Chinesisches Roulette mit Aliexpress

Ich muss euch heute mal was zeigen, was gar nichts mit Stricken zu tun hat. Oder vielleicht doch, schauen wir mal.

Und zwar bin ich vor einiger Zeit über die chinesische Verkaufsplattform Aliexpress gestolpert. Aliexpress ist sowas wie das eBay des Ostens, nur ohne Versteigerungen. Man findet dort alles Mögliche (wenn man lange genug sucht vermutlich ganz wörtlich alles Mögliche …) und das gar nicht unbedingt zu den klischeehaften China-Billigpreisen. Man stolpert zwar immer wieder über Produkte, die sehr stark, aber eben doch nicht völlig, bekannten Markenprodukten ähneln, aber man findet auch jede Menge originär chinesische Produkte, die man auf dem europäischen Markt gar nicht kriegt. Sowas finde ich viel interessanter als Billigimitate.

Ich wollte Aliexpress unbedingt mal ausprobieren. Kosmetik und Lebensmittel habe ich mich nicht getraut, Elektronik war mir doch zu teuer (ab ca. 25 Euro kassiert der Zoll die deutsche Mehrwertsteuer ein), also habe ich mich im Bereich Schreibwaren umgesehen. Notizbücher und Stifte sind eine heimliche Leidenschaft von mir.

Außerdem liebe ich dieses skurrile Asia-Englisch! Vielleicht werden ständig wohlklingende chinesische Redewendungen ins Englische übertragen und die arglosen chinesischen Produktdesigner merken nicht, dass der Sinn unterwegs verloren geht? Oder vielleicht hat der westliche Tattoo-Trend mit den chinesischen Schriftzeichen in den 90ern/00ern die Chinesen zu dem Schluss gebracht, dass man Menschen, die sich „Friede, Liebe, Schweinefleisch süß-sauer“ auf den Nacken tattoowieren lassen, jeglichen Slogan verkaufen kann. Ich tippe stark auf Letzteres, denn auch ich habe ein Tattoo mit asiatischen Schriftzeichen (wenn auch nicht Chinesisch und hoffentlich auch kein Schweinefleich süß-sauer) und mir kann man jederzeit das wildeste Asia-Englisch verkaufen. Der Pluspunkt ist außerdem, dass man bei Aliexpress oft im Vorfeld nicht zu hundert Prozent erkennen kann, was man eigentlich bestellt, da die Produktbeschreibungen nicht immer übersetzt werden. Das ganze ist somit eine Art chinesisches Roulette mit vielen schönen Überraschungen.

Hier ist meine bisherige Aliexpress-Aubeute:

Sticker kann man immer gebrauchen, nicht wahr? „I like you“ oder „Forever“ sind kleine Botschaften, über die sich jeder freut. Noch keine Verwendung dagegen habe ich leider für „I wish that you loved me“ gefunden. Vielleicht bei der nächsten Steuererklärung? Ganz unsicher bin ich mir allerdings, wann „I can read your mind“ angemessen ist. Klingt irgendwie bedrohlich.

Nächster Fund: Dieses Notizbuch. Galaxien sind hip! Erst als ich das Buch erhielt, stellte ich fest, dass mir außerdem noch ein kleiner Astronomie-Kurs geliefert wurde: „The known universe“, also das bekannte Universum, besteht also aus einem Planeten („Planet side“), einem unbekannten Planeten in Form eines Sternnebels („An unknown Planet“), dem Rand („The Edge“) und nochmal einem Rand („Edge“). Demnach leben wir auf diesem blauen Saturn. Gut zu wissen!

Ein echter Glückstreffer war dieses Notizbuch mit einem großartigen Cover im Steampunk-Stil (in China auch „Steampung“ genannt, wie ein Aufdruck auf der Rückseite zeigt). Das Papier ist sehr hochwertig und es gab sogar ein kleines Zahnrad als Beigabe. Sehr betrübt hat mich allerdings, dass der Designer des zweiten Notizbuchs meiner Bestellung, ein schlichtes schwarzes Buch mit Blumenornamenten, offenbar aufgrund einer unglücklichen Romanze allen Lebenswillen verloren hat. Auf der Banderole des Buches hat er nämlich neben den üblichen Pflichtangaben wie Seitenzahl und Format auch ein kleines Gedicht hinterlassen:

Ich hoffe, der arme Mann hat sich nichts angetan …

Alles in allem bin ich echt begeistert von Aliexpress. Ich hatte bisher noch keine wirklichen Nieten, dafür aber einige echte Hits für kleines Geld. Wenn ihr es einmal selbst versuchen wollt: Ich empfehle euch generell, nur mit Kreditkarte zu zahlen (sicher ist sicher), nicht zu viel Geld zu investieren (wie gesagt, sicher ist sicher …) und euch auf 3 bis 5 Wochen Lieferzeit einzustellen. Und wenn ihr mit irgendwelchen Produkten liebäugelt, die gegessen, aufgeschmiert oder sonstwie in Kontakt mit Schleimhäuten gebracht werden, solltet ihr vielleicht kurz darüber nachdenken, wie sinnvoll die strengen EU-Verordnungen für Produkte dieser Art sind. Ist aber nur meine persönliche Ansicht.

Falls euch jetzt die ganze Zeit die Frage auf den Nägeln gebrannt hat, was denn eigentlich mit Stricken ist: Ja, es gibt auch Wolle bei Aliexpress.

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Auch hier ist es aufgrund der wirren Produktbeschreibung etwas undurchsichtig, was man eigentlich kauft, welche Maschenprobe es hat und wie viele Knäul es werden. Es könnte sich aber lohnen. Was meint ihr, soll ich es mal versuchen?

Blogportrait-Bild – Das Making of

Als ich diesen Blog hier angefangen habe, habe ich das ohne große Ansprüche und auch ohne große Ressourcen im Rücken gemacht. Gratis-Account bei WordPress, selbstgebasteltes Header-Banner, Fotos mit der Handykamera gemacht und ab ins Internet damit. Als dann im Laufe der Zeit überraschenderweise keine faulen Tomaten geflogen kamen, sondern immer mehr Besucher auftauchten, habe ich immer mehr aufgestockt. Ein schöneres Banner zum Beispiel oder etwas besseres Foto-Equipment.

Der nächste Punkt auf meiner Liste war mein kleines Portrait in der rechten Spalte. Das Bild, das ich da lange Zeit hatte, kam noch aus der Zeit, als ich mein Gesicht lieber nicht im Blog zeigen wollte. Da ich damit mittlerweile kein Problem mehr habe, wollte ich auch das Portrait etwas offener gestalten. Es soll ja schließlich neuen Besuchern einen Eindruck verschaffen, wer denn hier eigentlich schreibt. Also eine Botschaft, die irgendwo zwischen „hey, das hier bin ich!“ und „ich bin übrigens ganz schön cool“ liegt. Alles, was ich an Selfies für das neue Portrait hingekriegt habe, schien aber immer nur etwas zwischen „ich hab schlimme Bauchschmerzen, versuche mir aber nichts anmerken zu lassen“ und „Achtung, ich muss gleich nießen!“ zu vermitteln. Nicht so zielführend, das alles.

Wie so oft in meinem Leben habe ich die Lösung für dieses Problem auf YouTube gefunden. Dort zeigt Künstlerin Kiara auf ihrem Channel Kiara’s Studio ihre großartigen Zeichenkünste und hat irgendwo erwähnt, dass sie auch Auftragsarbeiten macht. Drei Minuten später stand ich auf ihrer virtuellen Türschwelle, um mich von ihr malen zu lassen.

Nun läuft das in der Kunst leider (oder zum Glück?) nicht mehr so romantisch ab, dass man sich als Modell nackig auf ein Sofa fläzt und der Künstler wild mit dem Pinsel auf die Leinwand eindrischt. Stattdessen habe ich Kiara ein paar Fotos gemailt und ihr geschrieben, was auf jeden Fall mit rein muss (mein Gesicht, Wolle, Seefahrt) und ihr ansonsten freie Hand gelassen. Was sich als genau das Richtige herausgestellt hat, denn so konnte sie ihrer eigenen Inspiration folgen und hat dabei auch noch genau meinen Geschmack getroffen.

Großartig fand ich, dass ich den Entstehungsprozess des Bildes von Anfang an verfolgen konnte, da sie mir immer wieder Skizzen und Fotos des aktuellen Status der Arbeit geschickt hat.

Angefangen hat sie mit diesen drei Skizzen:
image1

Ich habe mir die mittlere der drei gewünscht, die sie dann noch einmal ins Reine gezeichnet hat:
image1-2

Ist das nicht schon fantastisch? Wenn ich groß bin, möchte ich auch so zeichnen können! Nach einem frenetischen go, go, GO! von mir hat sie dann die Zeichnung getuscht und koloriert. Und hier ist das fertige Werk:
ProfilKiarasStudio

Ich bin sowas von begeistert! Selbst wenn ich die gleichen Fähigkeiten im Umgang mit Zeichenutensilien hätte, hätte ich es nicht besser machen können. Sie hat sogar von sich aus zwei Symbole ins Bild eingebracht, die ich als Tattoos an den Fußknöcheln trage, nämlich Anker und Steuerrad – und ich habe ihr weder von den Tattoos erzählt, noch um diese Symbole im Speziellen gebeten.

Und um dem ganzen die Krone (oder das Papierhütchen) aufzusetzen, hat sie den Zeichenprozess gefilmt und das Video in ihrem YouTube-Channel hochgeladen. Hier könnt ihr es euch ansehen:

Mehr Bottom-up-Probleme: Schultern

Wenn es darum geht, einen Pullover oder Cardigan in einem Stück zu stricken, teilen sich die Lager in zwei Vorgehensweisen: von oben herab Top Down oder von unten aufwärts Bottom Up. Welche ist besser? Über diese Frage sind schon wahre Glaubenskriege entstanden, bei denen sich friedliebende Strickerinnen in nadelschwingende Harpyien verwandeln. Deshalb gleich vorweg: Ich mag beide Methoden. Tut mir nichts!

Beim Bottom Up finde ich enorm praktisch, dass die Ärmel direkt mit eingestrickt werden. So steht man nicht nach der langen Arbeit des Hauptteils da und muss noch zwei komplette Ärmel anstricken – wenn fertig, dann fertig!

Ein Nachteil des Bottom Up ist, dass man sich im Vorhinein überlegen muss, wie lang Körper und Ärmel werden sollen, statt einfach so lange weiter zu stricken, bis man zufrieden ist. Eine Lösung für dieses Problem habe ich euch damals anhand meines Eulenpullis aus der Malabrigo Chunky gezeigt. Nun bin ich beim Stricken meines 3 ind 1 Pullovers auf eine andere Schwachstelle des Bottom Ups gestoßen: Diese verflucht engen Schulterrunden!

Gemeint sind damit diese sehr anstrengenden Zentimeter zwischen dem Punkt, an dem Körper und Ärmel zum ersten Mal zusammen auf eine Rundnadel kommen, und dem magischen Punkt in Kragennähe, ab dem es nicht mehr solche Schwierigkeiten macht, mit den Stricknadeln um die Schulterkurven zu kommen. Denn dort muss man eine Form, die man während der Ärmel mit Nadelspiel gestrickt hat, plötzlich mit der Rundstricknadel hinbekommen. Und das kann sehr, sehr fummelig werden. Diese zwei Methoden funktionieren bei mir ganz gut:

1) Das Rundstricknadel-Nadelspiel

Wer schon mal Martina Behms Nuvem gestrickt hat, kennt den Trick vermutlich schon: Einfach zwei Rundstricknadeln verweden! Jede Rundnadel beherbergt eine Hälfte der Maschen, an den äußersten Punkten der Schultern ist dann jeweils Ende. Ein Foto habe ich leider nicht, aber dafür diese hinreißende handgezeichnete Skizze:


Abgestrickt wird immer mit der Nadelspitze des gleichen Seils, sonst hat man ja irgendwann wieder alle Maschen auf der gleichen Nadel.
Vorteil: Man muss nicht um die Kurve stricken. Nachteil: Leiterchengefahr! Wer auch bei Socken etc. oft sichtbar verzogene Maschen zwischen den Nadeln des Nadelspiels hat, kann auch hier Pech haben. den Nadelwechsel jede Runde um ein paar Maschen zu verschieben kann aber schon helfen.

2) Gewaltanwendung (aka Magic Loop)

Der Magic Loop ist eine Art Lebensretter für Nadelspielhasser, die Socken stricken möchten, und nebenbei auch für enge Schulterrunden im Bottom Up Pullover geeignet. Es gibt einmal die einfache Variante, die ich immer dann anwende, wenn ich mit Rundstricknadeln in der Runde stricke, die Runde aber kleiner ist als meine Seillänge. Dann ziehe ich irgendwo zwischen zwei Maschen eine Schlaufe des Seils heraus und habe damit praktisch meine Seillänge reduziert. Easy peasy. Die meisten zählen diese Technik vermutlich noch gar nicht zum Magic Loop.
Der richtig richtige Magic Loop dagegen erzeugt noch eine zweite freifliegende Seil-Schlaufe, um enge Strickschläuche handhaben zu können. Man kommt damit tatsächlich auch um die kleinste Kurve, muss aber ständig neue Schlaufen herauszupfen. Hier eine Verdeutlichung anhand einer Socke:

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Drops hat dazu ein schönes Video, das ihr euch hier ansehen könnt.

Für mich fühlt sich das immer sehr umständlich an, tatsächlich wende ich diese Technik aber bei Bottom-Up-Schultern immer an, weil ich im entscheidenden Moment nie eine zweite Rundstricknadel in passender Größe finden kann. Geht also alles.
Leiterchen entstehen hier kaum, weil man den Loop jedes Mal an einer anderen Stelle herauszieht (oder herausziehen sollte).

Welche Variante strickt ihr lieber, Top down oder Bottom Up?

Dreierlei, nicht einerlei

Kaum zu glauben, ich habe mal was fertig gekriegt! Und zwar diesen 3 in 1 Pullover hier:

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Die Wolle dazu habe ich vor bestimmt zwei Jahren gekauft und war mir jetzt beim Stricken gar nicht mehr sicher, ob mir die Farbkombi so gut gefällt. In fertig gefällt mir der Pullover aber total gut und ich durchkämme schon meinen Garnvorrat nach Restmengen, aus denen ich den nächsten 3 in 1 stricken kann. Meint ihr, Neonpink und Dunkelblau passen zusammen?

Bemerkenswert fand ich bei dieser Anleitung, wie minutiös die Designerin alles ausgerechnet und angegeben hat. Klar, für die mehrlagige Konstruktion mit Rollrändern, verkürzten Reihen und Streifen braucht man ein paar Erklärungen. Aber dass sich sogar die Abnahmen für Schultern und Halsausschnitt, die ja nun nicht wirklich außergewöhnlich sind, auf mehrere Seiten erstrecken, hat mich dann doch erstaunt. Wo andere Anleitungen etwas wie „Schulterabnahmen jede zweite Runde wiederholen“ hinwerfen und einen dann für etliche Runden in Ruhe stricken lassen, wird hier von Atelier Alfa jede einzelne Reihe aufgedröselt: Nur an den Schultern abnehmen. Nur am Halsausschnitt abnehmen. Nur am Halsausschnitt und innerhalb der Ärmel abnehmen. An allen Stellen abnehmen. Alles außer Ärmel abnehmen. Und das alles ohne (für mich) erkennbares Muster.

Nun ist die Maschenprobe nicht so wahnsinnig fett gewesen, dass eine Abnahme in der falschen Runde dem Pullover einen Buckel hinzugezaubert hätte. Ich habe mich also beim Stricken die ganze Zeit gefragt, wie notwendig diese Runde-für-Runde-Aufzeichnung eigentlich ist. Hab mich aber auch nicht getraut, davon abzuweichen, ich Hasenfuß. Naja, Hauptsache das Teil sieht hinterher gut aus.

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Am besten finde ich die überlangen Ärmel, auch wenn sie vermutlich total bescheuert aussehen. Nachdem so viele meiner Pullover zu kurze Ärmel gekriegt haben (typischer Fall von Das-reicht-bestimmt-ich-kette-das-jetzt-ab-verdammte-Axt), machen mich diese Waisenkind-Ärmel sinnlos glücklich. Das mache ich von jetzt an immer so.

Mehr über den 3 in 1 erzähle ich heute auch bei Lanade im Blog. Da verrate ich auch, wie ich statt dieser fummeligen Knopfleiste einen Rundhalsausschnitt gebastelt habe.

Habt ihr das Modell schon mal gestrickt?

Gratis-Anleitung: Sommertop Strandgut

Heute kann ich euch endlich etwas zeigen, was mir schon seit etlichen Wochen auf den Nägeln brennt: Meine erste eigene Anleitung für Lanade!

Entworfen habe ich dieses leichte Sommertop:

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Ich habe in der Vergangenheit ja schon ein paar kleinere Anleitungen geschrieben und auch die Rückmeldung bekommen, dass sie verständlich sind und am Ende tatsächlich zu dem Ergebnis führen, das ich auf den zugehörigen Bildern gezeigt habe. Als Carolin von Lanade mich gefragt hat, ob ich ihr eine Anleitung für ein Sommertop schreibe, hab ich also leichtfertig zugesagt.

Das Stricken war auch gar kein Problem. Nach knapp drei Wochen war mein Top aus Drops Loves You #7 und Malabrigo Mora fertig, 20 cm ribbeln und neu stricken inbegriffen. Aufgeschrieben war es auch schnell. Und das rauf- und runterrechnen auf weitere Größen ging auch schnell. Aber dann.

Dann kam der harte Kampf mit der Realität, der eigentlich ein Kampf einer kleinen Teststricker-Truppe unter der Führung von Lanade-Antje gegen meine unerklärlichen Aussetzer im Umgang mit Zahlen und Logik im Allgemeinen war. Während die Testerinnen meine Anleitung in verschiedenen Größen nachstrickten, wurde ich mit einer Menge unangenehmer Fragen konfrontiert. Ob das so sinnvoll sei, den Faden mitten im Strickstück abzuschneiden. Hm, naja, vermutlich nicht. Ob mir klar sei, dass 10 plus 5 nicht 45 seien. Hab ich schon mal von gehört, ja. Ob ich zwischen Reihe 6 und Reihe 8 vielleicht noch eine Reihe 7 einfügen wolle. Okay, ausnahmsweise.

Am Ende war ich weniger darüber erstaunt, wie viele Fehler ich zu korrigieren hatte, als vielmehr darüber, dass keine der Teststrickerinnen drei Armlöcher oder ein zwei Meter langes Top nach meiner Anleitung produziert hat. Und darüber, dass alle bis zum Ende durchgehalten haben.

Mit großer Dankbarkeit für meine tapferen Teststrickerinnen und großem Respekt vor allen Designern von wirklich aufwändigen Strickstücken schicke ich euch jetzt zu Lanade und hoffe, dass euch mein Top gefällt. Ich freue mich darauf, viele bunte Versionen dieses Projekts zu sehen!

Hier gehts zur Anleitung!

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Farbabenteuer bei Malabrigo & Madelinetosh

Habt ihr gesehen? Lanade hat jetzt auch Madelinetosh ins Programm aufgenommen! Ich könnte meinen Monitor ablecken bei den ganzen tollen Farben! Mach ich aber nicht, der schmeckt so bitter.

Das Tolle bei Madelinetosh ist, dass sich die Färbungen über sämtliche Garnqualitäten ziehen. Die Farbe „Cosmic Wonder Dust“ zum Beispiel findet man sowohl bei der Tosh Merino Light wie auch bei der Pashmina, der Tosh DK und allen anderen Garnen der Marke – und das gleiche gilt für jede der über 150 Farben. Malabrigo macht das leider nicht ganz so konsequent, aber viele Färbungen erkennt man doch wieder.

Zu Madelinetosh kann ich noch nicht ganz so viel sagen, aber bei Malabrigo ist mir aufgefallen, dass gleiche Färbungen bei verschiedenen Garnen sehr unterschiedlich ausfallen können. Seht mal hier beispielsweise die Farbe „Archangel“, einmal auf der Malabrigo Arroyo (links) und einmal auf der Malabrigo Rastita (rechts):

Oder hier die Farbe „Lotus“, einmal links auf der Malabrigo Silky Merino und einmal rechts wieder auf Malabrigo Arroyo:

Merke: Gleiche Farben sehen auf verschiedenen Garnen nicht automatisch gleich aus. Zum Einen liegt das natürlich am Material. Seide nimmt Farbe anders an als Merinowolle und verzwirnte Merinowolle wiederum anders als ein unverzwirntes Merino-Dochtgarn. Und dann ist da natürlich auch noch die Sache mit dem Handarbeitsfaktor beim handgefärbten Garn: Das Ergebnis ist immer ein bisschen anders. Oder auch schon mal ganz viel anders, und das auch schon mal innerhalb der gleichen Qualität, was dann etwas ärgerlich sein kann, wenn der Pullover plötzlich einen unfreiwilligen Blockstreifen hat.

Aber mit handgefärbtem Garn ist es eben wie mit einer Schachtel Pralinen: Man weiß nie was man bekommt, aber man kann trotzdem nicht die Finger davon lassen.

Hier nochmal etwas Eye Candy. Aber nicht meinen Blog ablecken, verstanden?

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Zen in der Kunst des Strickmusterverkackens

Ein kluger Zen-Meister hat mal gesagt, bei einem achtsamen Leben kommt es vor allen Dingen darauf an, einen Anfängergeist zu entwickeln. Ein Experte sieht die Dinge durch die Brille seiner Expertise und ist deshalb extrem eingeschränkt in seiner Wahrnehmung. Ein Anfänger aber sieht alles zum ersten Mal und kann deshalb alles unvoreingenommen erleben. 

Was soll ich sagen? Der Mann hat Recht!

Bei dieser Strickjacke von Justyna Lorkowa habe ich so richtig gepatzt. und zwar auf eine Weise, die mir als Anfängerin nie passiert wäre. 

Als Anfängerin habe ich nämlich jeden Satz einer Anleitung zehnmal gelesen und jede Anweisung gewissenhaft befolgt. Wenn da irgendwo stand „jetzt Maschenmarker setzen“ habe ich einen Maschenmarker gesetzt, wenn da irgendwo stand „jetzt 10 Reihen weiter im Muster arbeiten“ habe ich das nicht einfach überlesen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. 

Jetzt aber, als fortgeschrittene Strickerin? Pfff, was sollen die ganzen Marker? Was soll ich so genau in die Anleitung gucken? Ich bin Experte, ich krieg das schon hin … nicht. Und jetzt habe ich einen extrem schiefen Halsausschnitt, herzlichen Glückwunsch. Also: ribbeln und Anfängergeist kultivieren. 

Das Garn, mit dem ich die Jacke stricke, ist übrigens die wundervolle Malabrigo Rios in der Farbe Paris Night, die ich mir selbst zum Geburtstag diese Woche geschenkt habe. 33 bin ich geworden, was ich in stillen Momenten total befremdlich finde. Mit 13 hatte ich immer die Vorstellung, dass man mit 30 irgendwie fertig sei als Mensch. Dann ist man erwachsen, dachte ich, hat Mann, Job, Haus, weiß immer was zu tun ist und bleibt irgendwie der gleiche Mensch bis man dann – pling! – ins Omialter kommt und dann gehts genauso weiter nur mit weißen Haaren. Und jetzt bin ich über 30, fühle mich aber weder fertig noch weiß ich jemals wirklich was zu tun ist, und der einzige Unterschied zu 13 besteht darin, dass ich jetzt verheiratet bin, arbeiten gehe und einen Immobilienkredit abbezahlen muss. Hab ich was verpasst?

Davon abgesehen werde ich gern älter und finde es unsäglich, über das eigene Alter zu jammern. Wir hören alle schon noch früh genug auf mit dem Älterwerden. Und wenn ich mich so umsehe, scheint es mir eine gute Leistung zu sein, ein weiteres Jahr in dieser Welt durchzuhalten, ohne von einer unheilbaren Krankheit, einem entgleisten Zug oder einem religiösen Fanatiker erwischt zu werden. Von daher halte ich das Älterwerden für eine verdammt feine Sache und hoffe sehr, dass ich es bis ins hohe Omialter schaffe. Mit weißen Haaren und allem.