schlaufen herauszupfen. Hier eine Verdeutlichung anhand einer Socke:

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Drops hat dazu ein schönes Video, das ihr euch hier ansehen könnt.

Für mich fühlt sich das immer sehr umständlich an, tatsächlich wende ich diese Technik aber bei Bottom-Up-Schultern immer an, weil ich im entscheidenden Moment nie eine zweite Rundstricknadel in passender Größe finden kann. Geht also alles.
Leiterchen entstehen hier kaum, weil man den Loop jedes Mal an einer anderen Stelle herauszieht (oder herausziehen sollte).

Welche Variante strickt ihr lieber, Top down oder Bottom Up?