Im Tuchfieber

Ich habe ja schon vor einigen Wochen davon erzählt: Bei mir breitet sich wieder das Tuchfieber aus. Durch einen missglückten Goldfish Memory kurzzeitig gedämpft und durch den Stephen-West-KAL vorübergehend zufrieden gestellt bin ich eine Weile ausgekommen. Aber dann kam Melanie Berg mit einer teuflischen Rabattaktion und schon saß ich wieder bis über beide Ohren in Strickmustern für Halstücher.


© Bild: Melanie Berg

Meine erste Wahl war das Tuch Solaris. Ich liebe dieses schlichte Streifenmuster mit den kleinen Knubbeln und ich liebe den gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem. Und obendrein schien mir das Muster perfekt, um endlich diese beiden Stränge Wollmeise Blend in Petit Poison Dunkel zu verstricken, die seit dem Wollfest Hamburg bei mir herumliegen. Wo steckt eigentlich dieses Früchtchen, das mir erzählt hat, zwei Stränge reichen für einen Pullover? Und wo steckt mein Mathelehrer, der mir nicht genug Mathe beigebracht hat, um das nachzurechnen bevor ich zum Wollmeise-Stand gerannt bin? Bitte meldet euch, ich habe ein Hühnchen mit euch beiden zu rupfen!


Wie dem auch sei. Wollmeise lag bereit, der Ankauf einiger Mini-Stränge in passenden Farben bei Frida Fuchs wurde billigend in Kauf genommen, kurze Zeit später lag alles für ein Solaris-Tuch in Beerenfarben bereit. Aber wie das immer so ist, nahm meine Wertschätzung der Farbwahl vom Ausgangspunkt „Beste Idee EVER!“ eine rapide Talfahrt über „Hmm, ich weiß nicht“ hin zum absoluten Tiefpunkt „Größter Mist, den ich je gesehen habe.“

Einige Zeit, Brainstormings und Euros später hatte ich dann eine völlig andere Grundfarbe für das Tuch, nämlich einen variationsreich-sandfarbenen Ton aus Zitron High Twist Concept. Die bereits angeschafften Mini-Füchse in Beerenfarben ließen sich zum Glück sehr gut damit kombinieren. Und hier ist das fertige Tuch!

Diese sehr zurückhaltende Farbe ist eher ungewöhnlich für mich, vielleicht aber gerade deshalb sehr gut. Sonst nehme ich bei Tüchern gern äuffälligere Farben und habe dann später oft das Problem, dass sie nicht zu meinen Anziehsachen passen (Hallo, gesamte Stephen-West-Kollektion in meinem Schrank!). Eins meiner ersten Halstücher dagegen war ein ganz simples Dreieckstuch in gedämpften Khakigrün und wurde von mir praktisch drei Jahre lang täglich getragen. Ich bin also optimistisch.

Da ich am Ende doch nicht alle Frida-Fuchs-Farben für die Streifen unterbringen konnte, habe ich einfach eine kleinere Version des Tuchs gestrickt. Mein Tuch hat wie vorgesehen fünf Einsätze mit Streifen in verkürzten Reihen, aber Wiederholung 4 und 5 haben die gleiche Farbe. Die Abschlussborte habe ich etwas früher begonnen und dann nur mit 7 statt 9 Bobbel-Streifen gearbeitet. Sieht trotzdem gut aus und ist auch trotzdem noch groß genug. Die lange Seite hat etwa 2,45 m!

Als nächstes habe ich eigentlich den Rheinlust auf der Wunschliste, bin aber noch unentschlossen, ob ich den in Blau stricken möchte oder da endlich mal die dumme Wollmeise für verwenden kann. Aber Wellenmuster muss eigentlich blau, oder?
Bis ich mich entschieden habe, stricke ich den Lilli Pilli (Ambah O’Brien, nicht Melanie Berg) in dieser hübschen Kombi:

Das ist einmal Hedgehog Socks in Oracle, Zitron Seidenstraße in einer namenlosen Grau-Lila-Mischung und ein handgefärbtes Merinogarn in der schönen Farbe Berry Crush, das ich auf DaWanda entdeckt habe. Auch alles drei wieder neu für dieses Projekt angeschafft, fällt mir gerade auf. Die 50 Garne in meinem Schrank passen aber auch einfach nicht zusammen!

Und dann ist da noch eine kleine, fantastische Sache, an der ich arbeite. Ich darf noch nichts dazu sagen, aber ich kann euch zumindest die Garne zeigen:

Ja, es ist bloß Acrylwolle. Ja, es sind weihnachtliche Farben. Und ja, es ist die vielleicht großartigste Auftragsarbeit, die ich je gestrickt habe. Ich hoffe, ich kann euch bald mehr erzählen!

Nicht noch eine Abnehm-Geschichte!

Das Internet ist ja voll von Blogbeiträgen, Facebook-Postings und Werbebanner à la „So verlor ich 50 kg in drei Monaten“. Ich habe deshalb eine ganze Weile überlegt, ob ich zu diesem Thema auch noch meinen Senf abgeben muss. Und bin zu dem Schluss gekommen: ja, muss ich. Aber keine Angst, von mir gibt es zumindest keine Wampen-Selfies.

Ich habe in den vergangenen 9 Monaten etwa 8 bis 10 Kilo abgenommen. Ganz genau weiß ich nicht, wieviel es sind, weil meine Waage nicht sehr zuverlässig ist. Aber ich weiß noch, dass der Anästhesist bei meiner Weisheitszahn-OP vor einigen Jahren 67 Kilo notiert hat und eine Körperfettmessung meiner Krankenkasse vor einigen Tagen nur noch 57 Kilo. Vor allen Dingen habe ich es aber daran gemerkt, dass ich bei Stickmustern, für die ich jedes Mal Brust-, Taillen- und Hüftumfang messe, in den letzten Monaten von Größe L auf Größe S runtergehen konnte. Und ich merke es, wenn ich die Fotos ansehe, die ich in den letzten Monaten für den Lanade-Blog von mir gemacht habe. Beispiel: Ich mit dem „Strandgut“-Top, dünne Baumwolle, nichts drunter, Juli 2016, und ich mit meinem „Dip Dye“-Pullover, dicke Wolle, Shirt drunter, Mai 2017.

Körperwahrnehmung ist eine seltsame Sache. Als Teenager habe ich Kleidergröße 36 getragen und mich fett gefühlt. Als Erwachsene habe ich Größe 40 getragen und war zufrieden mit mir. Bis ich mich ganz plötzlich, ohne dass auch nur ein einziges Kleidungsstück gezwickt oder gekniffen hätte, extrem unwohl mit meinem Körper gefühlt habe. Das war etwa im Sommer letzten Jahres. Und als ich vom Wollfest Hamburg zurückkam und feststellte, dass ich vor lauter Wolleguckerei und Aufregung in drei Tagen weniger Süßigkeiten und Mist gegessen hatte als sonst an einem einzigen Tag und trotzdem noch lebte, beschloss ich: Jetzt nehme ich ab.

Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich ernsthaft versuchte, mein Gewicht zu reduzieren. Und die Probleme, auf die ich stieß, waren denen erstaunlich ähnlich, die ich im kreativen Bereich erlebt und in meinem Buch beschrieben habe. „Ich kann nicht malen!“ läuft auf der gleichen Schiene wie „ich kann nicht abnehmen!“, weil beides mit ungerechten Vergleichen arbeitet. Im einen Fall erwartet man von sich selbst, auf Anhieb die gleichen Meisterwerke zu produzieren wie ein Profikünstler, der etliche Jahrzehnte der Übung hinter sich hat (und beschimpft sich selbst im Falle des unausweichlichen Versagens). Im anderen Fall erwartet man von sich selbst, sofort wie Superstar XY auszusehen, nur weil man sich mal einen Riegel Schokolade verkniffen hat oder tapfer um den Block gerannt ist (und beschimpft sich selbst im Falle des unausweichlichen Versagens). Und während die Gesellschaft im Falle von Kreativität dazu neigt, die Schultern zu zucken und die Meisterwerke den Meistern zu überlassen, neigt sie leider auch dazu, jedem ein schlechtes Gewissen zu machen, der nicht unrealistischen Schönheitsidealen entspricht.

2014 habe ich schon mal über Schönheitsideale geschrieben und darüber, wie wichtig es ist, seinen Körper zu akzeptieren. Dieser Meinung bin ich auch immer noch. Aber leider gibt auch es sehr nebelige Grenzen zwischen Selbstakzeptanz („ich mag mich so, wie ich bin“) und trotziger Selbstvernachlässigung („Abnehmen ist nur was für Magerwahn-Opfer!“). Genauso, wie es eine nebelige Grenze gibt zwischen liebevoller Selbstfürsorge durch mehr bewegen und weniger essen, und liebloser Selbstbestrafung durch mehr bewegen und weniger essen. Genauso wie Tattoos eine Form der Selbstbestimmung sein können, aber auch eine Form der Selbstverletzung.

Ich glaube, es gibt kein Patentrezept, um auf der besseren Seite der Medaille zu bleiben. Man kann immer nur jeden Schritt einzeln überprüfen und sich immer wieder fragen: Warum mache ich das gerade? Warum will ich nicht abnehmen? Weil ich meinen Körper liebe oder weil ich es mir nicht zutraue, es gebacken zu kriegen? Warum will ich jetzt dieses Stück Schokolade essen? Weil ich Lust darauf habe oder weil ich unglücklich bin? Warum will ich jetzt ein Workout machen? Weil es sich gut anfühlt oder weil ich mich für das Stück Schokolade von vorhin bestrafen will?

Ich habe außerdem herausgefunden, dass es für mich auch noch etwas zwischen einem Leben auf dem Sofa und täglicher Demütigung im Fitnessstudio zwischen durchtrainierten Sportfreaks gibt. Auch das erforderte eine Überwindung des kategorischen „kann ich nicht, will ich nicht, schaff ich nicht“ und zum ersten Mal die Frage: Was mache ich denn eigentlich gerne? Die Antwort: Laufen. Alle anderen Sportarten hasse ich wie die Pest, besonders Mannschaftssportarten, die mich an meine Zeit als pummeliges Kind im Sportunterricht erinnern: Immer die letzte, die beim Völkerball in eine Mannschaft gewählt wird, und immer die erste, die den Ball ins Gesicht gedonnert kriegt (und am Rand immer der Sportlehrer brüllend: „Geh ran, Nina, so wird das nix!“ – ach was, Sherlock!). Aber Laufen ist etwas, was mir Spaß macht. Leider sehe ich beim Laufen nicht so gut aus wie alle anderen Jogger, die ich sehe. Ich kriege keine frischen Apfelbäckchen und ein possierliches Schweißperlchen auf der Stirn, ich sehe aus, als hätte mich ein Schnellzug mitgeschleift.

Die Lösung war für mich die Anschaffung eines Laufbandes. Kostet etwas Geld, ja. Nimmt Platz weg, ja. Nimmt aber auch einen großen Teil der Hemmungen, regelmäßig zu laufen (inklusive Klassiker wie „Heute geht es nicht, es regnet!“) und setzt ein sichtbares Zeichen für mein Unterbewusstsein: Ich bin es mir wert und ich kriege das hin.

Und erstaunlicherweise kriege ich es tatsächlich hin. Ganz ohne Diätdrinks und Ernährungsplan, ohne Kalorien- oder Punktezählen, einfach nur mit dem guten alten weniger Mist essen, mehr bewegen. Natürlich kann man schneller und spektakulärer abnehmen als ich es tue. Es gibt auch Menschen, die besser schreiben, stricken und zeichnen als ich. Aber dieses ewige Vergleichen der kreativen Leistungen und körperlichen Werte mit anderen ist am Ende nur eine Art, sich selbst anzugreifen. Selbst wenn ein Vergleich zu meinen Gunsten ausfällt, gibt mir das nicht mehr als einen kurzen Kick, von dem nach ein paar Minuten nichts Positives mehr übrig ist. Ein rücksichtsvolle Umgang mit meinem Körper, meinen Bedürfnissen und meinen Grenzen dagegen fühlt sich länger gut an als nur für den Moment. Das ist etwas Gutes für das ganze Leben.

In Sommerlaune? Pech gehabt!

Aufgepasst Leute, ich habe schlechte Nachrichen: Der Sommer ist jetzt zuende. Bitte räumt sofort die Gartenmöbel rein, lasst euer Eis auf den Gehweg fallen und löscht die Grillkohle. Die Würstchen dürft ihr ausnahmsweise in der Pfanne zuende braten, aber dass mir keiner unter freiem Himmel isst! Ja, ist blöd jetzt, weiß ich auch selber. Aber bei Drops ist heute die Vorschau auf die neue Kollektion für Herbst/Winter veröffentlicht worden, deshalb habe ich beschlossen, dass der Sommer übersprungen wird. Zumindest für heute.   


Auf der Seite von Garnstudio Drops kann man wieder abstimmen, welche Muster veröffentlicht werden. Ich habe allerdings den starken Verdacht, dass am Ende eh alle Modelle übernommen werden, wo sie doch schon entworfen, gestrickt und schön fotografiert sind. Mir soll es recht sein – ich stimme trotzdem jedesmal mit großer Begeisterung mit ab und habe auch schon einige Favoriten in dieser Kollektion. 

Wollen wir zusammen ein bisschen durchschauen?

  

Es gibt wieder einen bunten Mix aus Zopf-, Ajour- und Fair-Isle-Mustern an allerlei warmen Pullovern, Jacken und dergleichen. Vieles davon sieht sehr tragbar aus, so wie diese Strickjacke oben im Bild aus Drops Air. 

  

Allerdings scheint der Trend auch stark zum Kartoffelsack Oversize-Look zu tendieren. Oder musste hier ein Mini-Model für eine verhinderte Plus-Size-Kollegin einspringen? Macht Drops etwa einen Schritt zurück in die Pulloverpassformen der 80er? Ich behalte dich im Auge, Drops! 

  

Dann gibt es natürlich die obligatorischen Scheußlichkeiten wie die oben abgebildete menschliche Wärmflasche. Ich wäre aber auch bitter enttäuscht, wenn ich in einer Drops-Kollektion nichts finden würde, was mich losprusten ließe. Traditionen wollen eingehalten werden. 

  
Dafür habe ich aber auch ein paar Modelle, auf die ich schon richtig, richtig gespannt bin. Zum Beispiel dieser Häkelpullover aus Drops Puna. Gut, das Altrosa ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Aber das Ganze in Schwarz und die Ärmel gestrickt statt gehäkelt …? Das Alpaka-Garn gibt dem Häkelteil genau die richtige Geschmeidigkeit und der gerundete Saum gefällt mir sehr gut. Und schon ist es wieder da, dieses Kribbeln in den Fingern!

Ich seh schon, ihr wollt zurück in euren Sommer. Dann gebe ich euch noch schnell dieses fesche Höserl mit auf den Weg. Na, kann das was?

  

  

Türkis, türkis, türkis sind alle meine Kleider …

Nachdem ich letztes Mal erzählt habe, dass ich mich mit der Entscheidung schwer tue, was ich im Urlaub stricken will, habe ich eine recht impulsive Entscheidung getroffen und zwei Projekte eingepackt. Erst als ich sie im Urlaubsort wieder ausgepackt habe, ist mir aufgefallen, dass sie beide türkis/petrolig sind. Lustigerweise habe ich erst am Vorband noch einen Pullover abgekettet, der ebenfalls viel Türkis mit drin hatte. Ist Türkis meine Farbe des Sommers?

Das dunklere der beiden Projekte ist eine Art Hybrid aus zwei verschiedenen Strickmustern. Hier sehr ihr das Teil in etwas fortgeschrittenerem Zustand, wenn auch noch ohne Ärmel:

 

Der Kragen gehört zum Aden von Ankestrick. Das saubere Bündchen mit dem Tunnelzug gefällt mir schon lange, nur dem weiteren Verlauf des Pullovers in glatt links konnte ich nie so viel abgewinnen. Aber dann bin ich über den Shellseeker von Heidi Kirrmaier gestolpert, dessen Bauchtasche mir total gut gefällt, der Kragen aber wiederum nicht. Da beide Pullover für recht ähnliche Maschenproben geschrieben wurden, ließen sie sich sehr einfach vereinen: Vom Kragen bis zur Ärmelabnahme Aden, weiter bis zum Bündchen Shellseeker. Nur die Taillierung musste ich selbst austüfteln, der Shellseeker ist in dieser Hinsicht eher das Modell Kartoffelsack.

Das Garn ist die Lana Grossa 365 Cashmere, zu dem ich mir noch keine richtige Meinung gebildet habe. Es fühlt sich sehr weich an, hebt Schludereien in der Fadenspannung aber gnadenlos hervor. Schauen wir mal, wie würdevoll es altert – davon hängt mein Gesamturteil dann wohl in erster Linie ab.

Das hellere der beiden Projekte ist tatsächlich ein zweiter Whippet, diesmal aus Holst Coast. Es irritiert mich sehr, dass mir das Stricken so viel Spaß macht, nachdem ich gerade erst zähneknirschend einen fertig gestellt habe. Aber wie schon erwähnt, es ist nicht immer alles logisch beim Stricken.

Vielleicht stricke ich diese Jacke aber auch so gerne, weil ich am ersten Modell sehe, wie toll das Ergebnis wird. Da sich der Auftritt des sonnengelben Whippet bei Lanade doch noch etwas verschoben hat, zeige ich euch hier schon mal ein Bild, das bei einem Spaziergang entstanden ist. Habt ihr eure Sonnenbrille zur Hand?

Details dann irgendwann demnächst im Lanade-Blog. Eines Tages. Vermutlich.

Entscheidungsschwierigkeiten

Ich habe heute die schöne, aber auch schwere Aufgabe zu überlegen, welches neue Projekt ich mit in den Urlaub nehme. Schön, weil neue Projekte immer aufregend und spannend sind. Schwer, weil es so gut sein muss, dass ich meine Entscheidung nicht nach zwei Tagen bereue und dann nur noch verbittert vor mich hin stricken kann. Soll ich meinen angefangenen Pullover mitnehmen? Nee, auf den habe ich schon die letzten drei Wochen keine Lust gehabt. Soll ich ein Tuch stricken? Puuh, ich weiß nicht … Soll ich diese eine Strickjacke endlich anfangen? Würde ich gerne, aber was ist, wenn sich das Muster als Katastrophe entpuppt?

Als ich die Problematik meinem Mann erklärt habe, rief er sofort: „Ich weiß, was du stricken kannst!“

„Was denn?“ fragte ich hoffnungsvoll.

„Einen Bikini!“ antwortete er freudestrahlend.

Ah. Danke.

Diese Vorstellung von einem Strickbikini hat sich irgendwie bei ihm festgesetzt, seit ich zum ersten Mal eine Stricknadel in die Hand genommen habe. Alle Versuche ihm zu erklären, dass Wolle kein geeignetes Material für Bademode ist, auch Baumwolle nicht, dass ein gestrickter Bikini nach Wasserkontakt alles andere als schön aussieht, dass auch Häkelbikinis zuletzt vor schätzungsweise 300 Jahren modisch waren und ich lieber in einen lebendigen Aal gewickelt am Strand liegen würde als in so einem Ding – vergebens!

Und so haben wir immer wieder die Bikini-Diskussion, vergessen sie aber eigenartigerweise beide nach einiger Zeit wieder vollständig, so dass sich die oben beschriebene Szene in regelmäßigen Abständen wiederholt: Er verkündet, er habe die perfekte Idee für mein nächstes Strickprojekt, ich rufe mit großen Augen „eeeeecht?“ und die Antwort lautet natürlich: „Na klar, einen Bikini!“ Das muss irgendwas mit bedingungslosem Vertrauen in den guten Willen des Partners zu tun haben. Man könnte ein Postkartenmotiv daraus machen: Liebe ist … daran glauben, dass er eines Tages einen konstruktiven Vorschlag für mein nächstes Strickprojekt macht. Oder: Liebe ist … daran glauben, dass sie eines Tages endlich einen Bikini strickt. Wir haben beide die Hoffnung noch nicht aufgegeben, vielleicht sind wir deshalb schon so lange glücklich verheiratet.

Ich muss aber der Fairness halber sagen, dass meine Entscheidungen dann letzten Endes auch nicht sehr viel rationaler sind als die Bikini-Phantasien meines Mannes. Zum Beispiel habe ich bei der Arbeit an meiner Häkeldecke für Lanade oft heftig mit den Zähnen geknirscht, weil ich viel lieber etwas aufregendes Neues anfangen wollte, statt nun das zwölfundrölfzigste Häkelquadrat zusammenklöppeln zu müssen. Kaum war ich fertig, kam mir die Decke aber vor wie das beste Ding auf Erden schlechthin und ich habe sofort mit der nächsten Häkeldecke angefangen.

Meint ihr, ich würde diesmal weniger über die vielen Häkelquadrate stöhnen? Nein, ich stöhne vermutlich sogar noch mehr, weil ich mir das zum zweiten Mal antue. Meint ihr, ich würde meine Entscheidung bereuen? Nein! Weil rationales Denken eben nur bis zu einem bestimmten Punkt reicht, wenn es um Wolle geht. Vielleicht sogar nur so weit, wie es nötig ist, um noch vor sich selbst als vernünftiger Erwachsener durchzugehen. Als jemand, die überlegt Wolle kauft und effizient ihre Projekte plant – aber unter dieser Fassade ist alles nur ein großer Kindergeburtstag mit einem riesigen Bällebad aus Wollknäulen. Und genau so sollte es doch auch eigentlich sein, oder?

Mein Favorit für mein Urlaubsprojekt ist mittlerweile ein Cardigan, den ich gerade eben erst unter großem Gefluche aus Madelinetosh Prairie gestrickt habe (den Bericht dazu könnt ihr aller Voraussicht nach ab Dienstag Freitag auf dem Lanade-Blog lesen), nämlich der Whippet von Ankestrick. Oder vielleicht doch einen Strickbikini.

Schneckenstrick

Es ist ganz eigenartig in der letzten Zeit: Ich stricke und stricke, aber irgendwie passiert einfach nichts. Was vermutlich daran liegt, dass ich mit unglaublich feinem Garn stricke, nämlich Madelinetosh Prairie. 

Lace-Garn ist was für Leute, die viel Zeit, viel Geduld oder viel Freude an Selbstquälerei haben. Ich habe eigentlich nichts von den dreien und bin deshalb ein wenig irritiert, wie ich eigentlich auf die Idee gekommen bin, einen ganzen vermaledeiten Cardigan aus Lacegarn anzufangen. Ich erinnere mich nur noch, dass Caro mir schrieb, bei Lanade gäbe es jetzt auch Madelinetosh Prairie. Danach habe ich irgendwie eine Erinnerungslücke. Und das nächste, was ich wieder weiß, ist dass ich auf dem Sofa saß und etwa 2000 Maschen Madelinetosh Prairie auf der Nadel hatte. Schöne Farbe immerhin. Ich zeige das fertige Stück dann irgendwann im Sommer. 2019!

Restlos begeistert bin ich derweil von den neuen Plastiknadeln von Prym. Nachdem ich sie auf der Messe in Köln ausprobieren durfte, habe ich mir direkt ein paar Nadelspiele mit diesen knubbeligen Spitzen zugelegt und bei verschiedenen Projekten ausprobiert. Selbst Lacemuster mit mehrfachen Abnahmen und Überzügen funktionieren damit hervorragend. Wenn man sehr fest strickt, könnte es vielleicht schwierig werden, mit der verdickten Spitze durch mehrere Maschen zugleich zu kommen. Für mich als Lockerstrickerin sind sie aber super. Und der Kunststoff ist der angenehmste, der mir bisher bei Stricknadeln untergekommen ist. 

Es ist da!

Es ist so weit: Mein Buch ist bei Amazon & Co. erhältlich!

Vorerst nur als eBook, vielleicht kommt später noch eine Taschenbuchausgabe hinzu. Ihr findet es hier bei Amazon, aber natürlich auch bei anderen Buchhändlern wie Thalia.

Für wen ist dieses Buch? Für jeden, der schon immer gern zeichnen, malen, schreiben oder sonstwie kreativ sein wollte, sich aber nie so richtig getraut hat. Für jeden, der bereits zeichnet, malt, schreibt oder anders kreativ ist, aber sich gehemmt fühlt. Dass es sehr vielen Menschen so geht, zeigen mir immer wieder zwei Dinge: Erstens das Sätzchen „Ich wünschte, ich könnte auch so zeichnen (schreiben, stricken, etc.)!“ das so viele Menschen fast schon mantrahaft herunterleiern, sobald sie jemanden sehen, der seine Kreativität auslebt. Und zweitens der unglaubliche Erfolg, den Blankobücher á la Moleskine, Leuchtturm und Paperblanks seit Jahren haben. So ziemlich jeder mag diese kleinen Notizbücher, fast jeder besitzt eins, aber kaum jemand hat mehr als die ersten paar Seiten gefüllt.

Und das ist genau der Punkt, an dem mein Buch ansetzt. Hier die ersten Sätze aus der Einleitung:

Gehörst du auch zu den Leuten, die in Buchhandlungen und Schreibwarenläden von diesen hübschen Notizbüchern magisch angezogen werden? Du weißt schon, welche ich meine: handliches Format, elegant abgerundete Kanten, Gummibandverschluss, manche in zeitlosem Schwarz, manche mit wundervollen Umschlagmotiven. Im Inneren haben sie leere Seiten, die nur auf dich gewartet zu haben scheinen. Du kaufst das Buch, trägst es mit klopfendem Herzen nach Hause, malst dir aus, womit du das Buch füllen wirst – aber wenn du dann zuhause bist, findest du einfach den Anfang nicht. Nichts scheint dir gut genug, um dieses schöne Buch zu entweihen. Alles, was du schreiben, zeichnen, gestalten könntest, kommt dir mit einem Mal lächerlich vor. Und somit wandert das Notizbuch in eine Ecke des Bücherregals, aus der es niemals mehr herauskommt, und in der vielleicht schon viele unberührte Bücher dieser Art stehen.

Ich möchte dir Wege zeigen, diese Bedenken zu überwinden und deine Notizbücher mit kreativen, bedeutsamen Dingen zu füllen, die du noch in vielen Jahren gerne durchblättern wirst. Und noch mehr als das: Ich möchte dir beibringen, in jeder Hinsicht ein kreativeres Leben zu führen. Denn ich bin überzeugt davon, dass die verstohlene Sehnsucht, mit der du dich zu Blankobüchern hingezogen fühlst, ein Ruf deines Herzens nach mehr Kreativität ist. Denn noch bevor du mit deinen Bedenken und Selbstzweifeln jede weitere Entfaltung im Kern erstickst, ist da ein Teil von dir, der in den leeren Seiten des Notizbuches eine Einladung sieht, alles zu sagen, zu zeichnen, zu malen, zu gestalten, was du willst. Dieser Teil von dir hat all die Jahre überlebt, trotz allen „Das will doch keiner hören“ und trotz jedem „Ich bin da nicht gut drin“. Dieser Teil sagt in dem Moment, in dem du das Notizbuch in die Hand nimmst, ganz leise: „Was ich denke und fühle ist wichtig!“ Und diese Stimme hat Recht, es ist wichtig. Ich bin überzeugt davon, dass Kreativität nichts ist, was nur wenigen Auserwählten und mit Talent begabten zusteht, sondern eine universelle Sprache des Herzens ist, die jeder von uns entwickeln kann. Und ich bin überzeugt davon, dass ein kreativeres Leben ein erfüllteres, glücklicheres Leben bedeutet. Kreativ sein bedeutet, mehr man selbst zu sein, ein authentischeres Leben zu führen, enger mit der Welt verbunden zu sein, intensiver zu leben.

Ich hoffe sehr, dass mein Buch dem einen oder anderen von euch weiterhilft!