Alpaka? Das ist sooo 2016!

Ich glaube manchmal, ich habe so eine unsichtbare kleine Fee, die mir Ideen eingibt, was ich tolles stricken könnte, welche Farben ich nehmen könnte, welche Garne sich gut kombininieren lassen und so weiter. Das Gute daran ist, dass ich immer Lust auf Stricken habe und immer ein Projekt auf meiner Warteliste (oder auch schon mal zehn). Die negative Seite besteht darin, dass meine Strickinspirations-Fee das Gemüt einer pubertierenden Fünfzehnjährigen hat.

Oh. Mein. Gott. Ich MUSS das DK-Garn von fairAlpaka haben. Das ist meeega weich!

Also kaufe ich das DK-Garn von fairAlpaka. Welche Farbe?

Ist doch egal, hast du die Holst Noble schon gesehen? Die ist mit Kaschmir! Hammer!

Klar, ich kaufe dir Holst Noble.

Weißt du, was total gut aussehen würde? Dieser eine Pullover von Joji mit den Laceärmeln aus Drops Belle in diesem schönen Gelb! Stricken wir den? Jetzt gleich? Ey, bitte!

Wollen wir nicht erstmal die Holst verstricken? Oder die fairAlpaka?

Alpaka? Hallooho, wir haben März! Und wer hat eigentlich diese Farbe ausgesucht?

Und so geht es endlos weiter, bis ich in Wolle ertrinke, pleite bin oder erzieherische Maßnahmen ergreife. Wenn es nach meiner Strickmuse geht, ist nämlich immer das nächste Projekt das interessanteste, und jedes Projekt, für das ich Wolle im Haus habe, das uninteressanteste.

Andererseits will ich mich und meine Strickmuse ja auch nicht durch ein Projekt zwingen, das keinen Spaß macht. Deshalb haben wir diesmal folgenden Kompromiss gefunden: Damit endlich dieser unselige Bestand fairAlpaka DK in Natur verschwindet, den ich jetzt schon zweimal erfolglos in Angriff genommen habe, habe ich nochmal Geld investiert und eine zweite Farbe des gleichen Garns angeschafft:


„Flieder“ heißt dieses schön stumpfe Violett und passt so gut zum naturfarbenen Garn, dass sogar meine launische kleine Strickinspirations-Fee sich wieder für das olle Zeug begeistern kann. Wenn dieses Mal alles gut geht, entsteht daraus der Drijfhout von Isabell Kraemer. Der Anfang hat sich auch schon fast von selbst gestrickt:


Jetzt versuche ich ihn schnell fertig zu kriegen, bevor meiner Strickinspirations-Fee wieder das gelbe Drops-Garn einfällt und bevor es zu warm für Alpaka wird. Ich meine: Hallooho? Wir haben März!

Ganz schön mysteriös!

Oh Mann, da habe ich mir was eingebrockt mit dem Mystery Knit Along von Stephen West.

Was ein Mystery Knit Along ist, lässt sich am besten so beschreiben: Stell dir vor, du bist 5 Jahre alt und auf einem MacDonalds-Kindergeburtstag eingeladen. Gefühlte fünfzig Kinder wurden mit fünf Litern koffeinhaltiger Limo und fünfhundert bunten Bällen in einen kleinen Raum gesteckt und sich selbst überlassen. Plötzlich kommt dir die fabelhafte Idee, dir zwei Pommes in die Nasenlöcher zu stecken und derart geschmückt die allgemeine Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen. Und in dem Moment, in dem sich die aufgedrehte Kinderschar auf dein „guckt mal, guckt mal, guckt mal!“ zu dir umdreht, wird dir klar: Gleich bist du entweder das coolste Kind oder der größte Depp im Raum. Vielleicht sogar beides gleichzeitig.

Genau so geht es mir gerade mit dem M-KAL von Stephen West. „Marled Magic“ heißt das Ding, von dem ich absolut keinen Schimmer habe, was es am Ende sein soll. Ich nehme an, ich werde es mir irgendwie um den Hals hängen können. Aber das empfiehlt Stephen West ja bei allen seinen Kreationen, den Wollschlüpper vermutlich nicht ausgenommen. Als mein Mann meinen „Marled Magic“ gesehen hat, hat er sofort „Ah, Stephen West?“ gesagt – jawohl, so schlimm ist es.

Spaß macht es immerhin. Immer zwei Fäden werden zusammen verstrickt, was mir die Möglichkeit gibt, eine Menge Restgarne zu verbrauchen. Auf der anderen Seite muss ich immer wieder gegen die berühmte Stricker-Reue ankämpfen: Vielleicht fällt mir ja eines Tages noch ein besseres Projekt für dieses Garnrestchen ein? Und dann ist es weg, gefressen von Stephen West!

Also gut, Augen zu und durch. Schließlich besteht die Möglichkeit, dass ich hinterher das coolste Kind im MacDonalds bin.

Der Frühling wird bunt!

Ach Kinder, es wird Frühling. Die Vögelchen zwitschern, die Blümchen sprießen, die Bäumchen grünen und in meinem Wollschrank wachsen auch allerlei bunte Neuheiten. Dieses Gewächs hier beispielsweise:

Dieses Schätzchen vom Mondschaf komplettiert endlich mein Duo, das schon seit Ewigkeiten nach einem dritten Strang für ein schönes Tuch sucht:


Von links nach rechts: Mondschaf Merino Singles „Aurora“ in Lila, Madelinetosh Tosh Merino Light in „Laurel“, Hedgehog Skinny Singles in „Pistacchio“. Die werden jetzt ein „Goldfish Memory“ von Casapinka – eine fantastische Anleitung für Leute mit unverplanten Einzelsträngen und wenig Lust auf eintönige Tücher.


Bild: Casapinka

Nachdem ich gefühlt Ewigkeiten kein Tuch mehr gestrickt habe, bin ich jetzt wieder total im Fieber. Bei Ravelry springen mir ständig Muster ins Auge, bei denen sich Einzelstränge handgefärbter Garne in Sockenwollstärke kombinieren ließen. Wollt ihr mal ein paar sehen? Die folgenden Bilder sind alle von den DesignerInnen (so schnell stricke ich dann ja auch wieder nicht).

Beata Jezek ist nicht nur die Mami der wundervollen Hedgehog-Garne, sondern auch Schöpferin vieler toller Anleitungen, die man mit ihren Garnen umsetzen kann. „Shockwaves“ wurde für vier Stränge buntes Garn geschrieben und begeistert mich maßlos. Ach ja, und es ist gratis!


„Lilli Pilli“ von Ambah O’Brien steht schon lange auf meiner Strickliste und war auch die ursprüngliche Wahl für meine beiden Grünlinge, bis der Goldfish Memory dazwischenkam. Beide Tücher haben eine Parallelogramm-Form (nennt man das so?), die ich viel lieber trage als Dreieckstücher. Bei Dreieckstüchern habe ich immer das dumme Gefühl, einen Schlabberlatz zu tragen. Beim Lilli Pilli könnte man das wiederholende Lace-Stück auch immer in einer anderen Farbe stricken und so ein paar Reste aufbrauchen, denke ich mir.


Und dann gibt es da natürlich noch den MKAL von Stephen West, der nächste Woche startet. Ich finde, Stephens Mystery Knit-Alongs sind immer so eine Überraschungstüte – manche ergeben hinterher etwas, was ganz großartig aussieht, und manche sehen am Ende aus wie etwas, was man aus dem Altkleidercontainer gezogen hat. Beim letzten Mal war ich sehr froh, dass ich nicht mitgemacht habe. Dieses Mal habe ich mich auch standhaft geweigert. Aber dann habe ich mir Stephen Wests Musikvideo zur Aktion angesehen und plötzlich war ich angemeldet und hatte passende Garne bestellt. Er hat hypnotische Kräfte! Seht selbst – aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

Verkürzte Reihen Teil 5: Japanese Short Rows

Jawohl, ich habe sie nicht vergessen, die fünfte Technik für verkürzte Reihen! Schon seit Wochen und Monaten habe ich mir vorgenommen, die japanische Technik kennen zu lernen. Aber dann war ich von den Shadow Wraps so begeistert, dass ich dachte, besser kann die ganze Kiste nicht mehr werden. Per Zufall bin ich dann von einer Anleitung mit der Nase auf die Japanese Short Rows gestoßen worden und siehe da: Es geht doch noch besser!

Die japanische Variante ist unglaublich simpel, leicht zu stricken und verschwindet unsichtbar im fertigen Gestrick. Die habens echt drauf in Japan! Einziger Knackpunkt: Man braucht einen offenen Maschenmarker dafür. Zur Not tuts aber auch eine Büroklammer oder eine Sicherheitsnadel. Mit etwas Übung kommt man dann vermutlich auch irgendwann ohne Hilfmittel aus, für den Anfang sollte man aber auf jeden Fall einen kleinen Helfer zur Hand haben.

So geht’s:
Zuerst strickt ihr wie immer bis zu dem Punkt, an dem die verkürzte Reihe enden soll.

Jetzt dreht ihr die Arbeit um und hebt die erste Masche der linken Nadel ungestrickt auf die rechte Nadel. Das war auch schon die ganze Wendemasche! Einfach, gell?

Hier kommt der Maschenmarker ins Spiel. Ihr hängt ihn in den Arbeitsfaden ein und strickt dann die Reihe zurück. Achtet darauf, dass der Marker auf der Seite der Arbeit hängt, die später die Rückseite bildet.

Wenn ihr das nächste Mal in der Hinreihe an diese Stelle kommt, werdet ihr zwischen der Wendemasche und der ersten Folgemasche eine fette Lücke sehen. Bleibt das etwa so?! Natürlich nicht. Die machen wir jetzt zu.

Dafür zieht ihr jetzt an dem Maschenmarker, den ihr vorhin eingehangen habt, eine Schlaufe auf die linke Nadel. Achtet darauf, dass die Schlaufe die gleiche Orientierung hat wie die folgende Masche, also nicht verdreht wird. Den Maschenmarker könnt ihr dann abnehmen und in einer Sofaritze verlieren, so mache ich das auch immer.

Jetzt die Schlaufe mit der nächsten Masche zusammen abstricken und die Sache ist geritzt!

Tadaa: Eine wunderschöne verkürzte Reihe ohne das geringste Loch oder Knötchen.

Diese Technik funktioniert bei glatt links und kraus rechts ganz genauso, im Falle von glatt links werden dann Schlaufe und Masche natürlich links zusammengestrickt. Ihr müsst lediglich darauf achten, dass die Schlaufe aus der Wendemasche hinterher hinter der Masche zu liegen kommt, mit der sie zusammengestrickt wird. Dafür müssen Schlaufe und Masche einmal kurz Plätze tauschen, so dass die Schlaufe links von der Masche liegt. Das Schöne ist aber, dass man sofort sieht, ob man es richtig gemacht hat. Diese Technik ist daher definitiv mein neuer Favorit!

Die vier übrigen Techniken von verkürzten Reihen, die ich bisher vorgestellt habe, findet ihr hier. Und wen es interessiert: Die im Beispiel verwendeten Garne sind Madelinetosh Merino Twist DK in „Baltic“ als Grundfarbe und Malabrigo Merino Worsted in „Water Green“ für die verkürzte Reihe.

Kennt ihr noch mehr Techniken für verkürzte Reihen? Vielleicht geht es ja doch noch eleganter als mit der Japanischen?

Nachtrag:
Nachdem ich jetzt diese Stricktechnik bei mehreren Projekten angewendet habe, möchte ich noch zwei wichtige Punkte ergänzen.

1. Man sollte sich im Vorhinein klar machen, wie viele verkürzte Reihen da auf einen zukommen. Mein aktuelles Projekt formt einen schräg abfallenden Saum mit gefühlt 50 verkürzten Reihen. Nach der 5. Reihe bin ich von Japanese Short Rows auf Shadow Wraps umgestiegen, weil ich mehr Maschenmarker angesammelt habe als Weihnachten Kugeln am Baum hängen.

2. Es ist wichtig zu beachten, welche Technik die Anleitung ursprünglich für verkürzte Reihen vorsieht. Bei z.B. der klassischen Technik mit Doppelmaschen steht in der Anleitung oft „bis 2 Maschen vor letzter Doppelmasche rechts stricken, dann wenden und Doppelmasche arbeiten“ – jede verkürzte Reihe ist damit 3 Maschen kürzer als die vorherige (2 Maschen + Doppelmasche). Bei einer Technik wie den Japanese Short Rows aber gibt es keine explizite Wendemasche, so dass man jede verkürzte Reihe nur 2 Maschen kürzer als die Vorreihe strickt, wenn man sich an die Anleitung hält. Das verändert u.U. Form und Länge des Strickstücks!

Heute ist Waschtag!

Mir ist neulich etwas klar geworden: Ich habe noch nie eins meiner selbstgestrickten Kleidungsstücke in die Waschmaschine gegeben.

Dahinter steht eine ganz irrationale Angst, dass die Waschmaschine meinem Strickstück etwas ganz schlimmes antun könnte. Und das, obwohl die Maschine ja auch nichts wesentlich anderes macht als ich, wenn ich meine Sachen von Hand wasche. Und das, obwohl ich meine Stricksocken ohne zu zögern in die Kochwäsche gebe und sie jedes Mal heil zurückbekomme. Aber Pullover und Strickjacken? Nee. Wer weiß, ob die Waschmaschine die nicht vernichtet?!

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Was natürlich Quatsch ist, solange man das passende Waschprogramm für das Strickstück verwendet und es nicht übertreibt. Nachdem ich von immer mehr Strickerinnen glaubhaft versichert bekommen habe, dass all ihre Strickstücke die Wäsche überleben und dadurch zum Teil sogar noch weicher und schöner werden, habe ich mir ein Herz gefasst und ihn gewagt, den schweren Gang zur Waschmaschine.

Verwendet habe ich das Bio-Wollwaschmittel von Sonett. Das Billigwaschmittel aus der Drogerie, das ich bisher für die Handwäsche im Waschbecken verwendet habe, war zwar schön rosa, roch aber so aufdringlich nach Seife, dass ich schon länger etwas Neues gesucht habe. Über Sonett wurde dann unter Strickerinnen auf Facebook so geschwärmt, dass ich mir ein Fläschlein bestellt habe. Das enthaltene Olivenöl soll rückfettend und besänftigend wirken. Klingt doch gut!

Meine Testobjekte waren drei Pullover mit verschiedenen Garnen, zwei davon gehören zu meinen absoluten Lieblingspullovern. Du bist besser gut zu ihnen, Waschmaschine!

Für den ersten Test habe ich vorsichtig angefangen: Programm Handwäsche mit nur 400 Umdrehungen, kein Schleudern, keine wollevernichtende Salzsäure und dergleichen. Wäsche und Waschmittel rein, anstellen, beten, nach 45 Minuten aufmachen: Die Pullover sind noch da. Puh! Dann mal ab auf den Wäscheständer damit.

Am nächsten Morgen Kontrolle. Schock! Die Ärmel und das Kragenbündchen des ersten Pullovers, den ich in die Hand nahm, waren steinhart geworden! Wie konnte das sein?! Gestocktes Olivenöl? Extremverfilzung? Mein geliebter Pullover, was habe ich dir angetan?!
Dann wurde es mir klar. Der Wäscheständer stand auf der Terrasse und es war in der Nacht sehr kalt gewesen. Die tropfnasse Wäsche war angefroren. Tätää! Ende des Dramas, rein mit dem Wäscheständer.

Nach einer weiteren Nacht (diesmal innerhalb des Hauses) waren die Pullover dann aufgetaut und getrocknet und bereit für ein erstes Fazit.

Testobjekt 1: Drops Flora + Merinogarn

Die Flora meines selbstentworfenen Streifenpullovers ist ja mit 65 % Schurwolle und 35 % Alpaka an sich schon recht weich, ist aber vielleicht noch mal einen Ticken weicher aus der Waschmaschine gekommen. Auf jeden Fall hat das Garn trotz fehlender Superwash-Ausrüstung in keiner Weise gelitten. Top! Die türkisen Streifen haben sich nicht fühlbar verändert. Ich nehme an, weicher kann Merino halt nicht werden.

Testobjekt 2: Holst Supersoft

Mein geliebter Holsten aus Holst Supersoft. Die dünne Shetland-Wolle ist sehr rustikal und fühlt sich beinahe kratzig an, ist aber eigenartigerweise total angenehm auf der Haut zu tragen. Viele Leute haben mir erzählt, dass das Garn kuschelweich werden würde, wenn man es in die Waschmaschine wirft, aber aus meiner Waschmaschine ist der Pullover praktisch unverändert hervorgegangen. Immerhin keine Verschlechterung.

Testobjekt 3: Drops Alaska

Ihr erinnert euch vielleicht noch an das Resultat der großen Farbabstimmung, die ich mal mit euch veranstaltet habe. Der Pullover aus Drops Alaska ist auch sehr schön geworden, durch die recht rustikale Schurwolle aber naturgemäß leicht kratzig und kurz darauf bei dem Versuch, ihn mir willfährig zu machen, dem großen Lanolin-Desaster zum Opfer gefallen. Dieses Teil hat in der Waschmaschine eindeutig profitiert: Das Garn ist spürbar weicher und geschmeidiger geworden! Leider fühle ich gerade im dicken Zopfmuster am Kragen noch diese leicht schmierigen Lanolin-Rückstände, so dass ich den Pullover nochmal in die Maschine geben werden, diesmal mit Schleudergang und allem. Mal sehen, was er dazu sagt!
Das Ergebnis freut mich aber in jedem Fall, denn ich habe noch einen kleinen Alaska-Vorrat und eine zugehörige schöne Strickidee, die ich jetzt guten Gewissens umsetzen kann.

Wie sind eure Erfahrungen mit Strickstücken in der Waschmaschine? Habt ihr noch Tipps für mich?